Wer die Wahrheit sucht
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #12
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet
- ISBN: 3-7645-0099-9
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Wer die Wahrheit sucht». Краткое содержание книги:
Simon St. James, engster Vertrauter von Chief Inspector Thomas Lynley, reist mit seiner Frau Deborah auf die winterliche Kanalinsel, um die Unschuld von China, einer alten Freundin Deborahs, nachzuweisen. Doch je tiefer sie in die verschworene Inselgemeinschaft eintauchen, desto mehr Personen entdecken sie, die dem wohltätigen Mitbürger Guy Brouard alles andere als freundschaftliche Gefühle entgegenbringen — und die auf irgendeine Weise in den Mord verstrickt sind: seine Exfrau, sein Sohn, seine Geliebte, seine Schwester, seine jugendlichen Schützlinge, der tragisch ausgebootete einheimische Architekt. Liegen die Motive in Brouards undurchsichtiger Vergangenheit? Oder reichen sie zurück bis in Guernseys wechselvolle Geschichte?
Er sah sie forschend an, lange, so lange, dass ihr neue Hitze ins Gesicht stieg.»Du hast Cherokee River sehr gern, nicht wahr?«, sagte er.
«Ich habe sie beide sehr gern. Simon, was ist geschehen? Bitte, sag es mir.«
«Das Gemälde wurde gestohlen, nicht gekauft«, sagte er und fügte in ausdruckslosem Ton hinzu:»In Südkalifornien.«
«In Südkalifornien?«Deborah wusste, dass ihre Stimme beunruhigt klang, aber sie konnte es nicht ändern, trotz der Ereignisse der letzten zwei Stunden.
«Ja. Südkalifornien. «Simon erzählte ihr die Geschichte des Gemäldes. Dabei sah er sie die ganze Zeit an, mit einem endlosen Blick, der sie zu ärgern begann, weil sie sich unter diesem Blick vorkam wie ein Kind, das seine Eltern irgendwie enttäuscht hat. Sie hasste diesen Blick — hatte ihn immer schon gehasst — , aber sie sagte nichts und ließ ihn schweigend zu Ende erklären.
«Die Schwestern vom St.-Clare's-Krankenhaus haben natürlich Vorsichtsmaßnahmen getroffen, als ihnen klar wurde, was sie da in Händen hatten, aber die reichten nicht aus. Irgendjemand hatte alles in Erfahrung gebracht oder wusste es von Anfang an: die Route, das Transportmittel und den Bestimmungsort. Es war ein gepanzerter Wagen, und die Wächter waren bewaffnet, aber wir haben es eben mit Amerika zu tun, dem Land, wo du ungehindert alles vom AK-47 bis zum Sprengstoff kaufen kannst.«
«Der Wagen wurde überfallen?«
«Als das Bild von der Restaurierung zurückgebracht wurde, ja. Ein Kinderspiel. Und so, wie die Sache aufgezogen war, hat gerade auf einer kalifornischen Schnellstraße keiner Verdacht geschöpft. «
«Wie meinst du das? Ein Stau? Straßenarbeiten?«
«Beides.«
«Aber wie haben sie es gemacht? Wie konnten sie entkommen?«
«Der Motor des Wagens überhitzte im Stau infolge eines winzigen Lecks im Kühler, wie später entdeckt wurde. Der Fahrer fuhr an den Straßenrand. Er musste aussteigen, um nach dem Motor zu sehen. Ein Motorradfahrer erledigte den Rest.«
«Vor so vielen Zeugen? Vor all den Leuten, die in den anderen Autos und Lastwagen saßen?«
«Ja. Aber was haben sie denn schon gesehen? Zunächst einen Motorradfahrer, der anhielt und einem Fahrzeug, das eine Panne hatte, seine Hilfe anbot. Später denselben Motorradfahrer, wie er sich zwischen den stehenden Fahrzeugen durchschlängelte — «
«- die ihm nicht folgen konnten. Ja. Ich kann mir vorstellen, wie es abgelaufen ist. Aber wo. Woher sollte Guy Brouard gewusst haben. So weit weg, in Südkalifornien?«
«Er war seit Jahren auf der Suche nach dem Gemälde, Deborah. Wenn ich es geschafft habe, die Story über das Bild im Internet aufzustöbern, wird ihm das auch gelungen sein. Und als er alle Informationen beisammen hatte, brauchte er nur noch nach Kalifornien zu reisen und das Geld auf den Tisch zu legen.«
«Aber wenn er nicht wusste, was für ein bedeutendes Werk es war. keine Ahnung hatte, wer der Maler war. eigentlich überhaupt nichts wusste. Simon, das heißt, dass er über Jahre sämtliche Storys in der Kunstwelt verfolgt haben muss. Über Jahre!«
«Er hatte die Zeit dazu. Und diese Geschichte war ja ganz außergewöhnlich. Ein Mann, der den Zweiten Weltkrieg mitgemacht hat, schenkt auf dem Totenbett dem Krankenhaus, das seinem Sohn als Kind das Leben gerettet hat, ein altes Bild. Das Bild entpuppt sich als ein wertvolles Kunstwerk, von dessen Existenz bisher niemand etwas ahnte. Es ist Millionen wert, und die Nonnen beabsichtigen, es versteigern zu lassen, um das Betriebskapital ihres Krankenhauses aufzustocken. Das ist ein Knüller, Deborah. Es war nur eine Frage der Zeit, wann Brouard auf die Story aufmerksam werden und etwas unternehmen würde.«
«Er ist also persönlich hinübergeflogen.«
«Um alles zu veranlassen, ja. Ausschließlich dazu. Um die notwendigen Schritte zu veranlassen.«
«Hm. «Deborah wusste, wie er ihre nächste Frage möglicherweise interpretieren würde, aber sie stellte sie trotzdem. Sie musste Gewissheit haben, weil hier irgendetwas nicht stimmte, sie spürte es. Sie hatte schon vorhin in der Smith Street das Gefühl gehabt. Und sie hatte es jetzt wieder.»Wenn das alles in Kalifornien passiert ist, wieso hat Le Gallez dann Cherokee auf freien Fuß gesetzt? Warum hat er beide — Cherokee und China — aufgefordert, die Insel zu verlassen?«
«Ich nehme an, er hat neue Spuren«, antwortete St. James.»Einen Hinweis, der eine andere Person belastet.«
«Du hast ihm nichts von dem Bild erzählt?«
«Nein.«
«Warum nicht?«
«Die Person, die dem Anwalt in Tustin das Bild zum Versand nach Guernsey lieferte, war nicht Cherokee River, Deborah. Sie hatte keinerlei Ähnlichkeit mit Cherokee River. Er hat mit der Sache nichts zu tun.«
Paul Fielder hatte die Hand noch nicht auf den Knauf gelegt, da riss sein Bruder Billy schon die Tür des Reihenhauses in Le Bouet auf. Er hatte offensichtlich auf Pauls Rückkehr gewartet. Wahrscheinlich hatte er im Wohnzimmer vor der Glotze gesessen, geraucht und sein Lager getrunken und die anderen Kinder angeschrien, sobald sie sich in seine Nähe gewagt hatten, dass sie ihn gefälligst in Ruhe lassen sollten. Und dazwischen hatte er immer wieder zum Fenster rausgeschaut und auf den Moment gewartet, wo Paul den holprigen Weg heraufkommen würde. Als er Paul kommen sah, hatte er sich an die Haustür gestellt, um ihn als Erster in Empfang zu nehmen.
Noch bevor Paul ins Haus getreten war, sagte Billy:»Na, das ist aber 'ne Überraschung. Der kleine Schleimscheißer ist wieder da. Sind die Bullen mit dir fertig, Wichser? Haben sie's dir richtig gegeben, da oben im Knast? Ich hab gehört, das sollen sie am besten können, die Bullen.«
Paul drängte sich an ihm vorbei. Von oben hörte er seinen Vater rufen:»Ist das Paulie?«, und aus der Küche rief seine Mutter:»Paulie? Bist du das, Junge?«
Paul blickte zur Treppe und zur Küche und wunderte sich, dass seine Eltern um diese Zeit beide zu Hause waren. Sein Vater kam von seinem Job beim Straßenbau normalerweise erst heim, wenn es dunkel wurde, und seine Mutter machte Überstunden an der Kasse, wann immer sich die Gelegenheit dazu bot, und das war meistens der Fall. Deshalb war das Abendessen im Allgemeinen eine improvisierte Angelegenheit. Man nahm sich eine Dose Suppe oder Baked Beans und machte sich vielleicht einen Toast. Jeder versorgte sich selbst, außer den Kleinen. Für die bereitete Paul meistens irgendwas zu.
Er wollte zur Treppe, aber Billy hielt ihn auf.»Hey«, sagte er.»Wo ist der Hund, Wichser? Wo ist dein ständiger Begleiter, hm?«
Paul zögerte. Sofort packte ihn die Angst. Er hatte Taboo seit dem Morgen nicht mehr gesehen, als die Polizei gekommen war. Hinten im Streifenwagen sitzend, hatte er sich herumgedreht, weil Taboo ihnen nachrannte. Er hatte unablässig gebellt. Er war ihnen hinterhergerannt, als wollte er sie unbedingt einholen.
Paul schaute sich um. Wo war Taboo?
Er kniff die Lippen zusammen, um zu pfeifen, aber sein Mund war zu trocken. Er hörte seinen Vater die Treppe herunterkommen. Im selben Moment kam seine Mutter aus der Küche. Sie trug eine Schürze mit einem Ketchup-Fleck und wischte sich die Hände an einem Handtuch ab.
«Paulie«, sagte sein Vater mit ernster Stimme.
«Junge«, sagte seine Mutter.
Billy lachte.»Er ist überfahren worden. Der blöde Köter ist überfahren worden. Erst von einem Auto und dann von einem LKW, und er ist einfach weitergerannt. Am Schluss hat er am Straßenrand gelegen und geheult wie eine Hyäne. Er hat nur noch darauf gewartet, dass einer kommt und ihm die Kugel gibt.«
«Das reicht, Bill«, fuhr Ol Fielder seinen Ältesten an.»Geh, zisch ab ins Pub oder wo du sonst hingehen wolltest.«
Billy sagte:»Ich wollte nirgends — «
Mave Fielder schrie:»Du tust, was dein Vater sagt. Auf der Stelle!«Es war ein wütendes Kreischen, so untypisch für Pauls sanftmütige Mutter, dass ihr ältester Sohn sie mit offenem Mund anstarrte, bevor er zur Tür schlurfte und seine Jacke nahm.