Wer die Wahrheit sucht
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #12
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet
- ISBN: 3-7645-0099-9
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Wer die Wahrheit sucht». Краткое содержание книги:
Simon St. James, engster Vertrauter von Chief Inspector Thomas Lynley, reist mit seiner Frau Deborah auf die winterliche Kanalinsel, um die Unschuld von China, einer alten Freundin Deborahs, nachzuweisen. Doch je tiefer sie in die verschworene Inselgemeinschaft eintauchen, desto mehr Personen entdecken sie, die dem wohltätigen Mitbürger Guy Brouard alles andere als freundschaftliche Gefühle entgegenbringen — und die auf irgendeine Weise in den Mord verstrickt sind: seine Exfrau, sein Sohn, seine Geliebte, seine Schwester, seine jugendlichen Schützlinge, der tragisch ausgebootete einheimische Architekt. Liegen die Motive in Brouards undurchsichtiger Vergangenheit? Oder reichen sie zurück bis in Guernseys wechselvolle Geschichte?
Guy Brouards Bank lag in Le Pollet, einer schmalen Verlängerung der High Street parallel zur unteren North Esplanade. Es war eine relativ kurze Straße, die meist im Schatten lag, mit Gebäuden auf beiden Seiten, deren Architektur einen Zeitraum von nahezu dreihundert Jahren umfasste. Die Gebäude erinnerten an die Wandelbarkeit der Städte: Eine prächtige Stadtvilla aus dem achtzehnten Jahrhundert — mit behauenem Granit und mit Keilsteinen versehenen Ecken — war im zwanzigsten Jahrhundert zum Hotel umgebaut worden, und in zwei Häusern des neunzehnten Jahrhunderts, die sich nicht durch irgendeinen besonderen Stein auszeichneten, waren jetzt Kleidergeschäfte untergebracht. Die gebogenen Glasfenster edwardiani- scher Ladenfassaden so nah bei der Stadtvilla erzählten noch von dem regen Handelsleben, das in diesem Viertel in den Tagen vor dem Zweiten Weltkrieg geblüht hatte, während hinter ihnen schon lange eine moderne Niederlassung eines Londoner Bankhauses ihren
Sitz hatte.
Die Bank, die Le Gallez und St. James suchten, lag am Ende von Le Pollet, unweit eines Taxistands, an dem vorbei man zu den Kais gelangte. Sie wurden auf dem Weg dorthin von Detective Sergeant Marsh von der Betrugsabteilung begleitet, einem noch jüngeren Mann mit altmodischen Koteletten, der zu Le Gallez sagte:»Bisschen wie mit Kanonen auf Spatzen schießen, finden Sie nicht, Sir?«
Le Gallez antwortete scharf:»Ich möchte diesen Leuten Grund geben, von Anfang an mit uns zu kooperieren, Dick. Das spart eine Menge Zeit.«
«Ich würde sagen, mit einem Anruf der Steuerfahndung hätten Sie das auch erreicht, Sir«, entgegnete Marsh.
«Ich gehe gern auf Nummer Sicher. Und ich halte an meinen Gewohnheiten fest. Bei der Steuerfahndung würden sie vielleicht ein bisschen ins Schwitzen kommen, das stimmt schon. Aber ein Besuch vom Betrugsdezernat.? Da werden sie mehr als Wasser schwitzen, mein Lieber.«
Detective Sergeant Marsh verdrehte lächelnd die Augen.»Ihr Burschen vom Morddezernat habt anscheinend nicht genug Unterhaltung.«
«Wir holen sie uns, wo wir sie kriegen, Dick. «Le Gallez zog die schwere Glastür der Bank auf und ließ St. James den Vortritt.
Der Direktor war ein Mann namens Robilliard, mit dem Le Gallez, wie sich herausstellte, gut bekannt war. Als sie sein Büro betraten, stand er auf und sagte:»Louis, wie geht es Ihnen?«und reichte Le Gallez die Hand.»Wir haben Sie beim Fußball vermisst«, fügte er hinzu.»Was macht der Fuß?«
«Alles wieder in Ordnung.«
«Na, dann sehen wir Sie hoffentlich am Wochenende auf dem Platz. Mir scheint, ein bisschen Bewegung würde Ihnen gut tun.«
«Die Frühstückscroissants. Die bringen mich noch um«, bekannte Le Gallez.
Robilliard lachte.»Nur die Dicken sterben jung.«
Le Gallez machte den Bankdirektor mit seinen Begleitern bekannt und erklärte:»Wir wollten uns mit Ihnen gern mal über Guy Brouard
unterhalten.«
«Ah.«
«Er hat doch seine Bankgeschäfte bei Ihnen getätigt?«
«Ja. Seine Schwester auch. Stimmt etwas nicht mit seinen Konten?«
«Es sieht so aus, David. Tut mir Leid. «Le Gallez berichtete, was sie wussten: Vom Verkauf eines bedeutenden Wertpapierdepots, dem innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne eine Serie von Abhebungen von Brouards Konto gefolgt war. Infolge dieser Abhebungen, erklärte Le Gallez, sei das Konto ganz erheblich geschrumpft. Der Mann sei tot — wie Robilliard vermutlich wisse, wenn er in letzter Zeit die Zeitung gelesen habe — , und er sei ermordet worden.»Da müssen wir uns natürlich alles genau ansehen«, schloss Le Gallez.
Robilliard machte ein nachdenkliches Gesicht.»Natürlich, das verstehe ich«, sagte er.»Aber wenn Sie Bankunterlagen als Beweismittel verwenden wollen. dazu brauchen Sie eine Anordnung vom Bailiff, das wissen Sie.«
«Richtig«, bestätigte Le Gallez.»Aber im Augenblick geht es uns nur um eine Auskunft. Zum Beispiel, wohin dieses Geld gegangen ist und wie es dorthin gelangte.«
Robilliard ließ sich dieses Anliegen durch den Kopf gehen. Die anderen warteten. Le Gallez hatte St. James zuvor erklärt, dass ein Anruf von der Steuerfahndung ausreichen würde, um der Bank Informationen allgemeiner Art herauszukitzeln, dass er aber den persönlichen Kontakt vorzog. Das würde nicht nur mehr bringen, sondern die Sache auch beschleunigen, hatte er gesagt. Geldinstitute waren gesetzlich verpflichtet, der Steuerfahndung verdächtige Transaktionen offen zu legen, wenn diese das verlangte. Aber sie mussten nicht sofort springen, wenn sie nicht wollten. Sie verfügten über Dutzende von Möglichkeiten, die Auskünfte hinauszuzögern. Aus diesem Grund hatte er einen Vertreter des Betrugsdezernats in Gestalt von Detective Sergeant Marsh mitgenommen. Guy Brouard war schon ein paar Tage zu lange tot, sie hatten keine Zeit mehr, herumzusitzen und Däumchen zu drehen, während die Bank ihre Verschleppungstänzchen machte.
Robilliard sagte schließlich:»Solange die Situation in Bezug auf offizielle Beweismittel klar ist.«
Le Gallez tippte sich an die Schläfe.»Ich hab's gespeichert, David. Geben Sie uns, was Sie können.«
Der Direktor verließ den Raum, um sich persönlich um die Sache zu kümmern, und überließ sie der prachtvollen Aussicht auf den Hafen und den St. Julian's Pier, die sich von seinem Fenster aus bot.»Mit einem anständigen Teleskop kann man von hier aus bis nach Frankreich sehen«, bemerkte Le Gallez.
«Aber wer will das schon«, gab Marsh zurück, und die beiden Männer lachten, Einheimische, die von den Touristen längst genug hatten.
Als Robilliard etwa fünf Minuten später zu ihnen zurückkam, brachte er einen Computerausdruck mit. Er wies zu einem kleinen Konferenztisch, und nachdem sie Platz genommen hatten, legte er ihnen den Ausdruck zur Ansicht vor.
Er sagte:»Guy Brouard hatte ein großes Konto. Nicht so groß wie das seiner Schwester, aber groß. Auf ihrem haben in den letzten Monaten kaum Bewegungen stattgefunden, aber wenn man bedenkt, wer Guy Brouard war — Chateaux Brouard, den Umfang dieses Unternehmens, als er es leitete — , dann bestand eigentlich kein Grund, angesichts seiner Kontenbewegungen die rote Flagge zu schwenken.«
«Botschaft empfangen«, sagte Le Gallez. Und zu Marsh:»Haben Sie das mitgekriegt?«
«Bis jetzt kooperieren wir«, interpretierte Marsh.
St. James musste dieses Kleinstadtpalaver zwischen den Männern bewundern. Er konnte sich vorstellen, wie kompliziert so ein Verfahren werden konnte, wenn die Beteiligten anfingen, Rechtsbeistand, gerichtliche Anordnungen oder eine Verfügung der Steuerfahndung zu fordern. Er wartete auf den Fortgang des Palavers.
«Er hat eine ganze Serie von telegrafischen Überweisungen nach London vorgenommen«, berichtete Robilliard.»Alle an dieselbe Bank und auf dasselbe Konto. Das hat vor«- er warf einen Blick auf den Ausdruck — »etwas mehr als acht Monaten angefangen und setzte sich mit wachsenden Beträgen das Frühjahr und den Sommer hindurch fort, bis zu einer letzten Überweisung am ersten Oktober. Die erste Überweisung belief sich auf fünftausend Pfund, die letzte auf zweihundertfünfzigtausend.«
«Zweihundertfünfzigtausend? Und das alles immer auf dasselbe Konto?«, sagte Le Gallez.»Du meine Güte, David. Da habt ihr aber nicht richtig aufgepasst, was?«
Robilliard errötete ein wenig.»Wie gesagt, die Brouards sind große Kunden. Er leitete ein Unternehmen mit Beteiligungen in der ganzen Welt.«
«Er war im Ruhestand, verdammt noch mal.«
«Da haben Sie natürlich Recht. Aber sehen Sie, wären die Überweisungen von einem Kunden vorgenommen worden, der uns nicht so gut bekannt war — von einem ausländischen Kunden, beispielsweise — , hätten wir sofort reagiert. Aber in diesem Fall ließ nichts irgendwelche Unregelmäßigkeiten vermuten. Und das ist auch jetzt noch so. «Er zog einen gelben Haftzettel ab, der oben auf dem Computerausdruck klebte, und sagte:»Der Name des Empfängers ist International Access, mit einer Adresse in Bracknell. Ich vermute, es handelte sich um ein Start-up-Unternehmen, an dem Brouard sich beteiligte. Ich wette, genau das werden Sie feststellen, wenn Sie der Sache nachgehen.«