Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Der Turm - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Der Turm

Электронная книга - «Der Turm». Краткое содержание книги:

Hausmusik, Lektüre, intellektueller Austausch: Das Dresdner Villenviertel, vom real existierenden Sozialismus längst mit Verfallsgrau überzogen, schottet sich ab. Resigniert, aber humorvoll kommentiert man den Niedergang eines Gesellschaftssystems, in dem Bildungsbürger eigentlich nicht vorgesehen sind. Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg, stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren: Kann man den Zumutungen des Systems in der Nische, der süßen Krankheit Gestern der Dresdner Nostalgie entfliehen wie Richards Cousin Niklas Tietze — oder ist der Zeitpunkt gekommen, die Ausreise zu wählen? Christian, ihr ältester Sohn, der Medizin studieren will, bekommt die Härte des Systems in der NVA zu spüren. Sein Weg scheint als Strafgefangener am Ofen eines Chemiewerks zu enden. Sein Onkel Meno Rohde steht zwischen den Welten: Als Kind der roten Aristokratie im Moskauer Exil hat er Zugang zum seltsamen Bezirk Ostrom, wo die Nomenklatura residiert, die Lebensläufe der Menschen verwaltet werden und deutsches demokratisches Recht gesprochen wird.
1 ... 12 13 14 15 16 17 18 19 20 ... 260
Перейти на страницу:

Draußen half Christian seinem Vater und einigen Assistenzärzten Müllers Opel Kapitän anzuschieben und aus den Schneeverwehungen zu befreien. Der Professor selbst schob vorn, auf der Seite des Beifahrers.»Weniger Gas, Edeltraut, weniger Gas!«rief er, als die Räder durchdrehten.

«Herr Professor, wir schieben, Herr Oberarzt, geben Sie Kommando!«

«Früh gelernt, Herr Wernstein! Verantwortung delegieren!«rief Richard lachend zurück.»Ho-jupp! Eins — zwei — drei! Draußen ist er! Christian, paß auf, du stehst am Auspuff — «

Müller sprang in den Wagen, der Opel schlingerte davon.

«Ruhigen Dienst morgen, Manfred, tschüß, Hans, kommt gut nach Hause! Und schönen Dank noch einmal für alles. «Richard gab Weniger und Clarens die Hand, deren Frauen sich gerade von Anne verabschiedeten. Erstaunt stellten die beiden Männer fest, daß sie den gleichen Wintermantel aus dem VEB» Herrenmode «trugen.

«Die gab’s am Dienstag, hat meine Frau mir mitgebracht!«

«Meine auch. Fünf Stunden Schlangestehen, eigentlich sollte ich den erst zu Weihnachten bekommen, aber der alte war hinüber.«»Hans, wie kommt ihr nach Hause? Sollen wir euch mitnehmen?«

Clarens nickte erfreut.

Christian fror und ging hinein. Kurt Rohde, Meno und Niklas Tietze standen im Vestibül und hörten Herrn Adeling zu:»— von Kokoschka, ich versichere es Ihnen, ich irre mich nicht! Das Zimmermädchen, das die Herrschaften zu bedienen pflegte, hat es mir persönlich erzählt … Sie hat ein Trinkgeldbüchlein geführt, darin waren die Ausgaben der Herrschaften verzeichnet, und ich habe selbst die Beträge des Herrn Professor gesehen, sie gehörten zu den höchsten! Es ist eine der Staffeleien des Herrn Professor, jawohl, er hat sie dem Hause zum Andenken an viele hier verbrachte Nächte vermacht, und selbstverständlich halten wir sie in Ehren, jawohl. «Er hob den Kopf und wippte auf den Absätzen, das kreidigweiße Serviertuch über dem Arm, blickte gestreng nach einem der jüngeren Kellner, die noch ab- oder umräumten.

«Interessant, interessant, was Sie uns da sagen. «Niklas hatte seine Shagpfeife hervorgezogen und stopfte sie mit Vanilletabak aus Menos Beutel. Streichhölzer flammten auf, auch Meno hatte sich eine Pfeife gestopft, nur rauchte er jetzt, wie Christian sah, nicht mehr die Kugelpfeife, sondern eine breit und kurz gebaute aus violettbraunem Holz. Kurt Rohde hatte sich einen seiner Sandblatt-Stumpen angezündet.»Und da haben Sie noch nie Schwierigkeiten bekommen? Ich meine, diese Staffelei ist doch sicherlich sehr wertvoll, und es gibt vielleicht Interessenten, die sie lieber anderswo sähen als hier bei Ihnen …«, sagte Kurt Rohde, die Zigarre anpaffend. Adeling hob die Brauen und warf ihm einen mißtrauischen Blick zu.»Nein, bisher hatten wir noch keine Schwierigkeiten. Das Haus Felsenburg ist Ihnen für Ihre Diskretion sehr verbunden. Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden…«Adeling flügelte davon.

«Hast schön gespielt, mein Junge. Komm her, drück’ mich mal, wir haben uns ja noch gar nicht richtig begrüßt. «Christian umarmte den Großvater, der seinen Stumpen aus dem Mund genommen hatte und weit abhielt. Kurt Rohde war kleiner als sein Enkel, und Christian beugte sich etwas, bevor sein Großvater ihn auf die Stirn küßte. Er hatte die Stirn gerunzelt — nicht, weil es ihm unangenehm war, von seinem Großvater geküßt zu werden, sondern damit die Pickel in den Runzeln verschwanden. Der vertraute Duft des Großvaters: die trotz seiner neunundsechzig Jahre noch dichten und vollen, schlicht zurückgekämmten, nur an den Schläfen weißen Haare und die Haut über dem kurzgeschorenen Vollbart rochen nach Kölnischwasser, der grobe Stoff des Anzugs nach Tabak und Naphthalin.

«Christian, Anne möchte, daß wir ihm das Barometer jetzt geben, wenn alle wieder drinnen sind«, sagte Meno zwischen zwei Pfeifenzügen.»Bist du so nett und bereitest es ein bißchen vor?«Christian spürte, daß er störte, nickte und ging in das Restaurant zurück, wo Ezzo, Reglinde und Robert sich schon wieder am Büfett zu schaffen machten, Ezzo und Robert schmatzend und augenrollend vor Behagen.

«Wo ist eigentlich euer Uhren-Großvater?«fragte Reglinde kauend.

«Seit Emmy und er geschieden sind, gibt’s eine Übereinkunft: Wo sie ist, will er nicht sein und umgekehrt.«

«Ach so. Hast du Ina gesehen?«

«Ist vielleicht mal austreten. Tolles Kleid hat sie an.«

«Haben wir in der ›Harmonie‹ geschneidert. Barbara hat uns natürlich geholfen.«

Christian sah die kleine Pelz-Schneiderei an der Rißleite vor sich, die von Wind und Wetter blättrig gewordene, verglaste Tür; es war Sitte, daß im Frühjahr und Sommer, wenn in der» Harmonie «die Winterlieferung eintraf, die Kinder des Viertels dorthin gingen, um nach Fellresten zu fragen, die bei der Verarbeitung abfielen. Die Fellreste wurden gesammelt, und wenn ausreichend zusammengekommen war, nähten die Mütter daraus warme Westen, Fäustlinge und Mützen.

«Eigentlich wollte sie es erst auf dem Semesterabschlußball in der Pädagogischen Hochschule anziehen. Die Ärzte drüben auf der anderen Tischseite haben ja ganz schön geguckt, hast du das gesehen?«

Christian zuckte die Achseln. Reglinde, die angehende Kantorin, erzählte ihm Neuigkeiten aus der Kirchenmusikschule, aber Christian hörte nur mit halbem Ohr zu; ihn fror noch immer, er steckte die Hände in die Taschen seines guten Anzugs, den Richard ihm geschenkt hatte, da er ihm zu eng geworden war; aber Christian nahm sie wieder heraus, als ihm einfiel, daß es unhöflich war, so dazustehen. Er war verlegen, Reglindes große, ausdrucksvolle braune Augen irrten aus seinem Blick, wenn er sie allzulange ansah, und seinen nachlässigen Scheitel, die Wirbel in seinem dunkelblonden Haar und, wenn er lächelte, die Grübchen in seinen Wangen streiften; seine Hautunreinheiten. Sie hatte die hohe, schön gewölbte Stirn Gudruns geerbt, auch die durchscheinend zarte, aber nicht blasse Haut mit den darin sichtbaren blauen Äderchen; Wangen- und Mundpartie von Niklas. Reglindes kastanienbraune, natürliche Kräusellocken, die sie kurzhielt, waren untypisch für die Tietzes, die wie die Rohdes alle ziemlich dunkles und glattes Haar besaßen; Robert, der bis auf die Augen äußerlich viel stärker nach den Rohdes kam als Christian, wurde von Außenstehenden für Ezzos und nicht Christians Bruder gehalten.

Reglinde spürte wohl seine Verlegenheit, bog das Gespräch ab und folgte Ina, die ihr von der Tür winkte.

Christian ging zum Tisch mit den Geburtstagsgeschenken. Meno hatte sich nicht nur an den Kosten für das Barometer beteiligt, sondern auch — dies also der Inhalt des Päckchens — eine Schallplatte geschenkt: Beethovens späte Streichquartette, eingespielt vom Amadeus-Quartett. Daneben lag die Gabe von Ulrich Rohde und seiner Familie, ein Buch: Bier/Braun/Kümmell, Chirurgische Operationslehre, herausgegeben von F. Sauerbruch und V. Schmieden, Johann Ambrosius Barth, Leipzig, 1933, las Christian, und dieses Geschenk, eine wohlerhaltene antiquarische Ausgabe mit vielen farbigen Abbildungen, kannte er. Stets hatte es einen Ehrenplatz in der Bibliothek des Onkels gehabt, denn es war die berühmte Ausgabe eines berühmten Buchs, noch dazu mit eigenhändigen Widmungen Sauerbruchs und Schmiedens versehen; Richard hatte es immer bewundernd und auch ein wenig neidisch in den Händen gehalten, wenn sie im Italienischen Haus zu Besuch gewesen waren. Ulrich Rohde besaß eine große Sammlung solcher Bücher.

Von Großvater Rohde hatte der Vater ein seltsames Geschenk erhalten: einen eiförmigen, etwa kopfgroßen Stein, der in der Mulde eines glattpolierten hölzernen Würfels aufrecht stand.»Gib acht, wenn du es nimmst, es ist in der Mitte durchgesägt, siehst du?«hörte er plötzlich Meno neben sich sprechen.»Man nennt es eine Druse oder auch Geode, es wird so im Berg gefunden. Sei vorsichtig, es ist wertvoll.«

Bläulich, purpurn und violett funkelnde Kristalle, dicht an dicht geordnete Prismen, wie Christian es vom Bergkristall kannte; manche bis kleinfingerlang und so exakt gebaut und klar, als hätte sie Menschenhand gefertigt.

1 ... 12 13 14 15 16 17 18 19 20 ... 260
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)