Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]
- Автор: Мартынов Георгий Сергеевич
- Год: 1964
- Язык: немецкий
- Год: Verlag Kultur und Fortschritt
- Переводчик: Traute Stein
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]». Краткое содержание книги:
Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse.
Deshalb startet die SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten.
Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden?
Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
Jetzt erst kam es Melnikow zum Bewußtsein, daß Wtorow ja noch immer vor den geheimnisvollen Facetten saß, in deren Tiefe die verschiedenfarbigen Funken glitzerten.
Ein unverzeihlicher Leichtsinn! Wie hatte er das nur vergessen können. Wer weiß, vielleicht löste man nicht nur den Start, sondern auch die Manöver des Raumschiffs auf dieselbe rätselhafte Weise aus.
„Natürlich“, sagte er. „Das hättest du schon längst tun sollen.“ Wtorow glitt vom Sessel. Sie entfernten sich von der Konstruktion, die sie für das Steuerpult hielten. Beide bemerkten, daß sich das Glitzern der winzigen Funken sofort verstärkte.
Solange Wtorow unmittelbar vor der einen Facette gesessen hatte, waren die Funken darin fast unbeweglich gewesen. Wir werden kaum jemals darauf kommen, wie das Pult arbeitet, dachte der junge Ingenieur. Das Ganze hat mit irdischen Dingen zu wenig gemein.
„Meiner Meinung nach habe ich überhaupt keine Bewegungen gemacht“, antwortete er auf Melnikows Frage. „Sie haben sie mir doch selbst verboten. Ich habe regungslos dagesessen.“ „Es kann aber keinen Zweifel daran geben, daß du die Triebwerke in Gang gesetzt hast. Weißt du noch, bevor wir hier hereinkamen, haben wir doch den blauen Ring mit dem gelben Kreuz gesehen? Der gleiche Ring war auch vor dir zu sehen, als du dich in den Sessel setztest. Er bedeutete ein Warnsignal. Im ersten Fall galt es uns beiden, im zweiten nur dir.“ „Ja, so muß es sein“, pflichtete Wtorow ihm bei. „Aber ich erinnere mich ganz genau, daß ich keine Bewegungen gemacht habe.“ „Also müßte das Raumschiff gestartet sein, weil du vom Start gesprochen hast. Doch das ist unmöglich. Ich gebe zu, daß eine Automatik so konstruiert sein kann, daß sie auf Laute reagiert, aber die Phaetonen konnten doch unmöglich die russische Sprache kennen. Außerdem sind die Laute ihrer Sprache den unseren ganz und gar nicht ähnlich.“ „Natürlich. Ich habe vorhin gesagt — dessen erinnere ich mich ganz genau —:,Ich mache die erforderliche Bewegung, und das Raumschiff…‘ Das Raumschiff! Boris Nikolajewitsch, mir kommt eben ein ganz verrückter Gedanke! Die Türen! Verstehen Sie, die Türen!“ „Was für Türen?“ „Die Türen hier im Schiff! Die fünfeckigen Konturen!“ „Ich verstehe gar nichts.“ „Gehen wir raus“, sagte Wtorow. „Ich glaube, ich hab‘s. Wir dürfen hier drinnen nicht weitersprechen.“ „Ich habe auch schon gedacht, daß es besser wäre, von hier zu verschwinden“, erwiderte Melnikow, vergeblich darüber nachsinnend, was sein Kamerad meinen könnte. „Aber es sind ja keine Knöpfe da.“ „Um so besser.“ Mit diesen seltsamen Worten wandte sich Wtorow der Stelle zu, an der sich die Tür befinden mußte.
Augenblicklich zeichneten sich die Konturen des Fünfecks ab.
Gleich darauf war der Durchgang frei.
„Sehen Sie“, sagte Wtorow mit vor Erregung zitternder Stimme. „Ich habe recht. Die Automatik funktioniert einwandfrei. Und wir haben gedacht, sie sei hinüber.“ Melnikow begriff nichts. Hatte Gennadi etwa den Verstand verloren? Wovon redete er?
Sie krochen durch die Öffnung. Sofort schloß sie sich wieder hinter ihnen.
„Schließen tun sie sich von allein“, sagte Wtorow. „Ach, ihr prächtigen, klugen Phaetonen!“ „Sei endlich so gut und erklär mir, was das zu bedeuten hat.“ „Das hat zu bedeuten, daß wir gerettet sind. Wir können das Raumschiff lenken, und sogar sehr einfach.“ „Nun schieß schon los!“ „Erst mache ich noch einen Versuch“, sagte Wtorow. „Dann haben wir den endgültigen Beweis. Passen Sie auf!“ Er verharrte regungslos.
Gleich darauf flammte unmittelbar vor ihnen der blaue Ring mit dem gelben Kreuz auf, und anschließend öffnete sich die Tür zu dem Raum mit dem Steuerpult.
„Und jetzt schließt sie sich wieder“, sagte Wtorow.
Die Tür schloß sich tatsächlich wieder.
„So!“ Wtorow fuhr sich mit der Hand über die Stirn, als wolle er sich den Schweiß abwischen. „Alles ist klar!“ „Es sind doch nicht etwa die Gedanken, die alles bewirken?“ „Nein, nicht die Gedanken. Der Mensch denkt vorwiegend in Worten. Es ist was anderes. Dies hier hängt wohl mit den Bioströmen des Organismus zusammen. Jetzt weiß ich jedenfalls, warum wir gestartet sind. Als ich die verhängnisvollen Worte sagte, stellte ich mir ganz deutlich vor, daß das Raumschiff startet. Die Vorstellung war real, sichtbar. So als ob ich selbst… Verstehen Sie? Es ist schwer zu erklären. Nehmen wir ein Beispieclass="underline" Können Sie, auf irgendeinen Gegenstand, sagen wir einen Stuhl, blickend, ihn in Gedanken hochheben? Nein, nicht in Gedanken, sondern mit der Empfindung des Hochhebens? Ich weiß wirklich nicht, wie ich es Ihnen erklären soll.“ „Nicht nötig. Du hast zweifellos recht. Die Automatik des Raumschiffs wird durch Bioströme gelenkt. Offensichtlich war die Disziplin des Denkens bei den Phaetonen hoch entwickelt.
Und nicht nur die des Denkens, sondern auch die der Vorstellungskraft. Jetzt begreife ich auch, warum sich die Türen nicht immer sofort öffneten. Sie warteten, bis du sie unbewußt, kraft deines Wunsches, sie möchten sich öffnen, öffnetest. Ich erinnere mich, wie ich einmal allein vor eine Tür trat — du warst zurückgeblieben — und sie sich partout nicht öffnen wollte. Sie tat es erst, nachdem du hinzugekommen warst. Ich habe nicht so eine starke Vorstellungskraft wie du. Du bist nervöser, deine Vorstellungen erzeugen daher leicht Bioströme. Die Mechanismen der Phaetonen aber sind außergewöhnlich empfindlich.“ „Wer konnte das aber auch ahnen!“ „Wir hätten es uns denken können. Auch auf der Erde gibt es bereits eine Bionik. Sie hat jedoch noch nicht den Stand wie bei den Phaetonen erreicht.“ „Es läuft also darauf hinaus, daß ich an allem schuld bin“, sagte Wtorow bekümmert. „Hätte Sie jemand anders begleitet …“ „… wäre das Raumschiff nicht gestartet“, beendete Melnikow den Satz. „Nein, Gennadi, so können wir nicht argumentieren. Wenn und falls! Du hast das Raumschiff gestartet, und du wirst es auch wieder auf die Venus zurückbringen. Jetzt ist es gerade unser Glück, daß deine Vorstellungskraft und deine Nervenimpulse stark genug sind, um auf die Mechanismen des Raumschiffs einzuwirken. Aber du mußt außerordentlich vorsichtig sein. Eine steile Kurve des Raumschiffs zum Beispiel wäre unser Verderben.“ „Die Phaetonen werden sich kaum ganz und gar auf die eigene Vorstellungskraft verlassen haben“, meinte Wtorow.
„Das wäre zu gefährlich gewesen. Höchstwahrscheinlich kann man mit den Bioströmen nur die Triebwerke in Gang setzen sowie Kurs und Geschwindigkeit allgemein verändern. Die detaillierte Technik all dieser Manöver aber ist anscheinend automatisiert, damit die kritischen Punkte nicht überschritten werden. Wir haben ja ein Beispiel dafür. Die Beschleunigung hörte ohne mein Dazutun auf.“ „Bist du davon überzeugt? Vielleicht…“ Wtorow senkte den Kopf.
„Ich bin überzeugt“, sagte er kaum vernehmlich. „Es ist beschämend für mich, aber mein ganzes Denken und Fühlen war damals durch Furcht gelähmt.“ „Eine rettende Furcht“, scherzte Melnikow. „Du hättest sonst vielleicht die Triebwerke abgestellt, und das Raumschiff wäre auf die Venus gestürzt. In dem Falle wäre von uns herzlich wenig übriggeblieben. So hat sich alles zum besten gewendet.
Aber jetzt empfehle ich dir, dich auszuruhen und dann an die Arbeit zu gehen.“ „Ausruhen?“ staunte Wtorow. „Haben wir denn dazu genügend Zeit?“ „Mehr als genug. Du stehst vor einer harten Belastungsprobe.
Du sollst dieses Raumschiff lenken lernen. Dazu mußt du vollkommen frisch sein. In deinem jetzigen Zustand darfst du nichts unternehmen. Nur eine Katastrophe könnte dabei herauskommen. Unsere Rettung hängt von deiner Kaltblütigkeit ab. jetzt heißt es schlafen, und zwar mindestens acht Stunden.“ „Und die,KS 3‘? Sie kann uns jeden Augenblick einholen.“ Melnikow seufzte.