Der Findling
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Детские и приключения
Электронная книга - «Der Findling». Краткое содержание книги:
Findling, der gegen die Wände der Cabine geschleudert worden war, kam, im Finstern umhertappend, mit Mühe wieder auf die Füße.
Da drang in einem ruhigeren Augenblicke lautes Geschrei bis zu ihm herab. Auf dem Verdeck entstand ein unerkennbares
Geräusch, so daß man fast glauben konnte, es sei durch eine einstürzende Welle eingeschlagen worden.
Doch nein. Außer Stande, die Goelette wieder emporzurichten und in der Befürchtung, daß sie untergehen werde, traf John Clear Vorbereitungen, sie zu verlassen. Trotz der Schwierigkeit, die das Schiefstehen des Schiffes mit sich brachte, hatte man bereits die Schaluppe ins Wasser niedergelassen, um sich sofort in diese zu retten. Findling begriff das, als er sich vom Kapitän durch die geöffnete Treppenkappe rufen hörte.
Ihm konnte es aber gar nicht in den Sinn kommen, die Goelette und alles, was sie trug, zu verlassen. Wenn es nur eine einzige Aussicht auf Rettung gab, wollte er diese wahrnehmen. Er kannte ja die Seegesetze: wenn das Meer ein verlassenes Schiff nicht verschlingt, gehört es dem ersten, der an Bord desselben kommt. Das ist gesetzliche Bestimmung und wird in England buchstäblich so gehalten.
Das Schreien wurde lauter. John Clear rief auch noch immer nach Findling.
»Wo steckt er denn? wiederholte er.
- Wir sinken!. Wir sinken! riefen die Matrosen.
- Aber. der Knabe?.
- Wir können nicht warten.
- O, ich werde ihn finden!«
Der Kapitän kam die Treppe herunter.
Findling war nicht mehr in der Cabine.
Ohne darüber nachzudenken, mehr vom Instinct geleitet, hatte er sich, fest entschlossen, auf dem Schiffe auszuhalten, durch eine gebrochene Luke in den untern Raum geflüchtet.
»Wo ist er? Wo ist er? wiederholte der Kapitän ihn laut rufend.
- Er wird aufs Verdeck gekommen sein. meinte ein Matrose.
- Wird ins Meer gestürzt sein, setzte ein andrer hinzu.
- Wir sinken!, Wir sinken!«
Diese Rufe kreuzten sich unter einem entsetzlichen Wirrwarr. Die »Doris« hatte sich in der That bei einer furchtbaren Rollbewegung so weit geneigt, daß man fürchten konnte, sie würde bald mit dem Kiel nach oben schwimmen.
Ein Zögern war nicht mehr möglich. Da Findling keine Antwort gab, war er sicherlich, bei der Finsterniß von keinem bemerkt, nach dem Verdeck hinausgekommen und über Bord geschwemmt worden.
Der Kapitän Clear erschien wieder, als die Goelette unter zwei ungeheuern Wellenbergen fast verschwand. Seine Mannschaft und er sprangen in die Schaluppe, deren Taue sofort losgeworfen wurden. So wenig man hoffen konnte, daß das Boot dem wüthenden Meere werde Trotz bieten können, so gab es doch die letzte Aussicht auf Rettung, und unter kräftigem Ruderschlage entfernte es sich, um nicht in den Strudel des versinkenden Schooners hineingezogen zu werden.
Die »Doris« war nun ohne Kapitän, ohne Mannschaft; sie war aber kein verlassnes Fahrzeug, keine Seetrift, da Findling sich noch darauf befand.
Er war allein, allein, jeden Augenblick bedroht, in die Tiefe gerissen zu werden. Und doch verzweifelte er nicht; ein wunderbares Vertrauen hielt ihn aufrecht. Nach dem Deck emporgestiegen, glitt er bis zur Schanzkleidung unter dem Winde nach einer Stelle, wo das Wasser nicht durch Speigatten eindringen konnte. Doch wie drängten sich da die Gedanken in seinem Kopfe! Vielleicht war es zum letzten Male. daß er derer gedachte, die er liebte, der Mac Carthy's, der Familie, die er sich mit Grip, Sissy, Bob, Kat und O'Brien geschaffen hatte, und inbrünstig flehte er zu Gott, daß er ihn retten möchte um ihret-, wie um seiner selbst willen,.
Die »Doris« beugte sich nicht weiter zur Seite, so daß eine unmittelbare Gefahr ausgeschlossen schien. Zum Glück hatte der feste Rumpf des Schiffes gut zusammengehalten und noch konnte kein Wasser in dessen Inneres dringen. Lag die Goelette im Course eines andern Schiffes und machten deren Retter ein Eigenthumsrecht daran geltend, so würde Findling bei der Hand sein, seine unversehrt gebliebene Fracht zu beanspruchen, die von dem aufgeregten Meere ja nicht erreicht worden war.
Die Nacht verging. Mit dem ersten Morgenrothe verlor der Sturm an Stärke. Freilich dauerte der hohe Seegang noch immer fort.
Findling lugte ins Weite hinaus und in der Richtung nach dem Lande zu.
Im Westen war nichts zu erkennen, keine Umrisse einer Küste in Sicht.
Jedenfalls hatte der nächtliche Sturm die »Doris« aus dem Nordcanal verschlagen und schwankte sie jetzt auf dem freien irischen Meere, vielleicht Dundalk oder Drogheda gegenüber. doch in welcher Entfernung von da?.
Draußen auf hoher See zeigte sich auch weder ein Schiff noch ein Fischerboot, und von einem solchen aus hätte man den schiefliegenden Rumpf, der immer und immer wieder von den Wellenbergen verdeckt wurde, kaum bemerken können.
Die einzige Hoffnung lag aber doch darin, bald aufgefunden zu werden. Wenn die »Doris« etwa wieder weiter nach Westen hintrieb, mußte sie noch auf den Klippen, die die Küste umgürten, elend zu Grunde gehen.
Leider erwies sich jeder Versuch, ihr eine bestimmte Richtung zu geben, ganz vergeblich, und vergeblich spannte Findling einen Fetzen Leinen zwischen zwei Tauen auf. Auf eigne Hilfe konnte er also nicht mehr rechnen - er war nur noch in der Hand Gottes.
Der Tag verstrich ohne Verschlimmerung der Lage. Findling fürchtete jetzt nicht mehr, daß die »Doris« untergehen könne, vorzüglich da auch ihre Neigung nach Steuerbord nicht weiter zugenommen hatte. Nun blieb ihm nur noch eins übrig: Ausschau zu halten, ob sich nicht ein Schiff in der Ferne zeige.
Inzwischen verzehrte der Knabe einen Imbiß, um wieder etwas zu Kräften zu kommen, und keinen Augenblick bemächtigte sich seiner, der die volle Herrschaft über seine geistigen Fähigkeiten behielt, die Verzweiflung. Er hatte nur das Eine im Auge: er vertheidigte hier sein ganzes Hab und Gut.
Um drei Uhr nachmittags wirbelte im Osten eine Rauchsäule in die Luft. Eine halbe Stunde später wurde ein großer Dampfer sichtbar, der in der Entfernung von fünf bis sechs Meilen von der »Doris« nach Norden zu steuerte.
Findling gab mit einer Flagge Nothzeichen, sie wurden nicht bemerkt.
Die außergewöhnliche Energie des Knaben ließ ihn auch jetzt den Muth noch nicht verlieren, wo er mit herangekommenem Abend auf eine weitere Begegung nicht mehr zählen durfte. Nichts deutete darauf hin, daß er sich nahe dem Lande befand. Die bewölkte, mondlose Nacht mußte ganz dunkel werden. Zum Glück schien wenigstens der Wind nicht wieder auffrischen zu wollen und das Meer hatte sich wesentlich beruhigt.