Wer die Wahrheit sucht
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #12
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet
- ISBN: 3-7645-0099-9
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Wer die Wahrheit sucht». Краткое содержание книги:
Simon St. James, engster Vertrauter von Chief Inspector Thomas Lynley, reist mit seiner Frau Deborah auf die winterliche Kanalinsel, um die Unschuld von China, einer alten Freundin Deborahs, nachzuweisen. Doch je tiefer sie in die verschworene Inselgemeinschaft eintauchen, desto mehr Personen entdecken sie, die dem wohltätigen Mitbürger Guy Brouard alles andere als freundschaftliche Gefühle entgegenbringen — und die auf irgendeine Weise in den Mord verstrickt sind: seine Exfrau, sein Sohn, seine Geliebte, seine Schwester, seine jugendlichen Schützlinge, der tragisch ausgebootete einheimische Architekt. Liegen die Motive in Brouards undurchsichtiger Vergangenheit? Oder reichen sie zurück bis in Guernseys wechselvolle Geschichte?
Sie hob den Kopf.»Henry war es nicht, Mr. St. James. «Sie sagte es ruhig. Die Ader an ihrem Hals pulsierte, sonst zeigte sie keine Nervosität über die Tendenz von St. James' Worten.
«Ich dachte eigentlich nicht an Henry«, erwiderte St. James.»Hatte er denn Grund, Guy Brouard den Tod zu wünschen?«
Sie wurde brennend rot bei dieser Frage und beugte sich wieder über den Tisch.
«Wie ich sehe, war er in Mr. Brouards Museumspläne eingebunden. In die ursprünglichen Pläne, nach den Zeichnungen in seiner Werkstatt zu urteilen. Sollte er auch an dem revidierten Projekt mitarbeiten? Wissen Sie das?«
«Henry ist ein guter Glaser«, war alles, was sie sagte.»Darüber sind die beiden überhaupt zusammengekommen. Mr. Brouard brauchte jemanden für den Wintergarten hier. Er ist groß und ungewöhnlich. Dutzendware konnte er nicht gebrauchen. Und er suchte jemanden für die Gewächshäuser und die Fenster. Ich hab ihm Henry empfohlen. Sie haben miteinander gesprochen und sich gleich verstanden. Seitdem hat Henry für ihn gearbeitet.«
«Und so kam es, dass sich Mr. Brouards Interesse auf Cynthia richtete?«
«Mr. Brouard hat sich für viele Menschen interessiert«, erklärte Valerie geduldig.»Für Paul Fielder. Frank Ouseley. Nobby Debiere. Henry und Cynthia. Er hat sogar Jemima Abbott auf eine Modelschule in London geschickt und ihrer Mutter unter die Arme gegriffen, wenn sie was brauchte. Er hat Anteil genommen. Er hat in andere investiert. Das war seine Art.«
«Wenn man in etwas investiert, erwartet man im Allgemeinen einen Ertrag«, bemerkte St. James.»Es muss nicht immer ein finanzieller sein.«
«Dann sollten Sie vielleicht jeden von ihnen mal fragen, was Mr. Brouard von ihm erwartet hat«, sagte sie spitz.»Am besten fangen Sie mit Nobby Debiere an. «Sie knüllte das Staubtuch zusammen und schob es wieder in ihre Schürzentasche, ging zur Haustür zurück und hob die Wäsche auf, die sie dort abgelegt hatte. Das Bündel auf die Hüfte gestemmt, drehte sie sich nach St. James um.»Wenn Sie sonst keine — «
«Warum Nobby Debiere?«, fragte St. James.»Das ist doch der Architekt, nicht? Hat Mr. Brouard von ihm etwas Besonderes verlangt?«
«Wenn ja, hatte Nobby an dem Abend vor Mr. Brouards Tod keine große Lust, es ihm zu geben«, erklärte Valerie.»Sie haben nach dem Feuerwerk drüben beim Ententeich gestritten. >Ich lass mich von Ihnen nicht in den Ruin treibenc, hat Nobby gesagt. Würde mich interessieren, was er damit gemeint hat.«
Das war ein allzu durchsichtiger Versuch, ihn von ihren Verwandten abzulenken. St. James dachte nicht daran, sich so leicht abschütteln zu lassen. Er sagte:»Seit wann arbeiten Sie und Ihr Mann schon für die Brouards, Mrs. Duffy?«
«Seit dem ersten Tag. «Sie sah demonstrativ auf die Uhr.
«Sie kennen also ihre Gewohnheiten.«
Sie antwortete nicht gleich, aber ihre Augen verengten sich ein klein wenig, als sie überlegte, was hinter der Bemerkung stecken könnte.»Gewohnheiten?«, sagte sie.
«Zum Beispiel Mr. Brouards Gewohnheit, jeden Morgen zu schwimmen.«
«Davon wusste jeder.«
«Auch von dem Getränk, das er jeden Morgen zu sich nahm? Dem Ginkgo- und Grüntee? Wo wurde der übrigens aufbewahrt?«
«In der Küche.«
«Wo genau?«
«Im Schrank in der Speisekammer.«
«Und Sie arbeiten in der Küche?«
«Wollen Sie etwa behaupten, dass ich — «
«Wohin Ihre Nichte kam, wenn Sie mit Ihnen reden wollte und wohin auch Ihr Bruder kam — wenn er auf dem Gelände tätig war — , um ein bisschen mit Ihnen zu plaudern?«
«Die Küche steht allen offen, die hier im Haus ein und aus gehen. Wir halten hier nicht auf Förmlichkeit. Wir machen keine feinen Unterschiede je nachdem, was einer ist oder tut. So was gibt's in diesem Haus nicht. Das ist nicht die Art der Brouards und ist es nie gewesen. Das war auch der Grund, weshalb — «Sie brach ab. Packte das Lakenbündel fester.
«Das war der Grund, weshalb.?«, wiederholte St. James fragend.
«Ich hab Arbeit«, erklärte sie.»Aber ich würde Ihnen gern was sagen, wenn Sie nichts dagegen haben. «Sie wartete nicht auf seine Zustimmung.»Unsere Familienangelegenheiten haben mit Mr. Brouards Tod nichts zu tun, Mr. St. James. Aber ich denke, wenn Sie ein bisschen weitergraben, werden Sie feststellen, dass die von jemand anderem damit zu tun haben.«
19
Frank war nach der Rückgabe der Pastetenform nicht so schnell wieder von Betty Petits Hof weggekommen, wie er gehofft hatte. Betty, die verwitwet und kinderlos war, bekam selten Besuch, und wenn einmal jemand vorbeikam, musste er zu Kaffee und frischen Brioches bleiben. Hätte Frank nicht seinen Vater vorschieben können, so wäre ein Aufbruch vor Ablauf einer Stunde nicht möglich gewesen.
Der Satz: Ich kann meinen Vater nicht lang allein lassen, leistete ihm, wenn nötig, gute Dienste.
Als er auf den Mühlplatz fuhr, sah er als Erstes den Escort, der neben seinem Peugeot stand. Ein großer Harlekin-Aufkleber auf dem Rückfenster verriet, dass es ein Mietwagen einer Agentur auf der Insel war. Sein Blick flog sofort zum Haus, dessen Tür offen stand, wie er mit einem Stirnrunzeln bemerkte. Als er hinkam, rief er» Dad?«und» Hallo?«, dann war ihm klar, dass das Haus leer war.
Das ließ nur eine Schlussfolgerung zu. Frank rannte zum ersten der beiden Häuser, in denen ihre Sammlung untergebracht war. Was er hinter dem kleinen Fenster der ehemaligen Wohnstube erblickte, als er daran vorüberkam, jagte ihm das Blut in den Kopf. Der Bruder dieser Amerikanerin, dieser River, stand mit einer Rothaarigen an seiner Seite neben dem Aktenschrank. Die oberste Schublade war offen, und vor ihr stand sein Vater, eine Hand um den Rand der Schublade geklammert, um sich aufrecht zu halten. Mit der freien Hand kämpfte er mit einem Packen Papiere, den er herauszuziehen versuchte.
Mit drei Schritten war Frank an der Haustür und stieß sie auf. Das aufgequollene Holz schrammte quietschend über den alten Fußboden.»Was, zum Teufel, ist hier los?«, rief er scharf.»Was tun Sie hier? Dad! Lass das! Die Dokumente sind brüchig. «Was natürlich jeden vernünftigen Menschen zu der Frage veranlassen musste, warum sie dann in einem ungeordneten Wust in diese Schublade hineingestopft waren. Aber jetzt war nicht der Moment, sich davon nervös machen zu lassen.
Als Frank durch das Zimmer stürmte, blickte Graham auf.»Es ist Zeit, mein Junge«, verkündete er.»Ich hab's immer wieder gesagt. Du weißt, was wir zu tun haben.«
«Hast du den Verstand verloren?«, fuhr Frank ihn an.»Weg von der Schublade. «Er packte seinen Vater am Arm und versuchte, ihn einen Schritt zurückzuziehen.
Sein Vater riss sich los.»Nein! Wir sind diesen Männern verpflichtet. Wir schulden ihnen was, und ich werde die Schuld bezahlen. Ich habe überlebt, Frank. Drei von ihnen sind tot, und ich bin immer noch am Leben. So viele Jahre später, wo sie auch noch leben und Großväter sein könnten, Frank. Urgroßväter inzwischen. Aber das ist ihnen alles genommen worden, von einem gottverdammten Quisling, der endlich seine Strafe kriegen muss. Hast du das verstanden, Junge? Es ist Zahltag!«
Er wehrte sich gegen Frank wie ein renitenter Teenager, aber ohne dessen jugendliche Kraft. Frank wollte nicht grob werden, weil sein Vater so gebrechlich war, aber das machte es umso schwieriger, ihn zu bändigen.
Die Rothaarige sagte:»Er hält uns anscheinend für Journalisten. Wir haben versucht, ihn aufzuklären. Wir wollten nämlich eigentlich mit Ihnen sprechen.«
«Gehen Sie raus«, sagte Frank und schwächte den schroffen Befehl ab, indem er hinzufügte:»Nur eine Minute. Bitte.«
River und die Rothaarige gingen. Frank wartete, bis sie draußen waren. Dann zog er seinen Vater vom Aktenschrank weg und stieß die Schublade zu, wobei er zähneknirschend sagte:»Du gottverdammter alter Narr.«