Highway ins Dunkel. Stories
- Автор: Кунц Дин Рэй
- Год: 1997
- Язык: немецкий
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «Highway ins Dunkel. Stories». Краткое содержание книги:
Das Buch
Dean Koontz gilt als Meister hautnahen Horrors, und er versäumt es auch in seinen schaudererregenden Kurzgeschichten nicht, den Leser in eine eiskalte Welt puren Entsetzens zu entführen.
Namenlose Kreaturen, die einem notorischen Dieb das Fürchten lehren, mörderische Ratten, entkommen aus einem Versuchslabor, und Wesen aus anderen Welten erschüttern unser Vertrauen in das Erdendasein nachhaltig ...
Der Autor
Dean Koontz, 1946 in Bedford/Pennsylvania geboren, besuchte das Shippensburg State College und nahm 1966 eine Lehrerstelle in Appalachia an. Wenig später heiratete er und veröffentlichte seinen ersten Roman und einige Kurzgeschichten. 1976 zog er mit seiner Familie nach Orange County/Kalifornien. In mehr als 20 Jahren schrieb Koontz 55 Bücher, die in einer Weltauflage von 60 Millionen Exemplaren in 18 Ländern verbreitet ist.
Titel der Originalausgabe STRANGE HIGHWAYS STORY COLLECTION
»Es hätte doch genügt, wenn wir nur ein paar von ihnen getötet hätten, um unsere Macht zu demonstrieren«, sagte Jonathan. »Mußten wir wirklich alle beseitigen?«
Jessica seufzte. »Sieh mal, im Vergleich zu uns waren das doch die reinsten Neandertaler. Wir sind eine neue Rasse mit neuen Kräften, neuen Emotionen, neuen Verhaltensweisen. Wir sind die frühreifsten Kinder aller Zeiten - aber diese Typen verfügten über eine Art roher Gewalt, oder hast du das schon vergessen? Es war unsere einzige Chance, ohne Vorwarnung loszuschlagen. Und das haben wir getan.«
Jonathan betrachtete die schwarzen Flecken im Gras. »Aber es macht so wahnsinnig viel Arbeit! Wir haben den ganzen Vormittag gebraucht, um die paar loszuwerden. Die ganze Welt, das schaffen wir nie.«
»Bald werden wir gelernt haben, wie man Leichen schweben laßt«, sagte Jessica.
»Ein bißchen von dieser Kraft spüre ich schon in mir. Vielleicht lernen wir sogar, wie man sie von einem Ort zum anderen transportieren kann. Dann wird alles viel leichter sein. Aber wir wollen ja auch gar nicht die ganze Welt säubern - nur jene Teile, die wir in den nächsten Jahren benutzen wollen. Den Rest der Arbeit werden die Ratten und das Wetter für uns erledigen.«
»Wahrscheinlich hast du recht«, gab Jonathan zu.
Aber ich wußte, daß er noch Zweifel hatte, und auch ich hatte welche. Gewiß, wir drei stehen auf der Evolutionsleiter höher als alle vor uns. Wir können Gedanken lesen, die Zukunft voraussehen und außerkörperliche Erfahrungen machen, wann immer wir wollen. Wir beherrschen diesen hübschen Trick mit dem Feuer: Mittels Gedankenenergie können wir riesige Brände erzeugen. Jonathan kann kleine Wasserströme umlenken, und dieses Talent findet er besonders amüsant, wenn ich pinkeln muß. Obwohl er zur neuen Rasse gehört, hat er seltsamerweise an solchen kindischen Späßen immer noch seine Freude. Jessica kann das Wetter exakt vorhersagen. Und ich kann besonders gut mit Tieren umgehen: Hunde kommen zu mir, auch Katzen und Vögel und alle möglichen niederen Kreaturen. Und natürlich können wir dem Leben jeder Pflanze und jedes Tieres ein Ende bereiten, indem wir es einfach totdenken. Genauso, wie wir die ganze Menschheit totgedacht haben. Darwins Theorien zufolge waren wir vielleicht dazu bestimmt, diese neuen Neandertaler auszumerzen, sobald wir uns unserer Fähigkeiten bewußt wurden. Trotzdem nagen immer noch Zweifel an mir. Irgendwie habe ich das Gefühl, daß wir für die Vernichtung der alten Rasse bestraft werden.
»Das ist eine völlig veraltete Denkweise«, tadelte Jessica, die meine Gedanken natürlich gelesen hatte. Ihre telepathischen Kräfte sind viel stärker als die von Jonathan und mir. »Der Tod all dieser Leute war völlig bedeutungslos. Gewissensbisse wären völlig fehl am Platz. Wir sind die neue Rasse, mit neuen Emotionen und neuen Hoffnungen und neuen Träumen und neuen Gesetzen.«
»Natürlich«, sagte ich. »Du hast völlig recht.«
3
Am Mittwoch gingen wir an den Strand und verbrannten die Leichen der Leute, die dort ein Sonnenbad genommen hatten. Wir lieben das Meer, und wir brauchen sauberen Sand. Verwesende Leichen verpesten die Luft und vergällen einem die Freude am Baden.
Als wir das erledigt hatten, waren Jonathan und ich ziemlich müde. Aber Jessica wollte Sex.
»Kinder in unserem Alter sollten so was eigentlich noch nicht können«, sagte Jonathan.
»Aber wir können es«, entgegnete Jessica. »Wir sind so beschaffen. Und ich will es. Jetzt!«
Also besorgten wir es ihr. Zuerst Jonathan, dann ich. Danach hatte sie noch immer nicht genug, aber wir erteilten ihr eine Abfuhr.
Jessica rekelte sich gemütlich. Ihr schlanker weißer Körper hob sich kaum vom weißen Sand ab. »Dann warten wir eben«, sagte sie.
»Worauf?« fragte Jonathan.
»Bis ihr zwei wieder soweit seid.«
4
Vier Wochen nach dem Ende der Welt waren Jonathan und ich allein am Strand und sonnten uns. Er war eine ganze Weile ungewöhnlich schweigsam, so als fürchtete er sich davor zu sprechen.
Endlich fragte er aber: »Findest du es normal, daß ein Mädchen ihres Alters so . so unersättlich ist? Neue Rasse hin oder her.«
»Nein.«
»Sie kommt mir geradezu besessen vor.«
»Ja.«
»Das hat irgendeinen Zweck, den wir nicht begreifen.«
Er hatte recht. Ich spürte es auch.
»Probleme«, murmelte er.
»Vielleicht.«
»Es wird große Probleme geben.«
»Vielleicht. Aber was für Probleme kann es nach dem Ende der Welt geben?«
5
Zwei Monate nach dem Ende der Welt und dem Verbrennen unserer Eltern, als Jonathan und ich das alte Haus satt hatten und exotischere Orte aufsuchen wollten, teilte Jessica uns die große Neuigkeit mit. »Im Augenblick können wir nicht weg von hier.« Ihre Stimme war besonders eindringlich. »In den nächsten Monaten können wir nicht weg. Ich bin schwanger.«
6
Im fünften Monat von Jessicas Schwangerschaft machte sich das vierte Bewußtsein bemerkbar. Mitten in der Nacht wachten wir alle auf, in Schweiß gebadet, von Brechreiz geplagt: Wir spürten das neue Wesen.
»Es ist das Baby«, sagte Jonathan. »Ein Junge.«
»Ja.« Auch ich spürte die psychische Wucht des werdenden Lebens. »Und obwohl er noch in dir lebt, Jessica, hat er schon ein Bewußtsein. Noch ungeboren, hat er schon ein ausgeprägtes Bewußtsein.«
Jessica wand sich vor Schmerzen. Sie wimmerte hilflos.
7
»Das Baby wird uns ebenbürtig sein, aber es wird uns nicht überlegen sein«, behauptete Jessica. »Und jetzt will ich nichts mehr von diesem Blödsinn hören, Jonathan!«
Sie war selbst noch ein Kind, und doch erwartete sie ein Kind, das ihren Leib grotesk aufblähte, von Tag zu Tag mehr.
»Woher willst du wissen, daß er uns nicht überlegen ist?« beharrte Jonathan. »Keiner von uns kann seine Gedanken lesen. Keiner von uns kann ...«
»Eine neue Spezies entwickelt sich nicht so schnell«, fiel sie ihm ins Wort.
»Und was ist mit uns?«
»Außerdem ist er ungefährlich - schließlich stammt er ja von uns ab«, argumentierte Jessica. Offenbar glaubte sie, Jonathans Theorie damit ad absurdum führen zu können.
»Wir stammten auch von unseren Eltern ab«, sagte Jonathan. »Und wo sind sie jetzt? Angenommen, wir sind gar nicht die neue Rasse? Angenommen, wir sind nur eine kurze Zwischenstufe - so wie Puppen das Zwischenstadium von Raupen und Schmetterlingen sind? Vielleicht ist das Baby ...«
»Wir haben von dem Baby nichts zu befürchten.« Jessica strich mit beiden Händen über ihren schmerzenden Bauch. »Sogar wenn alles, was du sagst, stimmen sollte - es braucht uns doch. Zur Fortpflanzung.«
»Er braucht dich«, bemerkte Jonathan ganz richtig. »Uns beide braucht er nicht.«
Ich saß einfach da, hörte mir ihren Streit an und wußte nicht so recht, was ich glauben sollte. Ehrlich gesagt, fand ich es sogar ein bißchen amüsant, obwohl es mir durchaus Angst machte. Ich wollte ihnen die Komik an der ganzen Geschichte klarmachen. »Vielleicht sehen wir das alles falsch, vielleicht ist das Baby jene Wiederkunft, die Yeats in seinem Poem beschrieben hat - die Bestie auf dem Weg nach Bethlehem, wo sie geboren werden möchte.«
Die beiden fanden das gar nicht komisch.
»Ich konnte Yeats nie ausstehen«, sagte Jonathan.
»Er war ein trübsinniges Arschloch«, stimmte Jessica ihm zu. »Und außerdem sind wir über solchen Aberglauben weit hinaus. Wir sind die neue Rasse mit neuen Emotionen, neuen Träumen, neuen Hoffnungen und neuen Gesetzen.«
»Das ist eine ernsthafte Bedrohung, Jerry«, tadelte mich Jonathan. »Darüber sollte man keine Witze reißen.«
Und schon fing der Streit zwischen den beiden wieder an -sie brüllten genauso, wie Vater und Mutter es getan hatten, wenn das Haushaltsgeld nicht reichte. Manche Dinge ändern sich eben nie.