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Wer die Wahrheit sucht

Электронная книга - «Wer die Wahrheit sucht». Краткое содержание книги:

An einem frühen Dezembermorgen wird Guy Brouard — Millionär, Mäzen und Frauenheld — ermordet an einem Strand der englischen Kanalinsel Guernsey aufgefunden. Verdächtige und Motive gibt es mehr als genug. Nur die junge Amerikanerin China River hat keines. Doch alle Indizien weisen ausgerechnet auf sie. China hatte ihren Bruder aus Kalifornien nach Guernsey begleitet, um Guy Brouard die Architekturpläne für ein von ihm gestiftetes Museum zum Gedenken an die deutsche Besatzung der Insel im Zweiten Weltkrieg zu übergeben. Eine andere Verbindung existiert augenscheinlich nicht.
Simon St. James, engster Vertrauter von Chief Inspector Thomas Lynley, reist mit seiner Frau Deborah auf die winterliche Kanalinsel, um die Unschuld von China, einer alten Freundin Deborahs, nachzuweisen. Doch je tiefer sie in die verschworene Inselgemeinschaft eintauchen, desto mehr Personen entdecken sie, die dem wohltätigen Mitbürger Guy Brouard alles andere als freundschaftliche Gefühle entgegenbringen — und die auf irgendeine Weise in den Mord verstrickt sind: seine Exfrau, sein Sohn, seine Geliebte, seine Schwester, seine jugendlichen Schützlinge, der tragisch ausgebootete einheimische Architekt. Liegen die Motive in Brouards undurchsichtiger Vergangenheit? Oder reichen sie zurück bis in Guernseys wechselvolle Geschichte?
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Die vier Mitarbeiter von G.I.F.T. waren auf das Wort eines dieser Quislinge hin verhaftet worden, berichtete er. Drei von ihnen starben — zwei im Gefängnis, der dritte bei einem Fluchtversuch. Nur einer — Graham Ouseley selbst — überlebte zwei höllische Jahre der Internierung, bevor er befreit wurde, nur noch Haut und Knochen, von Läusen und Tuberkulose geplagt.

Aber diese Kollaborateure, die sie verraten hatten, vernichteten mehr als nur die Begründer von G.I.F.T. erklärte Graham Ouseley. Sie denunzierten Mitbürger, die britischen Spionen Unterschlupf gewährten und russische Gefangene versteckten, und auch solche, deren einziges Verbrechen darin bestand, dass sie mit Kreide ein» V «für Victory auf die Fahrradsättel von Nazi-Soldaten malten, wenn diese nachts in Hotelbars tranken. Aber die Quislinge hatten nie für ihre Untaten bezahlen müssen, und das nagte an denen, die durch ihren Verrat gelitten hatten. Menschen waren umgekommen, andere waren hingerichtet worden, andere waren ins Gefängnis gekommen und einige waren nie zurückgekehrt. Mehr als fünfzig Jahre lang hatte keiner öffentlich seine Stimme erhoben, um die Namen der Schuldigen zu nennen.

«Sie haben Blut an den Händen«, sagte Graham Ouseley.»Ich werde dafür sorgen, dass sie bezahlen. Natürlich werden sie sich wehren, ist ja klar. Sie werden alles lauthals bestreiten. Aber wenn wir die Beweise vorlegen. Genauso will ich's nämlich machen, verstehen Sie. Erst die Namen in der Zeitung. Sollen sie ruhig alles leugnen und zum Anwalt rennen. Dann kommen die Beweise, und wir schauen zu, wie sie sich winden, so wie sie sich, verdammt noch mal, schon damals hätten winden sollen, als die Deutschen endlich kapituliert haben. Damals hätte alles rauskommen müssen über sie: die Quislinge, die verfluchten Schieber, die Deutschenliebchen und ihre kleinen Kraut-Bastarde.«

Der alte Mann geriet zunehmend außer sich, Speichel sammelte sich auf seinen Lippen. Deborah begann, um seine Gesundheit zu fürchten, als sein Gesicht einen bläulichen Schimmer annahm. Es war an der Zeit, ihm klar zu machen, dass sie nicht diejenigen waren, für die er sie hielt, Journalisten, denen er seine Geschichte erzählen wollte, um sie in der Zeitung veröffentlichen zu lassen.

Sie sagte:»Mr. Ouseley, es tut mir schrecklich Leid, aber — «

«Nein!«Er stieß mit so viel überraschender Kraft seinen Stuhl vom Tisch zurück, dass Kaffee aus ihren Bechern schwappte und Milch aus dem Krug.»Los, kommen Sie mit, wenn Sie mir nicht glauben. Mein Sohn Frank und ich, wir haben die Beweise!«Er stand mühsam von seinem Stuhl auf, und Cherokee sprang auf, um ihn zu stützen. Aber Graham schüttelte ihn ab und schlurfte unsicher zur Haustür. Wieder konnten sie nichts anderes tun, als ihm zu folgen, ihn zu besänftigen und zu hoffen, dass sein Sohn heimkehren würde, bevor der Alte sich völlig verausgabte.

Zuerst klopfte St. James bei den Duffys an. Es wunderte ihn nicht, dass niemand zu Hause war. Mitten am Tag waren Valerie und Kevin natürlich bei der Arbeit: er irgendwo auf dem Gelände, und sie im Herrenhaus. Sein Besuch galt in erster Linie ihr. Die subtilen Untertöne, die er bei ihrem letzten Gespräch wahrgenommen hatte, verlangten jetzt, da er wusste, dass sie Henry Moullins Schwester war, nach Klärung.

Er fand sie, wie erwartet, im Herrenhaus, dem er sich erst nähern durfte, nachdem er sich vor einem der Polizisten, die immer noch das Gelände absuchten, ausgewiesen hatte. Sie öffnete ihm die Tür mit einem Bündel zerknitterter Laken unter dem Arm.

St. James vergeudete keine Zeit mit Förmlichkeiten. Das hätte ihm den Vorteil der Überraschung genommen und ihr gestattet, sich zu sammeln. Er sagte:»Warum haben Sie bei unserem letzten Gespräch nichts davon erwähnt, dass noch eine Blondine im Spiel ist?«

Valerie Duffy antwortete nicht, aber er erkannte die Verwirrung in ihren Augen, der eiliges Überlegen folgte. Sie wandte ihren Blick von ihm ab, als wollte sie ihren Mann suchen. St. James konnte sich vorstellen, dass sie jetzt gern seine Unterstützung gehabt hätte, aber genau das wollte er verhindern.

«Ich verstehe nicht«, sagte sie schwach, legte die Laken neben der Tür auf den Boden und zog sich ins Innere des Hauses zurück.

Er folgte ihr in die steinerne Halle, wo die Luft eisig und vom Geruch erkalteter Feuer durchzogen war. Bei dem großen Refektoriumstisch in der Mitte des Raums machte sie Halt und begann, die dürren Blätter und herabgefallenen Beeren eines herbstlichen Pflanzenarrangements inmitten hoher weißer Kerzen einzusammeln.

St. James sagte:»Sie haben behauptet, Sie hätten beobachtet, dass Guy Brouard am Morgen seines Todes eine Frau mit hellem Haar zur Bucht hinunter gefolgt ist.«

«Die Amerikanerin — «

«Wie Sie uns glauben machen möchten. «Sie blickte von den Blumen auf.»Ich habe sie gesehen.«

«Sie haben jemanden gesehen. Aber es gibt andere Möglichkeiten, nicht wahr? Sie haben es versäumt, sie zu erwähnen.«»Mrs. Abbott hat helle Haare.«

«Und Ihre Nichte Cynthia auch, vermute ich. «Es gereichte ihr zur Ehre, dass sie seinem Blick standhielt und dass sie nichts sagte, solange sie nicht wusste, wie viel er wusste. So leicht konnte man sie nicht hereinlegen.

«Ich habe mich mit Henry Moullin unterhalten«, sagte St. James.»Ich bin ziemlich sicher, dass ich Ihre Nichte gesehen habe. Er wollte mir einreden, sie wäre auf Alderney bei ihrer Großmutter, aber ich habe das Gefühl, dass ich sie dort nicht finden würde, wenn es wirklich eine Großmutter gibt. Warum hält Ihr Bruder seine Tochter im Haus versteckt, Mrs. Duffy? Hat er sie auch in ihrem Zimmer eingesperrt?«

«Sie macht gerade eine schwierige Phase durch«, sagte Valerie Duffy endlich und widmete sich wieder den Blumen, den Blättern und den Beeren, während sie sprach.»Bei Mädchen in ihrem Alter ist das ganz normal.«

«Was sind das für Phasen, die Hausarrest erforderlich machen?«

«Solche, wo nicht mit ihnen zu reden ist. Nicht vernünftig, meine ich. Wo sie nicht auf Argumente hören wollen.«

«Und worüber kann man nicht vernünftig mit ihnen reden?«

«Was sie sich in den Kopf gesetzt haben.«

«Und was ist das bei Ihrer Nichte?«

«Keine Ahnung.«

«Das hat mir Ihr Bruder aber anders dargestellt«, erwiderte St. James.»Er sagte, Sie seien die Vertraute seiner Nichte. Er vermittelte mir den Eindruck, dass Sie einander sehr nahe stehen.«

«So nah auch wieder nicht. «Sie trug eine Hand voll Blätter zum offenen Kamin und warf sie hinein. Aus der Tasche ihrer Schürze zog sie einen Lappen und staubte damit den Tisch ab.

«Sie finden es also in Ordnung, dass er sie im Haus einsperrt, solange sie in dieser schwierigen Phase steckt?«

«Das habe ich nicht gesagt. Ich wünschte, Henry würde nicht — «Sie brach ab, hielt im Staubwischen inne und schien zu versuchen, sich neu zu sammeln.

St. James sagte:»Warum hat Mr. Brouard ihr Geld hinterlassen? Ihr und den anderen Mädchen nicht? Da hinterlässt jemand einer Siebzehnjährigen auf Kosten ihrer Geschwister und seiner eigenen Kinder ein kleines Vermögen. Warum? Was sollte das?«

«Sie war nicht die Einzige. Wenn Sie von Cyn wissen, dann haben Sie auch von Paul gehört. Sie haben beide Geschwister, er hat noch einige mehr als Cyn. Keines dieser anderen Kinder wurde bedacht. Vielleicht hat's ihm Spaß gemacht, sich vorzustellen, was so ein Batzen Geld unter Geschwistern für einen Aufruhr anrichten könnte.«

«Ihr Bruder meinte etwas anderes. Er sagt, das Geld sei für die Ausbildung Ihrer Nichte bestimmt.«

Valerie wischte, wo längst kein Staub mehr war.

«Er hat mir außerdem erzählt, Guy Brouard hätte > seine Launen< gehabt. Ich frage mich, ob eine dieser Launen ihn das Leben gekostet hat? Wissen Sie, was ein Elfenrad ist, Mrs. Duffy?«

Ihre Hand bewegte sich langsamer.»Aberglaube.«

«Einheimischer Aberglaube, vermute ich«, sagte St. James.»Sie sind doch hier geboren, nicht wahr? Sie beide, Sie und Ihr Bruder?«

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