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Die Dämonen
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»Eine glänzende Persönlichkeit.

Stammend aus der niedern Masse,

Nicht aus stolzer Adelsklasse,

Hart verfolgt vom Zorn des Zaren

Und vom Hasse der Bojaren,

Litt er willig; doch sein Mund

Tat dem armen Volke kund:

Alle müssen wir auf Erden

Frei und gleich und Brüder werden.

Zu entzünden klug den Brand,

Ging er in ein fremdes Land;

Fern vom Henker und der Knute

Wirkte still der Edle, Gute.

Und das Volk, im Joche stöhnend,

Harrte schon, den Kampf ersehnend,

Von Smolensk bis nach Taschkent:

›Gib das Zeichen uns, Student!‹

Und dann wollten alle eilen,

Um mit Äxten und mit Beilen

Zu zerschlagen der Bojaren

Herrschaft und des bösen Zaren,

Äcker, Vieh und alle Sachen

Zum Gemeinbesitz zu machen,

Kirch' und Ehe aufzuheben

Und in Freud und Glück zu leben.«

»Gewiß ist das bei jenem Offizier gefunden worden, ja?« fragte Stepan Trofimowitsch.

»Sie kennen auch jenen Offizier?«

»Gewiß doch! Ich habe da mit ihm zwei Tage lang gekneipt. Es war vorauszusehen, daß er einmal verrückt werden würde.«

»Vielleicht ist er gar nicht verrückt geworden.«

»Sie glauben, daß er einen gebissen hat, zeugt von Verstand?«

»Aber erlauben Sie: wenn Sie diese Verse im Auslande gesehen haben und sich dann bei diesem Offizier herausstellt ...«

»Was meinen Sie? Sehr scharfsinnig! Sie wollen mich, wie ich sehe, examinieren, Andrei Antonowitsch? Sehen Sie mal,« begann er auf einmal mit ungewöhnlichem Ernste, »über das, was ich im Auslande gesehen habe, habe ich nach meiner Rückkehr schon an geeigneter Stelle Auskunft gegeben, und die von mir gegebene Auskunft ist für befriedigend erachtet worden; sonst würde ich die hiesige Stadt nicht mit meiner Gegenwart beglücken. Ich bin der Ansicht, daß meine Angelegenheiten auf diesem Gebiete erledigt sind und ich niemandem mehr zur Rechenschaft verpflichtet bin. Und erledigt sind sie nicht etwa, weil ich ein Denunziant wäre, sondern weil ich nicht anders handeln konnte. Diejenigen Personen, die aus ihrer Kenntnis der Sache heraus an Julija Michailowna Empfehlungsbriefe für mich geschrieben haben, haben mich darin als einen ehrenhaften Menschen bezeichnet ... Na, aber lassen wir das alles beiseite; ich bin zu Ihnen gekommen, um etwas sehr Ernstes mit Ihnen zu besprechen, und es ist recht gut, daß Sie diesen Ihren Schornsteinfeger hinausgeschickt haben. Die Sache ist mir von großer Wichtigkeit, Andrei Antonowitsch; ich habe eine außerordentliche Bitte an Sie.«

»Eine Bitte? Hm ... Nun, sprechen Sie sie aus; ich warte darauf und bin, wie ich bekenne, einigermaßen gespannt. Und ich muß hinzufügen, daß Sie mich überhaupt in große Verwunderung versetzen, Peter Stepanowitsch.«

Herr v. Lembke befand sich in ziemlicher Aufregung. Peter Stepanowitsch schlug ein Bein über das andere.

»In Petersburg«, begann er, »bin ich in vielen Punkten offenherzig gewesen; aber über manches, so zum Beispiel inbezug auf dies hier« (er tippte mit dem Finger auf die »Glänzende Persönlichkeit«) »habe ich geschwiegen, erstens weil es nicht der Mühe wert war, darüber zu reden, und zweitens, weil ich mich nur über das aussprach, wonach ich gefragt wurde. Ich liebe es nicht, bei solchen Dingen von selbst mehr zu tun, als nötig ist; darin finde ich den Unterschied zwischen einem Schurken und einem anständigen Menschen, den die Verhältnisse einfach überrumpelt haben ... Na, aber das nur nebenbei. Aber jetzt ... jetzt, wo diese Dummköpfe ... na, da das nun einmal herausgekommen ist und Sie es bereits in Händen haben und vor Ihnen, wie ich sehe, nichts verborgen bleibt (denn Sie sind ein Mann, der Augen im Kopfe hat, und man kann Sie nie vorausberechnen), und da diese Narren doch ihr Beginnen fortsetzen, da wollte ich ... da wollte ich ... nun ja, mit einem Worte, ich bin hergekommen, um Sie zu bitten, einen gewissen Menschen zu retten, der ebenfalls ein Narr, vielleicht ein Verrückter ist, ihn zu retten in Anbetracht seiner Jugend und des vielen Unglücks, das er gehabt hat, und ich vertraue dabei auf Ihre Humanität ... Sie werden ja doch wohl nicht bloß in Ihren selbstverfaßten Romanen human sein!« fügte er mit plumpem Spaß hinzu und brach dann ungeduldig ab.

Kurz, man sah, er war ein aufrichtiger Mensch, der sich aber infolge eines Übermaßes von menschenfreundlichen Gefühlen und vielleicht infolge allzu großen Zartgefühls ungeschickt und linkisch benahm, und vor allen Dingen ein Mensch, mit dessen geistigen Fähigkeiten es nicht weit her war, wie v. Lembke ihn gleich von vornherein mit großem Scharfsinn taxiert und längst über ihn geurteilt hatte, besonders während er in der letzten Woche, allein in seinem Arbeitszimmer, namentlich nachts, aus Leibeskräften im stillen über die unerklärlichen Fortschritte geschimpft hatte, die dieser in Julija Michailownas Gunst gemacht hatte.

»Für wen bitten Sie denn, und was bedeutet das alles?« erkundigte er sich mit vornehmer Würde, wobei er sich bemühte, seine Neugier zu verbergen.

»Das ... das ... zum Teufel ... Ich kann doch nichts dafür, daß ich zu Ihnen Vertrauen habe! Was kann ich dafür, daß ich Sie für einen höchst anständig denkenden Menschen halte, und namentlich für einen vernünftigen Menschen, das heißt für einen, der imstande ist zu begreifen, daß ... hol's der Kuckuck! ...«

Der arme Kerl wußte augenscheinlich nicht, wie er das, was er sagen wollte, herausbringen sollte.

»Sie sehen jedenfalls ein,« fuhr er fort, »Sie sehen jedenfalls ein, daß, wenn ich Ihnen seinen Namen nenne, ich Ihnen den Menschen auf Gnade und Ungnade preisgebe; ich gebe ihn Ihnen auf Gnade und Ungnade preis, nicht wahr? Nicht wahr?«

»Aber wie kann ich denn erraten, um wen es sich handelt, wenn Sie sich nicht entschließen können, seinen Namen auszusprechen?«

»Das ist es ja eben; Sie zwingen einen immer auf die Knie mit dieser Ihrer Logik, hol's der Henker ... na, hol's der Henker ... diese ›Glänzende Persönlichkeit‹, dieser ›Student‹, das ist Schatow ... nun wissen Sie alles!«

»Schatow? Was meinen Sie damit: ›Das ist Schatow‹?«

»Schatow ist der ›Student‹, von dem in diesem Gedichte die Rede ist. Er wohnt hier; ein früherer Leibeigener; na, der, welcher die Ohrfeige gegeben hat.«

»Ich weiß, ich weiß!« erwiderte Lembke stirnrunzelnd. »Aber, erlauben Sie, was wird ihm denn eigentlich schuldgegeben, und, was die Hauptsache ist, in welcher Hinsicht legen Sie für ihn Fürsprache ein?«

»Ich bitte Sie, ihn zu retten, verstehen Sie wohl! Ich habe ihn ja schon vor acht Jahren gekannt; ich war sogar sein Freund, kann man vielleicht sagen,« erwiderte Peter Stepanowitsch, der in lebhafte Erregung geriet. »Na, ich bin Ihnen ja keine Rechenschaft über mein früheres Leben schuldig,« fuhr er mit einer wegwerfenden Handbewegung fort; »das Ganze ist von gar keiner Bedeutung; es sind nur drei bis vier Menschen, und mit denen im Auslande kommen noch nicht zehn heraus; aber, was die Hauptsache ist, ich hatte auf Ihre Humanität und auf Ihren Verstand gehofft. Sie werden die Sache in ihrer wahren Gestalt erkennen und Ihrerseits darstellen und nicht als Gott weiß was, sondern als die törichte Schwärmerei eines durch Unglück, beachten Sie das wohl, durch langes Unglück verrückt gewordenen Menschen und nicht als wer weiß was für eine unerhörte politische Verschwörung ...«

Er war ordentlich außer Atem gekommen.

»Hm ... Ich sehe, daß er an den Proklamationen mit dem Beil Schuld trägt,« sagte Lembke, das Resultat ziehend, in beinah majestätischem Tone. »Erlauben Sie aber: wenn er alleinsteht, wie konnte er sie dann sowohl hier als auch in den Provinzen und sogar im Gouvernement Ch*** verbreiten, und endlich ... vor allen Dingen: wo hat er sie herbekommen?«

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