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Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:

Oblomow
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»Ja, ich werde erzählen!« antwortete sie vertrauend und erfreut, daß man ihr einen Teil der Ketten abgenommen hatte. »Ich werde allein wahnsinnig. Wenn Sie wüßten, wie elend mir ist! Ich weiß nicht, ob ich schuldig bin oder nicht, ob ich mich der Vergangenheit schämen oder sie bedauern soll, ob ich auf die Zukunft hoffen oder verzweifeln soll ... Sie haben von Ihren Qualen gesprochen, ohne die meinigen zu ahnen. Hören Sie mir bis zu Ende zu, aber nicht mit dem Verstand; ich fürchte ihren Verstand; lieber mit dem Herzen, vielleicht wird es Sie daran erinnern, daß ich keine Mutter habe, daß ich wie im Walde war ...« fügte sie leise, mit gesenkter Stimme hinzu. »Nein«, verbesserte sie sich eilig, »schonen Sie mich nicht. Wenn es Liebe war, dann ... verreisen Sie ...« Sie schwieg eine Weile. »Und kommen Sie wieder, wenn in Ihnen nur die Freundschaft sprechen wird. Wenn es aber nur Leichtsinn und Koketterie war, dann richten Sie mich, fliehen Sie und vergessen Sie mich! Hören Sie.«

Er drückte ihr statt einer Antwort beide Hände.

Jetzt begann Oljgas lange, genaue Beichte. Sie versetzte deutlich, Wort für Wort alles das, was so lange an ihr genagt hatte, wovor sie errötete, was sie früher gerührt und glücklich gemacht hatte, und dann in den Sumpf des Leidens und der Zweifel zu versinken, aus ihrem Hirn in ein fremdes.

Sie erzählte von den Spaziergängen, vom Park, von ihren Hoffnungen, von Oblomows Klärung und Fall, vom Fliederzweig, sogar vom Kuß. Sie überging nur den schwülen Abend im Garten mit Schweigen - wahrscheinlich deshalb, weil sie sich noch nicht darüber klar war, welch einen Anfall sie damals gehabt hatte.

Zuerst hörte man nur ihr verlegenes Flüstern, aber in dem Maße, als sie sprach, wurde ihre Stimme deutlicher und freier; sie ging vom Flüstern in halblautes Sprechen über und erhob sich dann bis zu den vollen Brusttönen. Sie schloß ruhig, als hätte sie fremde Erlebnisse erzählt. Vor ihr selbst sank ein Schleier herab, vor ihr stand deutlich die Vergangenheit, die sie bis zu diesem Augenblicke genau zu betrachten gefürchtet hatte. Ihr eröffnete sich jetzt vieles, und sie hätte ihren Freund dreist angeblickt, wenn es nicht dunkel gewesen wäre ... Sie war zu Ende und wartete sein Urteil ab. Die Antwort war aber Todesschweigen. Was hat er? Man hört kein Wort, keine Bewegung, nicht einmal einen Atemzug, als ob niemand neben ihr wäre. Dieses stumme Verhalten rief in ihr wieder Zweifel hervor. Das Schweigen dauerte fort. Was bedeutete es? Welches Urteil hatte sie vom scharfsinnigsten, nachsichtigsten Richter der ganzen Welt zu erwarten? Alle anderen würden sie erbarmungslos verurteilen, nur er allein konnte ihr Rechtsanwalt sein, sie hätte ihn dazu erwählt ... er würde alles begreifen, erwägen und besser als sie selbst zu ihrem Besten deuten! Er schwieg aber; war denn ihre Sache verloren? ... Ihr wurde wieder angst ...

Die Tür öffnete sich, und die beiden Kerzen, die von dem Stubenmädchen hereingebracht wurden, beleuchteten ihre Ecke.

Sie wandte ihm einen schüchternen, aber gierigen und fragenden Blick zu. Er hatte die Hände gekreuzt, blickte sie mit sanften, offenen Augen an und weidete sich an ihrer Verlegenheit. Sie atmete auf, und es wurde ihr warm ums Herz. Sie seufzte beruhigt und hätte fast geweint. Zu ihr kehrte augenblicklich die Nachsicht mit sich und das Vertrauen ihm gegenüber zurück. Sie war glücklich wie ein Kind, dem man verziehen, das man beruhigt und liebkost hatte.

»Ist das alles?« fragte er leise.

»Alles!« sagte sie.

»Und wo ist sein Brief?«

Sie nahm den Brief aus der Mappe heraus und reichte ihn ihm. Er trat ans Licht, las ihn und legte ihn auf den Tisch. Und seine Augen wandten sich ihr wieder mit dem Ausdruck zu, den sie bei ihm schon lange nicht beobachtet hatte. Vor ihr stand ihr selbstbewußter, ein wenig spöttischer und grenzenlos gütiger Freund von früher, der sie stets verzogen hatte. Auf seinem Gesicht war kein Schatten von Leiden und Zweifeln. Er ergriff ihre beiden Hände, küßte bald die eine, bald die andere und versank dann in tiefes Sinnen. Auch sie wurde still und beobachtete starr den Widerschein des Denkens auf seinem Gesicht.

Plötzlich erhob er sich.

»Mein Gott, würde ich mich denn so quälen, wenn ich wüßte, daß es sich um Oblomow handelt!« sagte er, sie so freundlich und zutraulich anblickend, als ob sie keine schreckliche Vergangenheit hinter sich hätte. Ihr wurde froh und festlich zumute. Sie wurde sich darüber klar, daß sie sich vor ihm allein geschämt hatte; er richtete sie aber nicht und floh nicht! Was ging sie das Urteil der ganzen Welt an?

Er beherrschte sich wieder und war froh; doch das genügte ihr nicht. Sie sah, daß sie freigesprochen war; doch sie wollte wie eine Angeklagte ihr Urteil wissen. Er griff aber nach dem Hut.

»Wohin?« fragte sie.

»Sie sind aufgeregt, ruhen Sie aus«, sagte er. »Wir sprechen morgen weiter.«

»Sie wollen, daß ich die ganze Nacht nicht schlafe!« unterbrach sie ihn, seine Hand ergreifend und ihn zum Sitzen einladend. »Sie wollen gehen, ohne mir zu sagen, was es ... war, was ich jetzt bin und was ich sein werde? Andrej Iwanowitsch, haben Sie Mitleid mit mir; wer wird es mir sonst sagen? Wer wird mich bestrafen, wenn ich es verdient habe, oder ... wer verzeiht mir? ...« fügte sie hinzu und blickte ihn mit so zärtlicher Freundschaft an, daß er den Hut fortwarf und vor ihr fast niedergekniet wäre.

»Sie Engel, erlauben Sie, daß ich mein Engel sage. Quälen Sie sich nicht unnütz; man braucht Sie weder zu richten noch zu begnadigen. Ich habe zu Ihrem Bericht nichts mehr hinzuzufügen. Was für Zweifel können Sie hegen? Sie wollen wissen, was das war, wie das heißt? Sie wissen es längst ... Wo ist Oblomows Brief?« Er nahm den Brief vom Tisch.

»Hören Sie zu!« Er las: »Ihr gegenwärtiges ›Ich liebe‹ ist nicht gegenwärtige, sondern zukünftige Liebe. Das ist nur das unbewußte Verlangen, zu lieben, das sich in Ermangelung von echter Nahrung bei Frauen manchmal im Liebkosen eines Kindes, einer anderen Frau oder einfach in Tränen und in hysterischen Anfällen äußert ... Sie haben sich geirrt« (las Stolz, dieses Wort betonend). »Vor Ihnen steht nicht derjenige, den Sie erwartet, von dem Sie geträumt haben. Warten Sie - er wird kommen, und dann werden Sie erwachen und sich über Ihren Irrtum ärgern und schämen ...«

»Sehen Sie, wie wahr das ist!« sagte er. »Sie haben sich über Ihren ... Irrtum geschämt und geärgert. Man kann nichts mehr hinzufügen. Er hat recht gehabt, und Sie haben ihm nicht geglaubt, das ist Ihre Schuld. Sie hätten sich damals gleich trennen sollen; doch Ihre Schönheit hat ihn besiegt ... und Sie waren ... von seiner taubenhaften Zärtlichkeit gerührt!« fügte er ein wenig spöttisch hinzu.

»Ich habe ihm nicht geglaubt, ich dachte, das Herz irre nicht ...«

»Nein, es irrt sich; und stößt manchmal ins Verderben! Aber Ihr Herz hat ja gar nicht mitgesprochen«, fügte er hinzu. »Es war einerseits Einbildung und Eitelkeit und anderseits Schwäche ... Und Sie haben gefürchtet, daß es der einzige Feiertag Ihres Lebens wäre, daß dieser klare Strahl Ihr Leben erhellt hätte und daß darauf ewige Nacht folgen würde ...«

»Und die Tränen?« sagte sie, »sind sie mir denn nicht vom Herzen gekommen, wenn ich geweint habe? Ich habe nicht gelogen, ich war aufrichtig ...«

»Mein Gott! Worüber weinen die Frauen denn nicht? Sie haben ja selbst gesagt, daß es Ihnen um den Fliederstrauß und die Lieblingsbank leid tat ... Fügen Sie noch die betrogene Eitelkeit, die mißlungene Rolle einer Retterin und ein wenig Gewohnheit hinzu ... wieviel Ursachen, um zu weinen!«

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