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Der Splitter im Auge Gottes

Электронная книга - «Der Splitter im Auge Gottes». Краткое содержание книги:

In ferner Zukunft: Die menschliche Rasse hat einen Teil der Galaxis besiedelt, hat Großreiche gegründet, die wieder zerfielen, hat Bürgerkriege ausgefochten und neue Imperien aufgebaut, ist in interstellares Neuland vorgedrungen — auf eine andere intelligente Rasse ist sie nie gestoßen. Da naht aus dem Bereich des Kohlensack-Nebels, aus einem System, dessen Zentralgestirn Splitter im Auge Gottes genannt wird, ein rätselhaftes Flugobjekt — eine Sonde, die von einem Lichtsegel angetrieben wird. Ein Schiff der Raumflotte fängt das Objekt ab, bevor es in eine Sonne stürzt. Das seltsame Lebewesen, das sich an Bord befindet, kommt bei dem riskanten Bergungsmanöver ums Leben. Es war der Abgesandte einer völlig andersartigen, offensichtlich uralten und technologisch hochentwickelten Rasse. Hatte er die Möglichkeit, vor seinem Tod eine Botschaft an seine Heimatwelt abzusetzen? Hat er die Begegnung mit den Menschen als Angriff auf sich und sein Schiff interpretiert? Es gibt nur eine Möglichkeit, der potentiellen Gefahr zu begegnen und guten Willen zu beweisen: das Heimatsystem der Fremden aufzusuchen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.
Der Splitter ist ein Werk über die Begegnung von Menschen mit einer anderen hochentwickelten Spezies. Niven und Pournelle haben dafür ein schlüssiges Universum generiert und sich weitgehend an die Erkenntnisse der Physik und Astronomie gehalten.
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Das Bauwerk, das dem Tor am nächsten war, bestand dagegen aus einfachen, sonnengetrockneten Lehmziegeln. Hier stand ein Quaderbau mit Wänden aus einseitig versilbertem Glas, dort waren die Wände aus grauen Steinblöcken, die Fenster unverglast, nur mit primitiven Holzläden zu verschließen.

»Wetterläden. Das muss hier gestanden haben, bevor die Kuppel gebaut wurde«, sagte Potter.

»Offensichtlich. Die Kuppel ist praktisch neu. Diese … Kathedrale könnte man’s nennen, diese Kathedrale in der Mitte dagegen ist so alt, dass man glaubt, sie müsste im nächsten Augenblick zerfallen.«

»Schau mal. Dieses parabolisch-hyperbolische Gebilde, das da aus einer Mauer herausgebaut wurde. Sieh dir bloß die Mauer an!«

»Ja, die muss mal zu einem anderen Gebäude gehört haben. Weiß Gott, wie alt das ist.« Die Mauer war über einen Meter dick, an den Kanten und auf der Krone zeigten sich Spuren von Verwitterung. Sie war aus verkleideten Steinblöcken errichtet, von denen jeder wohl gut eine halbe Tonne wog. Eine Schlingpflanze hatte sich daran hochgezogen, war in Ritzen eingedrungen und hatte die Mauer so durchwachsen, dass sie wahrscheinlich nur mehr von den Lianentrieben zusammengehalten wurde.

Whitbread beugte sich über die Ranken. »Kein Mörtel, Gavin. Sie haben die Blöcke genau zugerichtet aneinandergefügt. Trotzdem hält die Mauer dieses ganze Erkerbauwerk — das aus Beton ist. Sie haben wirklich dauerhaft gebaut.«

»Erinnerst du dich, was Horst über den Wabenasteroiden gesagt hat?«

»Er meinte, man könne sein Alter förmlich fühlen. Es stimmt … man kann das auch hier …«

»Die Bauten hier müssen aus den verschiedensten Zeitaltern stammen. Ich glaube, wir werden darauf kommen, dass das einfach ein Museum ist. Ein Architekturmuseum? Und Jahrhundert für Jahrhundert haben sie neue Exponate hinzugefügt. Zum Schluss wurde dann diese Kuppel errichtet, um die Bauten vor der Witterung zu schützen.«

»Hmmja …«

»Du scheinst nicht sehr überzeugt zu sein.«

»Diese Kuppel ist zwei Meter dick und aus Metall. Welche Witterung …«

»Vielleicht herunterstürzende Asteroiden. Nein, das ist Unsinn, die Asteroiden wurden schon vor Äonen in sichere Entfernung geschafft.«

»Ich denke, ich werde mir mal diese Kathedrale anschauen. Sie sieht aus, als war’ sie das älteste Gebäude hier.«

Die Kathedrale war tatsächlich ein Museum. Jedes zivilisierte Wesen hätte es als solches erkannt. Museen sind überall ziemlich gleich.

Es gab Vitrinenschränke mit allen möglichen alten Gegenständen darin, die mit bedruckten Täfelchen versehen waren. »Ich kann diese Ziffern lesen, glaub ich«, sagte Potter. »Sieh mal, sie sind vier- und fünfstellig. Und das im Duodezimalsystem.!«

»Mein Split hat mich mal gefragt, wie alt unsere Zivilisation ist. Wie alt ist ihre, Gavin?«

»Na ja, ihre Jahre sind kürzer … fünf Stellen. Von irgendeinem Ereignis zurückdatiert; das sind Minuszeichen vor diesen Zahlen. Warte mal …« Er holte seinen Taschencomputer hervor und schrieb rasch einige Zahlen auf den winzigen Schirm.

»Das hier würde vierundsiebzigtausend und noch was bedeuten. Jonathon, die Schilder sind fast neu.«

»Die Sprache verändert sich. Sie müssen immer wieder mal die Beschriftungen modernisieren.«

»Ja … ja, dieses Zeichen kenne ich. ›Ungefähr.‹« Potter eilte von einem Exponat zum nächsten. »Hier ist es wieder. Hier nicht … aber da. Jonathon, komm und schau dir das an!«

Es war ein sehr altes Gerät. Einst war es aus Eisen gewesen, doch jetzt bestand es wahrscheinlich durch und durch aus Rost. In der Vitrine hing eine Skizze, die zeigte, wie das Ding vermutlich früher ausgesehen hatte. Eine Haubitze.

»Hier auf dem Schild. Dieses doppelte Näherungszeichen steht für eine begründete Vermutung. Ich frage mich, wie oft diese Beschriftung wohl erneuert wurde?«

Ein Raum folgte dem anderen. Sie entdeckten eine breite Treppe, die nach oben führte; die Stufen waren flach, aber breit genug für menschliche Füße. Oben waren noch mehr Räume, noch mehr Exponate. Die Decken waren niedrig. Die Beleuchtung bestand aus Ketten von Glühbirnen, die aufflammten, wenn sie einen Raum betraten, und erloschen, wenn sie ihn verließen. Die Glühbirnen waren so angebracht, dass sie den Gesamteindruck der Räume nicht verdarben. Das Museum selbst war ja ein Ausstellungsstück.

Die Schildchen waren alle gleich, die Vitrinen dagegen alle verschieden. Whitbread fand das nicht weiter erstaunlich. Nicht zwei von den Splits hergestellte Gegenstände waren jemals gleich. Ein Exponat jedoch … er musste beinahe lachen.

Die mehrere Meter lange und zwei Meter breite gläserne Blase ruhte auf einem bizarr geformten Sockel aus pfirsichfarbenem Metall. Beides schaute sehr neu aus. Der Rahmen trug ein Schild. In dem Glasgebilde stand eine wunderbar geschnitzte, hölzerne Truhe, groß wie ein Sarg, vom Alter fast weiß gebleicht, deren Deckel nur mehr aus den Resten eines rostigen Drahtgitters bestand. Auch daran war ein Schild. Unter dem verrosteten Gitter war eine Sammlung herrlich geformter, eierschalendünner Porzellangefäße zu sehen, einige zerbrochen, andere unversehrt. Jedes Stück davon trug wieder ein datiertes Schildchen. »Erinnert mich an diese Puppen, wo eine in der anderen steckt«, meinte Whitbread grinsend.

Potter fand das nicht amüsant. »Ungefähr so was ist das auch. Siehst du das? Dieser Glasballon, steht hier, ist ungefähr zweitausend Jahre alt … das kann doch nicht stimmen, oder?«

»Nur wenn …« Whitbread kratzte mit seinem Jahrgangsring über die glasähnliche Oberfläche. »Beides hat Schrammen. Künstlicher Saphir anscheinend.« Er versuchte es am Sockelmetall. Das Metall ritzte den Ringstein. »Ich glaub die zweitausend.«

»Aber die Truhe ist ungefähr zweitausendvierhundert Jahre alt, und dieses Geschirr ist mit dreitausend und mehr datiert. Schau dir doch an, wie sich der Stil von Stück zu Stück ändert. Das muss eine Sammlung sein, die die Entwicklung einer bestimmten Töpfereirichtung darstellt.«

»Meinst du, die Holztruhe stand früher in einem anderen Museum?«

»Was sonst?«

Jetzt lachte Whitbread doch, und sie gingen weiter. Nach einer Weile zeigte Whitbread auf einen Gegenstand und meinte, »Schau mal, das ist aus demselben Metall, nicht?«

Die kleine, mit zwei Händen zu bedienende Waffe — denn das war es offensichtlich — trug das gleiche Datum wie die Saphirkugel.

Als nächstes stießen sie auf eine rätselhafte Konstruktion, ein aufrecht stehendes Gitter aus Sechsecken, deren Seiten aus zwei Meter langen Stahlstreben bestanden. Einige der Sechsecke waren mit dicken Plastikplatten ausgefüllt, in anderen waren nur mehr zersplitterte Reste vorhanden.

Potter wies auf die leichte Wölbung der Konstruktion hin. »Das war mal auch eine Kuppel, kugelförmig, mit geodätischem Gerüst. Nicht mehr viel übrig davon — im übrigen hätte sie nie das ganze Gelände überspannt.«

»Du hast recht. Aber sie ist nicht einfach verwittert und dann ersetzt worden. Sieh dir nur an, wie die Streben am Rand verbogen sind. Ein Tornado? Das Land hier wäre flach genug.«

Potter begriff nicht sofort. Auf Neuschottland, einer terrageformten, aberziemlich rauen Welt, gab es keine Wirbelstürme. Er rief sich seine Meteorologiekenntnisse ins Gedächtnis und nickte. »Könnte sein. Ja, könnte sein.« Anschließend an die Fragmente der früheren Kuppel entdeckte Potter ein fast zerfallendes Metallgerippe, das von den Resten einer Plastikhülle umgeben war. Auch das Plastik schaute verwittert und brüchig aus. Auf dem Schild waren zwei Jahreszahlen angegeben, beide fünfstellig. Eine Skizze daneben zeigte ein schlankes Straßenautomobil mit drei Sitzen hintereinander. Es sah ziemlich primitiv aus. Die Motorhaube war geöffnet dargestellt.

»Ein Verbrennungsmotor«, sagte Potter. »Ich hatte schon das Gefühl, Splitter Alpha müsste arm an fossilen Brennstoffen sein.« »Sally hatte einen ähnlichen Gedanken. Sie meinte, die Split-Zivilisation hat einen rapiden Niedergang durchgemacht, als die fossilen Brennstoffe aufgebraucht waren. Ich glaube allmählich, dass sie recht hatte.«

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