Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Oh, das Abendessen.« Ich schob mir die Haare hinter das Ohr und versuchte, meine zerstreuten Gedanken auf das Abendessen zu konzentrieren. »Ja, mal sehen, ob ich ein paar Eier finden kann. Das geht schnell.«
»Mach dir keine Mühe, Sassenach.« Jamie blickte in den Topf auf dem Herdfeuer. »Wir können das hier essen.«
Diesmal erschauerte ich nur, weil ich wählerisch war.
»Igitt«, sagte ich. Jamie grinste mich an.
»Du hast doch nichts gegen eine gute Gerstensuppe, oder?«
»Falls es so etwas überhaupt gibt«, antwortete ich und blickte angewidert in den Topf. »Das hier riecht eher wie Braumaische.« Die Suppe war mit feuchten Körnern gekocht worden, und zwar nicht lange genug, dann hatte man sie stehenlassen; und nun strömte die kalte, schaumige Suppe bereits den Hefegeruch der Fermentierung aus.
»Apropos«, sagte ich und stieß den feuchten Gerstensack mit den Zehen an, »das hier muss zum Trocknen ausgebreitet werden, bevor es verschimmelt, falls das nicht schon passiert ist.«
Jamie starrte auf die ekelerregende Suppe, die Augenbrauen nachdenklich zusammengezogen.
»Aye?«, sagte er dann geistesabwesend. »Oh, aye. Ich mache das.« Er drehte den Sack oben zu und hob ihn auf seine Schulter. Auf dem Weg nach draußen blieb er stehen und warf einen Blick auf den zugedeckten Schädel.
»Du hast gesagt, du glaubst nicht, dass er Christ war«, sagte er und sah mich neugierig an. »Warum denn, Sassenach?«
Ich zögerte, doch die Zeit reichte nicht, um ihm von meinem Traum zu erzählen – wenn es ein Traum gewesen war. Ich konnte hören, wie Duncan und Ian plaudernd auf das Haus zukamen.
»Ohne besonderen Grund«, sagte ich achselzuckend.
»Aye, gut«, sagte er. »Dann behaupten wir es einfach.«
Kapitel 24
Die große Kunst des
Liebesbriefs
Oxford
März 1971
Roger nahm an, dass es in Inverness genauso oft regnete wie in Oxford, aber irgendwie hatte ihm der Regen im Norden noch nie etwas ausgemacht. Der kalte, schottische Wind, der vom Moray Firth landeinwärts wehte, regte ihn an, und wenn ihn der Regen durchnässte, wurden seine Lebensgeister geweckt und erfrischt.
Doch das war Schottland mit Brianna an seiner Seite gewesen. Jetzt war sie in Amerika, er in England, und Oxford war kalt und farblos, die Straßen und Gebäude grau wie die Asche eines erloschenen Feuers. Regen prasselte ihm auf die Schultern seines Talars, als er über den Hof des Colleges eilte, einen Arm voller Papiere von den Popelinfalten verdeckt. Als er den Schutz der Portiersloge erreicht hatte, blieb er stehen, um sich zu schütteln wie ein Hund, und versprühte dabei Tropfen auf dem steinernen Durchgang.
»Irgendwelche Post?«, fragte er.
»Glaube schon, Mr. Wakefield. Augenblickchen.« Martin verschwand in seinem Allerheiligsten, und Roger las in der Zwischenzeit die Namen der Kriegsgefallenen des Colleges, die in die Steintafel im Eingangsbereich gemeißelt waren.
George Vanlandingham, Esq. The Honorable Phillip Menzies. Joseph William Roscoe. Roger ertappte sich nicht zum ersten Mal dabei, dass er über diese toten Helden nachdachte und darüber, was für Menschen sie wohl gewesen waren. Seit er Brianna und ihre Mutter kennengelernt hatte, stellte er fest, dass die Vergangenheit nur allzu oft ein verstörend menschliches Gesicht trug.
»Hier, Mr. Wakefield.« Martin beugte sich strahlend über die Theke und hielt ihm einen dünnen Briefstapel hin. »Heute einer aus den Staaten«, fügte er augenzwinkernd hinzu.
Roger spürte, wie als Antwort ein Grinsen sein Gesicht überzog, und augenblicklich breitete sich ein Wärmegefühl von seiner Brust in seine Gliedmaßen aus und vertrieb die Kühle des Regentages.
»Werden wir Ihre junge Dame bald hier begrüßen, Mr. Wakefield?« Martin reckte den Hals und schielte unverhohlen auf den Brief mit den amerikanischen Briefmarken. Der Portier hatte Brianna kennengelernt, als sie kurz vor Weihnachten mit Roger heruntergekommen war, und er war ihrem Charme erlegen.
»Ich hoffe es. Vielleicht im Sommer. Danke!«
Er wandte sich seiner Treppe zu und steckte die Briefe sorgfältig in den Ärmel seines Talars, während er nach seinem Schlüssel suchte. Wenn er an den Sommer dachte, fühlte er eine Mischung aus Freude und Frustration.
Sie hatte gesagt, sie würde im Juli kommen, doch bis dahin waren es noch vier Monate. Je nach seiner Stimmung glaubte er, dass er keine vier Tage mehr überstehen konnte.
Roger faltete den Brief wieder zusammen und steckte ihn in seine Innentasche, über seinem Herzen. Sie schrieb ihm alle paar Tage, von kurzen Notizen bis hin zu langen Berichten, und jeder ihrer Briefe rief ein sanftes, warmes Glühen in ihm hervor, das meistens bis zur Ankunft des nächsten anhielt.
Doch gleichzeitig waren ihre Briefe zurzeit etwas unbefriedigend. Immer noch voll warmer Zuneigung, immer mit »In Liebe« unterzeichnet, immer voller Versicherungen, dass er ihr fehlte und sie ihn gern bei sich hätte. Aber nicht mehr die Art von Worten, mit der man Papier in Flammen setzt.
Vielleicht war es natürlich; eine normale Entwicklung, jetzt, da sie sich länger kannten; niemand konnte in alle Ewigkeit täglich einen leidenschaftlichen Brief schreiben, nicht, wenn er ehrlich war.
Er bildete es sich bestimmt nur ein, dass Brianna sich in ihren Briefen zurücknahm. Es mussten ja nicht unbedingt die Exzesse der Freundin eines Bekannten sein, die sich ein paar Schamhaare abgeschnitten und sie in einen Brief gesteckt hatte – obwohl er die Geisteshaltung hinter dieser Geste bewunderte.
Er biss in sein Sandwich und kaute geistesabwesend, während er an den letzten Artikel dachte, den Fiona ihm geschickt hatte. Jetzt, da sie verheiratet war, betrachtete sich Fiona als Expertin in Eheangelegenheiten und entwickelte ein schwesterliches Interesse an dem holperigen Verlauf von Rogers Liebesbeziehung.
Sie schnitt ständig hilfreiche Tipps aus Frauenmagazinen aus und schickte sie ihm. Der letzte Ausschnitt war ein Artikel aus Meine Woche gewesen, mit dem Titel »Wie umgarne ich einen Mann«. Wie du mir, hatte Fiona in aller Deutlichkeit an den Rand geschrieben.
»Teilen Sie seine Interessen«, lautete ein Hinweis. »Wenn Sie Fußball für Zeitverschwendung halten, er aber nicht davon abzubringen ist, setzen Sie sich neben ihn, und fragen Sie, wie diese Woche die Chancen für Arsenal stehen. Fußball mag langweilig sein, er ist es nicht.«
Roger lächelte etwas grimmig. Er hatte ihre Interessen geteilt, und wie, falls es als Zeitvertreib zählte, die Spur ihrer verdammten Eltern durch deren haarsträubende Geschichte zu verfolgen. Allerdings konnte er nur herzlich wenig davon mit ihr teilen.
»Seien Sie reserviert«, lautete ein anderer Zeitungstipp. »Nichts weckt das Interesse eines Mannes mehr als eine Aura der Zurückhaltung. Lassen Sie ihn nicht zu schnell zu nah an sich heran.«
Roger fragte sich plötzlich, ob Brianna wohl ähnliche Ratschläge in amerikanischen Magazinen gelesen hatte, aber dann schob er den Gedanken von sich. Sie war sich zwar nicht zu schade, um Modemagazine zu lesen – er hatte es ein paar Mal gesehen –, doch Brianna war ebenso wenig in der Lage, solche dummen Spiele zu spielen, wie er selbst.
Nein, sie würde ihn nicht auf Abstand halten, um sein Interesse an ihr zu schüren; wozu auch? Sie wusste doch wohl, wie viel ihm an ihr lag.
Wusste sie das wirklich? Mit plötzlicher Beklommenheit erinnerte er sich an einen anderen Rat, den Meine Woche für Verliebte bereithielt.
»Gehen Sie nicht davon aus, dass er Ihre Gedanken lesen kann«, hieß es in dem Artikel. »Deuten Sie ihm Ihre Gefühle an.«
Roger biss irgendwo in sein Sandwich und kaute, ohne zu bemerken, worauf. Doch, ja, er hatte sie angedeutet. Sich vorgewagt und ihr sein verdammtes Herz ausgeschüttet. Und sie war prompt in ein Flugzeug gesprungen und hatte sich nach Boston verdrückt.