Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Историческая проза » Aus dem Nichts ein neues Leben
Aus dem Nichts ein neues Leben - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Aus dem Nichts ein neues Leben

Электронная книга - «Aus dem Nichts ein neues Leben». Краткое содержание книги:

Bei Kriegsende 1945 verschlägt es die Kurowskis nach der Flucht aus Ostpreußen in den» westlichen Teil<. Man hat alles zurücklassen müssen: die Heimat, den gesamten Besitz, die Familie mußte sich eine neue Existenz schaffen, die Schuhwerkstatt hatte zu Hause die Familie gut ernährt. Vater Kurowski ist noch vermißt, die Mutter hat drei Kinder zu versorgen. Man hält zusammen: der Schwager Paskuleit, der Großvater, der Geselle Busko und auch der Pfarrer des Heimatdorfes sind mit von der Partie. So ist da, in der neuen Welt, noch eine kleine Gemeinschaft von Freunden, auf die man sich verlassen kann. Menschen, mit denen man ein gemeinsames Schicksal hat.»Organisieren hieß die Devise damals. Man organisierte das Notwendigste. Das hält fürs erste die Familie über Wasser. Schließlich, ein paar Jahre später, floriert die neue Werkstatt und das Schuhgeschäft. Endlich kommt der Vater aus russischer Gefangenschaft zurück und packt mit an. Politische Schwierigkeiten stellen sich in den Weg und sind mit List und Schläue zu meistern. Busko zieht sogar in den Bundestag ein. Die Kurowskis klettern die Erfolgsleiter empor, bringen es mit Ausdauer und Fleiß zu Haus und Geschäft und schließlich wächst das Familienunternehmen zu einem Schuhkonzern. Fast könnte man sagen, Kurowskis sind des Wirtschaftswunders liebste Kinder. Der Reichtum zeigt freilich auch seine Kehrseite: am Ende erfüllen nicht alle Kinder die hochfliegenden Pläne ihrer Eltern.
1 ... 13 14 15 16 17 18 19 20 21 ... 42
Перейти на страницу:

Opa Jochen übernahm schon am dritten Tag das Kommando in der Zelle. Zunächst brüllte er so gewaltig, daß zwei Wärter herbeistürzten und die Tür aufrissen, voll Angst, jemand würde wahnsinnig.»Was is das, he?«schrie Kurowski.»Nur zwei Eimer für sechzehn Mann zum Scheißen?! Jungchen, wir lackieren euch die Wände, wenn hier nicht bald mehr Eimer erscheinen!«

So ging das eine Woche lang. Wenn aus Zelle 23 Opa Jochens Gebrüll ertönte, zogen die Wärter die Köpfe in die Schultern und versuchten, sich taub zu stellen. Plötzlich hörte der wilde Riese aus Ostpreußen auf, — dafür hämmerten dreißig Fäuste gegen die Tür und die Wände und schrien fünfzehn Kehlen im Chor:»Einen Arzt! Einen Arzt! Sanitääääter!«

Ganz still, ohne einen Laut war Kurowski auf seiner Pritsche zusammengebrochen. Busko begann zu weinen wie ein Kind, rüttelte ihn, hob die Augenlider des Alten, sah die verdrehten Augäpfel und fiel vor der Pritsche auf die Knie.»Opa!«rief er.»Opa, mach keenen Quatsch! Opa! So'n Theater sollste nich machen — «

Als der britische Gefängnisarzt erschien, war Joachim Kurowski tot. Er hatte nichts davon gemerkt. der Arzt versuchte es zu erklären: Irgendeine Ader im Gehirn war geplatzt. Aus.

«Er hat sich zu Tode jebrüllt!«sagte Franz Busko.»Mein Jott, wird uns der Ton fehlen — «

«Jetzt müssen wir 'raus aus dem Schneckenhaus«, sagte Paskuleit, als Pfarrer Heydicke die traurige Nachricht überbrachte.»Wir können Opa doch nicht als namenlosen Toten verscharren lassen. Ganz gleich, was folgt… ich hol ihn ab! Ich werd sagen, der Opa hat schon immer so Sachen gemacht. War plötzlich weg… und so haben wir uns dran gewöhnt.«

Die britischen Behörden, fern aller Bürokratie und verwundert auf die sich langsam erholende deutsche Verwaltung blickend, die wieder gut geölt mit Paragraphenschmier Stück für Stück der preußischen Gründlichkeit zurückeroberte, hatten kein Interesse daran, den toten Alten zu behalten und zu begraben. Als Paskuleit Opa Jochens Ausweis mit Lichtbild vorlegte, sich als Schwager der Familie Ku-rowski ausgab und die Leiche für ein schönes christliches Begräbnis erbat, händigte man ihm Opa Jochen aus, eingerollt in eine alte Militärzeltbahn. Auf dem Rücksitz des Opel P 4 holten Paskuleit und Felix Baum den alten Kurowski heim in die neue Werkstatt. Dort bahrte man ihn auf, tauschte gegen vier Reifen einen Sarg ein, Pfarrer Heydicke segnete den Toten ein, und dann wurde Joachim Kurowski auf dem Friedhof Lübeck-Süd begraben. Er kam damit in deutsche Verwaltung, erhielt eine Nummer und eine auf Quadratzentimeter berechnete Grube. Paskuleit schnitzte ein schönes Holzkreuz mit dem Wappen von Adamsverdruß.

Es war der Anlaß zum ersten Krach mit der deutschen Friedhofsverwaltung, die der Ansicht war, ein Stadtwappen gehöre nicht auf ein Grab, auch nicht in Verbindung mit einem Kreuz.

«Wer das Kreuz anrührt, dem schlage ich hundert Schuhzwecken in den Schädel!«brüllte Paskuleit.»Ist das klar?«

Die Adamsverdrusser, die das Grab umstanden, lächelten trotz des trüben Tages nach innen: Opa Jochen hatte einen Nachfolger bekommen. Der Ton von Adamsverdruß starb nicht aus.

Wer arbeitet, täglich vierzehn Stunden, und sich und eine Frau und drei Kinder aus dem Dreck zieht, vergißt, wie schnell die Zeit rennen kann.

Julia Rambsen hatte mit ihrem Hengst >Goldener Sommer< Lübeck verlassen. Im Westfälischen, bei Borghorst, hatte sich ein Gutsbesitzer gemeldet, der früher einmal mit den Rambsens in Verbin-dung gestanden hatte und von ihnen Trakehnerpferde kaufte. Jetzt holte er Julia zu sich und bot ihr für >Goldener Sommer< Stall und Weiden an. Von Gottfried Rambsen hatte man nicht wieder gehört, ebensowenig wie von Ewald Kurowski. sie waren im großen Schmelztiegel des Krieges verbrannt, ohne Rückstand, nicht mal ein Korn Asche war von ihnen geblieben.

Felix Baum —»Gott ist wirklich ein guter Mann!«sagte Paskuleit — bekam trotz seiner Vergangenheit eine Stelle als Amtsbote in Ratzeburg und schied mit Tränen. Franz Busko, wegen guter Führung schon nach einem halben Jahr entlassen, fand seine Erinnerung wieder und tauchte plötzlich in der Werkstatt auf, holte seine lederne Schürze vom Haken, setzte sich auf seinen Schemel und sagte zu Paskuleit:»Meester, die Absätze übernehme ick wieder.«

Pfarrer Heydicke erhielt eine Pfarrei in Kiel, vier andere Familien aus dem Dorf fuhren mit überfüllten Zügen nach allen Winden fort zu entdeckten Verwandten.»So zerplatzt Adamsverdruß — «, sagte Paskuleit, als Heydicke als letzter sich verabschiedete.»Wir bekommen es nie wieder zusammen.«

«Warum auch?«Heydicke schüttelte langsam den mächtigen Kopf.»Es kommt eine neue Zeit, Paskuleit. Wir werden hier Wurzeln schlagen, die Kinder sind schon eingewachsen, das geht so schnell. Adamsverdruß — das wird ein Märchen werden, und in zwei Generationen will auch das keiner mehr hören.«

«Die Kurowskis immer, Herr Pfarrer!«

«Auch die Kurowskis nicht, Paskuleit. Warten Sie ab. wenn Ludwig, Peter und Inge so alt sind wie wir, wird Ostpreußen ein Name auf der Landkarte sein, aber nicht mehr die Heimat, um die man Blut vergießen könnte.«

«Das ist undenkbar, Herr Pfarrer.«

«Es wird die natürliche Entwicklung sein, Paskuleit. Wir haben den Krieg verloren, und zwar so gründlich, daß auch der alte deutsche Revanchistengedanke endgültig zertrümmert sein sollte.«

Paskuleit hatte keine Zeit, darüber nachzudenken. Ludwig besuchte jetzt das Gymnasium und lernte Latein und Mathematik, Peter kam in die Schule und schrieb die ersten Buchstaben, die kleine Inge spielte in einem neugebauten Kindergarten, und erhielt jeden Mittag eine dicke Milchsuppe mit Rosinen von einer englischen Hilfsorganisation. Das Leben normalisierte sich, wenn man es normal nennt, daß vom Morgengrauen bis zum Abenddämmern Paskuleit und Busko in der Werkstatt hockten und Erna Kurowski mit zwei Körben Schuhe einsammelte und die besohlten Schuhe wieder austrug zu den Kunden. Aber wer rechnete damals nach Stunden? Wer leistete sich den Luxus, müde zu sein? Wer dachte an Urlaub? Hätte damals jemand gesagt:»Ich komme von der Gewerkschaft, — ihr dürft nur 40 Stunden arbeiten!«, den hätte man so lange in den Hintern getreten, bis er die Internationale auf chinesisch gesungen hätte. Wer wagte es, Forderungen durch Streiks durchzudrücken? Jeder lag irgendwie auf der Schnauze, fraß Dreck, hatte die Front, die Bombennächte, die Flucht noch in den Knochen und war glücklich, daß er überhaupt lebte.

Sommer 1947. Ein Pfund Butter kostete 350,- Reichsmark, ein Pfund Kaffee 450,- Mark. Wer noch Vorkriegsseife hatte (so welche gab es) — denn jetzt wusch man sich mit Tonseife oder mit einem qualligen Ding, das so leicht war, daß es oben auf dem Wasser schwamm —, wurde umschwärmt. Ganze Heere zogen aus den Städten über das Land und belagerten die Bauernhöfe, tauschten Teppiche gegen Käse, Klaviere gegen Speck, Schreibmaschinen gegen Kartoffeln, Waschpulver gegen Rüben, aus Stahlhelmen getriebene Töpfe gegen einen Kohlkopf Eine englische oder amerikanische Zigarette kostete 6,-Mark, — wer täglich eine rauchen konnte, gehörte zur obersten Schicht. Die berühmten Ringtäusche begannen, es gab nichts in Deutschland, was nicht reihum wanderte… wer ein Brett brauchte, fing mit einer Kaffeekanne an, für die man ein Paket Nägel bekam. Die Nägel wurden zu einem Bettvorleger, der Bettvorleger zu einer alten Stehlampe, die Stehlampe zu einer verbeulten Milchkanne, die Milchkanne (in ihr konnte man Maische zum Schwarzbrennen ansetzen) zu drei Flaschen selbstgebranntem Korn, genannt Habra, aus drei Flaschen Korn endlich wurde das gebrauchte lange Brett samt Scharnieren. hurra, man konnte eine Tür bauen!

Aus dem Ruhrgebiet fuhren nachts lange Kohlenzüge nach Belgien und Frankreich. Nacht für Nacht ratterten sie durchs Land, während im strengen Winter 1946/47 die Menschen an den kalten Öfen zitterten. Da standen dann plötzlich in der Nacht lange Reihen von Springern an den Bahndämmen und enterten die Kohlenzüge, warfen die schwarzen Brocken hinunter zu den anderen, die sie in Säcken aufrafften. Und in Köln sagte der Kardinal Frings, daß dies kein Raub sei und Gott bei den Menschen ist, die um ihr Leben kämpfen. Von da ab sagte keiner mehr:»Ich gehe Kohlen klauen«, sondern:»Ich gehe fringsen.«

1 ... 13 14 15 16 17 18 19 20 21 ... 42
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)