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Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]

Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]». Краткое содержание книги:

Menschlicher Forschergeist sind keine Grenzen gesetzt. Kurz vor dem Jahre 2000 sind Mond und Mars bereits bezwungen.
Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse.
Deshalb startet die SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten.
Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden?
Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
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Das Triebwerk, das den Ablenkstrahl erzeugte, verbrauchte all seine Energie für das Wendemanöver und blieb ohne Einfluß auf die Geschwindigkeit des Raumschiffs im ganzen.

Am schlimmsten für die Besatzung war die Ungewißheit der Erfolgsaussichten. Alles baute auf der Voraussetzung auf, daß der „Phaetone“ noch mindestens zwei Tage mit gleichbleibender Geschwindigkeit auf die Venus zuflog. Er brauchte aber nur einen anderen Kurs einzuschlagen — und das war ja wiederholt geschehen, seit Subbotin ihn entdeckt hatte —, und schon müßten auch sie ihren Kurs ändern, ohne die geringste Garantie übrigens, daß der „Phaetone“ nicht erneut die Richtung wechselte.

Die „SSSR-KS 3“ konnte derartige Manöver nicht endlos ausführen. Außerdem war die Geschwindigkeit des verfolgten Raumschiffes sehr variabel. Wer garantierte, daß fünfzig Kilometer in der Sekunde seine „Höchstgeschwindigkeit“ war? Womöglich flog es noch schneller, dann war nicht mehr daran zu denken, es einzuholen.

Voller Unruhe sah die Besatzung jeder neuen Nachricht von der Erde entgegen. Doch bisher hatte es noch keine bedrohlichen Anzeichen gegeben.

Der Abend des elften August kam heran (Abend war es natürlich nur auf der Erde, in der UdSSR, nicht aber im Raumschiff). Voller Ungeduld warteten die Männer, daß es acht Uhr wurde. Je näher die ersehnte Stunde rückte, desto unerträglicher dünkte ihnen die Belastung. Der bleischwer gewordene Körper drohte den Dienst zu versagen.

Aufhören! hätte jeder am liebsten geschrien. Ist es nicht ganz gleich, ob wir eine Minute früher oder später eintreffen? Aber sie wußten ganz genau, daß Belopolski das Triebwerk keine Sekunde früher abstellen würde.

Ein kaum merkliches Zittern ging durch das Raumschiff. Alle atmeten erleichtert auf. Der Körper empfand die Schwerelosigkeit als eine Wohltat. Wie schön war es doch, das eigene Gewicht nicht zu spüren!

Vor ihnen lagen vierzig Stunden ruhigen Geradeausflugs. Die Geschwindigkeitssteigerung auf fünfzig Kilometer in der Sekunde würde nur mit einer Beschleunigung von einem Meter pro Sekundenquadrat erfolgen. Das verlieh ihnen ein Zehntel der iidischen Schwere. Kleinigkeit!

„Mitteilung von der Erde“, ertönte Knjasews Stimme. Die in jedem Raum angebrachten Lautsprecher trugen seine Worte durchs ganze Schiff. „Dringende Meldung!“ Niemand rührte sich von der Stelle. Nur Toporkow begab sich eilig zum Funkraum, um Knjasew abzulösen. Das hatte er jedesmal getan, wenn sich die Erde meldete, und damit oft seine Erholungspause geopfert.

Dringende Meldung! Da mußte etwas passiert sein! Alle warteten in gedrückter Stimmung.

Dann leuchteten die Bildschirme auf und zeigten Belopolskis finsteres Gesicht.

„Genossen!“ sagte er. „Das Raumschiff der Phaetonen macht eine Wendung. Im Augenblick ist noch nicht abzusehen, welche Richtung es einschlagen wird. Das wird sich in zwei, drei Stunden zeigen. Ruht euch aus! Eine weitere Richtungsänderung auch unseres Schiffs wird unvermeidlich sein.“ Und wieder arbeitete das Ablenktriebwerk. Wieder quälte erhöhte Schwerkraft die Männer. Wieder kämpften Toporkow und Knjasew, einander ablösend, gegen die erdrückende Last des eigenen Gewichts. Und wieder war keine Gewähr gegeben, daß sich ihre Leiden wirklich auszahlten.

Nachdem die Kurve ausgeführt war und das Raumschiff wieder geradeaus flog, vergingen keine vier Stunden, da änderte der „Phaetone“, als wolle er sich über sie lustig machen, erneut den Kurs.

„Es besteht kein Zweifel mehr“, funkte Kamow. „Das Raumschiff wird von menschlichem Willen gelenkt. Wenn ein Autopilot steuerte, wäre diese Kurve sinnlos. Melnikow und Wtorow sind noch am Leben. Vorwärts, Genossen! Das Ziel ist nahe!“ Hartnäckig ging die Verfolgung weiter!

Die Kraft der Vorstellung

Melnikow war überzeugt, daß die Beschleunigung des Raumschiffs nicht allzu lange anhalten würde. Das widerspräche der technischen Zweckmäßigkeit, und die Technik der Phaetonen war, nach allem zu urteilen, was sie bisher davon gesehen hatten, überaus „vernünftig“. Doch daß sie von so kurzer Dauer sein würde, hatte er nicht erwartet.

Als er zu Beginn des Starts vom Steg gefallen war, hatte er nicht versäumt, auf die Uhr zu sehen. Nun, da er an der plötzlich einsetzenden Schwerelosigkeit merkte, daß die Beschleunigung aufgehört hatte und das Raumschiff, dem Gesetz der Trägheit gehorchend, mit konstanter Geschwindigkeit weiterflog, stellte er fest, daß etwa dreizehn Minuten vergangen waren.

Jenseits der unsichtbar gewordenen Wand dehnte sich die vertraute Sternenwelt. Das Schiff hatte offensichtlich die Venusatmosphäre schon ganz verlassen und flog durch den interplanetaren Raum. In welcher Richtung? War die Steuerautomatik auf einen bestimmten Kurs eingestellt oder nicht? Das würde sich erst nach einigen Stunden aufmerksamer Beobachtung der Venus erkennen lassen. Eine unvollkommene Methode, doch eine andere stand ihnen nicht zur Verfügung. Kein einziges Navigationsinstrument war vorhanden.

Der so plötzlich verlassene Planet schien ganz nahe. Den halben Himmel bedeckte seine gewaltige schneeweiße Wolkenmasse. Jetzt, da die Schwerkraft aufgehoben war, ließ sich nicht mehr feststellen, ob sich die Venus senkrecht unter ihnen oder seitlich befand. Allerdings schien die Sonne immer noch an derselben Stelle zu stehen; Melnikow erinnerte sich, daß Wtorows Schatten schon vorher auf seine Füße gefallen war. So war es auch jetzt. Folglich hatte das Raumschiff seine Flugrichtung nicht geändert. Es trug sie der Sonne entgegen. So schien es jedenfalls.

Doch das mußte noch genau festgestellt werden.

Zweimal war Melnikow schon mit einem Raumschiff zur Venus geflogen. Dreimal hatte er den Planeten aus der jetzigen Entfernung gesehen. Sollte er da nicht nach Augenmaß schätzen können, in welcher Höhe sie sich befanden? Vermutlich etwa zehntausend Kilometer. Ja, das mochte stimmen.

Er stieß sich leicht ab, schwebte auf Wtorow zu und hielt sich an dessen Schultern fest. So konnten sie sich bequemer unterhalten.

„Was meinst du, Gennadi“, fragte er, „um das Wievielfache hat die Schwerkraft beim Start zugenommen?“ Wtorow hob den Kopf, und Melnikow blickte in ein totenblasses Gesicht mit flackernden Augen. Die Lippen des jungen Ingenieurs waren fahlblau.

„Was ist mit dir? Fühlst du dich nicht wohl?“ Wtorow lachte hysterisch auf.

„Sie sind unvergleichlich, Boris Nikolajewitsch“, sagte er und fuhr fort zu lachen. „Ob ich mich nicht wohl fühle? Ich fühle mich wie jemand, der zum Tode verurteilt ist und schon die Schlinge um den Hals hat.“ Melnikow merkte, daß sein Kamerad die Selbstbeherrschung verloren hatte. Hier half nur rigoroses Vorgehen, um ihn wieder zur Vernunft zu bringen.

„Schäm dich, erbärmlicher Feigling! Jammerlappen!“ sagte er scharf. „Und so was nennt sich Kosmonaut!“ Überzeugt von der Wirkung seiner Worte, wandte er sich ab, um Wtorow Zeit zu lassen, wieder zu sich zu kommen.

Wtorow schwieg.

Als sich Melnikow ihm nach einer Weile erneut zuwandte, sah er, daß er seine Absicht erreicht hatte.

„Haben Sie doch ein bißchen Nachsicht mit mir, Boris Nikolajewitsch“, sagte Wtorow. „Nicht jeder kann so sein wie Sie.

Wir haben doch nur noch sechs Stunden zu leben.“ „Wieso denn das?“ fragte Melnikow und tat, als habe er nicht verstanden. Er wollte, daß Wtorow Überlegungen anstellte; es gab kein besseres Mittel für ihn, die Ruhe zurückzugewinnen.

„Wieso? Ja, wissen Sie denn nicht, daß wir nur für zwölf Stunden Sauerstoff mitgenommen haben?“ „Ach ja! Wieviel Zeit ist denn vergangen, seit wir die,KS 3‘ verlassen haben?“ „Meiner Schätzung nach ungefähr sechs Stunden.“ „Das bedeutet also, daß unser Sauerstoff tatsächlich nicht mehr lange reicht. Sechs Stunden! In der Zeit kann man wahrhaftig nicht viel tun.“ „Wir sind verloren “ „Schon wieder? Das hast du auch gesagt, als wir seinerzeit an der Küste des Venusfestlands im zertrümmerten Flugzeug saßen.“ „Da habe ich das nicht gesagt.“ „Nicht gesagt, aber gedacht. Und trotzdem leben wir noch immer.“ „Aber jetzt ist keine Rettung mehr möglich.“ „Ausweglose Situationen gibt es nicht. Wir haben noch zwei Chancen.“ „Wieso?“ Wtorow sah Melnikow überrascht an. Ihm selbst schien die Situation völlig aussichtslos.

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