Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Dann gab er René das Blatt zurück und sagte: »Wenn man fünfhundert Francs abzieht, ist der Betrag korrekt.«
»Aber«, fragte René, »wird die Slup auch in fünfzehn Tagen fertig sein?«
»Ich gebe Ihnen mein Wort«, sagte Monsieur Raimbaut.
»Geben Sie mir Ihren Bleistift, Monsieur«, sagte René.
Der Schiffsbaumeister reichte ihm seinen Bleistift. René schrieb unter die Kalkulation:
Bei Vorlegen dieses Papiers wird Monsieur Rondeau an Monsieur Raimbaut den Betrag von viertausend Francs auszahlen und bei Fertigstellung der Slup zwei Wochen darauf den Betrag von viertausendfünfhundert Francs.
Surcouf wollte ihn mit einer Geste unterbrechen, doch René schrieb unbeirrt weiter:
Die fünfhundert Francs sind als Belohnung unter den Arbeitern zu verteilen.
RENÉ,
Matrose an Bord der Standard
63
Der Vormund
Der Wagen brachte Kapitän Surcouf, den Matrosen René und die Schwestern zum Hôtel des Étrangers zurück. Zwei Stunden später klopfte der Hausdiener bei René und fragte, ob er die Demoiselles de Sainte-Hermine zu empfangen wünsche oder sie lieber aufsuchen wolle.
René war der Ansicht, es sei schicklicher, dass er sie aufsuchte und nicht sie zu ihm kamen.
Der Hausdiener ging zurück, von René gefolgt, den er ankündigte. Die beiden Schwestern empfingen ihn in sichtlicher Verlegenheit.
»Ich glaube«, sagte Hélène lächelnd, »es ist meine Aufgabe, als ältere Schwester das Wort zu ergreifen.«
»Mademoiselle, erlauben Sie, dass ich mich über die Feierlichkeit Ihrer Worte wundere.«
»Monsieur, Traurigkeit wäre vielleicht zutreffender als Feierlichkeit: Die Lage, in der sich zwei verwaiste Mädchen befinden, die dreitausend Meilen von ihrer Heimat entfernt mit dem Leichnam ihres Vaters unterwegs sind und noch die Kleinigkeit von tausend oder zwölfhundert Meilen vor sich haben, ist sicherlich alles andere als heiter, wie Sie zugeben werden.«
»Sie sind verwaist, gewiss«, sagte René. »Sie haben noch tausend Meilen zurückzulegen, auch das ist gewiss; doch Sie besitzen einen treuen und ehrerbietigen Bruder, der gelobt hat, über Sie zu wachen, und der sein Wort ohne Abstriche halten wird. Ich dachte sogar, wir wären übereingekommen, dass Sie sich um nichts mehr kümmern müssten und es mir überlassen würden, für Ihre Sicherheit zu sorgen.«
»Das haben Sie bis jetzt getan, Monsieur«, sagte Hélène, »aber wir dürfen die überwältigende Güte, die Sie uns bislang bezeigt haben, nicht länger ausnutzen.«
»Ich dachte, Sie erwiesen mir die Gunst, mich über Sie wachen zu lassen, bis wir Rangun erreichen, das heißt bis Sie Ihren Besitz betreten, und dementsprechend habe ich meine Vorkehrungen getroffen; doch wenn Sie es vorziehen, den Vormund abzulehnen, den Surcouf für Sie gewählt hat, verzichte ich jederzeit auf diesen ehrenvollen Titel. Es wäre mir eine Freude gewesen, wäre die Wahl auf mich gefallen, doch um keinen Preis wollte ich mich aufdrängen.«
»Oh, Monsieur René!«, rief Jane.
»Gewiss wäre es uns ein Vergnügen«, unterbrach ihre Schwester sie, »uns unter dem Schutz eines Mannes zu wissen, der so gütig wie großherzig und tapfer ist, doch es steht uns nicht zu, Ihre Ziele unserer alleinigen Bequemlichkeit zu opfern. Wir bitten Sie als Einziges, uns einem Kapitän anzuvertrauen, der zum Reich der Birmanen fährt und der uns an einem Küstenabschnitt absetzen kann, wo wir eine Eskorte mieten können, die uns zum Fluss Pegu bringt.«
»Wenn Ihnen dies tatsächlich lieber wäre als das, was ich Ihnen vorschlug, Mademoiselle, dann steht es mir nicht zu, Einwendungen zu erheben, sondern ich werde auf der Stelle, wenn auch mit größtem Bedauern, von dem Vorhaben Abstand nehmen, das ich hegte, seit wir uns kennenlernten, und das mir zwei Monate lang selige Tagträume beschert hat. Denken Sie nach; ich harre Ihrer Befehle und werde sie ausführen.«
René erhob sich, nahm seinen Hut und schickte sich an, sich von den Schwestern zu verabschieden.
Doch mit einer instinktiven, unüberlegten Bewegung warf Jane sich zwischen ihn und die Tür.
»Oh, Monsieur«, sagte sie, »Gott behüte, dass Sie uns für undankbar genug halten, alles, was Sie schon für uns getan haben und noch für uns tun wollen, nicht mit tiefstem Dank zu betrachten! Meine Schwester und ich erschrecken nur ein wenig, wenn wir bedenken, welch große Verpflichtung wir einem Fremden gegenüber eingehen.«
»Einem Fremden gegenüber!«, wiederholte René. »Mademoiselle, Sie sind grausamer als Ihre Schwester, denn sie hatte dieses Wort nicht auszusprechen gewagt.«
Jane sagte mit ruhigerer Stimme: »O weh, warum ist es nur so schwierig für ein Mädchen in meinem Alter, dem Vater oder Mutter immer das Denken abgenommen haben, zu sagen, was es denkt! Oh! Mag meine Schwester mich ruhig schelten, ich werde Sie nicht gehen lassen, solange Sie uns für so herzlos halten müssen.«
»Aber Jane«, sagte Hélène, »Monsieur weiß sehr wohl …«
»Nein, Hélène«, versetzte Jane, »nein, Monsieur weiß keineswegs; ich habe es nur zu deutlich an der Miene gesehen, mit der er sich erhoben hat, um sich von uns zu verabschieden, und an der Stimme gehört, mit der er angeboten hat, uns dem Schutz eines anderen zu überantworten.«
»Jane! Jane!«, sagte Hélène mahnend.
»Oh! Monsieur mag denken, was er will«, rief Jane, »solange er uns nicht für undankbar und kaltherzig hält!« Dann wandte sie sich an René und sagte flehend: »Nein, Monsieur, aus dem Mund meiner Schwester sprach die Schicklichkeit, doch aus meinem Mund werden Sie die Wahrheit vernehmen. Die Wahrheit sieht so aus: Meine Schwester fürchtet – und darüber haben wir uns schon des Öfteren den Kopf zerbrochen -, meine Schwester fürchtet, eine Abwesenheit von zwei Monaten oder länger könnte Ihnen zum Nachteil bei Monsieur Surcouf gereichen; sie fürchtet, Sie könnten durch Ihre Freundlichkeit Ihren eigenen Interessen schaden, und es wäre ihr lieber, dass wir unser ganzes Vermögen verlören, als dass Sie auf eine Beförderung verzichten müssten, die Sie so unstreitig verdient haben.«
»Lassen Sie mich zuerst diese Befürchtungen Mademoiselle Hélènes zerstreuen. Monsieur Surcouf hat mich selbst als Ihren Vormund vorgeschlagen, als mein Herz mich zu Ihrem Bruder erklärte; mit seiner Zustimmung habe ich die kleine Slup gekauft, die Sie nach Rangun bringen soll und auf der Sie keine der Gefahren zu gewärtigen hätten, die Ihnen auf der Standard drohen könnten, da die Slup unter neutraler Flagge fährt. Sie haben mit eigenen Augen gesehen, dass Monsieur Surcouf heute Morgen den Preis der Verschönerungen festgesetzt hat, die ich daran vornehmen lassen will. Auf keinem anderen Schiff, welcher Größe auch immer, wären Sie so behaglich untergebracht wie auf der Runner of New York.«
»Aber Monsieur«, wagte Hélène schüchtern einzuwenden, »dürfen wir zulassen, dass Sie acht- oder zehntausend Francs ausgeben, was Sie andernfalls niemals getan hätten, nur damit es uns an keiner Bequemlichkeit mangelt?«
»Sie täuschen sich, meine Damen«, widersprach René. »Nicht Sie reisen nach Indien, sondern ich. Die Île de France oder die Insel Réunion zu besuchen, ist nicht Indien besuchen. Ich bin leidenschaftlicher Jäger; ich habe gelobt, auf Pantherjagd zu gehen, auf Tigerjagd und auf Elefantenjagd, und ich will mein Wort halten, weiter nichts. Mein Angebot, Sie zu Ihren Besitzungen zu bringen, können Sie annehmen oder ablehnen, doch das ändert nichts daran, dass ich nach Indien fahren werde. Man hat mir glaubhaft versichert, dass die Ufer des Flusses Pegu von einem Wildreichtum ohnegleichen im ganzen Königreich Birma sind. Und nicht zuletzt harrt Ihrer, teure Schwestern, nach der Ankunft eine letzte und schmerzliche Pflicht. Bisher hatten Sie mir diese fromme Pflicht anvertraut; wollen Sie mir nicht den traurigen Liebesdienst erweisen, mich zu Ende bringen zu lassen, was ich begonnen habe, statt uns unversehens so schroff zu trennen und mir für den Rest meines Lebens eine Erinnerung vorzuenthalten, die mir besonders teuer sein würde?«