Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Der Turm - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Der Turm

Электронная книга - «Der Turm». Краткое содержание книги:

Hausmusik, Lektüre, intellektueller Austausch: Das Dresdner Villenviertel, vom real existierenden Sozialismus längst mit Verfallsgrau überzogen, schottet sich ab. Resigniert, aber humorvoll kommentiert man den Niedergang eines Gesellschaftssystems, in dem Bildungsbürger eigentlich nicht vorgesehen sind. Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg, stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren: Kann man den Zumutungen des Systems in der Nische, der süßen Krankheit Gestern der Dresdner Nostalgie entfliehen wie Richards Cousin Niklas Tietze — oder ist der Zeitpunkt gekommen, die Ausreise zu wählen? Christian, ihr ältester Sohn, der Medizin studieren will, bekommt die Härte des Systems in der NVA zu spüren. Sein Weg scheint als Strafgefangener am Ofen eines Chemiewerks zu enden. Sein Onkel Meno Rohde steht zwischen den Welten: Als Kind der roten Aristokratie im Moskauer Exil hat er Zugang zum seltsamen Bezirk Ostrom, wo die Nomenklatura residiert, die Lebensläufe der Menschen verwaltet werden und deutsches demokratisches Recht gesprochen wird.
1 ... 158 159 160 161 162 163 164 165 166 ... 260
Перейти на страницу:

«Ausgerechnet den!«

«Kein schlechter Chirurg, aber er kann dir nicht die Klinge reichen. Mal sehen, was ich für dich tun kann. Ich kenne einige Leute an der Charité. Übrigens könntest du auch abwarten, Müller wird nächstes Jahr emeritiert. Was nicht heißt, daß es dann leichter wird. — Vielleicht reden wir später weiter, oder ein andermal, eure Freunde sind schon ungeduldig. Wie fandet ihr die Predigt?«

«Du solltest nicht so streng sein, Onkel Richard. Paps war auch gegen die kirchliche Heirat, aber ich wollte es so. Für einen, der Gottes Wort mitten im Atheismus verkünden muß, macht er es sehr gut, wie ich finde.«

«Schon recht, schon recht«, lenkte Richard ein. Er sah den beiden nach, als sie sich in Richtung Gartenhaus entfernten. Sie wechselten ein paar Worte mit Josta und ihrem Mann; Josta hielt Lucie an der Hand und ließ nicht los, und bevor seine Tochter zu ihm sah, drehte sich Richard um und ging schnellen Schritts davon. Dieses Jahr kommt sie in die Schule, dachte er.

Meno wunderte sich über den Brauch, zur Hochzeit einen Baumstamm zu zersägen. Zwei Menschen verbanden sich miteinander und bekräftigten diese Verbindung ausgerechnet dadurch, daß sie, wie jetzt Ina und Wernstein, eine Zimmermannssäge an einen Stamm mit dem Durchmesser eines Telegrafenmastes setzten und unter den Anfeuerungs- und Neckrufen der Gäste begannen, sie hin- und herzuschwingen. Ina erlahmte bald und bettelte lachend um Ablösung. Helmut Hoppe rief, daß damit schon die Untreue beginne, daß es auch bei der Geburt keine Ablösung gebe,»also sägen, Kind!«, andernfalls habe man eben zu hören bekommen, daß die Braut selbst nach ihrer Rivalin rufe.»Meno, du denkst wieder mal völlig quer. Gemeinsam eine Prüfung meistern, das ist der Sinn. Du mußt auch jedes Ding so lange betrachten, bis das, was gerade war, schief wird und aus einer Katze plötzlich ein Hund. Was bei euerm Chakababa oder wie er heißt, der Name ist ja völlig unaussprechlich, schon beinahe der Fall ist. Vor dem haben bestimmt sogar die Ungeheuer vom Arbogast Angst. Übrigens eine Unverschämtheit, die Straße so mit Giftgasen zuzustänkern! Ja, Giftgase, ich weiß genau, was ich sage. Ein ganz zwielichtiger Typ ist dieser Baron, der soll ja bei den Russen … na, dem traue ich alles zu. Giftgase. Wie das stinkt, und das, wenn wir Hochzeit feiern. Dabei haben wir Anschläge gemacht, auf denen es klar und deutlich zu lesen steht. Das sind richtige Geruchsverbrecher da in seinem dubiosen Institut. Enöff. «Barbara wischte etwaige Einwände Menos mit einer energischen Geste beiseite. Er war neben Gudrun stehengeblieben und versuchte Braut und Bräutigam im Blick zu behalten, während Barbara eine Kleiderbürste hervorzog und ihm Schuppen vom Jackett kehrte.»Wie findet ihr ihn? Ist das nicht ein toller Mann? So attraktiv! Und hat was im Kopf, ein Arzt, ein Chirurg, der wird nie verhungern, und Ina wird es immer gutgehen.«

«Wenn er treu ist«, dämpfte Gudrun.»Ich an Inas Stelle hätte ihm aus der Hand lesen lassen. Eine Kollegin von mir macht das, gar nicht teuer.«

«Glaubst du etwa daran?«Barbaras Armreifen klirrten, als sie von Meno abließ und sich durchs Haar fuhr, das in beeindruckender Festigkeit auf einer Lajos Wienerschen Experimentalfrisur bestand (Dreiwettertaft, eines von Ulrichs Tauschgeschäften, die er unterderhand und inzwischen ziemlich erfolgreich betrieb); ihr Blick pendelte von einem Auge Gudruns zum andern, doch Gudrun wählte umständlich einen Wurstspieß von ihrem Imbißteller, ehe sie antwortete:»Man kann daran glauben — oder an etwas anderes, das bleibt sich am Ende gleich. Auf jeden Fall wäre es ein Punkt, auf den man achten könnte. Man hätte ihn berücksichtigt, braucht sich später keine Vorwürfe zu machen. Und meine Kollegin hatte bisher immer recht.«

«Tatsächlich? Na so was, Donnerwetter. Und liest sie nur für Hochzeiten aus der Hand oder auch allgemein? Könnte ich sie zum Beispiel fragen, wie lange ich lebe?«

«Denke schon, obwohl ich glaube, daß sie auf Treue spezialisiert ist.«

«Jaja, Gudrun … Und gar nicht teuer, sagst du? Es heißt ja, daß die dunkelhaarigen Männer mit blauen Augen untreu sind. Robert zum Beispiel. Findest du nicht auch, daß es erschreckend ist, wie schnell sich die jungen Leute heutzutage entwickeln? Andererseits hat das entschieden etwas Positives. Ich dachte immer, daß mir Ina so einen Langhaarigen anschleppt, aber nein, es ist meine kluge Tochter, hat meinen Instinkt geerbt. Eines Tages steht sie vor der Tür und sagt: ›Mam, das ist Thomas, wir sind uns eigentlich einig.‹ Und ich habe nichts bemerkt, überhaupt nichts! Ich muß krank gewesen sein, anders kann ich mir das nicht erklären!«

«Schwarzhaarige Männer mit blauen Augen sind untreu? In ›Paris Match‹ bei Wiener stand in einem Artikel über Alain Delon, daß er sehr treu ist. Romy Schneider und er — «

«Zeitungsblödsinn, Gudrun! Damit wollen sie seine weiblichen Fans bei der Stange halten. Treu? So wie der aussieht? Naja. Anne sagt, daß Robert schon eine Freundin hat — aber ich sehe sie nicht, er hat sie nicht mitgebracht. Hat er also schon ’ne andere. Und ob Richard so treu ist … Freilich hat er blondes Haar, aber die Augen sind doch ziemlich, ziemlich blau. Ich meine, was findet er schon an Anne, sie ist doch recht hausbacken geworden in letzter Zeit, sie sollte mehr für sich tun. Richard ist ein Mann in den besten Jahren, hat eine gute Stellung, stellt was dar, die Kinder gehen allmählich aus dem Haus, da wird man wieder offen für gewisse Angebote …«Barbara machte eine um Nachsicht bittende Geste, um Meno zu halten:»Ich weiß, sie ist deine Schwester, und was ich gesagt habe, könnte beleidigend klingen, aber so meine ich es nicht. Ich finde es schlimmer, wenn einem niemand was sagt und man eines Tages vor Scherben steht — und ringsum nicken sie alle und haben alles schon längst gesehen und gewußt. Über Richard wird allerlei geredet; ich habe mich mit Thomas eingehend unterhalten …«

«Was wird denn geredet?«fragte Meno.

«Siehst du, jetzt wirst du neugierig und schaust schon weit weniger streng drein. Dies und das wird geredet. Was soll’s, Dresden ist klein. Und du erinnerst dich daran, was er uns selbst gestanden hat.«

«Ich glaube, Dekonspiration ist die beste Methode, um mit denen gerade nicht zusammenzuarbeiten. Ich muß Richard in Schutz nehmen.«

«Damals hast du ein bißchen anders geredet, Gudrun. Du sagtest, daß sich die Sicherheit nur an ganz bestimmte Leute heranmacht … und daß man sie nicht reizen soll. Kann mich recht gut daran erinnern. Guckt mal, da kommt die Hochzeitstorte. Ist das nicht ein Prachtstück? Die Idee mit der abgeschnittenen Hand hatte Ina, sie fand das irgendwie — chirurgisch. Für das Blut haben sie rote Grütze genommen. Oder war’s Ketchup? Na, ihr werdet’s ja merken.«

«Und die Elle steht für Pädagogik? Ist die aus Zuckerguß? Übrigens finde ich es nicht sehr nett, wie hämisch du mir meine tatsächlichen oder angeblichen Worte auftischst. Das hat was Tückisches, als würdest du heimlich alles notieren, was wir sagen, nur damit du uns Jahre später mit Widersprüchen konfrontieren kannst, die Weiterentwicklung oder eine geänderte Meinung wie Blödheit aussehen lassen. Was würdest du davon halten, wenn ich Jahre später und bei jeder Gelegenheit den Schrei nachahmen würde, den du vorhin in der Kirche ausgestoßen hast?«

1 ... 158 159 160 161 162 163 164 165 166 ... 260
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)