Wer die Wahrheit sucht
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #12
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet
- ISBN: 3-7645-0099-9
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Wer die Wahrheit sucht». Краткое содержание книги:
Simon St. James, engster Vertrauter von Chief Inspector Thomas Lynley, reist mit seiner Frau Deborah auf die winterliche Kanalinsel, um die Unschuld von China, einer alten Freundin Deborahs, nachzuweisen. Doch je tiefer sie in die verschworene Inselgemeinschaft eintauchen, desto mehr Personen entdecken sie, die dem wohltätigen Mitbürger Guy Brouard alles andere als freundschaftliche Gefühle entgegenbringen — und die auf irgendeine Weise in den Mord verstrickt sind: seine Exfrau, sein Sohn, seine Geliebte, seine Schwester, seine jugendlichen Schützlinge, der tragisch ausgebootete einheimische Architekt. Liegen die Motive in Brouards undurchsichtiger Vergangenheit? Oder reichen sie zurück bis in Guernseys wechselvolle Geschichte?
«Das ist nicht wahr!«
«Du wirst es nicht glauben, aber sie hat tatsächlich mich bevorzugt. Selbst als sie ihn hautnah erlebte. Natürlich kann man jetzt sagen, sie hätte gemerkt, dass sie nicht sein Typ war — nicht blond, nicht unterwürfig, wie er es gern hatte, nicht starr vor Ehrfurcht vor seinem Geld und seiner Macht. Tatsache ist aber, dass sie von ihm überhaupt nicht beeindruckt war, ganz gleich, wie dick er den Charme auftrug. Sie wusste, dass es nur ein Spiel war, und das stimmte ja auch: das geistreiche Gerede, die Anekdötchen, die tiefschürfenden Fragen, die scheinbar ungeteilte Aufmerksamkeit. Begehrt hat er sie nicht, aber wenn sie bereit und willens gewesen wäre, hätte er es mitgenommen, weil er das immer tat. Das weißt du ja. Wer wüsste es besser, hm? Nur war sie eben nicht bereit und willens.«
«Wieso, um alles in der Welt, hast du mir dann erzählt. hast du durchblicken lassen — denn das kannst du nicht bestreiten. Du hast durchblicken lassen. Warum?«
«Du hattest dir doch längst dein eigenes Bild gemacht. Carmel und ich haben nach unserem Besuch hier bei ihm Schluss gemacht, was für einen anderen Grund hätte es also geben können? Ich hatte ihn mit ihr beim Beischlaf erwischt — «
«Hör endlich auf!«
«- und hatte keine Wahl, als Schluss zu machen. Oder sie hatte Schluss gemacht, weil er ihr besser gefiel als ich. Das war doch das Einzige, was du dir vorstellen konntest. Wenn ich sie nämlich nicht an Dad verloren hatte, dann musste es etwas anderes sein, und daran wolltest du nicht denken, weil du hofftest, das alles wäre endlich passe.«
«Was redest du da für einen Unsinn!«
«Also, pass auf, Mutter, ich sag dir, wie's war. Carmel war bereit, so ziemlich alles hinzunehmen. Sie ist keine Schönheit, und besonders witzig ist sie auch nicht. Sie konnte nicht damit rechnen, dass sie in ihrem Leben mehr als einen Mann ergattern würde, also war sie bereit, sich für eine feste Beziehung zu entscheiden. Und nachdem sie sich entschieden hatte, war nicht damit zu rechnen, dass sie sich für andere Männer interessieren würde. Kurz, sie war perfekt. Das hast du gesehen. Das habe ich gesehen. Das haben alle gesehen. Auch Carmel. Wir waren füreinander geschaffen. Es gab nur ein Problem: einen Kompromiss, auf den sie sich nicht einlassen konnte.«
«Was für einen Kompromiss? Wovon redest du?«
«Von einem nächtlichen Kompromiss.«
«Du meinst, wegen deiner Schlafwandelei? Sie hatte Angst? Sie hat nicht verstanden, dass das — «
«Ich hab ins Bett gemacht«, unterbrach er sie. Die Demütigung stand ihm ins Gesicht geschrieben.»Okay? Zufrieden? Ich hab ins Bett gepisst.«
Margaret versuchte, ihren Ekel zu unterdrücken, als sie sagte:»So was kann doch jedem mal passieren. Man hat am Abend vorher ein bisschen zu viel getrunken. Vielleicht auch ein Traum. Verwirrung darüber, nicht in den eigenen vier Wänden zu sein.«
«Jede Nacht, solange wir hier waren«, sagte er.»Jede Nacht. Sie war teilnahmsvoll, aber kann man es ihr verübeln, dass sie Schluss gemacht hat? Sogar eine unscheinbare kleine Schachspielerin, die nicht hoffen kann, einen anderen Mann zu finden, hat ihre Grenzen. Sie war bereit gewesen, sich mit dem Schlafwandeln zu arrangieren, mit den nächtlichen Schweißausbrüchen, den Alpträumen. Sogar mit meinem gelegentlichen Abwandern in den Nebel. Aber in meiner Pisse zu schlafen, das war zu viel des Guten. Und ich nehme es ihr nicht übel. Ich hab selbst siebenunddreißig Jahre lang darin geschlafen, und es ist nicht besonders angenehm.«
«Nein! Das war doch vorbei. Ich weiß, dass es vorbei war. Was hier, im Haus deines Vaters passiert ist, war ein Ausrutscher.
Jetzt, wo dein Vater tot ist, wird das nicht noch einmal vorgekommen. Ich rufe sie an. Ich sage es ihr.«
«So wichtig ist es dir, hm?«
«Du verdienst — «
«Machen wir uns doch nichts vor. Carmel war deine beste Chance, mich loszuwerden, Mutter. Es hat nur nicht so geklappt, wie du gehofft hattest.«
«Das ist nicht wahr!«
«Nein?«Er schüttelte mit spöttischer Belustigung den Kopf.»Und ich dachte, du wolltest keine Lügen mehr. «Er wandte sich zur Tür. Es gab keine Mutter mehr, die ihn daran hindern konnte, das Zimmer zu verlassen. Er öffnete die Tür und sagte im Hinausgehen:»Für mich ist das erledigt.«
«Was? Adrian, du kannst nicht — «
«Doch, ich kann«, entgegnete er.»Und ich will. Ich bin, wie ich bin, und zwar genauso — wenn wir ausnahmsweise mal ehrlich sind — , wie du mich haben wolltest. Schau dir an, wohin es uns beide geführt hat, Mutter. An einen Punkt, wo einer den anderen nicht mehr los wird.«
«Willst du mir Vorwürfe machen?«, fragte sie, entsetzt über seine Interpretation all dessen, was sie nur aus Liebe getan hatte. Kein Dank dafür, dass sie ihn beschützt hatte, dass sie ihm stets mit Rat und Tat zur Seite gestanden hatte; dass sie sich für ihn in die Bresche geworfen hatte. Mein Gott, ein kleines bisschen Anerkennung für ihr unermüdliches Interesse an ihm und seinem Leben hätte sie doch wirklich verdient gehabt!» Adrian, willst du mir Vorwürfe machen?«, rief sie noch einmal, als er nichts sagte.
Aber die einzige Antwort, die sie erhielt, war ein kurzes Lachen. Dann schloss er die Tür und war weg.
«China hat erklärt, sie hätte nichts mit ihm gehabt«, sagte Deborah zu ihrem Mann, als sie wieder draußen in der Auffahrt waren. Sie überlegte jedes Wort.»Aber sie könnte. vielleicht wollte sie es mir nicht sagen. Vielleicht ist es ihr peinlich, dass sie was mit ihm angefangen hatte, da doch gerade erst mit Matt Schluss war. Nicht aus moralischen Gründen, sondern weil. na ja, es ist alles ziemlich traurig. Es zeigt — es zeigt doch eine starke Bedürftigkeit. Und sie würde sich selbst dafür verachten, bedürftig zu sein, und könnte nicht ertragen, darüber nachzudenken, was das über sie aussagt.«
«Es würde erklären, warum sie nicht in ihrem Zimmer war«, stimmte Simon zu.
«Und es hätte jemand anderem — jemandem, der wusste, wo sie war — eine Chance gegeben, sich ihren Umhang zu schnappen, den Ring, ein paar ihrer Haare, ihre Schuhe. Es wäre ein Kinderspiel gewesen.«
«Aber nur eine Person könnte das getan haben«, sagte Simon.»Das ist dir doch klar?«
Deborah schaute weg.»Ich kann das nicht von Cherokee glauben. Simon, es gibt noch andere, die auch die Gelegenheit und vor allem ein Motiv hatten. Adrian, zum Beispiel, und Henry Moullin.«
Simon schwieg. Er beobachtete einen kleinen Vogel, der in den kahlen Zweigen einer Kastanie umherhüpfte. Seufzend sagte er ihren Namen, und Deborah begriff deutlich den Unterschied ihrer Positionen. Er verfügte über Informationen. Sie nicht. Und er brachte diese Informationen eindeutig mit Cherokee in Zusammenhang.
Deborah spürte, wie sie unter seinem liebevollen Blick erstarrte.»Und wie geht es jetzt weiter?«, fragte sie ziemlich förmlich.
Er akzeptierte die Veränderung in ihrem Ton und ihrer Stimmung ohne Protest.»Kevin Duffy, denke ich.«
Sie war erleichtert über diesen Richtungswechsel.»Du glaubst also doch, dass es noch andere gibt.«
«Ich glaube, man sollte sich mal mit ihm unterhalten. «Er hielt das Gemälde in der Hand und sah es an.»Könntest du inzwischen versuchen, Paul Fielder aufzustöbern, Deborah? Ich nehme an, er wird irgendwo hier in der Nähe sein.«
«Paul Fielder? Warum?«
«Ich möchte gern wissen, woher er das Bild hat. Hat Guy Brouard es ihm zur Aufbewahrung gegeben, oder hat er es irgendwo liegen sehen und an sich genommen und Ruth Brouard erst gegeben, als er damit erwischt wurde?«
«Ich kann mir nicht vorstellen, dass er es gestohlen hat. Was soll er damit gewollt haben? Ich meine, wenn Teenager stehlen, dann doch ganz andere Dinge.«
«Das ist richtig. Andererseits scheint er kein gewöhnlicher Teenager zu sein. Und wenn ich richtig verstanden habe, hat die Familie zu kämpfen. Vielleicht dachte er, er könnte das Bild an eines der Antiquitätengeschäfte in der Stadt verhökern. Man sollte da auf jeden Fall mal auf den Busch klopfen.«