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Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.

Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:

Sommer 2008. Hundert Jahre sind vergangen, seit in Sibirien eine verheerende Explosion stattgefunden hat. Viktoria Vandenberg versucht mit zwei anderen deutschen Forschern dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Hat es sich um den Einschlag eines Meteoriten gehandelt? Leo, ein junger Hirte, erzählt Viktoria von seiner neunzigjährigen Großmutter, deren Vater zu den ersten Wissenschaftlern vor Ort gehörte. Die Alte beschwört Viktoria, ihre Nachforschungen einzustellen: Geister, böse Schamanen seien am Werk. Als sämtliche Stromgeneratoren ausfallen, scheinen die Prophezeiungen in Erfüllung zu gehen, erst recht als eine Serie von geheimnisvollen Todesfällen über die Forschergruppe hereinbricht. Doch Viktoria gibt nicht auf. Sie begreift, dass Leo den Schlüssel zu einer Wahrheit besitzt, die weitaus unglaublicher erscheint als ein Meteoriteneinschlag.
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»Der Mann ist gefährlich«, beschwor er Bashtiri. »Wenn er die im Tagebuch erwähnten Fähigkeiten tatsächlich besitzt, kann er alles Mögliche damit anstellen.«

Bashtiri ließ keinen Zweifel aufkommen, dass die Aufklärung der offiziellen Stellen nur in einer Weise geschehen durfte, die keinerlei

Rückschlüsse zuließ, dass er und Lebenov bereits eigenmächtig Untersuchungen eingeleitet hatten, und zwar, ohne den russischen Präsidenten oder die Leitung des GazCom-Konzerns zu beteiligen.

Doktor Swerew kündigte seine Anreise für den Abend an.

Ein Helikopter würde ihn von Irkutsk nach Vanavara bringen. Solange Swerew in die Untersuchungen eingebunden war, konnte Bash-tiri getrost damit rechnen, dass er ihn weiterhin auf dem Laufenden halten würde, selbst wenn der Fall an Regierungsstellen abgegeben werden musste.

Kaum hatte er aufgelegt, erschien der Polizeichef von Vanavara, Ka-pitan Josephowitsch. Der hagere, ausgezehrt wirkende Mann, dem man seinen regelmäßigen Wodkakonsum ansehen konnte, wurde von einem älteren, sportlich wirkenden Mann begleitet, der um einiges gepflegter wirkte und der Bashtiri bestens bekannt war.

Professor Rodius machte vor Bashtiri Halt und blickte nur kurz auf dessen verbundene Hand, ohne jedoch ein Wort des Bedauerns zu äußern. »Meine Kollegin wird seit dem Morgengrauen vermisst. Sie ist nicht zum Frühstück erschienen«, blaffte er, als ob er wie selbstverständlich davon ausging, dass Bashtiri Schuld daran haben musste.

Der behandelnde Arzt trat hinzu und zog Rodius zurück, indem er ihn am Arm fasste. »Der Patient bedarf äußerster Schonung«, bestimmte er streng. »Ich kann nicht zulassen, dass Sie ihn derart attackieren.«

Mit einer unwirschen Geste befreite sich Rodius vom Griff des Arztes, dabei trat er demonstrativ einen Schritt von dem Oligarchen zurück.

»Lassen Sie nur«, beschwichtigte Bashtiri den Arzt. »Der Mann ist aufgeregt, und das hat seinen Grund. Ich kenne ihn.« Mit wenigen Worten erklärte Bashtiri dem deutschen Professor die schreckliche Lage. »Aldanov ist entflohen. Vermutlich hat er Ihre Kollegin ein weiteres Mal entführt. Er hatte sie bei sich, als er den Helikopter startete.« Er setzte eine Miene scheinbar ehrlicher Anteilnahme auf. »Es tut mir wirklich leid, Ihnen das sagen zu müssen«, fuhr er fort. »Aber Ihre Kollegin befindet sich in höchster Gefahr. Noch heute wird ein Sicherheitsteam der Regierung eintreffen und den Fall übernehmen. Am besten halten Sie die Mobiltelefonnummer und die Bankdaten von Frau Dok-tor Vanderberg für die Polizei bereit, damit man sehen kann, ob der Täter sich ihres Telefons und ihrer Kreditkarten bedient.«

»Und wie soll sie an den Chekosee zurückgekommen sein?« Rodius sah ihn entgeistert an. Er vermochte nicht zu glauben, was Bashtiri berichtet hatte.

»Was fragen Sie mich das?«, entgegnete Bashtiri unwirsch.

»Wie soll es Ihrer Meinung nach jetzt weitergehen?« Rodius spürte die Verzweiflung angesichts der Tatsache, dass Viktoria zum zweiten Mal unter äußerst mysteriösen Umständen verschwunden war - noch dazu in Begleitung eines fragwürdigen Mannes, dessen Name in einem Atemzug mit einem terroristischen Akt genannt wurde.

»Fliegen Sie wie geplant nach Moskau«, riet ihm Bashtiri, »und warten Sie in Ihrer Botschaft ab, was geschieht. Sie können hier nichts tun. Die Regierung ist informiert. Man wird sich der Sache annehmen. Sobald man etwas weiß, erhalten Sie Nachricht.«

Der Professor schluckte seine Empörung herunter. Ob er wollte oder nicht - er musste Bashtiri recht geben. Die Einzigen, die Viktoria in dieser Sache helfen konnten, waren die deutsche Botschaft und das Auswärtige Amt.

Der Nachmittag war bereits fortgeschritten, als Svetlana nach Hause zurückkehrte. Leonid und Viktoria saßen - vollständig angekleidet und ähnlich brav wie Leonid nach seinen jugendlichen Eskapaden - in der Küche und tranken Kaffee.

Svetlana wirkte völlig aufgelöst. In dem Haushalt, wo sie am Nachmittag arbeitete, lief ständig der Fernseher, und so hatte ihr gar nicht entgehen können, dass man nach Leonid und Viktoria eine landesweite Fahndung eingeleitet hatte.

»Was hast du getan, Wuntschok?« rief sie außer sich vor Entsetzen, als sie Leonid völlig unvermittelt gegenübertrat.

Er stand langsam auf und blickte verständnislos auf sie herab.

»Was meinst du damit?«

»Die sagen, du hättest einen hochgestellten Offizier der GazCom umgebracht - dazu einen harmlosen Touristenführer und noch zwei weitere Menschen! Außerdem haben deine Komplizen vier Sicherheitskräfte von GazCom auf dem Gewissen, die man in einem Wald in der

Nähe von Vanavara gefunden hat.« Svetlana schrie fast und sah ihn so verächtlich an, als ob sie jeden Moment vor ihm ausspucken wollte.

Er fasste sie hart bei der Schulter und zwang sie, ihm ins Gesicht zu schauen.

»Wer sagt so etwas?«, fuhr er sie an.

Tränen standen in ihren Augen, bevor sie sich anschickte zu antworten.

»Im Fernsehen haben sie es in den Nachrichten gesagt. Sie haben Fotos von dir und dem Mädchen gezeigt und haben gemeint, du hättest sie mit einem Helikopter entführt.« Ein Seitenblick auf Viktoria sollte ihr wohl versichern, dass sie sich zu irren hoffte. »Sie suchen in ganz Russland nach euch! Den Helikopter haben sie draußen vor der Stadt sichergestellt. Die gesamte Gegend wurde abgesperrt, und nun kontrollieren sie den Flughafen und alle Bahnhöfe im Umkreis.«

»Setz dich!« Es war ein Befehl, und allein Leonids hünenhafte Gestalt machte ihrer aufgebrachten Gastgeberin klar, dass sie ihm zuhören musste, bis sie alles verstanden hatte. Ruhig und geduldig erklärte er ihr, was tatsächlich vorgefallen war. Vielleicht lag es an der Zuneigung, die Svetlana ihm zweifellos entgegenbrachte, dass er sie zunehmend davon überzeugen konnte, kein Verbrecher zu sein.

»Denkst du, sie haben deiner Babuschka etwas angetan?« Svetlana wagte diese Frage kaum zu stellen.

»Sie lebt«, behauptete Leonid hartnäckig. »Und sie kennt sich gut genug aus, um sich im Wald zu verstecken, und dann ist da auch noch mein Großonkel. Er wird sie nicht im Stich lassen.«

Svetlana sah ihn fassungslos an. »Ich mache mich strafbar«, flüsterte sie, »wenn ich euch zur Flucht verhelfe, aber mein Gewissen verlangt es von mir. Ich kenne da jemanden, der euch kurzfristig Pässe beschaffen kann. Es wird etwas kosten, aber ich habe gespart.« Sie stieß einen schweren Seufzer aus und bekreuzigte sich.

Leonid hielt ihre Hand und küsste dann ihre Wange, viel zärtlicher, als man es bei einer einfachen Freundin erwarten durfte.

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