Karlsson fliegt wieder
- Автор: Линдгрен Астрид
- Год: 1969
- Язык: немецкий
- Жанр: Детская проза
Электронная книга - «Karlsson fliegt wieder». Краткое содержание книги:
Karlsson fliegt wieder
Verlag Friedrich Oetinger Hamburg
ORIGINALTITEL: KARLSSON PA TAKET FLYGER IGEN
AUS DEM SCHWEDISCHEN VON THYRA DOHRENBURG
EINBAND UND ILLUSTRATIONEN VON ILON WIKLAND.
19 6 9
Lillebror wurde immer unruhiger.
„Wer kommt angedampft?"
„Das Gespenst vom Vasaviertel!" brüllte Karlsson. „Hoho!"
Da gab Lillebror es auf. Er hatte gewarnt und versucht, zu tun, was Papa und Mama wünschten. Jetzt mochte es so werden, wie Karlsson es wünschte. Denn so wurde es ja ohnehin immer.
Karlsson sollte Streiche machen und spuken und figurieren dürfen, soviel er mochte, Lillebror hatte nicht die Absicht, ihn noch weiter daran zu hindern. Und als er sich endlich dazu entschlossen hatte, war ihm klar, daß es lustig werden könnte.
Ihm fiel ein, wie Karlsson einmal Gespenst gewesen war und Diebe verscheucht hatte, die Mamas Wirtschaftsgeld und das Eßsilber hatten wegnehmen wollen. Karlsson hatte es auch nicht vergessen.
„Weißt du noch, was für einen Spaß wir hatten?" sagte er.
„Übrigens - wo ist das Gespenstergewand, das ich damals hatte?"
Lillebror mußte gestehen, daß Mama es an sich genommen hatte. Sie war damals ziemlich böse gewesen wegen des Lakens, das Karlsson kaputtgeschnitten hatte. Sie hatte aber später die Löcher ausgebessert und das Gespenstergewand wieder in ein Laken verwandelt.
Karlsson fauchte, als er das hörte.
„So eine Einmischerei macht mich wütend. Nie kann man in diesem Haus etwas für sich allein haben."
Er setzte sich auf einen Stuhl und maulte.
„Wenn das so ist, dann mach' ich nicht mit. Ihr könnt euch eure Gespenster selber besorgen, so viele, wie ihr wollt."
Aber dann lief er zum Wäscheschrank und machte ihn auf.
„Zum Glück gibt es ja noch mehr Laken."
Er zerrte eines von Mamas besten Leinenlaken heraus, aber da kam Lillebror angestürzt.
„Nein, nein, das nicht! Laß das! Hier sind alte, abgelegte Laken, die gehen wohl ebenso gut."
Karlsson machte ein unzufriedenes Gesicht.
„Alte abgelegte Laken! Ich dachte, das Gespenst vom Vasaviertel bekäme ein bißchen hübsche Sonntagskleider.
Allerdings, wieso auch? Es ist ja ohnehin kein besseres Haus ...
Her mit den Lumpen!"
Und Lillebror zog ein paar zerrissene Laken heraus, die er Karlsson überließ.
„Wenn du die zusammenflickst, dann gibt das ein sehr schönes Gespenstergewand", sagte er.
Karlsson stand mit finsterer Miene da, die Laken im Arm.
„Wenn ich sie zusammenflicke! Wenn du sie zusammenflickst, meinst du. Komm, wir fliegen zu mir rauf, damit der Hausbock nicht mitten ins Gestichel reinplatzt."
In der nächsten Stunde saß Lillebror oben bei Karlsson und nähte ein Gespenstergewand. In der Handarbeitsstunde in der Schule hatte er alle Stiche gelernt, Vorstich und Stielstich und Kreuzstich, aber wie man zwei zerrissene Laken zu einem Gespenstergewand zusammennäht, das hatte ihm niemand beige-bracht, das mußte er selbst herausfinden. Er machte einen zag-haften Versuch, Karlsson um Hilfe zu bitten.
„Du könntest doch wenigstens zuschneiden", sagte Lillebror.
Karlsson schüttelte den Kopf.
„Wenn ich etwas zuschneiden sollte, dann müßte es deine Mama sein, die würde ich gern zuschneiden. War es nötig, daß sie mein Gespenstergewand wegnahm! Er ist nicht mehr als recht und billig, wenn du ein neues nähst. Fang nur an und jammere nicht."
Außerdem, meinte Karlsson, habe er kein bißchen Zeit, er müsse ein Bild malen, und zwar unverzüglich.
„So was muß man nämlich tun, wenn die Inspiration über einen kommt, verstehst du, und die ist gerade über mich gekommen.
Blupp, machte es - das war die Inspiration, die kam."
Lillebror wußte nicht, was Inspiration war. Aber Karlsson erklärte ihm, daß es eine Art von Krankheit sei, die alle Bilder-maler befalle, so daß sie nur malen und malen und malen wollten, anstatt Gespenstergewänder zu nähen.
Und Lillebror hockte auf der Hobelbank mit den Beinen über Kreuz wie ein Schneider und heftete und nähte, während Karlsson, in die Herdecke gedrückt, sein Bild malte. Vor dem Fenster stand schwarz das Dunkel, aber bei Karlsson drinnen war es hell und traulich, die Petroleumlampe brannte, und im Herd flackerte ein Feuer.
„Du bist hoffentlich im Handarbeitsunterricht fleißig und tüchtig gewesen", sagte Karlsson. „Denn ich möchte unter allen Umständen ein hübsches Gespenstergewand haben. So Langetten um den Hals würden mir gut gefallen oder auch eine Reihe Grätenstiche."
Lillebror gab keine Antwort. Er nähte nur, das Feuer prasselte, und Karlsson malte.
„Was malst du da?" fragte Lillebror.
„Das wirst du sehen, wenn es fertig ist", sagte Karlsson.
Endlich hatte Lillebror ein Gespenstergewand zusammenge-stoppelt, von dem er meinte, daß es zu brauchen sei. Karlsson probierte es an und war sehr zufrieden. Er flog ein paar Runden durch das Zimmer, um es vorzuführen.
Lillebror gruselte es. Er fand Karlsson ganz unheimlich und gespenstisch. Armes Fräulein Bock, aber sie wollte ja Spuk haben, und hier kriegte sie wahrhaftig einen, der dem Mutigsten angst machen konnte.
„Jetzt kann der Hausbock die Männer vom Fernsehen bestellen", sagte Karlsson. „Denn jetzt kommt bald das Gespenst vom Vasaviertel, motorisiert, wild und schön und ungeheuer gefährlich."
Karlsson flog im Zimmer herum, zufrieden glucksend. Um sein Bild kümmerte er sich nicht mehr. Lillebror ging hin, um sich anzusehen, was Karlsson gemalt hatte.
„Porträt von meinen Kaninchen", stand ganz unten zu lesen.
Aber zu sehen war nur ein kleines rotes Tier, das eher wie ein Fuchs aussah.
„Ist das da nicht ein Fuchs?" fragte Lillebror.
Karlsson schwebte herab und stellte sich neben ihn. Er legte den Kopf schief und betrachtete sein Bild.
„Ja, natürlich ist das ein Fuchs. Es ist zweifellos ein Fuchs, vom besten Fuchsmaler der Welt gemalt."
„Ja, aber", sagte Lillebror, .„Porträt von meinen Kaninchen' -wo sind denn die Kaninchen?"
„Die sind im Fuchs drin", sagte Karlsson.
Karlssons Klingelleitung
Am nächsten Morgen erwachten Birger und Betty mit einem sonderbaren roten Ausschlag am Körper.
„Scharlach", sagte Fräulein Bock, nachdem sie sie näher betrachtet hatte. Dasselbe sagte der Arzt, den sie hatten rufen lassen.
„Scharlach! Sofort ins Krankenhaus."
Dann zeigte er auf Lillebror.
„Und der da muß bis auf weiteres isoliert gehalten werden."
Da fing Lillebror an zu weinen. Er wollte nicht isoliert gehalten werden. Nicht daß er gewußt hätte, was das war, aber es klang abscheulich.
„Ach was", sagte Birger, als der Arzt gegangen war, „das bedeutet nur, daß du nicht in die Schule zu gehen brauchst und daß du nicht mit anderen Kindern zusammenkommen darfst. Wegen der Ansteckungsgefahr, weißt du."
Betty hatte ebenfalls Tränen in den Augen.
„Armer Lillebror", sagte sie, „du wirst dich sehr einsam fühlen!
Wir sollten vielleicht Mama anrufen, daß sie zurückkommt."
Davon wollte Fräulein Bock jedoch nichts wissen.
„Auf keinen Fall! Frau Svanteson braucht jetzt Ruhe. Bedenkt, sie ist auch krank. Auf den da werde ich schon aufpassen."
Sie nickte zu Lillebror hinüber, der ganz verweint an Bettys Bett stand.
Danach blieb nicht mehr viel Zeit, noch weiteres zu besprechen, der Krankenwagen kam und holte Birger und Betty ab. Lillebror weinte. Er war wirklich bisweilen wütend auf seine Geschwister, aber er hatte sie doch gern, und es war zu traurig, daß sie ins Krankenhaus mußten.
„Auf Wiedersehen, Lillebror", sagte Birger, als die Kranken-träger mit ihm hinausgingen.
„Auf Wiedersehen, lieber Lillebror. Gräm dich nicht! Wir kommen sicher bald wieder nach Hause", sagte Betty.
Lillebror schluchzte laut.