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Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:

Die Dämonen
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Euer Exzellenz verzweifelter Mensch

fällt zu Ihren Fußspuren nieder

der reuige Freidenker Incognito.«

Herr v. Lembke erwähnte, der Brief sei gestern in die Portierloge hineingelegt worden in einem Augenblicke, als niemand darin gewesen sei.

»Wie denken Sie denn darüber?« fragte Peter Stepanowitsch in beinah grobem Tone.

»Ich möchte meinen, daß es ein anonymes Pasquill ist, ein Verspottung.«

»Das wird das Wahrscheinlichste sein. Sie führt man nicht hinter das Licht.«

»Ich glaube das besonders deshalb, weil es so dumm ist.«

»Haben Sie hier schon andere Pasquille erhalten?«

»Ja, zweimal, beide anonym.«

»Na, natürlich tragen sie keine Unterschrift. In verschiedenem Stil und in verschiedener Handschrift?«

»Ja, in verschiedenem Stil und in verschiedener Handschrift.«

»Und waren die auch so possenhaft wie dieses hier?«

»Ja, das waren sie, und, wissen Sie, sehr garstig.«

»Na, wenn Sie sonst schon welche bekommen haben, dann wird wohl auch dies eines sein.«

»Ich glaube das hauptsächlich deswegen, weil es so dumm ist. Denn jene Leute sind gebildet und schreiben sicherlich nicht so dumm.«

»Na ja, na ja.«

»Wie aber, wenn da wirklich jemand eine Anzeige erstatten will?«

»Das ist unwahrscheinlich,« antwortete Peter Stepanowitsch kurz und trocken. »Was bedeutet denn das Telegramm aus dem Ministerium des Innern und die Pension? Ein offenkundiges Pasquill.«

»Ja, ja,« stimmte ihm Lembke beschämt bei.

»Wissen Sie was? Überlassen Sie das Schriftstück mir! Ich werde Ihnen den Verfasser mit Sicherheit ausfindig machen. Noch bevor ich die andern herausbekomme.«

»Nehmen Sie es!« willigte v. Lembke ein, wiewohl nach einigem Zaudern.

»Haben Sie es schon jemandem gezeigt?«

»Nein, nach Möglichkeit niemandem.«

»Also doch Ihrer Frau Gemahlin?«

»Ach, Gott soll mich bewahren, und zeigen auch Sie es ihr um des Himmels willen nicht!« rief Lembke ängstlich. »Es würde sie so angreifen ... und sie würde auf mich furchtbar aufgebracht sein.«

»Ja, Sie würden der erste sein, der es von ihr abbekäme; sie würde sagen, Sie seien selbst schuld daran, wenn Ihnen solche Briefe geschrieben würden. Man kennt ja die Logik der Frauen. Nun, leben Sie wohl! Ich werde Ihnen vielleicht schon in drei Tagen diesen Verfasser vorstellen. Die Hauptsache bleibt unsere Verabredung.«

IV.

Peter Stepanowitsch war vielleicht kein dummer Mensch; aber der Sträfling Fedka hatte mit Recht von ihm gesagt, er mache sich in seinem Kopfe von einem Menschen eine bestimmte Vorstellung zurecht und behandle ihn dann dauernd auf Grund dieser Vorstellung. Als er von Lembke fortging, war er fest davon überzeugt, daß er diesen wenigstens für sechs Tage beruhigt habe; diese Frist aber brauchte er höchst notwendig. Aber seine Annahme war irrig, und seine ganze Spekulation beruhte nur darauf, daß er sich Andrei Antonowitsch gleich von Anfang an und ein für alle Mal als einen ganz beschränkten Menschen vorgestellt hatte.

Wie jeder zu seiner eigenen Qual argwöhnische Mensch war Andrei Antonowitsch jedesmal, wenn er aus einem Zustande der Ungewißheit herauskam, im ersten Augenblick sehr fröhlich und vertrauensvoll. Die neue Wendung der Dinge erschien ihm zunächst in ziemlich erfreulichem Lichte, obwohl sich schon wieder einige sorgenvolle Komplikationen bemerklich machten. Aber wenigstens waren die alten Zweifel erledigt. Überdies war er nach den letzten Tagen so müde und fühlte sich so zermartert und hilflos, daß seine Seele unwillkürlich nach Ruhe dürstete. Aber leider war er doch schon wieder unruhig. Das lange Leben in Petersburg hatte in seiner Seele unverwischbare Spuren zurückgelassen. Die offizielle und sogar die geheime Geschichte der »neuen Generation« war ihm hinreichend bekannt (er war ein wißbegieriger Mensch und hatte Proklamationen gesammelt); aber begriffen hatte er von dieser Geschichte niemals auch nur das geringste. Jetzt aber hatte er eine Empfindung, wie wenn er sich in einem Walde verirrt hätte: er spürte instinktiv, daß in Peter Stepanowitschs Worten etwas lag, was mit allen Formen und Gebräuchen unvereinbar war; »freilich, weiß der Teufel, was bei dieser ›neuen Generation‹ alles geschehen kann, und weiß der Teufel, wie es bei ihnen zugeht,« meinte er im stillen, sich in Gedanken verlierend.

Aber gerade in diesem Augenblicke steckte Blümer wieder den Kopf zu ihm herein. Während der ganzen Zeit, wo Peter Stepanowitsch da gewesen war, hatte er in der Nähe gewartet. Dieser Blümer war sogar ein entfernter Verwandter Andrei Antonowitschs; aber diese Verwandtschaft war bisher stets sorgsam und ängstlich geheimgehalten worden. Ich bitte den Leser um Verzeihung, wenn ich dieser unbedeutenden Persönlichkeit hier wenigstens ein paar Worte widme. Blümer gehörte zu der sonderbaren Gattung der »unglücklichen« Deutschen, nicht wegen seines völligen Mangels an Begabung, sondern aus unbekannter Ursache. Die »unglücklichen« Deutschen sind kein Mythus, sondern sie existieren tatsächlich, sogar in Rußland, und haben ihren besondern Typus. Andrei Antonowitsch hegte das ganze Leben über das rührendste Mitleid mit ihm und brachte ihn überall, wo er nur konnte, je nach seinen eigenen Erfolgen in der amtlichen Laufbahn, unter, in einer untergeordneten, von ihm abhängigen Stelle; aber dem wollte es nirgends glücken. Bald wurde die Stelle eingezogen, bald wechselte der Vorgesetzte, bald wurde er beinahe mit anderen vor Gericht gezogen. Er war im Amte sorgfältig, aber sozusagen übermäßig, ohne Not, und mürrisch, wovon er selbst den Schaden hatte; dazu rothaarig, hochgewachsen, von gebückter Haltung, trübsinnig, sogar sentimental, aber bei all seiner Demut hartnäckig und eigensinnig wie ein Bulle, wiewohl immer am falschen Fleck. Seinem Gönner Andrei Antonowitsch bewies er mitsamt seiner Frau und seinen zahlreichen Kindern eine vieljährige, ehrerbietige Anhänglichkeit. Außer Andrei Antonowitsch hatte ihn nie jemand gern gehabt. Julija Michailowna hatte ihn gleich von vornherein für minderwertig erklärt, hatte aber die Hartnäckigkeit ihres Gemahls nicht überwinden können. Dies war ihr erster ehelicher Streit gewesen; er trug sich gleich nach der Hochzeit zu Beginn der Flitterwochen zu, als der bis dahin sorgsam vor ihr verborgen gehaltene Blümer ihr plötzlich vor die Augen trat und sie das beleidigende Geheimnis erfuhr, daß er mit ihr verwandt sei. Andrei Antonowitsch flehte sie mit gefalteten Händen an und erzählte ihr mit rührenden Worten Blümers ganze Geschichte, und wie sie von ihrer Kindheit an Freunde gewesen wären; aber Julija Michailowna hielt sich für lebenslänglich entehrt und brachte sogar eine Ohnmacht zur Anwendung. Aber Herr v. Lembke gab ihr auch nicht einen Zollbreit nach und erklärte, er werde Blümer um keinen Preis aufgeben und aus seiner Nähe entfernen, so daß sie endlich in Staunen geriet und sich genötigt sah, Blümer zu dulden. Indes beschloß man, die Verwandtschaft noch sorgfältiger als bisher, wenn das überhaupt möglich war, zu verheimlichen und sogar Blümers Namen zu ändern; denn dieser hieß ebenfalls Andrei Antonowitsch. Blümer verkehrte bei uns mit niemand als mit einem deutschen Apotheker, hatte niemandem einen Besuch gemacht und lebte nach seiner Gewohnheit geizig und zurückgezogen. Andrei Antonowitschs schriftstellerische Sünden waren ihm schon längst bekannt. Er wurde vorzugsweise dazu berufen, seinen Roman bei geheimen Vorlesungen unter vier Augen anzuhören, und saß dann oft sechs Stunden hintereinander wie ein Pfahl da; er schwitzte und strengte alle seine Kraft an, um nicht einzuschlafen, sondern zu lächeln; wenn er nachher nach Hause kam, stöhnte er mit seiner langbeinigen, hageren Frau über die unglückliche Schwäche, die dieser Wohltäter der Familie für die russische Literatur besaß.

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