Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich konnte hören, wie der Schnee flüsternd auf die Ölhaut rieselte, die das Fenster am Kopfende bedeckte. Wenn es so weiterschneite, würden seine Spuren am Morgen zugedeckt sein. Und wenn ihm etwas zugestoßen war …
Ich schlug das Bettzeug zurück und stand auf. Ich zog mich schnell an, ohne großartig darüber nachzudenken, was ich tat; ich hatte schon zu viel nachgedacht. Ich zog mir zur Isolation unter den Lederkleidern mein Wollhemd an und zwei Paar Strümpfe. Ich dankte Gott, dass meine Stiefel frisch mit Otterfett eingeschmiert waren; sie rochen zwar stark nach Fisch, doch sie würden die Feuchtigkeit eine ganze Weile fernhalten.
Er hatte das Beil mitgenommen; ich musste mit einem Hammer und einem Keil noch ein Stück harzhaltiges Kiefernholz spalten und verfluchte dabei meine Langsamkeit. Jetzt, da ich mich zum Handeln entschlossen hatte, schien jede kleine Verzögerung ein unerträgliches Ärgernis. Doch das langfaserige Holz ließ sich leicht spalten; ich bekam fünf anständige Späne zustande, von denen ich vier mit einem Lederriemen zusammenschnürte. Ich stieß den fünften mit einem Ende tief in die rauchende Glut des Feuers und wartete, bis er sich ordentlich entzündet hatte.
Dann band ich mir einen kleinen Medizinbeutel um die Taille, überprüfte, ob ich die Tasche mit Feuerstein und Reisig dabeihatte, zog meinen Umhang an, ergriff mein Bündel und meine Fackel und machte mich auf in den fallenden Schnee.
Es war nicht so kalt, wie ich befürchtet hatte; als ich erst einmal in Bewegung war, war mir in meiner Umhüllung ganz warm. Es war sehr still, es wehte kein Wind, und das Flüstern des fallenden Schnees erstickte die üblichen Nachtgeräusche.
Er hatte vorgehabt, seine Fallen abzuschreiten, so viel wusste ich. War er jedoch unterwegs auf ein vielversprechendes Zeichen gestoßen, dann war er ihm sicher gefolgt. Der alte Schnee lag dünn und fleckig auf dem Boden, doch die Erde war mit Wasser durchtränkt, und Jamie war schwer. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich seiner Spur folgen konnte, wenn ich auf sie stieß. Und wenn ich auf ihn stieß, für die Nacht neben seiner Beute verschanzt, umso besser. Zu zweit schlief man in der Kälte besser als allein.
Hinter den kahlen Kastanien, die unsere Lichtung im Westen umrandeten, wandte ich mich hügelwärts. Ich hatte keinen guten Orientierungssinn, doch wo oben und unten war, konnte ich unterscheiden. Außerdem hatte Jamie mir sorgsam beigebracht, mich nach großen, festen Orientierungspunkten zu richten. Ich blickte zu den Wasserfällen hinüber – die weiße Kaskade war kaum mehr als ein verschwommener Fleck in der Ferne. Ich konnte sie nicht hören; wenn es überhaupt Wind gab, musste er aus meiner Richtung wehen.
»Auf der Jagd achtet man darauf, dass der Wind aus der Gegenrichtung weht«, hatte Jamie erklärt. »Damit der Hirsch oder Hase einen nicht wittert.«
Ich fragte mich beklommen, was wohl da in der Dunkelheit sein mochte und mich in der schneegeschwängerten Luft witterte. Abgesehen von meiner Fackel, war ich nicht bewaffnet. Das Licht glitzerte rot auf der dichten Schneekruste und brach sich im Eismantel der Zweige. Wenn ich mich ihm bis auf eine Viertelmeile näherte, würde er mich sehen.
Die erste Schlinge befand sich in einer kleinen Mulde, ungefähr zweihundert Meter hügelaufwärts von der Blockhütte in einem Hain von Fichten und Hemlocktannen. Ich war dabei gewesen, als er sie gelegt hatte, doch das war bei Tageslicht gewesen; selbst mit der Fackel sah in der Nacht alles seltsam und fremd aus.
Ich ging hin und her und bückte mich, um mein Licht in Bodennähe zu bringen. Ich musste die Mulde mehrere Male abschreiten, ehe ich fand, wonach ich suchte – den dunklen Abdruck eines Fußes auf einem Schneeflecken zwischen zwei Fichten. Nach kurzem Weitersuchen fand ich die Schlinge, die immer noch gespannt war. Entweder hatte sich nichts darin verfangen, oder er hatte den Fang entfernt und die Schlinge neu gelegt.
Die Fußabdrücke führten von der Lichtung weg und weiter hügelaufwärts, und dann verschwanden sie an einer Stelle, an der kein Schnee das feuchte Laub bedeckte. Panik überkam mich, als ich die Stelle im Zickzack überquerte und nach einem aufgescharrten Flecken suchte, der eine Fußspur hätte sein können. Es war nichts zu sehen. Das Laub musste hier dreißig Zentimeter hoch liegen, es war weich und federte jeden Schritt ab. Doch da! Ja, dort hatte jemand einen umgestürzten Baumstamm umgedreht; ich konnte die dunkle, feuchte Furche sehen, in der er gelegen hatte, und das Moos an der Seite war abgeschabt. Ian hatte mir gesagt, dass Eichhörnchen und Streifenhörnchen manchmal in den Aushöhlungen unter solchen Baumstämmen überwintern.
Ganz langsam folgte ich ihm von einer Schlinge zur nächsten, verlor dabei ständig seine Spur und musste meine eigenen Fußstapfen zurückverfolgen, um sie wiederzufinden. Der Schnee fiel jetzt dichter und schneller, und mir war beklommen zumute. Wenn er Jamies Spuren zudeckte, bevor ich ihn fand, wie sollte ich dann den Rückweg zum Blockhaus finden?
Ich blickte mich um, sah aber hinter mir nichts als einen langen, gefährlichen Hang mit unberührter Schneedecke. Er fiel zu einem mir unbekannten Bach ab, der als dunkle Linie sichtbar war und aus dem Felsbrocken wie Zähne aufragten. Keine Spur von dem fröhlichen Rauchwölkchen und den Funken aus unserem Schornstein. Ich drehte mich langsam im Kreis, doch auch die Wasserfälle konnte ich nicht mehr sehen.
»Großartig«, brummte ich vor mich hin. »Du hast dich verlaufen. Und jetzt?« Ich erstickte mit aller Strenge eine drohende Panikattacke und blieb stehen, um nachzudenken. Ich hatte mich nicht völlig verirrt. Ich wusste nicht, wo ich war, aber das war nicht ganz dasselbe. Ich konnte mich immer noch an Jamies Spur orientieren – oder würde es können, bis der Schnee sie zudeckte. Und wenn ich ihn finden konnte, konnte er wahrscheinlich das Blockhaus finden.
Meine Fackel war gefährlich weit heruntergebrannt; ich spürte, wie ihre Hitze mir die Hand versengte. Ich zog den nächsten trockenen Span unter meinem Umhang hervor und entzündete ihn am Stumpf des ersten. Dann ließ ich das glühende Ende gerade noch rechtzeitig fallen, um mir nicht die Hand zu verbrennen.
Ich fragte mich, ob ich mich weiter von der Blockhütte entfernte oder mich in gleichbleibendem Abstand zu ihr bewegte. Ich wusste, dass die Reihe der Schlingen in etwa einen Kreis beschrieb, doch ich hatte keine Ahnung, wie viele Schlingen es genau waren. Bis jetzt hatte ich drei gefunden, die alle leer waren.
Die vierte war nicht leer. Der Schein meiner Fackel fing sich im Glitzern der Eiskristalle, die das Fell eines großen Hasen überzogen, der unter einem gefrorenen Busch ausgestreckt lag. Ich berührte ihn, hob ihn auf und zog ihm die Schlinge vom Hals. Er war steif, vielleicht von der Kälte, vielleicht von der Todesstarre. Er war also schon eine Weile tot – und was verriet mir das über Jamies Aufenthaltsort?
Ich versuchte, logisch zu denken, und ignorierte die Kälte, die zunehmend durch meine Stiefel drang, und die wachsende Taubheit von Gesicht und Händen. Der Hase lag im Schnee; ich sah seine Pfotenabdrücke und die aufgewühlten Spuren seines Todeskampfes. Ich konnte aber keinen Fußabdruck von Jamie sehen. Gut, also hatte er diese Schlinge nicht aufgesucht.
Ich stand still, und mein Atem bildete kleine, weiße Wölkchen um meinen Kopf. In meinen Nasenlöchern bildete sich langsam Eis; es wurde kälter. Irgendwo zwischen der letzten Schlinge und dieser hier hatte er seinen Pfad also verlassen. Wo? Und wo war er hingegangen?
Eilig verfolgte ich meine Spur zurück und hielt Ausschau nach dem letzten Fußabdruck, dessen ich mir sicher war. Es dauerte lange, bis ich ihn fand; der Schnee hatte fast den gesamten Boden mit einer dünnen glitzernden Schicht bedeckt. Bis ich den Abdruck gefunden hatte, war meine zweite Fackel halb heruntergebrannt. Da war er, ein verschwommener Fleck im Uferschlamm eines Baches. Ich hatte die Schlinge mit dem Hasen nur gefunden, indem ich der Richtung folgte, in die sein Fußabdruck meiner Meinung nach wies – doch offenbar tat er das nicht. Er hatte den Schlamm hinter sich gelassen und war … wohin gegangen?