Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Ein Engländer? versetzte Monte Christo träumerisch und unruhig JuliesBlicken folgend, ein Engländer sagen Sie?
Ja, erwiderte Maximilian, ein Engländer, derbei uns als Vertreter des Hauses Thomson und French in Rom erschien. Deshalbsahen Sie michbeben, als Sie neulichbei Herrn von Morcerfbemerkten, Thomson und French in Rom seien IhreBankiers. Dies ereignete sich im Jahre 1829, wie wir Ihnen sagten, und ich frage Sie im Namen des Himmels, haben Sie diesen Engländer gekannt?
Doch sagten Sie mir nicht, es sei von dem Hause Thomson und Frenchbeständig in Abrede gestellt worden, daß es Ihnen diesen Dienst geleistet? Sollte dieser Engländer vielleicht aus Dankbarkeit für irgend eine gute Handlung Ihres Vaters diesen Vorwand ergriffen haben, um ihm einen Dienst zu leisten?
Unter solchen Umständen ist alles zu vermuten, selbst ein Wunder.
Wie hieß er? fragte Monte Christo.
Er hat keinen andern Namen hinterlassen, sagte Julie, den Grafen mit großer Aufmerksamkeitbetrachtend, als den, womit er dasBillett unterzeichnete: Simbad der Seefahrer.
Was offenbar kein Name, sondern ein Pseudonym ist.
Und als ihn Julie immer aufmerksamer anschaute und die Töne seiner Stimme aufzufangen und zu sammeln schien, fuhr er fort: Sagen Sie, ist es nicht ein Mann etwa von meinem Wuchse, vielleicht etwas größer, etwas schlanker, in eine hohe Halsbinde eingezwängt, gegürtet undbeständig einenBleistift in der Hand haltend?
Oh! Sie kennen ihn also? rief Julie mit freudestrahlenden Augen.
Nein, ich habe nur eine Vermutung. Ich kannte einen Lord Wilmore, der edle Handlungen der Art auszuführen pflegte.
Ohne sich zu erkennen zu geben?
Es war ein wunderlicher Mensch, er glaubte nicht an Dankbarkeit.
Oh, mein Gott! rief Julie mit einem erhabenen Ausdruck die Hände faltend, woran glaubt denn der Unglückliche?
Er glaubte wenigstens nicht daran zur Zeit, wo ich ihn kannte, sagte Monte Christo, den diese aus der Tiefe der Seele kommende Stimmebis in die letzte Fiber erschüttert hatte; seit jener Zeit hat er jedoch vielleicht einenBeweis erhalten, daß es eine Dankbarkeit gibt.
Und Sie kennen diesen Mann? fragte Emanuel.
Oh! wenn Sie ihn kennen, rief Julie, sprechen Sie, vermögen Sie ihn zu uns zu führen, ihn uns zu zeigen, uns zu offenbaren, wo er ist? Wie, Maximilian, wie, Emanuel, wenn wir ihn je wieder finden würden, würde er nicht an dankbare Herzen glauben müssen?
Monte Christo fühlte, wie zwei Tränen in seine Augen traten; er machte noch ein paar Schritte im Salon.
Im Namen des Himmels, sagte Maximilian, wenn Sie etwas von diesem Manne wissen, so teilen Sie es uns mit.
Ach! erwiderte Monte Christo, die Erschütterung seiner Stimmebewältigend, ach! wenn Lord Wilmore Ihr Wohltäter ist, sobefürchte ich, daß Sie ihn nie finden werden. Ich habe ihn vor zwei oder drei Jahren in Palermo verlassen; er reiste damals nach weit entfernten Ländern, und ich zweifle sehr an seiner Rückkehr.
Ah! mein Herr, Sie sind grausam, rief Julie voll Schrecken.
Und es entstürzten Tränen den Augen der jungen Frau.
Gnädige Frau, sagte mit ernstem Tone Monte Christo, während er mit seinenBlicken diebeiden Tränenperlen verschlang, die über Julies Wangen herabrollten, wenn Lord Wilmore gesehen hätte, was ich hier sehe, so würde er das Leben noch lieben, denn die Tränen, die Sie vergießen, müßten ihn mit dem Menschengeschlechte aussöhnen. Und er reichte Julie die Hand, und diese gabihm die ihre, hingezogen vonBlick und Ton des Grafen.
Doch dieser Lord Wilmore, sagte sie, sich an eine letzte Hoffnung klammernd, hatte er kein Vaterland, Verwandte, Familie, war erbekannt? Könnten wir nicht…
Oh! suchen Sie nicht, Madame, bauen Sie keine leeren Hoffnungen auf das Wort, das mir entschlüpft ist! Nein, Lord Wilmore ist wahrscheinlich nicht der Mann, den Sie suchen, er war mein Freund, ich kannte seine Geheimnisse, er hätte mir auch dieses mitgeteilt.
Und er sagte Ihnen nichts davon? rief Julie.
Nichts.
Sie nannten ihn aber doch sogleich?
Sie wissen, in solchen Fällen ergeht man sich leicht in Mutmaßungen.
Meine Schwester, sagte Maximilian, Monte Christo zu Hilfe kommend, der Herr Graf hat recht. Erinnere dich dessen, was unser guter Vater uns so oft sagte: Der Mann, der unser Glück machte, war kein Engländer.
Monte Christo zitterte und sagte lebhaft: Ihr Vater sagte Ihnen dies, Herr Morel?
Mein Vater, Herr Graf, erblickte in dieser Handlung ein Wunder. Mein Vater glaubte an einen für uns aus dem Grabe erstandenen Wohltäter. Oh! welch ein rührender Aberglaube, mein Herr!.. Während ich selbst ihm nichtbeipflichtete, war ich doch weit entfernt, diesen Glauben in seinem Herzen zerstören zu wollen. Wie oft träumte er davon und sprach ganz leise den Namen eines geliebten Freundes, eines verlorenen Freundes aus, und als er nur noch einen Schritt vom Tode entfernt war und das Herannahen der Ewigkeit seinem Geiste etwas von der Erleuchtung des Grabes gegeben hatte, da wurde dieser Gedanke, derbis dahin eine dunkle Vermutung gewesen war, zur Überzeugung, und die letzten Worte, die er sterbend aussprach, lauteten: Maximilian, es war Edmond Dantes.
Die immer mehr zunehmendeBlässe des Grafen wurdebei diesen Worten furchtbar. Er konnte kaum mehr sprechen, zog seine Uhr, als hätte er die Stunde vergessen, nahm seinen Hut, machte eine ungestüme, verlegene Verbeugung vor Frau Herbault, drückte Emanuel und Maximilian die Hand und stammelte: Gnädige Frau, erlauben Sie mir, Ihnen zuweilen meine Achtung zubezeigen. Ich liebe Ihr Haus undbin Ihnen dankbar für Ihren Empfang, denn es ist das erste Mal seit Jahren, daß ich mich vergessen habe.
Und er entfernte sich mit großen Schritten.
Das ist ein seltsamer Mensch… dieser Graf von Monte Christo, sagte Emanuel.
Ja, erwiderte Maximilian, aber ich glaube, er hat ein vortreffliches Herz, und ichbin überzeugt, daß er uns liebt.
Und mir, sagte Julie, mir war es, als erinnerte sich mein Inneres seiner Stimme, und wiederholt kam es mir vor, als hörte ich sie nicht zum erstenmal.
Pyramos und Thisbe
Auf dem Faubourg Saint‑Honoré hinter einem schönen Palast dehnte sich damals ein weiter Garten aus, dessenblätterreiche Kastanienbäume die ungeheuren, wallhohen Mauern überragten, und wenn der Frühling kam, ihre rosenfarbigen und weißenBlüten in zwei Vasen von gerieftem Stein fallen ließen, die auf zwei viereckigen Pfeilern einander gegenüberstanden, zwischen die ein eisernes Gitter aus der Zeit Ludwigs XIII gefügt war.
Dieser großartigste Eingang war trotz der herrlichen Geranien, die in den Vasen wuchsen, der Öde verfallen, seitdem sich die Eigentümer auf denBesitz des Hauses, des mitBäumenbepflanzten und nach dem Faubourg gehenden Hofes und des Gartensbeschränkten, den dieses Gitter schloß. Da aber der Dämon der Spekulation eine Straße am Ende dieses Küchengartens gezogen, so glaubte man dieses Stück alsBauplatz verkaufen zu können.
Jedoch die Spekulation schlug fehl, und der Käufer des Küchengartens verpachtete den Platz an einen Gemüsegärtner, der nur Luzernen darauf wachsen ließ. Eine kleine niedrige Tür, die sich nach der noch im Plane schlummernden Straße öffnete, gewährte Eingang in dieses von Mauern umschlossene Gebiet.
Nach dem vornehmen Hause oder, wie man in Paris sagt, nach dem Hotel zubekränzten Kastanienbäume die Mauer. Auf einer Ecke, wo dasBlätterwerk so dicht war, daß das Licht kaum durchzudringen vermochte, deuteten eine steinerneBank und Gartensitze auf einen Lieblingswinkel für irgend einenBewohner des hundert Schritte davon entlegenen Hotels, das wegen des grünen, umhüllenden Walles kaum wahrzunehmen war. Die Wahl dieses geheimnisvollen Asyls rechtfertigte sich durch die Abwesenheit der Sonne, durch die angenehme Frische, durch das Gezwitscher der Vögel und durch die Entfernung des Hauses und der Straße.