Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
René hatte es sich vom ersten Tag an angelegen sein lassen, die Reise zum Besitztum des Vicomte de Sainte-Hermine in die Wege zu leiten. Das einzige Transportmittel waren Pferde und Elefanten; und der Shabundar hatte ihm erklärt, dass er eine Eskorte von mindestens zehn Mann benötigen werde.
Da sich jedoch jedermann auf einen großen Feiertag vorbereitete, war kaum damit zu rechnen, dass ein Landesbewohner sich vor diesem wichtigen Ereignis freiwillig aus Pegu entfernen würde. Der Shabundar hatte René aber versprochen, ihm für die Tigerjagd abgerichtete Pferde oder Elefanten zu leihen, sobald die Feierlichkeiten, die aus einer Prozession zu der großen Pagode bestanden, beendet waren; er würde die Reittiere so lange behalten können, wie er sie benötigte; Pferde und Pferdeführer kosteten zwanzig Talks und Elefanten und Elefantenführer dreißig.
Nachdem René dem Shabundar versichert hatte, nur von ihm Pferde oder Elefanten zu mieten, bot dieser ihm den Fensterplatz in einem Haus an, das an der Treppe zwischen der Hauptstraße und der großen Pagode lag.
Als René in Begleitung der zwei Schwestern kam, um die Prozession zu verfolgen, stellte er voller Erstaunen fest, dass der Shabundar Sorge getragen hatte, den Raum mit Teppichen und Stühlen auszustatten.
Zahlreiche Männer und Frauen nahmen an der Feier teil, und zwischen Sonnenaufgang und zehn Uhr vormittags stiegen an die dreißigtausend Menschen die Treppe hinauf; jeder brachte eine Opfergabe mit, die seiner Frömmigkeit und seinem Portemonnaie entsprach. Die einen trugen einen Baum, dessen Äste sich unter dem Gewicht der Geschenke für die Priester bogen: Betel, Konfitüren und Süßigkeiten. Andere schleppten Krokodile und Riesengestalten aus Pappe mit, von zierlichen Pyramiden überragt, die mit allen möglichen Geschenken bedeckt waren. Elefanten aus Pappkarton, bemaltem Papier und Wachs vervollständigten die Gaben für die Pagode, die hauptsächlich aus Feuerwerkskörpern, Sternen und Früchten bestanden. Alle Ortsansässigen hatten ihre Sonntagstracht angelegt, meistenteils aus Seidenstoffen gefertigt, die denen unserer Manufakturen nicht nur gleichwertig, sondern oft genug überlegen sind. Die birmanischen Frauen, frei wie Europäerinnen, verschleiern ihr Gesicht nicht. Bedauerlicherweise müssen wir gestehen, dass sie dieses Privileg dem Umstand ihrer völligen Missachtung durch die Männer verdanken; die Männer in Birma halten Frauen für niedrigere Wesen, eine Art Zwischending, nicht Mensch, nicht Tier. Vor Gericht hat die Aussage einer Frau keinerlei Beweiskraft, und die Frauen müssen ihre Aussage von der Tür aus machen, denn den Gerichtssaal dürfen sie nicht betreten.
Die Birmanen verkaufen ihre Frauen an Fremde; in diesem Fall aber sind die Frauen, die nur ihrem Ehemann gehorchen, keineswegs entehrt, denn sie entschuldigt zum einen die Pflicht zum Gehorsam und zum anderen die Erfordernis, ihre Familie zu unterstützen.
In Rangun und Pegu gibt es Kurtisanen, und wir scheuen uns nicht, dieses Thema anzusprechen, da es uns angelegen ist, die Sitte anzuprangern, die verlangt, dass diejenigen, die in diesen Häusern dienen, in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Nicht aus Faulheit oder Verdorbenheit gehen die jungen Mädchen dem schändlichen Gewerbe nach, das sie auch in den zivilisiertesten Städten mit Schimpf und Schande bedecken muss. Das Gesetz, das in Birma für Schuldner gilt, ist das gleiche wie im Rom der Zwölftafelgesetze: Jeder Gläubiger ist Herr über seinen Schuldner oder über die Familie seines Schuldners, sofern dieser seine Schuld nicht zu begleichen vermag; er kann ihn als Sklaven verkaufen, und wenn Ehefrau und Töchter des Schuldners hübsch sind, verkauft er diese armen Geschöpfe, die man »Töchter des Bankrotts« nennen könnte, an die Leiter oder Leiterinnen der Bordelle, die ihm den besten Preis für diese Ware zahlen. In früheren Zeiten gab es eine andere Klasse von Hetären anderen Ursprungs, und diese Frauen hießen »Frauen des Götterbildes«.
Wenn eine Frau gelobt hatte, einen Knaben zu gebären, und statt seiner von einer Tochter entbunden wurde, trug sie diese zu dem Götterbild und ließ sie dort liegen. Da das Mädchen dem Tempel nicht auf der Tasche liegen dufte, wurde es als Tempelhure den vorbeikommenden Fremden angeboten. Die Eingeborenen nannten solche Frauen devadasi (»Sklavinnen des Götterbildes«), die Fremden nannten sie bajadere, was sowohl Tanzmädchen als auch Kurtisane bedeutet.
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Die Reise
Als die Festlichkeiten vorbei waren, erinnerte René den Shabundar an sein Versprechen, und schon am nächsten Tag erblickte er auf dem Kai vor seiner Slup drei Elefanten und ihre Führer. Der amerikanischen Besatzung vertraute René nicht genug, um die Runner of New York ihrer Obhut zu überlassen; wenn er hingegen Kernoch und seine sechs Bretonen auf dem Schiff zurückließ, konnte er sich auf den Hass zwischen den Nationen verlassen, was die Wachsamkeit betraf, und auf die bretonische Treue, falls es zu Handgreiflichkeiten kommen sollte. Aus diesem Grund nahm er nur François mit auf die Reise, seinen treuen Pariser.
Zwei Elefanten mit ihren Palankins, deren jeder bis zu vier Personen Platz bot, genügten für René und seine Begleiterinnen. Darüber hinaus nahm er zur Sicherheit die Zehn-Mann-Eskorte mit, zu denen der Shabundar ihm geraten hatte.
Jeder Mann und jedes Pferd würde ihn zehn Talks am Tag kosten; zwei zusätzliche Pferde für René und François würden mitgeführt werden, damit die beiden reiten konnten, wenn sie des Geschaukels in dem Palankin überdrüssig waren.
Der Führer der Eskorte rechnete mit einer dreitägigen Reise.
Da man unterwegs keine Dörfer besuchen würde, wurden zwei Pferde mit Vorräten beladen. Unterwegs wollte man durch die Jagd Abwechslung in den Speiseplan bringen.
Kernoch, dem die birmanischen Behörden für den Fall einer Auseinandersetzung mit seiner Mannschaft ihre Unterstützung zugesagt hatten, blieb zuversichtlich und beruhigt in Pegu zurück, während die kleine Karawane einem Nebenfluss des Pegu nach Osten folgte.
Am ersten Abend kampierte man vor dem Wald, in den man sich am Tag darauf wagen musste; noch war man in Nähe des Flusses, aus dem man sich mit Süßwasser für die weitere Reise versorgte.
Die Palankins konnten vom Rücken der Elefanten genommen und auf den Boden gestellt werden, wo sie als Zelte dienten, in denen die jungen Damen hinter ihren Moskitonetzen schlafen konnten.
Ein großes Feuer wurde entzündet, um Schlangen und andere gefährliche Tiere fernzuhalten. Der Führer der Eskorte behauptete, die Elefanten machten Wachen überflüssig, da diese klugen Tiere aus Instinkt Alarm schlügen, sobald irgendein Feind sich näherte.
René vertraute dieser Auskunft jedoch nicht, sondern wollte persönlich die Wache übernehmen; für die erste Hälfte der Nacht teilte er sich selbst ein, für die zweite François.
Die Fähigkeit der Elefanten, Gefahren zu wittern, war ihm allerdings nicht unbekannt.
Nach und nach machte René sich die zwei Kolosse gewogen, indem er ihnen frische Zweige voller Grün und apfelähnliche Früchte brachte, die sie sehr lieben. Diese intelligenten Tiere unterscheiden nach kürzester Zeit ohne Schwierigkeiten zwischen einem Menschen, der ihnen Nahrung bringt, weil er dafür zuständig ist und weil er ihr Elefantenführer ist, und einem Menschen, der ihnen aus Zuneigung den Luxus schenkt, der jedem denkenden Wesen unentbehrlich ist, so unentbehrlich, dass der Mensch ihn bisweilen dem Notwendigsten vorzieht. Da René keine Eifersucht wecken wollte, brachte er beiden Elefanten stets die gleiche Menge Leckereien.
Die Elefanten beäugten René zuerst mit einem gewissen Misstrauen, da ihnen die Beweggründe dieses Fremden für seine Zuwendung unerklärlich waren, doch sie ließen es sich schmecken. Dann führte René sie zu den beiden Schwestern, die ihnen ein paar frische Zuckerrohrhalme reichten, welche die Elefanten mit ihrem Rüssel gewandt entgegennahmen und mit sichtlichem Genuss verspeisten. Vor der Abreise hatte René einen kleinen Vorrat an Leckereien besorgen lassen, mit denen er sich die Zuneigung der Elefanten sichern wollte.