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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Ich trug meinen Schnee ins Haus und kippte ihn in den großen Kessel, wobei ich mir wie immer wie eine Hexe vorkam.

»›Dreimal schwarzer Kater‹«, murmelte ich, während ich zusah, wie die weißen Klumpen zischend in der brodelnden Flüssigkeit verschwanden.

Ich besaß einen großen Kessel, der, ständig mit Wasser gefüllt, über dem Feuer vor sich hinblubberte. Aus diesem Kessel holten wir nicht nur unser Waschwasser, darin kochte ich auch all das, was nicht gegrillt, frittiert oder gebraten werden konnte. Eintöpfe und anderes Kochgut kamen in ausgehöhlte Kürbisse oder Keramikgefäße, die ich verschlossen an Kordeln in die brodelnden Tiefen hinabsenkte und dann und wann zur Kontrolle herauszog. Auf diese Weise konnte ich eine komplette Mahlzeit in einem einzigen Topf kochen und hatte hinterher auch noch heißes Wasser zum Waschen.

Ich kippte einen zweiten Korb voll Schnee in eine Holzschüssel und ließ ihn dort langsamer schmelzen: Trinkwasser für den Tag. Da ich nichts sonderlich Dringendes zu tun hatte, setzte ich mich dann hin, um in Daniel Rawlings’ Krankenbuch zu lesen und Strümpfe zu stopfen, während meine Zehen gemütlich am Feuer vor sich hinbrieten.

Am Anfang machte ich mir keine Sorgen, als Jamie nicht zurückkam. Das heißt, ich machte mir zwar Sorgen – ich machte mir immer Sorgen, wenn er länger weg war –, doch auf eine leise und geheime Weise, die ich meistens erfolgreich verdrängen konnte. Als die Schatten im Schnee sich bei Sonnenuntergang violett färbten, begann ich allerdings, mit zunehmender Intensität nach ihm zu lauschen.

Ich machte meine Arbeit, erwartete dabei ständig, das Knirschen seiner Schritte zu hören, lauschte auf einen Ausruf, jederzeit bereit, hinauszulaufen und ihm zu helfen, falls er einen Truthahn mitgebracht hatte, der gerupft werden musste, oder etwas anderes mehr oder weniger Essbares, das gesäubert werden musste. Ich fütterte und tränkte die Maultiere und Pferde und blickte ständig zum Berg hinauf. Als das Nachmittagslicht um mich herum erstarb, ging die Erwartung in Hoffnung über.

Es wurde kühl in der Blockhütte, und ich ging hinaus, um neues Holz zu holen. Ich glaubte nicht, dass es viel später als vier Uhr sein konnte, doch die Schatten unter den Heidelbeeren waren bereits kalt und blau. Noch eine Stunde, und die Abenddämmerung würde hereinbrechen, und in zweien würde es völlig dunkel sein.

Der Holzstapel war mit Schnee bestäubt, die äußeren Scheite feucht. Doch ich konnte ein Stück Hickoryholz zur Seite ziehen und dann in den Stapel greifen und trockene Scheite holen – immer auf der Hut vor Schlangen, Stinktieren und allem, was sonst noch Zuflucht in diesen Höhlungen gesucht haben könnte.

Ich schnüffelte, bückte mich dann und blickte vorsichtig in den Stapel, und als letzte Vorsichtsmaßnahme stieß ich einen langen Stock zwischen die Holzscheite und stocherte kurz dort herum. Da ich nichts rascheln oder knacken und auch sonst kein Alarmgeräusch hörte, griff ich zuversichtlich hinein und tastete mich vor, bis meine Finger auf die tief gerillte Maserung eines dicken Kiefernscheites trafen. Heute Abend wollte ich ein heißes, schnell brennendes Feuer; nach einem ganzen Tag auf der Jagd im Schnee würde Jamie sicher durchgefroren sein.

Kiefer also für das Herz des Feuers und drei langsamer brennende Hickoryscheite aus der feuchten Außenschicht des Holzstapels. Diese konnte ich zum Trocknen im Herd aufstapeln, während ich das Abendessen kochte; wenn wir dann ins Bett gingen, wollte ich das feuchte Hickoryholz auflegen, damit das Feuer bis zum Morgen schwelte.

Die Schatten färbten sich indigoblau und verschmolzen mit der grauen Winterdämmerung. Der Himmel war lavendelfarben und hing voller dichter Wolken; Schneewolken. Ich konnte beim Atmen die kalte Feuchtigkeit in der Luft spüren; nach Anbruch der Dunkelheit würde mit der Temperatur auch der Schnee fallen.

»Verflixter Kerl«, sagte ich laut. »Was hast du angestellt, einen Elch geschossen?« Meine Stimme klang leise in der nebligen Luft, doch der Gedanke erleichterte mich. Wenn er tatsächlich gegen Ende des Tages etwas Großes eingesackt hatte, konnte es gut sein, dass er beschlossen hatte, neben dem erlegten Tier zu campieren; Großwild zu zerlegen, war eine ermüdende, langwierige Arbeit, und Fleisch war zu rar, um es den Raubtieren zu überlassen.

Mein Gemüseeintopf brodelte vor sich hin, und die Hütte war von einem herzhaften Duft nach Zwiebeln und wildem Knoblauch erfüllt, doch ich hatte keinen Appetit. Ich schob den Kessel an seinem Haken zur Rückwand der Feuerstelle – er würde sich leicht aufwärmen lassen, wenn Jamie kam. Ein kleiner, grüner Blitz erregte meine Aufmerksamkeit, und ich bückte mich, um ihn in Augenschein zu nehmen. Es war ein winziger Salamander, der aus seinem Winterquartier in einer Spalte im Holz aufgescheucht worden war.

Er war grün und schwarz und leuchtete wie ein winziges Juwel; ich hob ihn auf, bevor er in Panik geraten und ins Feuer laufen konnte, und trug das feuchte Tierchen, das sich wie verrückt in meiner Hand wand, nach draußen. Ich setzte ihn in den Holzstapel zurück, an eine sichere Stelle in Bodennähe.

»Pass auf«, sagte ich zu ihm. »Nächstes Mal hast du vielleicht nicht so viel Glück.«

Ich blieb stehen, bevor ich wieder hineinging. Es war jetzt dunkel geworden, doch ich konnte immer noch die Baumstämme erkennen, die die Lichtung umstanden und sich kreidefarben und grau vor dem Bergmassiv im Hintergrund abzeichneten. Es regte sich nichts zwischen den Bäumen, doch vereinzelt fielen dicke Schneeflocken vom rötlichen Himmel und schmolzen sofort auf dem nackten Boden vor der Tür.

Ich verriegelte die Tür, aß zu Abend, ohne etwas zu schmecken, dämpfte das Feuer mit dem feuchten Hickoryholz und legte mich schlafen. Vielleicht hatte er ein paar Männer aus Anna Ooka getroffen und war bei ihnen untergekommen.

Der Geruch des Hickoryrauchs hing in der Luft, weiße Wölkchen kringelten sich über dem Hemd. Die darüberliegenden Dachbalken waren bereits rußgeschwärzt, obwohl hier erst seit zwei Monaten ein Feuer brannte. Aus dem Holz am Kopfende des Bettes sickerte immer noch frisches Harz, kleine, goldene Tröpfchen, die wie Honig leuchteten und nach Terpentin rochen, scharf und rein. Im Feuerschein waren die Axthiebe im Holz zu sehen, und plötzlich erschien Jamies breiter, schweißnasser Rücken deutlich vor meinem inneren Auge. Jamie schwang die Axt wieder und wieder, wie ein Uhrwerk, und die Klinge der Axt landete metallblitzend nur Zentimeter von seinem Fuß entfernt, während er sich an dem abgevierten, rohen Holz entlangarbeitete.

Es war furchtbar einfach, bei einem Axt- oder Beilhieb das Ziel zu verfehlen. Vielleicht hatte er Holz für sein Lagerfeuer geschlagen und danebengetroffen, einen Arm oder ein Bein erwischt. Allzeit hilfsbereit, lieferte meine Phantasie prompt eine kristallklare Vision von arteriellem Blut, das stoßweise karminrot auf den weißen Schnee sprühte.

Ich warf mich zur Seite. Er konnte unter freiem Himmel leben. Mein Gott, schließlich hatte er sieben Jahre in einer Höhle verbracht.

In Schottland, sagte meine Phantasie zynisch. Wo der größte Fleischfresser eine Wildkatze von der Größe einer Hauskatze ist. Wo die größte menschliche Bedrohung von englischen Soldaten ausging.

»Unfug!«, sagte ich und drehte mich auf den Rücken. »Er ist erwachsen und bis an die Zähne bewaffnet, und er weiß ganz bestimmt, was er tun muss, wenn es schneit.«

Was würde er tun?, fragte ich mich. Einen Unterschlupf suchen oder bauen, vermutete ich. Ich erinnerte mich an den groben Verschlag, den er errichtet hatte, als wir anfangs auf dem Bergrücken campiert hatten, und fühlte mich etwas beruhigt. Wenn er sich nicht verletzt hatte, würde er wohl nicht erfrieren.

Wenn er sich nicht verletzt hatte. Wenn er nicht verletzt worden war. Die Bären waren wahrscheinlich fett und schliefen fest, doch Wölfe jagten auch im Winter, Pumas ebenso; ich erinnerte mich an das Exemplar, dem ich am Bach begegnet war, und fröstelte trotz des Federbettes.

Ich drehte mich auf den Bauch und zog mir die Decke über die Schultern. Es war warm in der Blockhütte, wärmer im Bett, doch meine Hände und Füße waren immer noch eisig. Ich sehnte mich auf eine instinktive Weise nach Jamie, die nicht von meinem Verstand bestimmt wurde. Mit Jamie allein zu sein, bedeutete Seligkeit, Abenteuer und Selbstvergessenheit. Ohne ihn allein zu sein, bedeutete … allein zu sein.

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