Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Was ist das?«, fragte ich, während ich die blassen Körner betrachtete, die in einer wässrigen Flüssigkeit trieben. Es sah aus wie ein Becher voller ertrunkener Maden.
»Gerstensuppe«, sagte Ian und blickte so stolz auf den Becher, als wäre er sein erstgeborenes Kind. »Ich habe sie selbst gemacht, aus dem Sack, den du von den Muellers mitgebracht hast.«
»Danke«, sagte ich und nahm vorsichtig einen Schluck. Ich glaubte nicht, dass er sie in seinem Schuh angerührt hatte, trotz des Schweißaromas. »Sehr gut«, sagte ich. »Wie lieb von dir, Ian.«
Er wurde rot vor Dankbarkeit.
»Och, das ist doch nicht der Rede wert«, sagte er. »Es ist noch genug da. Oder soll ich dir ein bisschen Käse holen? Ich könnte die grünen Stellen für dich herausschneiden.«
»Nein, nein – das reicht mir«, sagte ich hastig. »Ah … warum nimmst du nicht dein Gewehr und siehst zu, ob du draußen ein Eichhörnchen oder ein Kaninchen erwischst? Ich bin sicher, dass es mir so gut geht, dass ich zum Abendessen etwas kochen kann.«
Er strahlte, und das Lächeln verwandelte sein langes, knochiges Gesicht.
»Ich bin froh, das zu hören, Tante Claire«, sagte er. »Du solltest einmal sehen, was Onkel Jamie und ich gegessen haben, als du fort warst!«
Er ließ mich auf meinem Kissen zurück, und ich fragte mich, was ich mit dem Becher Suppe anfangen sollte. Ich wollte sie nicht trinken, doch ich fühlte mich wie warme Butter – weich und sahnig, fast flüssig –, und die Vorstellung aufzustehen schien mir mit unglaublichem Energieaufwand verbunden zu sein.
Jamie hatte auf weiteren Widerstand verzichtet und mich ins Bett gebracht, wo er seine Aufgabe, mich aufzutauen, in aller Gründlichkeit und Eile zu Ende geführt hatte. Es war wohl besser, dass er nicht mit Ian auf die Jagd gegangen war. Er roch genauso nach Kampfer wie ich; jedes Tier würde ihn meilenweit riechen.
Er hatte mich zärtlich zugedeckt und mich dem Schlaf überlassen, während er Duncan jetzt offiziell begrüßte und ihm die Gastfreundschaft des Hauses anbot. Ich konnte draußen das Gemurmel ihrer tiefen Stimmen hören; sie saßen auf der Bank neben der Tür und genossen die späte Nachmittagssonne – lange, bleiche Strahlen fielen schräg durch das Fenster und hüllten innen Holz und Zinn in ein warmes Licht.
Auch der Schädel wurde von der Sonne berührt. Er lag auf meinem Schreibtisch am anderen Ende des Zimmers und bildete mit einem Tonkrug voller Blumen und meinem Krankenbuch ein häusliches Stillleben.
Es war der Anblick des Krankenbuches, das mich aus meinem Dämmerzustand holte. Die Geburt, die ich bei den Muellers begleitet hatte, kam mir jetzt vage und unwirklich vor; ich hielt es für besser, die Details festzuhalten, solange ich mich überhaupt noch daran erinnern konnte.
Von den Regungen meines beruflichen Pflichtgefühls aufgerüttelt, räkelte ich mich, stöhnte und setzte mich auf. Ich fühlte mich immer noch etwas benommen, und meine Ohren summten von den Nachwirkungen des Brandys. Außerdem war ich fast am gesamten Körper etwas wund – an manchen Stellen mehr als an anderen –, doch im Großen und Ganzen war ich einigermaßen funktionsfähig. Allerdings bekam ich allmählich Hunger.
Ich hoffte, dass Ian mit Fleisch zurückkommen würde, das ich kochen konnte; ich war nicht so dumm, mir meinen zusammengeschrumpften Magen mit Käse und eingelegtem Fisch vollzustopfen, doch eine schöne, kräftigende Eichhörnchensuppe, gewürzt mit Frühlingszwiebeln und getrockneten Pilzen, wäre genau das, was der Arzt verordnen würde.
Was die Suppe anging – ich glitt zögernd aus dem Bett und stolperte zum Herd, wo ich die kalte Gerstensuppe in den Topf zurückschüttete. Ian hatte genug für ein ganzes Regiment gekocht – vorausgesetzt allerdings, dass das Regiment sich aus Schotten zusammensetzte. Da sie in einem Land lebten, in dem kaum Essbares wuchs, waren sie in der Lage, klebrige Getreidemassen zu sich zu nehmen, ohne dass diese mit dem geringsten erlösenden Hauch von Gewürz oder Geschmack in Berührung gekommen waren. Ich selbst entstammte einer schwächeren Rasse und fühlte mich dem nicht ganz gewachsen.
Der geöffnete Gerstensack stand neben dem Herd, und der Jutesack war immer noch sichtlich feucht. Ich würde das Korn zum Trocknen ausbreiten müssen, sonst würde es verderben. Unter leichtem Protest meines verletzten Knies holte ich ein großes, flaches Korbtablett aus geflochtenem Schilf und kniete mich hin, um das feuchte Getreide in einer dünnen Lage darauf auszubreiten.
»Hat er denn ein weiches Maul, Duncan?« Jamies Stimme kam deutlich durch das Fenster; der Ledervorhang war aufgerollt, um frische Luft hereinzulassen, und ich fing einen schwachen Tabakhauch von Duncans Pfeife auf. »Er ist ein großer, kräftiger Kerl, aber er hat einen freundlichen Blick.«
»Oh, er ist ein Prachtpferd«, sagte Duncan mit einem unüberhörbar stolzen Unterton in der Stimme. »Und hat ein schönes, weiches Maul, aye. Miss Jo hat ihn von ihrem Stallaufseher auf dem Markt in Wilmington aussuchen lassen; hat ihm gesagt, dass er ein Pferd finden muss, das man gut mit einer Hand reiten kann.«
»Mmpf. Aye, ja, er ist ein hübsches Tier.« Die Holzbank ächzte, als einer der Männer sein Gewicht verlagerte. Ich verstand den Hintersinn von Jamies Kompliment und fragte mich, ob Duncan es auch tat.
Zum Teil war es schlichte Herablassung; Jamie war auf dem Pferderücken aufgewachsen, und als geborener Reiter wies er die bloße Vorstellung, überhaupt die Hände zu gebrauchen, weit von sich; ich hatte schon gesehen, wie er ein Pferd nur dadurch lenkte, dass er den Druck seiner Knie und Oberschenkel verlagerte, oder wie er sein Pferd auf einem überfüllten Schlachtfeld in Galopp setzte, die Zügel auf dem Pferdehals zusammengeknotet, so dass er die Hände für Schwert und Pistole frei hatte.
Doch Duncan war weder ein Reiter noch ein Soldat; er hatte in der Nähe von Ardrossan als Fischer gelebt, bevor ihn der Aufstand wie so viele andere von seinen Netzen und seinem Boot fortgeholt hatte, um ihn nach Culloden und ins Verderben zu schicken.
Jamie wäre nicht so taktlos, Duncan auf einen Mangel an Erfahrung hinzuweisen, der diesem selbst schon mehr als bewusst war; doch er würde ihn auf etwas anderes hinweisen wollen. Hatte Duncan es gemerkt?
»Du bist es, dem sie helfen will, Mac Dubh, und das weißt du auch.« Duncans Tonfall war voller Ironie; er hatte Jamie sehr wohl verstanden.
»Ich habe auch nie das Gegenteil behauptet, Duncan.« Jamies Stimme war ruhig.
»Mmpf.«
Ich lächelte trotz des Anflugs von Schärfe zwischen ihnen. Duncan beherrschte die für die Highlands typische Kunst der wortlosen Beredsamkeit genauso gut wie Jamie. Dieses spezielle Geräusch beinhaltete sowohl einen leichten Anflug von Beleidigung über Jamies Andeutung, dass es sich für Duncan nicht gehörte, von Jocasta ein Pferd als Geschenk anzunehmen, als auch die Bereitschaft, die ebenfalls nur angedeutete Entschuldigung anzunehmen.
»Also, hast du es dir überlegt?« Die Bank ächzte, als Duncan abrupt das Thema wechselte. »Willst du Sinclair oder Geordie Chisholm?«
Er fuhr fort, ohne Jamie Zeit zum Antworten zu lassen, allerdings in einem Tonfall, der deutlich erkennen ließ, dass er all dies schon einmal gesagt hatte. Ich fragte mich, ob er versuchte, Jamie zu überzeugen, oder sich selbst – oder nur beiden bei ihrer Entscheidung helfen wollte, indem er die Fakten wiederholte.
»Es stimmt, Sinclair ist ein Küfer, aber Geordie ist ein guter Mann; ein sparsamer Arbeiter, und außerdem hat er zwei kleine Söhne. Sinclair ist nicht verheiratet, also würde er nicht viel brauchen, um hier anfangen zu können, aber –«
»Er würde eine Drehbank brauchen und Werkzeuge, und Eisen und abgelagertes Holz«, fiel Jamie ihm ins Wort. »Er könnte in seiner Werkstatt schlafen, aye, aber dazu müsste er erst einmal eine Werkstatt haben. Und es wird ziemlich teuer, glaube ich, alles zu kaufen, was man für eine Küferwerkstatt braucht. Geordie brauchte etwas Essen für seine Familie, aber das haben wir hier; darüber hinaus bräuchte er für den Anfang nur ein paar Werkzeuge – er hat doch eine Axt, oder?«