Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #2
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-87063-8
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]». Краткое содержание книги:
›Eine Tiefe am Himmel‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award und dem John W. Campbell Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
Einundvierzig
Die meisten Häuser auf mittlerer Höhe waren groß, Vorhallen aus Stein und schwerem Bauholz, hinten in natürliche Höhlen in der Katerwand übergehend. Hrunkner hatte etwas in der Art eines ›Berghauses Süd‹ erwartet, doch in Wahrheit war Unterbergs Haus eine Enttäuschung. Es sah wie ein Gästehaus für eines der richtigen Anwesen aus, und ein Gutteil des Raums wurde mit dem Sicherheitspersonal geteilt, das nun verdoppelt war, da sich die Chefin daheim befand. Unnerbei wurde informiert, dass seine kostbare Fracht bereits eingetroffen sei und dass man bald nach ihm rufen werde. Arla und Brun ließen sich bescheinigen, dass sie ihn abgeliefert hatten, und Hrunk wurde in einen nicht besonders große Warteraum für Personal geführt. Er verbrachte den Nachmittag mit der Lektüre einiger sehr alter Zeitschriften.
»Feldwebel?« Es war General Schmid, die in der Tür stand. »Entschuldigung wegen der Verspätung.« Sie trug eine nicht gekennzeichnete Quartiermeister-Uniform, ganz ähnlich, wie sie Streb Grüntal zu tragen pflegte. Ihre Figur war fast so schlank und feingliedrig wie immer, wenngleich ihre Gesten ein wenig steif wirkten. Hrunkner folgte ihr zurück durch den Sicherheitsbereich und dann eine hölzerne Wendeltreppe hinauf. »Da haben wir Glück gehabt, Feldwebel, dass Sie Scherk und mich so kurz nach Ihrer Entdeckung erwischt haben.«
»Ja, Frau General. Rachner Thrakt hat die Reiseroute festgelegt.« Die Treppe wand sich zwischen Jadewänden immer höher. Geschlossene Türen und gelegentlich ein dunkles Zimmer erschienen an den Seiten. »Wo sind die Kinder?« Die Frage rutschte ihm heraus.
Schmid zögerte, sicherlich suchte sie nach einem Vorwurf in seinen Worten. »… Junior ist voriges Jahr in die Armee eingetreten.«
Davon hatte er gehört. Es war so lange her, seit er Klein Viktoria gesehen hatte. Er fragte sich, wie ihr wohl das Militär gefallen würde. Sie schien immer ein zähes kleines Kuppli zu sein, aber mit einer Portion von Scherkaners Spleens. Er fragte sich, ob wohl Rhapsa und Klein Hrunk noch hier wären.
Die Treppe trat aus der Kraterwand hervor. Dieser Teil des Anwesens hatte vermutlich in den frühen Jahren des Schwindens existiert. Doch wo es zuvor offene und umbaute Höfe gegeben hatte, trotzte nun Quarz in drei Schichten dem Dunkel. Er schwächte alle fernen Farben, doch der Anblick war nackt und krass. Die Lichter der Stadt glitzerten im Land am Grund rings um den hitzeroten See in der Mitte. Kalter Nebel hing überm Wasser in der Luft. All die Lichter von unten ließen ihn trübe glimmen. Die Generalin zog die Blenden vor den Ausblick, während sie dorthin emporstiegen, wo wohl das Hochgitter des ursprünglichen Besitzers gewesen war.
Sie winkte ihn in ein großes, hell erleuchtetes Zimmer.
»Hrunk!« Scherkaner Unterberg kam aus den prall gefüllten Kissen hervor, die das Mobiliar des Raumes bildeten. Sicherlich hatte das der ursprüngliche Eigentümer so eingerichtet. Unnerbei konnte sich nicht vorstellen, dass die Generalin oder Unterberg sich für derlei Verzierungen entschieden hätten.
Unterberg trottete unbeholfen durchs Zimmer, seine Begeisterung übertraf seine Beweglichkeit. Er hatte einen großen Geleitkäfer an der Leine, und das Wesen korrigierte seine Richtung, brachte ihn geduldig zum Eingang. »Du hast Rhapsa und Klein Hrunk um ein paar Tage verpasst, fürchte ich. Die beiden sind nicht die Kupplis, an die du dich erinnerst; sie sind jetzt siebzehn! Aber der Generalin gefiel die Atmosphäre hier in der Gegend nicht, und sie hat sie zurück nach Weißenberg expediert.«
Hinter sich sah Hrunkner, wie die Generalin ihren Gatten wütend anstarrte, doch sie sagte nichts. Statt dessen ging sie langsam von einem Fenster zum anderen, zog Blenden zu, schloss das Dunkel aus. Dieses Zimmer war einmal ein offener Pavillon gewesen, jetzt gab es eine Menge Fenster. Sie setzten sich. Scherkaner war voller Neuigkeiten über die Kinder. Die Generalin saß schweigend da. Als Scherk mit den neuesten Abenteuern von Jirlib und Brent anfing, sagte sie: »Ich bin sicher, der Feldwebel ist nicht gar so sehr interessiert, von unseren Kindern zu hören.«
»Oh, aber ich…«, begann Unnerbei, doch dann sah er, wie sich die Generalin verkrampfte. »Aber ich denke, wir haben eine Menge anderes zu besprechen, nicht wahr?«
Scherk zögerte, dann beugte er sich vor, um das Fell auf dem Rückenpanzer seines Geleitkäfers zu streicheln. Das Tier war groß, es musste dreißig Kilo wiegen, doch es sah sanft und klug aus. Nach einem Augenblick begann der Käfer zu schnurren. »Ich wünschte, ihr anderen wärt so leicht zufriedenzustellen wie Mobiy hier. Aber ja, wir haben eine Menge zu besprechen.« Er griff unter einen Tisch mit Filigran-Arbeiten — das Ding sah aus wie ein Original aus der Escal-Dynastie, etwas, das vier Passagen durch die Tiefen einer reichen Familie überstanden hatte — und zog einen der Plastikbeutel hervor, die Hrunk aus Hochäquatorien mitgebracht hatte. Er setzte ihn mit einem dumpfen Geräusch auf den Tisch. Wölkchen von Gesteinsmehl breiteten sich über das polierte Holz aus.
»Ich bin sprachlos, Hrunk! Dein magischer Steinstaub! Wie bist du darauf gekommen? Du machst einen kleinen Umweg — und kassierst ein Geheimnis, das unserem gesamten Auslandsdienst völlig entgangen ist.«
»Warte, warte. Bei dir klingt das, als ob jemand etwas verschlafen hätte.« Ein paar Leute konnten sehr schlecht aussehen, wenn er die Sache nicht klarstellte. »Das ging über externe Kanäle, aber Rachner Thrakt hat hundertprozentig mit mir kooperiert. Er hat mir die beiden Kupps geliehen, mit denen ich gekommen bin. Wichtiger noch, es waren seine Agenten in Hochäquatorien… Ihr kennt die Geschichte?« Vier von Thrakts Leuten waren über die Hochebene gezogen und hatten dieses Gesteinsmehl aus der inneren Raffinerie der Sinnesgleichen beschafft.
Schmid nickte. »Ja. Keine Sorge. Ich gebe mir selbst die Schuld, dass wir das übersehen haben. Wir sind mit all unserer technischen Überlegenheit zu selbstsicher geworden.«
Scherkaner kicherte. »Kann man wohl sagen.« Er stocherte in dem Gesteinsmehl herum. Das Licht hier war hell und farbecht, viel besser als unten beim Flughafenzoll. Doch selbst bei gutem Licht sah das Pulver nach nichts anderem als schieferfarbenem Staub aus — äquatorialer Hochlandschiefer, wenn man sich in Mineralogie gut auskannte. »Aber ich verstehe immer noch nicht, wie du darauf gekommen bist — und sei es als Möglichkeit.«
Unnerbei lehnte sich zurück. Eigentlich fühlten sich die Kissen ziemlich gut an, verglichen mit einem Passagiernetz in der dritten Klasse. »Also, erinnert ihr euch an diese gemeinsame Expedition der Sinnesgleichen und des Einklangs ins Zentrum der Hochebene vor fünf Jahren? Da waren ein paar Physiker dabei, die behaupteten, die Schwerkraft spiele dort verrückt.«
»Ja. Sie glaubten, die Bergwerksschächte wären ein geeigneter Ort, um eine neue Untergrenze für das Äquivalenzprinzip zu ermitteln; statt dessen fanden sie große Abweichungen, die von der Tageszeit abhingen. Wie du sagst, bekamen sie verrückte Ergebnisse, aber sie zogen die ganze Sache zurück, nachdem sie ihre Methodik neu geeicht hatten.«
»So geht die Geschichte — aber als ich das Kraftwerk für Westuntertor einrichtete, lief mir eine von den Einklang-Physikerinnen der Expedition über den Weg. Triga Tiefschacht ist ein solider Ingenieur, obwohl sie Physikerin ist; ich habe sie ziemlich gut kennengelernt. Jedenfalls behauptete sie, dass die experimentelle Methode bei der ersten Expedition völlig in Ordnung gewesen sei und dass man sie aus der späteren Teilnahme herausgedrängt habe… Also begann ich mich zu fragen, was es wohl mit diesem großen Tagebauunternehmen auf sich hat, das die Sinnesgleichen gerade mal ein Jahr nach der Expedition auf der Hochebene begannen. Es liegt fast genau an dem Ort, wo die Physiker waren — und sie mussten fünfhundert Meilen Gleis legen, um es anzubinden.«
»Sie haben Kupfer gefunden«, sagte Schmid. »Ein gutes Vorkommen, und das ist keine Lüge.«