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Der Medicus von Saragossa

Электронная книга - «Der Medicus von Saragossa». Краткое содержание книги:

Titel der Originalausgabe: The Last Jew
Der Abdruck von Passagen aus Dantes Göttlicher Komödie (übers. v. Karl Vossler, Piper Verlag GmbH, München 1969) erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
Die Stadt Saragossa findet sich auf der Landkarte im Vorsatz unter ihrem lateinischen Namen Cesaraugusta.
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»Ich verschreibe Arzneien, aber ich stelle sie nicht her«, sagte Jona. »Kennt Ihr hier in der Gegend einen guten Apotheker?«

Espina nickte. »Santiago Lopez. Er hat sein Geschäft im Schatten der Nordwand der Kathedrale. Geht mit Gott, Senor.«

Der Laden des Apothekers war winzig und unbeaufsichtigt, aber es roch beruhigend stark nach Kräutern. Jona mußte rufen, um den Apotheker aus seiner Wohnung im Obergeschoß zu holen. Er war ein Mann mittleren Alters mit schütteren Haaren, dessen schielende Augen den wachen Verstand hinter seiner Stirn nicht verbergen konnten.

»Habt Ihr Myrte? Springkraut, Acacia nilotica?« fragte ihn Jona. »Und wie steht es mit Stachys officinalis? Koloquinten? Pharbitissamen?«

Lopez betrachtete Jonas Fragen nicht als Beleidigung. »Ich habe sehr viel, Senor. Wie Ihr wißt, kann man nicht alles haben. Solltet Ihr etwas benötigen, das ich nicht habe, werde ich Euch Bescheid geben und, wenn Ihr gestattet, eine oder mehrere Ersatzarzneien vorschlagen.«

Er nickte ernst, als Jona ihm sagte, daß er Arzneien für den Grafen von Tembleque bestellen werde. »Ich hoffe, Ihr habt diesen langen Weg nicht umsonst gemacht, Senor.«

Jona nickte. »Wir werden sehen«, sagte er und verabschiedete sich.

Als er die Burg erreichte, war es bereits seit einer Stunde dunkel, und das Fallgitter war heruntergelassen.

»Heda!« rief Jona.

»... Wer ruft da?«

»Ramon Callico, der Medicus von Saragossa.«

»Wartet.«

Der Wachposten eilte davon und kehrte kurz darauf in Begleitung eines Fackelträgers zurück. Die zwei Gestalten, die zu Jona herunterspähten, zeichneten sich in einem gelben Lichtkegel ab, der sich mit ihnen bewegte.

»Tretet ein, Senor!« rief der Posten.

Das Tor wurde mit einem fürchterlichen Kreischen hochgezogen, und Jonas schwarze Stute scheute, bevor sie mit klappernden Hufen, deren Eisen auf den großen Pflastersteinen Funken schlugen, in den Burghof schoß.

Padre Alberto Guzman, ein rundschultriger, mürrisch drein-blickender Mann, bot ihm Speis und Trank an.

»Ja, vielen Dank, ich hätte gern beides, aber später, nachdem ich den Grafen gesehen habe.«

»Heute nacht stört Ihr ihn besser nicht mehr, sondern wartet mit Eurer Untersuchung bis zum Morgen«, erwiderte der Mönch barsch. Hinter ihm wartete ein stämmiger, rotgesichtiger alter Mann in der derben Kleidung eines peon mit einer Mähne weißer Haare und einem vollen Bart derselben Farbe.

»Der Graf kann sich weder bewegen noch sprechen oder verstehen, wenn man ihn anspricht. Es gibt also keinen Grund für Eure Eile«, fügte Padre Guzman hinzu.

Jona hielt seinem Blick stand. »Trotzdem. Ich brauche Kerzen und Lampen am Bett. Viele, damit es ein helles Licht gibt.«

Padre Guzman kniff verärgert die Lippen zusammen. »Wie Ihr wollt. Padre Sebbo wird sich um das Licht kümmern.« Der alte Mann hinter ihm nickte, und Jona erkannte, daß er Priester, kein Arbeiter war.

Padre Guzman nahm eine Lampe, und Jona folgte ihm mehrere Korridore entlang und steinerne Treppen hoch. Sie kamen durch einen Raum, den Jona wiedererkannte, nämlich den Saal, in dem ihm der Graf nach Ablieferung der Rüstung eine Audienz gewährt hatte, und betraten dann die angrenzende Schlafkammer, eine schwarze Höhle, in der die Lampe des Priesters die Schatten der riesigen Bettstatt träge über die Wände wandern ließ. Die Luft war schwer vom Gestank.

Jona nahm die Lampe und hielt sie dicht an das Gesicht auf dem Bett. Die Augen von Vasca, Graf von Tembleque, schienen an ihm vorbeizustarren. Die linke Seite von Vascas Mund war in einer dauerhaften Hohnfratze nach unten gezogen.

»Ich brauche das Licht.«

Padre Guzman ging zur Tür und rief barsch, doch Padre Sebbo kam bereits in Begleitung von zwei Männern und einer Frau mit

Kerzen und Lampen herbeigeeilt. Nachdem alles zu Jonas Zufriedenheit aufgestellt war und man die Dochte entzündet hatte, war der Graf in Licht getaucht.

Jona beugte sich über das Gesicht. »Graf Vasca«, sagte er. »Ich bin Ramon Callico, der Medicus von Saragossa.« Die Augen starrten ihn an, die Pupillen ungleich geweitet.

»Wie gesagt, er kann nicht sprechen«, bemerkte Guzman.

Vasca war mit einem nicht sehr sauberen Laken bedeckt. Als Jona das Tuch zurückschlug, wurde der Gestank noch stärker.

»Sein Rücken ist von Schwären zerfressen«, sagte Padre Guz-man.

Der Körper auf dem Bett war groß, doch Jona drehte ihn mühelos um und seufzte bei dem Anblick, der sich ihm bot, ein Gewirr häßlicher Furunkel, einige davon eitrig.

»Das sind wundgelegene Stellen«, sagte er. Er zeigte auf die Diener, die vor der Tür warteten. »Sie sollen Wasser über dem Feuer erhitzen und zusammen mit sauberen Tüchern unverzüglich hierherbringen.«

Padre Guzman räusperte sich. »Der letzte Arzt, Carlos Sifrina de Fonseca, hat verboten, den Grafen Vasca zu waschen, damit er nicht die üblen Dämpfe des Wassers aufnehme.«

»Der letzte Arzt, Carlos Sifrina de Fonseca, wurde wahrscheinlich noch nie in seiner eigenen Kacke liegengelassen.« Es war Zeit, das Heft in die Hand zu nehmen, und Jona tat es mit Gelassenheit. »Heißes Wasser in genügender Menge und Seife und weiche Tücher. Ich habe eine Salbe, aber bringt mir Feder und Tinte und Papier, denn ich will unverzüglich aufschreiben, was für andere Mittel und Arzneien ich benötige, und einen Reiter zu Santiago Lopez, den Apotheker von Toledo, schicken. Wenn nötig, soll der Reiter den Apotheker aufwecken.«

Padre Guzman machte ein gequältes, aber ergebenes Gesicht. Als er sich zum Gehen wandte, hielt Jona ihn zurück. »Bringt mir weiche, dicke Vliese, die wir unter ihm ausbreiten können. Sau-ber. Außerdem ein frisches Nachthemd und ein sauberes Laken«, sagte er.

Es war spät geworden, als er endlich fertig war und den mageren Körper gewaschen, die Wunden mit Salbe versorgt, die Schaffelle ausgebreitet und die Bettwäsche und das Nachthemd gewechselt hatte.

Als er sich schließlich dem Essen zuwandte, um seinen knurrenden Magen zu füllen, waren es Brot, ein Stück alter und fettiger Hammel und saurer Wein. Danach führte man ihn in eine kleine Kammer mit einem Bett, das nach dem sauren Körpergeruch seines vorigen Benutzers stank, vielleicht Carlos Sifrina de Fonseca, dachte er, bevor er erschöpft einschlief.

Am nächsten Morgen erhielt er zum Frühstück Brot, Schinken und einen besseren Wein, und er labte sich ausführlich an dem Fleisch.

Da es im Zimmer des Patienten nur ein winziges Fenster hoch oben in der Wand gab, drang kaum Morgenlicht herein. Jona ließ die Diener im Audienzsaal ein Lager auf einem Diwan vor einem größeren, sonnendurchfluteten Fenster herrichten und verlegte den Patienten dorthin.

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