Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich küsste die Stelle routinemäßig und tätschelte ihm den Kopf.
»Du stirbst schon nicht«, sagte ich. »Jedenfalls nicht daran.«
»Oh, gut«, sagte er trocken. »Ich sterbe sowieso viel lieber an einem Schlangenbiss, wenn ich das nächste Mal mein Geschäft mache.«
»Es ist eine Giftschlange, oder?«, fragte Ian, der jetzt die Hände von seinem Kopf nahm und aus dem Abort kam. Er holte tief Luft und füllte seine schmale Brust mit frischer Luft.
»Ziemlich giftig«, sagte ich mit leichtem Schaudern. »Was hast du mit ihr vor?«, fragte ich, an Jamie gewandt.
Er zog eine Augenbraue hoch.
»Ich? Warum sollte ich etwas mit ihr vorhaben?«, fragte er.
»Du kannst sie doch nicht einfach hierlassen!«
»Warum nicht?«, sagte er und zog die andere Braue hoch.
Ian kratzte sich geistesabwesend am Kopf, zuckte zusammen, als er die Beule berührte, die von seiner Kollision mit Jamie stammte, und hielt inne.
»Also, ich weiß nicht, Onkel Jamie«, sagte er skeptisch. »Wenn du deine Eier über einer Grube mit einer tödlichen Viper baumeln lassen willst, dann ist das ja deine Sache, aber ich kriege eine Gänsehaut bei dem Gedanken. Wie dick ist das Vieh?«
»Ganz anständig, das muss ich zugeben.« Jamie winkelte sein Handgelenk an und zeigte ihm zum Vergleich seinen Unterarm.
»Iih!«, sagte Ian.
»Du weißt nicht mit Bestimmtheit, ob sie nicht doch springen können«, warf ich hilfreicherweise ein.
»Aye, das stimmt.« Jamie beäugte mich zynisch. »Aber ich muss zugeben, dass der Gedanke ausreicht, um bei mir Verstopfung hervorzurufen. Und wie sollen wir sie deiner Meinung nach herausholen?«
»Ich könnte sie mit deiner Pistole erschießen«, bot Ian an, und sein Gesicht erhellte sich bei der Vorstellung, Jamies wie einen Schatz gehütete Pistolen in die Finger zu bekommen. »Wir brauchen sie nicht herauszuholen, wenn wir sie umbringen können.«
»Kann man sie … äh … sehen?«, fragte ich vorsichtig.
Jamie rieb sich skeptisch das Kinn. Er hatte sich noch nicht rasiert, und sein Daumen kratzte über die dunkelroten Stoppeln.
»Nicht sehr gut. Es sind nur ein paar Zentimeter Jauche in der Grube, aber ich glaube nicht, dass man sie so gut sehen kann, dass es zum Zielen reicht, und ich würde ungern den Schuss verschwenden.«
»Wir könnten die gesammelten Hansens zum Abendessen einladen, sie mit Bier abfüllen und die Schlange ertränken«, schlug ich im Scherz vor – die Hansens waren eine vielköpfige Quäkerfamilie, die in der Nähe lebte.
Ian explodierte vor Lachen. Jamie warf mir einen gestrengen Blick zu und wandte sich zum Wald.
»Ich lasse mir schon etwas einfallen«, sagte er. »Wenn ich gefrühstückt habe.«
Das Frühstück war zum Glück kein großes Problem, da die Hennen mich freundlicherweise mit neun Eiern ausgestattet hatten und das Brot zu meiner Zufriedenheit aufgegangen war. Die Butter war immer noch an der Rückseite der Vorratskammer eingekerkert, wo sie von der Sau, die gerade geferkelt hatte, übelgelaunt bewacht wurde. Doch es war Ian gelungen, sich hineinzulehnen und sich ein Töpfchen Marmelade zu schnappen, während ich mit einem Besen danebenstand, den ich der Sau jedes Mal zwischen die knirschenden Kiefer stieß, wenn sie einen ihrer kurzen, pfeilschnellen Angriffe auf Ians Beine startete.
»Ich muss einen neuen Besen haben«, merkte ich mit einem Blick auf die zerfetzten Überreste an, während ich die Eier auftischte. »Vielleicht gehe ich heute Morgen zu dem Weidenhain am Bach.«
»Mmpfm.« Jamie streckte eine Hand aus und tastete geistesabwesend auf der Suche nach dem Brotteller auf dem Tisch herum. Seine ganze Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf das Buch, in dem er las, Bricknells Naturgeschichte North Carolinas.
»Hier ist es ja«, sagte er. »Ich wusste doch, dass ich einen Absatz über Klapperschlangen gesehen hatte.« Er fand das Brot, nahm sich ein Stück und schob sich damit einen herzhaften Bissen Rührei in den Mund. Nachdem er sich diesen einverleibt hatte, las er laut vor. Dabei hielt er das Buch in der einen Hand, während er mit der anderen weiter auf dem Tisch herumsuchte.
»›Die Indianer ziehen den Schlangen oft die Zähne, so dass sie hinterher kein Unheil mehr anrichten können, indem sie ein Stück roten Wollstoff an das Ende eines langen, hohlen Stockes binden und damit die Schlange zum Beißen reizen, es dann plötzlich von ihr wegziehen, wobei die Zähne in dem Stoff hängenbleiben und von allen Anwesenden gut gesehen werden können.‹«
»Haben wir roten Stoff, Tante Claire?«, fragte Ian, während er seine eigene Portion Ei mit Zichorienkaffee hinunterspülte.
Ich schüttelte den Kopf und spießte das letzte Würstchen auf, bevor Jamies suchende Hand es erreichte.
»Blau, grün, gelb, grau, weiß und braun. Kein Rot.«
»Das ist aber ein praktisches Buch, Onkel Jamie«, sagte Ian anerkennend. »Steht da noch mehr über die Schlangen?« Er blickte hungrig über die Tischoberfläche und suchte nach etwas Essbarem. Ich griff kommentarlos in den Geschirrschrank und zog einen Teller Muffins hervor, den ich vor ihn hinstellte. Er seufzte glücklich und stürzte sich darauf, während Jamie umblätterte.
»Also, hier steht noch etwas darüber, wie Klapperschlangen Eichhörnchen oder Kaninchen bezirzen.« Jamie fasste seinen Teller an, fand aber nur eine leere Oberfläche. Ich schob die Muffins in seine Richtung.
»›Es ist überraschend zu beobachten, wie diese Schlangen Eichhörnchen, Kaninchen, Rebhühner und viele andere kleine Tiere und Vögel anlocken, die sie hurtig verschlingen. Die Anziehungskraft ist so stark, dass man sehen kann, wie das Eichhörnchen oder Rebhuhn (sobald es die Schlange erspäht hat) von Ast zu Ast hüpft oder fliegt, bis es ihr schließlich direkt ins Maul rennt oder springt, denn es hat nicht die Kraft, seinem Feind auszuweichen, der sich niemals aus seiner Position oder Spirale regt, bis er seine Beute errungen hat.‹«
Auf ihrer blinden Suche nach Nahrung stieß seine Hand auf die Muffins. Er griff zu und blickte zu mir auf. »Ich will verdammt sein, wenn ich das jemals selbst gesehen habe. Meinst du, es stimmt?«
»Nein«, sagte ich und schob mir die Locken aus der Stirn. »Hat dieses Buch irgendwelche hilfreichen Vorschläge für den Umgang mit gemeingefährlichen Schweinen anzubieten?«
Er schwenkte geistesabwesend die Reste seines Muffins.
»Keine Sorge«, murmelte er. »Mit dem Schwein komme ich schon zurecht.« Er hob die Augen gerade lange genug von seinem Buch, um seinen Blick über den Tisch und das leere Geschirr schweifen zu lassen. »Haben wir keine Eier mehr?«
»Doch, aber die bringe ich unserem Gast in den Maisspeicher.« Ich legte noch zwei Scheiben Brot in den kleinen Korb, den ich gerade packte, und nahm die Flasche mit der Infusion, die ich über Nacht hatte ziehen lassen. Die Brühe aus Goldrute, Melisse und wilder Bergamotte war schwärzlich grün und roch nach verbrannten Feldern, aber vielleicht half sie ja. Sie konnte zumindest nicht schaden. Einem Impuls folgend, ergriff ich das Amulett aus zusammengebundenen Federn, das die alte Nayawenne mir gegeben hatte; vielleicht würde es den Kranken beruhigen. Genau wie die Arznei konnte es zumindest nicht schaden.
Unser unerwarteter Gast war ein Fremder; ein Tuscarora aus einem Dorf im Norden. Er war vor einigen Tagen mit einer Gruppe von Jägern aus Anna Ooka, die einem Bären folgte, auf den Hof gekommen.
Wir hatten ihnen Essen und Trinken angeboten – einige der Jäger waren Ians Freunde –, doch im Verlauf der Mahlzeit war mir aufgefallen, dass dieser Mann mit glasigen Augen in seine Tasse stierte. Bei näherer Betrachtung hatte sich herausgestellt, dass er an etwas litt, was meiner Überzeugung nach die Masern waren, in dieser Zeit eine besorgniserregende Krankheit.
Er hatte darauf bestanden, gemeinsam mit seinen Begleitern aufzubrechen, doch ein paar Stunden später hatten zwei von ihnen ihn stolpernd und delirierend zurückgebracht.