Nie sollst Du vergessen
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #11
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
»Im Moment hatte ich dafür keine Zeit, weil ich mich mit Pitchley befasst habe«, antwortete Barbara. »Aber ich werde mich heute darum kümmern. Es gibt allerdings keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Wolff überhaupt wissen will, was aus ihrem Kind geworden ist, Sir. Wenn sie den Jungen finden wollte, hätte sie garantiert als Erstes mit der Nonne im Kloster der Unbefleckten Empfängnis gesprochen. Aber das hat sie nicht getan.«
Leach knurrte etwas Unverständliches. »Gehen Sie der Sache trotzdem nach.«
»In Ordnung«, sagte Barbara. »Hat das Priorität vor einem Gespräch mit Lynn Davies?«
»Ist mir egal. Machen Sie's, wie Sie's für richtig halten, Constable«, antwortete Leach ungeduldig. »Wir haben übrigens einen Laborbefund. Die Lackteilchen, die an der Leiche gefunden wurden, sind analysiert.«
»Und?«, fragte Lynley.
»Wir werden umdenken müssen. SO7 berichtet, dass der Lack eine Mischung aus Zellulose und Verdünnungsmitteln aufweist. Seit vierzig Jahren wird bei Autos kein Lack dieser Art mehr verwendet. Die Splitter stammen von einem alten Fahrzeug - spätestens Fünfzigerjahre, sagen die vom Labor.«
»Fünfzigerjahre?«, wiederholte Barbara ungläubig.
»Darum meinte der Zeuge von gestern Nacht, es könnte eine Limousine gewesen sein«, sagte Lynley. »Die Autos in den Fünfzigern waren ja ungeheuer massiv. Jaguar, Rolls-Royce, Bentley, das waren alles Riesenschlitten.«
»Also hat jemand sie in seinem Oldtimer überfahren?«, fragte Barbara. »Na, da scheint ja einer vor nichts zurückzuschrecken.«
»Es könnte ein Taxi sein«, warf Nkata ein. »Ein ausrangiertes Taxi, das an jemanden verkauft worden ist, der es hergerichtet hat und jetzt damit rumkutschiert.«
»Ob Taxi oder Oldtimer«, sagte Barbara, »alle, die wir im Auge haben, sind aus dem Rennen.«
»Es sei denn, einer von ihnen hat sich den Wagen geliehen«, bemerkte Lynley.
»Richtig, diese Möglichkeit können wir nicht ausschließen«, stimmte Leach zu.
»Heißt das, dass wir wieder am Ausgangspunkt angelangt sind?«, fragte Barbara.
»Ich setze sofort jemanden darauf an. Und auf alle Werkstätten, die auf alte Autos spezialisiert sind. Obwohl bei einem Wagen aus den Fünfzigern nicht mit größeren Karosserieschäden zu rechnen ist. Das waren ja damals die reinsten Panzer.«
»Aber sie hatten Stoßstangen aus massivem Chrom«, stellte Nkata fest. »So eine könnte bei dem Unfall verbogen worden sein.«
»Das heißt, wir müssen auch alle Händler überprüfen, die alte Zubehörteile vertreiben.« Leach machte sich eine Notiz. »Es ist einfacher, so was zu ersetzen, als zu reparieren, besonders wenn man weiß, dass die Bullen sich dafür interessieren.« Er rief im Besprechungsraum an, um seine Anweisungen zu geben, dann legte er auf und sagte zu Lynley: »Und es könnte trotzdem nichts weiter als ein verrückter Zufall sein.«
»Glauben Sie das wirklich, Sir?«, erwiderte Lynley in so vielsagendem Ton, dass Nkata sofort wusste, der Inspector erwartete, aus Leachs Antwort, wie immer sie ausfallen würde, etwas heraushören zu können.
»Ich würde es gern glauben. Aber mir ist schon klar, dass man sich in so einer Situation gern Scheuklappen aufsetzt.« Leach starrte auf sein Telefon, als wollte er es mit reiner Willenskraft zum Klingeln zwingen. Die anderen sagten nichts. Schließlich murmelte er: »Er ist ein guter Mann. Er hat vielleicht hin und wieder einen Fehler begangen, aber wer von uns hat das nicht getan? Das schmälert sein Format nicht.« Er sah Lynley an, und zwischen den beiden schien ein Austausch stattzufinden, von dem Nkata nichts verstand. Dann sagte Leach kurz: »Packen Sie's an«, und sie gingen.
Draußen sagte Barbara zum Inspector: »Er weiß es, Inspector.«
»Wer weiß was?«, fragte Nkata.
»Leach«, antwortete Barbara. »Er weiß, dass es zwischen Webberly und der Davies eine Verbindung gibt -«
»Aber natürlich weiß er das. Sie haben den Fall damals gemeinsam bearbeitet. Das ist nichts Neues. Das wussten wir auch schon.«
»Okay. Aber wir wussten nicht -«
»Das reicht, Havers«, unterbrach Lynley. Die beiden tauschten einen langen Blick, ehe Barbara betont lässig sagte: »Na gut. Dann bin ich jetzt weg.« Mit einem freundlichen Nicken zu Nkata ging sie zu ihrem Wagen.
Nach diesem kurzen Wortwechsel glaubte Nkata deutlich den unausgesprochenen Tadel zu hören, der in Lynleys Entscheidung lag, ihn über eine offensichtlich neue Erkenntnis, die er und Barbara gesichert hatten, im Unklaren zu lassen. Er sah ein, dass er es nicht anders verdient hatte - er hatte ja weiß Gott bewiesen, dass er nicht über den Sachverstand und die Kompetenz verfügte, um mit wichtigen neuen Erkenntnissen richtig umzugehen -, aber er hatte doch geglaubt, bei seinem Bericht über das schief gelaufene Gespräch vorsichtig genug gewesen zu sein, um nicht als kompletter Versager dazustehen. Doch da hatte er sich offenbar geirrt.
Zutiefst niedergeschlagen sagte er: »Inspector, wollen Sie, dass ich abgebe?«
»Abgeben? Was denn, Winston?«
»Na, den Fall. Sie wissen schon. Wenn ich nicht mal eine simple Befragung durchführen kann, ohne alles zu verpfuschen…«
Lynley sah ihn so verdutzt an, dass Nkata klar war, er würde das eingestehen müssen, was er lieber für sich behalten hätte. Den Blick auf Barbara gerichtet, die in ihre kleine Rostlaube geklettert war und jetzt den müden alten Motor des Mini hochjagte, sagte er: »Ich meine, Sie finden ja vielleicht, wenn ich nicht mit den Fakten umgehen kann, die ich habe, ist es besser, mir gar nicht erst alles zu sagen. Aber dann wäre ich natürlich nur lückenhaft informiert, und meiner Arbeit täte das bestimmt nicht gut. Womit ich nicht sagen will, dass ich mich heute Morgen mit Ruhm bekleckert hätte… Also, mit anderen Worten… Wenn's Ihnen lieber ist, lass ich die Finger von dem Fall… Ich will nur sagen, dass ich das verstehen kann. Ich hätte sehen müssen, wie man diese beiden Frauen anpackt. Statt mir einzubilden, ich wüsste schon alles, hätte ich daran denken müssen, dass es vielleicht etwas gibt, das ich nicht sehe. Aber das hab ich nicht getan. Und drum hab ich die Sache in den Sand gesetzt und -«
»Winston«, unterbrach Lynley ihn mit Entschiedenheit.
»Asche aufs Haupt ist in Ordnung, aber die neunschwänzige Katze können Sie im Schrank lassen.«
»Was?«
Lynley lächelte. »Sie haben eine glänzende Karriere vor sich, Winston. Keine Flecken auf der weißen Weste wie wir anderen. Ich möchte gern dafür sorgen, dass es so bleibt. Verstehen Sie mich?«
»Wie? Sie meinen, wenn ich noch mal pfusche, käme es zu einer förmlichen -«
»Nein, aber nein. Ich möchte einfach, dass Sie sauber bleiben, Winston. Für den Fall, dass…« Lynley schien nach einer Wendung zu suchen, die erklären würde, ohne zu enthüllen. Schließlich sagte er: »Falls man unser Vorgehen später kritisch überprüfen sollte, möchte ich allein dafür verantwortlich sein«, und er sagte es so vorsichtig, dass Nkata hörte, wie heikel die Angelegenheit war, und nur noch Lynleys Worte mit Barbaras unbedachter Bemerkung in Verbindung zu bringen brauchte, um zu begreifen.
»Heiliger Strohsack!«, rief er ungläubig. »Sie wissen was und rücken nicht raus damit?«
»Gute Arbeit, Winston«, sagte Lynley trocken. »Von mir haben Sie das aber nicht gehört.«
»Weiß Barb Bescheid?«
»Nur weil sie dabei war. Die Verantwortung trage ich, Winston. Und ich möchte gern, dass es so bleibt.«
»Könnte es eine Spur zum Killer sein?«
»Ich glaube es nicht. Aber ja, möglich wäre es.«
»Ist es Beweismaterial?«
»Darüber wollen wir lieber nicht sprechen.«
Nkata traute seinen Ohren nicht. »Dann müssen Sie es weitergeben, Inspector! Es ist doch Teil der Beweiskette! Sie können es nicht einfach unterschlagen, weil Sie glauben - was glauben Sie überhaupt?«