Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Aidan war so klug, ihm mit Höchstgeschwindigkeit zu folgen.
Mrs. McCallum hatte sich auf den Boden gesetzt und sich die Schürze über den Kopf geworfen, unter der sie einen hysterischen Anfall bekam. Das Baby brüllte, und die Milch, die langsam von der Tischkante tropfte, akzentuierte das Prasseln des Regens. Er sah, dass das Dach undicht war; lange nasse Streifen verdunkelten die entrindeten Stämme in Mrs. McCallums Rücken, und sie saß in einer Pfütze.
Mit einem tiefen Seufzer hob er das Baby aus seiner Wiege und überraschte es damit so, dass es schluckte und aufhörte zu schreien. Es blinzelte ihn an und steckte die Faust in den Mund. Er hatte keine Ahnung, ob es ein Junge oder Mädchen war; es war ein anonymes Stoffbündel mit einem verkniffenen kleinen Gesicht und argwöhnischer Miene.
Er nahm es in den Arm und hockte sich auf den Boden, um Mrs. McCallum den anderen Arm um die Schultern zu legen. Er tätschelte sie vorsichtig, in der Hoffnung, dass sie sich vielleicht fassen würde.
»Ist ja schon gut«, sagte er. »Es war doch nur ein Frosch.«
Sie stöhnte unablässig wie ein Gespenst und schrie dazwischen immer wieder kurz auf. Dann wurden die Schreie seltener, und das Stöhnen verwandelte sich schließlich in mehr oder weniger normales Weinen, doch sie war nicht zu bewegen, unter der Schürze hervorzukommen.
Seine Oberschenkelmuskeln verkrampften sich im Hocken, und nass war er sowieso. Mit einem Seufzer ließ er sich in der Pfütze nieder, setzte sich neben sie und berührte hin und wieder ihre Schulter, damit sie wusste, dass er noch da war.
Zumindest machte das Baby einen zufriedenen Eindruck. Es saugte an seiner Faust und ließ sich von den Anwandlungen seiner Mutter nicht stören.
»Wie alt ist denn das Kleine?«, fragte er im Plauderton während einer kurzen Atempause. Er wusste es ungefähr, weil es eine Woche nach Orem McCallums Tod zur Welt gekommen war – aber wenigstens war es etwas, was er sagen konnte. Und was sein Alter anging, so kam es ihm furchtbar klein und leicht vor, zumindest verglichen mit seiner Erinnerung an Jemmy zur selben Zeit.
Sie murmelte etwas Unhörbares, doch das Weinen ging in holpernde Seufzer über. Dann sagte sie noch etwas.
»Wie war das, Mrs. McCallum?«
»Warum?«, flüsterte sie unter ihrem verblichenen Kaliko. »Warum hat mich Gott hierhergebracht?«
Das war allerdings eine verdammt gute Frage; er hatte sie selbst schon oft genug gestellt, allerdings noch keine überzeugenden Antworten erhalten.
»Nun … wir bauen darauf, dass er einen Plan hat«, sagte er ein wenig verlegen. »Wir kennen ihn nur nicht.«
»Ein schöner Plan«, sagte sie und schluchzte auf. »Uns so weit zu bringen, an diesen schrecklichen Ort, und mir dann meinen Mann wegzunehmen und mich hier verhungern zu lassen!«
»Oh … so schrecklich ist es hier doch gar nicht«, sagte er, weil ihm ansonsten keine Gegenargumente einfielen. »Die Wälder und die … Bäche, die Berge … es ist … äh … ziemlich hübsch. Wenn es nicht gerade regnet.« Diese hirnverbrannten Worte brachten sie tatsächlich zum Lachen, obwohl es schnell erneut in Weinen überging.
»Was?« Er legte den Arm um sie und zog sie ein wenig fester an sich, sowohl um sie zu trösten als auch, um auszumachen, was sie unter ihrer improvisierten Zuflucht sagte.
»Ich vermisse das Meer«, flüsterte sie und lehnte ihren in Kaliko gehüllten Kopf an seine Schulter, als sei sie sehr müde. »Ich werde es nie wieder sehen.«
Damit hatte sie sehr wahrscheinlich recht, und es gab nichts, was er darauf erwidern konnte. Sie saßen eine Weile da, und nur das Schmatzen des Babys unterbrach die Stille.
»Ich lasse nicht zu, dass Ihr verhungert«, sagte er schließlich leise. »Das ist alles, was ich versprechen kann, aber ich verspreche es.« Mit steifen Beinen stand er auf und ergriff eine ihrer kleinen rauhen Hände, die schlaff auf ihrem Schoß lagen. »Steht jetzt auf. Ihr könnt das Kleine füttern, während ich ein wenig aufräume.«
Als er aufbrach, hatte es aufgehört zu regnen, und die Wolkendecke begann aufzureißen und ließ den blassblauen Himmel durchscheinen. An einer Biegung des steilen, schlammigen Pfades blieb er stehen, um einen Regenbogen zu bewundern – er war vollständig und reichte von einer Seite des Himmels zur anderen, und seine Nebelfarben versanken im nassen Dunkelgrün des gegenüberliegenden Berghangs.
Es war still, bis auf das Wasser, das von den Blättern platschte und tropfte und neben dem Pfad durch eine felsige Rinne gurgelte.
»Ein Pakt«, sagte er leise vor sich hin. »Und was ist das Versprechen? Doch bestimmt kein Goldschatz.« Er schüttelte den Kopf und ging weiter. Er hielt sich an Ästen und Büschen fest, um nicht den Berg hinunterzurutschen; er wollte nicht als Gewirr von Knochen unten enden wie Orem McCallum.
Er würde mit Jamie sprechen, außerdem mit Tom Christie und Hiram Crombie. Sie konnten es gemeinsam weitersagen und dafür sorgen, dass die Witwe McCallum und ihre Kinder genug zu essen bekamen. Die Leute teilten gern – aber es musste sie jemand fragen.
Er sah sich noch einmal um; der schiefe Schornstein war über den Bäumen gerade noch zu sehen, doch er rauchte nicht. Sie konnten genug Brennholz sammeln, sagte sie – doch nass, wie es war, dauerte es tagelang, bis sie etwas Brennbares hatten. Sie brauchten einen Schuppen für das Holz und Stücke, die so groß waren, dass sie einen Tag lang brannten, nicht die Zweige und heruntergefallenen Äste, die Aidan tragen konnte.
Als hätte ihn der Gedanke herbeigerufen, sah er Aidan. Der Junge hockte etwa zehn Meter unter ihm mit dem Rücken zum Pfad an einem Teich und angelte. Seine Schulterblätter zeichneten sich scharf wie kleine Engelsflügel unter dem abgetragenen Stoff seines Hemdes ab.
Das Rauschen des Wassers überdeckte seine Schritte, als er die Felsen hinunterstieg. Ganz sanft legte er Aidan die Hand um den schmalen weißen Nacken, und die hageren Schultern des Jungen fuhren überrascht zurück.
»Aidan«, sagte er. »Ich muss bitte mit dir reden.«
Kapitel 39
Ich bin die Auferstehung
Ende Oktober 1773
Gehämmer an der Tür riss Roger kurz vor Tagesanbruch aus dem Schlaf. Brianna, die neben ihm lag, stieß ein unartikuliertes Geräusch aus, das er aus langer Erfahrung als Ankündigung interpretierte, dass sie aufstehen und zur Tür gehen würde, wenn er es nicht tat – dass es ihm aber leidtun würde, genau wie der bedauernswerten Person auf der anderen Seite.
Resigniert warf er die Bettdecke zurück und fuhr sich mit der Hand durch das wirre Haar. Die Luft traf ihn kalt an den nackten Beinen, und es lag ein eisiger Schneehauch darin.
»Wenn ich das nächste Mal heirate, nehme ich ein Mädchen, das morgens fröhlich aufwacht«, sagte er an die zusammengekrümmte Gestalt unter der Bettwäsche gerichtet.
»Mach das«, sagte eine gedämpfte Stimme unter dem Kissen – deren verschwommener Klang ihren feindseligen Tonfall nicht verbergen konnte.
Das Hämmern wiederholte sich, und Jemmy – der morgens fröhlich aufwachte – setzte sich in seinem Bettchen auf. Er sah aus wie eine rothaarige Pusteblume.
»Es klopft«, teilte er Roger mit.
»Ach ja? Mmpfm.« Er unterdrückte das Bedürfnis aufzustöhnen, stand auf und ging zur Tür, um sie zu entriegeln.
Draußen stand Hiram Crombie, der im milchigen Halbdunkel noch sauertöpfischer aussah als sonst. Ebenfalls kein Frühaufsteher, dachte Roger.
»Die alte Mutter meiner Frau ist in der Nacht von uns geschieden«, unterrichtete er Roger ohne Umschweife.
»Geschieden?«, fragte Jemmy neugierig und steckte seinen Wuschelkopf hinter Rogers Bein hervor. »Mr. Stornaway hat einen Stein ausgeschieden – hat ihn mir und Germain gezeigt.«
»Mr. Crombies Schwiegermutter ist gestorben«, sagte Roger. Er legte Jem die Hand auf den Kopf, um ihn zum Schweigen zu bringen, und hüstelte entschuldigend in Mr. Crombies Richtung. »Tut mir leid, das zu hören, Mr. Crombie.«