Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Es ist ein Truck«, unterrichtete Jemmy sie herablassend, aber freundlich. »Sagt Papa.«
»Ein Truck ist ein Brumm«, versicherte Roger Felicité, als er sah, dass sich ihre Stirn zweifelnd zu verziehen begann. »Es ist nur eine größere Sorte.«
»Ein großes Brumm, bäh!« Felicité trat Jem vor das Schienbein. Er heulte auf und fasste nach ihren Haaren, wurde aber von Joan in den Bauch geboxt – sie war stets bereit, ihre Schwester zu verteidigen.
Brianna richtete sich auf und war schon im Begriff einzugreifen, doch Roger erstickte den Aufruhr im Keim, indem er Jem und Felicité auf Armeslänge von sich hielt und Joan funkelnd zum Rückzug zwang.
»Schluss damit. Hier wird nicht gestritten, sonst kommen die Brumms bis morgen fort.«
Das brachte sie unverzüglich zur Ruhe, und Brianna spürte, wie sich Marsali entspannte und rhythmisch weiterarbeitete. Der Regen summte unablässig auf dem Dach; an einem solchen Tag hielt man sich am besten im Haus auf, auch wenn man gelangweilte Kinder beschäftigen musste.
»Warum spielt ihr nicht etwas schön Ruhiges?«, sagte sie und grinste Roger an. »Zum Beispiel … oh … Formel eins?«
»Oh, was für eine große Hilfe du bist«, sagte er und warf ihr einen genervten Blick zu, ließ die Kinder aber gehorsam mit Kreide eine Rennstrecke auf den großen Kaminsockel malen.
»Wie schade, dass Germain nicht hier ist«, sagte er beiläufig. »Wo steckt er denn bei diesem Regen, Marsali?« Germains Brumm – laut Roger ein Jaguar X-KE, auch wenn es in Briannas Augen genauso wie die anderen aussah; ein Holzklotz mit einem angedeuteten Führerhaus und Rädern – stand auf dem Kaminsims und wartete auf die Rückkehr seines Besitzers.
»Er ist mit Fergus unterwegs«, antwortete Marsali ruhig und ohne sich aus dem Rhythmus bringen zu lassen. Doch sie presste die Lippen zusammen, und es war nicht schwer, eine leichte Gereiztheit herauszuhören.
»Und wie geht es Fergus?« Roger sah sie an, freundlich, aber unbeirrbar.
Der Faden rutschte in Marsalis Hand ab und wickelte sich mit einer sichtbaren Verdickung auf. Sie zog eine Grimasse und antwortete erst, als ihr der Faden wieder reibungslos durch die Finger lief.
»Nun, ich muss sagen, für einen Mann mit einer Hand kämpft er ziemlich eindrucksvoll«, sagte sie schließlich, die Augen auf den Faden geheftet und einen ironischen Unterton in der Stimme.
Brianna sah Roger an, der ihren Blick mit hochgezogener Augenbraue erwiderte.
»Mit wem hat er denn gekämpft?«, fragte sie und bemühte sich, es beiläufig klingen zu lassen.
»Das erzählt er mir nicht jedes Mal«, sagte Marsali gleichmütig. »Aber gestern war es der Mann einer Frau, die ihn gefragt hat, warum er Henri-Christian nicht gleich bei der Geburt erwürgt hat. Daran hat er Anstoß genommen«, fügte sie noch hinzu, ließ aber im Unklaren, ob es Fergus, der Ehemann oder beide gewesen waren, die Anstoß genommen hatten. Sie hob den Faden an und biss das Ende ab.
»Das kann ich mir vorstellen«, murmelte Roger. Er markierte gerade die Startlinie, so dass sein Kopf gesenkt und sein Gesicht verdeckt war. »Das war nicht das einzige Mal?«
»Nein.« Marsali begann, das Garnende um den Strang zu wickeln, die Stirn zwischen ihren hellen Augenbrauen in Falten gelegt, die anscheinend gar nicht mehr verschwinden wollten. »Ich nehme an, das ist besser als die, die nur tuschelnd mit dem Finger auf uns zeigen. Das sind die, die glauben, Henri-Christian ist – die Brut des Teufels«, brachte sie ihren Satz tapfer zu Ende, obwohl ihre Stimme ein wenig zitterte. »Ich glaube, sie würden den Kleinen verbrennen – und mich und die anderen Kinder gleich dazu, wenn sie das Gefühl hätten, sie könnten es.«
Brianna spürte, wie ihr Magen einen Satz machte, und drückte den Gegenstand der Unterhaltung auf ihrem Schoß.
»Was für Idioten kommen denn auf solche Gedanken?«, wollte sie wissen. »Ganz zu schweigen davon, sie auszusprechen!«
»Ganz zu schweigen davon, es zu tun, meinst du.« Marsali legte ihre Wolle beiseite, erhob sich und beugte sich vor, um Henri-Christian an die Brust zu nehmen. Er hatte die Knie angezogen und war in dieser Haltung ungefähr halb so groß wie ein normales Baby – und Brianna musste zugeben, dass er mit seinem großen runden Kopf und der dunklen Haartolle … seltsam aussah.
»Pa hat schon das eine oder andere Machtwort gesprochen«, sagte Marsali. Sie hatte die Augen geschlossen und wiegte sich sanft vor und zurück, Henri-Christian fest an sich gedrückt. »Wenn er das nicht getan hätte …« Ihr schlanker Hals bewegte sich, als sie schluckte.
»Papa, Papa, los!« Jem, der die Unterhaltung der Erwachsenen nicht verstand, zupfte ungeduldig an Rogers Ärmel.
Roger hatte Marsali beobachtet, sein hageres Gesicht voll Sorge. Bei dieser Ermahnung kniff er die Augen zu, blickte zu seinem durch und durch normalen Sohn hinunter und räusperte sich.
»Aye«, sagte er und nahm sich Germains Auto. »Also gut. Hier ist der Start …«
Brianna legte Marsali eine Hand auf den Arm. Er war dünn, aber kräftig bemuskelt, die helle Haut von der Sonne vergoldet und mit winzigen Sommersprossen übersät.
»Sie werden schon noch damit aufhören«, flüsterte sie. »Sie werden es einsehen …«
»Aye, vielleicht.« Marsali umfasste Henri-Christians kleinen runden Hintern und drückte ihn fester an sich. Ihre Augen waren geschlossen. »Vielleicht auch nicht. Aber wenn Germain bei Fergus ist, passt er vielleicht besser auf, mit wem er sich anlegt. Es wäre mir lieber, wenn er nicht umgebracht würde, aye?«
Sie beugte den Kopf über das Baby, konzentrierte sich ganz aufs Stillen und schien nichts mehr sagen zu wollen. Brianna tätschelte ihr etwas verlegen den Arm, dann nahm sie den Platz am Spinnrad ein.
Natürlich hatte sie das Gerede gehört. Zumindest teilweise. Vor allem unmittelbar nach Henri-Christians Geburt, die Fraser’s Ridge wie ein Erdbeben erschüttert hatte. Abgesehen von ein paar offenen Mitleidsbekundungen, war viel getuschelt worden; über die jüngsten Ereignisse und den bösen Einfluss, der dazu geführt haben mochte – vom Überfall auf Marsali und dem Brand der Mälzerei bis hin zur Entführung ihrer Mutter, dem Gemetzel im Wald und der Geburt eines Zwergs. Ein Mädchen hatte in ihrer Hörweite unüberlegt etwas von »… Hexerei, was sonst?« gemurmelt – doch Brianna hatte sich vor dem Mädchen aufgebaut und es wortlos angefunkelt, worauf es erbleicht war und sich mit seinen Freundinnen verdrückt hatte. Allerdings hatte das Mädchen noch einmal trotzig zurückgesehen, bevor es sich abwandte und die drei kichernd verschwanden.
Doch ihr oder ihrer Mutter gegenüber hatte es niemand je an Respekt mangeln lassen. Es war klar, dass eine ganze Reihe der Pächter große Angst vor Claire hatte – doch sie hatten noch mehr Angst vor ihrem Vater. Die Zeit und die Macht der Gewohnheit schienen ihr Werk verrichtet zu haben – bis Henri-Christian geboren wurde.
Am Spinnrad zu arbeiten, beruhigte ihre Nerven; das Surren des Spinnrads mischte sich unter die Regengeräusche und das Plappern der Kinder.
Immerhin war Fergus zurückgekommen. Als Henri-Christian geboren wurde, war er aus dem Haus gestürmt und hatte sich tagelang nicht sehen lassen. Arme Marsali, dachte sie und sandte im Geiste einen finsteren Blick in Fergus’ Richtung. Sie allein mit dem Schock fertigwerden zu lassen. Und alle waren schockiert gewesen, sie selbst nicht ausgeschlossen. Vielleicht konnte sie Fergus doch keine Vorwürfe machen.
Sie schluckte, und wie immer, wenn sie in Henri-Christians Nähe war, malte sie sich aus, wie es wohl wäre, ein Kind mit einer schlimmen Missbildung zu bekommen. Dann und wann sah sie sie – Kinder mit Hasenscharten, mit den entstellten Gesichtszügen, die ihre Mutter angeborener Syphilis zuschrieb, geistig Behinderte –, und jedes Mal bekreuzigte sie sich und dankte Gott, dass Jemmy normal war.
Aber das waren Germain und seine Schwestern auch. So etwas konnte einen jederzeit aus dem Nichts treffen. Sie blickte unwillkürlich zu dem Regal hinüber, auf dem sie ihre persönlichen Gegenstände aufbewahrte, darunter auch das dunkelbraune Glas mit den Daucosamen. Seit Henri-Christians Geburt nahm sie sie wieder, obwohl sie es Roger gegenüber nicht erwähnt hatte. Sie fragte sich, ob er es wusste; gesagt hatte er nichts.