Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Der Turm - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Der Turm

Электронная книга - «Der Turm». Краткое содержание книги:

Hausmusik, Lektüre, intellektueller Austausch: Das Dresdner Villenviertel, vom real existierenden Sozialismus längst mit Verfallsgrau überzogen, schottet sich ab. Resigniert, aber humorvoll kommentiert man den Niedergang eines Gesellschaftssystems, in dem Bildungsbürger eigentlich nicht vorgesehen sind. Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg, stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren: Kann man den Zumutungen des Systems in der Nische, der süßen Krankheit Gestern der Dresdner Nostalgie entfliehen wie Richards Cousin Niklas Tietze — oder ist der Zeitpunkt gekommen, die Ausreise zu wählen? Christian, ihr ältester Sohn, der Medizin studieren will, bekommt die Härte des Systems in der NVA zu spüren. Sein Weg scheint als Strafgefangener am Ofen eines Chemiewerks zu enden. Sein Onkel Meno Rohde steht zwischen den Welten: Als Kind der roten Aristokratie im Moskauer Exil hat er Zugang zum seltsamen Bezirk Ostrom, wo die Nomenklatura residiert, die Lebensläufe der Menschen verwaltet werden und deutsches demokratisches Recht gesprochen wird.
1 ... 157 158 159 160 161 162 163 164 165 ... 260
Перейти на страницу:

Von Arbogasts Chemischem Laboratorium her roch es zuerst nach Pfirsich, dann nach Gülle. Christian hielt nach Fabian und Muriel Ausschau, sah sie aber nicht, auch ihre Eltern waren nicht da, hatten sich jedoch mit einer Kamera beteiligt (Modell» K 16«, Christian kannte es vom» Unterricht in der technischen Produktion «bei Pentacon), die bei den anderen Hochzeitsgaben auf einem Tisch im Gartenhaus lag; Alois und Libussa hatten ihn vor dem Regen in Sicherheit gebracht. Schallplatten, Bücher (medizinhistorische Schweinslederbände aus Ulrichs Sammlung, eine komplette Chirurgie nebst Gipslehre von Lorenz Böhler, alle anwesenden Chirurgen hatten Wernstein darum beneidet); daneben von Anne, Richard und Meno ein» dkk«-Kühlschrank mit Zwei-Stern-Kältefach; von den Hoppes ein Kinderwagen und Babysachen (»Das Windelhöschen Baby-Schick / Ist jeder Mutter höchstes Glück«); Barbara hatte für ihren Schwiegersohn einen Winter- und einen Sommeranzug genäht; Kurt und Ulrich schenkten eine Reise (mit der MS» Arkona «nach Kuba, Ina war außer sich vor Freude gewesen); Christian sah eine Waschmaschine, Gutscheine für Möbel (Tietzes, Niklas hatte noch eins seiner Petersburger Stethoskope draufgelegt); von Kürschnermeister Noack ein Marderpelzmuff» für die Dame«(angedeuteter Handkuß), ein Mantelkragen aus Lammfell» für den Herrn«(angedeutete Verbeugung); von Wernsteins Kollegen ein Paddelboot. Neben all diesen nützlichen Dingen nahm sich dagegen sein Geschenk … Christian konnte es nicht recht in Worte fassen, erinnerte sich an die Stunden mit Meno vor den Saturniiden in der Karavelle; ein hilfloses, etwas tapsiges, aber doch rührendes Kind in einer Gesellschaft von Erwachsenen: so kam ihm der grüne Krug vor, den er ohne langes Suchen im Atelier einer Töpferin in der Neustadt gekauft hatte; ihm waren nur zwei Stunden Zeit geblieben zwischen der Ankunft auf dem Bahnhof und dem Beginn der Trauung auf dem Standesamt, und eine gute Stunde hatte er in einem» An- und Verkauf «verloren, ebenso verzweifelt wie unentschlossen, geschoben von gierig knuffenden Ellbogen, von einem unbrauchbaren Schneiderbügeleisen zum anderen reparaturbedürftigen (und trotzdem eine»2«vor dreimal Null teuren) Fernseher drängelnd. Der Krug hatte inmitten von Tapetenrollen und Eimern mit Wandfarbe gestanden, Pinsel weichten darin. — »Nein, diesen Krug, wenn er zu verkaufen ist«, hatte er abgewehrt, als die Töpferin, die sich erstaunt die Hände an der Schürze abwischte, ihm ihre Ware zeigen wollte — der Krug stammte nicht von ihr, aber sie war nicht beleidigt, obwohl Christian ohne Besinnen den Wunsch geäußert hatte, ihn zu kaufen; vielleicht imponierte ihr der Starrsinn, die Spontaneität, vielleicht seine Erklärung, daß er zur Hochzeit seiner Cousine unterwegs sei (er trug noch Ausgehuniform); sie hatte die Pinsel aus dem Krug genommen, ihn gespült und in eine verschmierte» Union «gewickelt; Christian hatte ohne zu zögern den geforderten Preis bezahlt. Am liebsten hätte er den Krug selbst behalten. Das Grün war das Grün der Stechpalmenblätter, diesen Farbton, dunkelsatt, schlackig, mochte er sofort, auch die einfache, uralte Form des Krugs bei subtiler Asymmetrie; irgend etwas daran hatte gesagt: Ich bin für dich, ich bin ein Stück von dir in einer anderen Welt. Christian kämpfte mit sich, erinnerte sich, als die Häuser des Lindwurmrings schon in Sicht gekommen waren, daß Meno einmal zu ihm gesagt hatte, daß man genau das schenken solle, wovon man sich am wenigsten zu trennen bereit sei. Er hatte Ina den Krug wie er war, in der verschmierten Zeitung, in die Hand gedrückt.

«Der Nachteil wäre, daß wir wahrscheinlich mit jedem Loch vorliebnehmen müssen. Eine Kommilitonin von mir kennt jemanden in der Wohnraumlenkung, und es heißt, daß Lehrer bevorzugt behandelt werden. Mal sehen. Immerhin, es ist Berlin, und du hast ja angedeutet, daß es für Thomas aussichtsreicher sein könnte als hier.«

«Ja, das wollte ich mit euch besprechen. Ich darf doch jetzt du sagen?«Richard zupfte Wernstein spielerisch am Ärmel des Fracks, den Barbara geändert hatte; man sah am Schnitt, daß Wernstein ihn geerbt haben mußte, und alle Lavendelessenz aus Barbaras Geheimkrämerei konnte den Mottenkugel-Geruch nicht überstimmen, der aus dem Schwalbenschwanz und den glänzenden Spiegeln stieg, die eine rosafarbene, schwarzgepunktete Fliege auf weißem Jabothemd einfaßten.»Solange Müller Chef ist, kann ich mir nicht vorstellen, daß du auf einen grünen Zweig kommst. Grefe ist Assistent auf der Süd Eins, von da sind die meisten Karrieren gestiegen, solange ich bei Müller bin. Ich kann dir anbieten, in der Orthopädie für dich zu sprechen oder in Friedrichstadt; Pahl ist ein zugänglicher Mann, einer von uns.«

«Dort wäre ich auch nur Assistent, ich würde nichts gewinnen«, sagte Wernstein nach einigem Besinnen.

«Wenn sie die Unfallchirurgie von der allgemeinen abtrennen, und Pahl hat mir gesagt, daß sie seit einiger Zeit darauf hinarbeiten, wird er Chefarzt, und du könntest dich um eine Oberarztstelle bewerben. Allerdings müßtest du damit rechnen, daß sie bereits intern vergeben ist. Und in die Orthopädie willst du ja nicht, hast du gesagt.«

«Du könntest die Stelle in Buch übernehmen.«

«Da würde ich festsitzen, mein liebes Eheweib. Ich könnte mich nicht entwickeln. Sie haben ganz andere Forschungsschwerpunkte, und ich möchte mich in der Unfallchirurgie habilitieren. Darüber haben wir schon gesprochen, und wir müssen das nicht wieder aufkochen. Vor allem nicht heute.«

«Du würdest bedeutend mehr verdienen als an der Charité.«

«Mag sein. Aber ich wäre an der Charité … Sauerbruch, Brugsch, Felix, Frey, Nissen … Dort könnte ich weiterforschen. Hier läßt mich Müller hängen.«

«Du wirst bald Vater, möchte ich dich erinnern. Du solltest deinem Sohn etwas bieten können, wenn dir schon deine Frau nicht so wichtig ist. — Jaja, wir kommen gleich!«rief Ina einigen Gästen im tieferen Teil des Gartens zu.

«Wann ist es denn soweit? Und wißt ihr schon — «

«Es wird ein Sohn«, sagte Ina mit Bestimmtheit.

«Nein, es wird ein Mädchen. «Wernstein lachte.»Übrigens sind wir bei Weniger. — Was halten Sie … was hältst du von ihm?«»Einer der besten Gynäkologen, den ich kenne. Alte Schule.«»Fünfter Juli«, sagte Ina.»Es wird ein Sohn. Du hast deine klinischen Weisheiten, aber ich bin die Mutter, ich weiß, daß es ein Sohn wird. Onkel Richard: Würdest du für Thomas ein Empfehlungsschreiben ausstellen?«

«Ja, natürlich«, sagte Richard, verblüfft über Inas Direktheit.

«Darf ich dich was fragen? Was hältst du eigentlich von ihm, als Chirurg?«

Richard warf ihr einen forschenden Blick zu. Wernstein war feuerrot geworden und wehrte ab; sie schüttelte den Kopf.»Ich weiß, daß ich taktlos bin, aber ich möchte es gern wissen. Ich wünsche mir, daß du mir eine ehrliche Antwort gibst, und wenn du meinst, daß es nichts für seine Ohren ist, schicken wir ihn weg. — Übrigens sieht Christian nicht gut aus. Vielleicht übertreibt er? Ein bißchen pathetisch war er ja schon immer.«

«Ich glaube nicht, daß er übertreibt. Er ist jetzt im Städtchen Grün bei der Truppe.«

«Er hat mir einen Krug geschenkt. Ich glaube, ich werde ihn sehr gern haben.«

«Den Krug oder Christian? Dann sollten wir deinen Mann wirklich wegschicken.«

«Wir müssen mal wieder richtig flachsen, Onkel Richard. Meinen Sohn.«

Richard legte die Hände auf den Rücken, spürte, daß sowohl Ina als auch Wernstein neugierig waren, was ihn unangenehm berührte, er empfand es als ein wenig ungehörig, auch störte ihn die leise Gier, der Anflug von Berechnung in Inas Frage — als würde sie ahnen, daß es ihm unter diesen Umständen: allein mit dem Hochzeitspaar, nicht möglich sein würde, auszuweichen.»Ich würde dir deine Frage nicht beantworten, wenn ich aus Rücksicht auf eure Hochzeit lügen müßte. Ich hätte mich dann schon rausgewunden, glaub’ mir. Aber da ich euch den Tag nicht trüben muß, wie ich hoffe, kann ich auf eine ehrliche, direkte Frage eine ehrliche, direkte Antwort geben. Ich halte deinen Mann für einen geborenen Chirurgen und verspreche mir viel von ihm. Ich wäre froh und stolz, wenn meine Söhne seine Fähigkeiten hätten. Ich kann auch sagen, daß er so etwas wie ein Sohn für mich ist. Eigentlich hatte ich mir gewünscht, Thomas, daß du meine Nachfolge antrittst, aber ich sehe, du hast andere Pläne. Wenn du Wert auf meine Meinung legst: Ich an deiner Stelle würde genau das tun, was du zu tun vorhast. Leider hat Müller mir als Assistenten nicht dich, sondern Kohler zugeteilt.«

1 ... 157 158 159 160 161 162 163 164 165 ... 260
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)