Die Fünfundvierzig
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:
Joyeuse trieb sein Pferd gegen den schwarzen Reiter, und beide trafen mit finsterer Erbitterung aufeinander. Bei dem ersten Zusammenschlagen ihrer Schwerter entwickelte sich eine Garbe von Funken. Auf die Festigkeit seiner Rüstung und auf seine Gewandtheit in der Fechtkunst vertrauend, führte Joyeuse mächtige Streiche, die geschickt pariert wurden. Zugleich traf ihn das Schwert seines Gegners auf die volle Brust, glitt auf dem Panzer hin, drang durch den Zwischenraum der Rüstung ein; und es spritzten ein paar Tropfen Blut aus seiner Schulter.
»Ah!« rief der junge Admiral, als er die Spitze des Schwertes fühlte, »dieser Mann ist ein Franzose, mehr noch, er hat das Fechten unter demselben Meister gelernt wie ich.«
Bei diesen Worten sah man, wie der Unbekannte sich abwandte und sich auf einen andern Punkt zu werfen suchte.
»Wenn du ein Franzose bist, so bist du ein Verräter,« rief ihm Joyeuse zu, »denn du kämpfst gegen deinen König, gegen dein Vaterland, gegen deine Fahne.«
Der Unbekannte antwortete nur, indem er sich umwandte und Joyeuse wütend angriff. Aber diesmal war Joyeuse gewarnt und wußte, mit welchem geschickten Degen er es zu tun hatte. Er parierte hintereinander drei bis vier Streiche, die mit ebensoviel Geschicklichkeit wie Wut, mit ebensoviel Kraft wie Nachdruck geführt wurden.
Der Unbekannte machte nun eine Bewegung des Rückzugs.
»Halt!« rief ihm der junge Mann zu, »seht, was man tut, wenn man sich für sein Vaterland schlägt; ein reines Herz und ein redlicher Arm genügen, um einen Kopf ohne Helm, eine Stirn ohne Visier zu beschützen.« Und er riß die Agraffen seines Helmes auf, schleuderte ihn weit von sich und entblößte seinen edlen, schönen Kopf, dessen Augen von Kraft, Stolz und Jugend glänzten.
Statt das gegebene Beispiel zu befolgen, stieß der Reiter mit der schwarzen Rüstung ein dumpfes Gebrüll aus und erhob sein Schwert über diesem entblößten Haupt.
»Ah!« rief Joyeuse, während er parierte, »ich sagte es wohl, du bist ein Verräter und sollst als Verräter sterben.«
Und ihn hart bedrängend, versetzte er ihm hintereinander zwei bis drei Stöße mit der Schwertspitze, von denen einer durch eine Öffnung des Helmvisiers eindrang.
»Oh! ich werde dich töten,« sagte der junge Mann, »und dir den Helm entreißen, der dich beschützt und so gut verbirgt, und dann am ersten Baum aufhängen, den ich an der Straße finde.«
Der Unbekannte wollte einen Gegenstoß tun, als ein Kavalier, der eben zu ihm herangeritten war, sich an sein Ohr neigte und zu ihm sagte: »Monseigneur, kein Scharmützel mehr, Eure Gegenwart ist dort ersprießlicher.«
Der Unbekannte folgte mit den Augen der von der Hand des andern angegebenen Richtung und sah die Flamländer vor der kalvinistischen Kavallerie zögern.
»In der Tat,« sagte er mit düsterem Tone, »dort sind, die ich suchte.«
In diesem Augenblick fiel eine Welle von Reitern über Joyeuses Matrosen her, die, müde, ohne Unterlaß mit ihren Riesenwaffen zu schlagen, den ersten Schritt rückwärts machten. Der schwarze Reiter benutzte diese Bewegung, um im Gemenge und in der Dunkelheit zu verschwinden. ....
Eine Viertelstunde nachher wichen die Franzosen auf allen Punkten und suchten sich zurückzuziehen, ohne zu fliehen. Herr von Saint-Aignan ergriff alle Maßregeln für einen Rückzug in guter Ordnung. Doch eine neue Truppe von fünfhundert Pferden und zweitausend Mann Fußvolk rückte ganz frisch aus der Stadt hervor und fiel über die schon ermattete Armee her. Es waren die alten Banden des Prinzen von Oranien, die nach und nach gegen den Herzog von Alba, gegen Don Juan, gegen Requesens und gegen Alexander Farnese gestritten hatten.
Da mußte man sich entschließen, das Schlachtfeld zu verlassen und seinen Rückzug zu Land zu nehmen, da die Flotte, auf die man eintretendenfalls rechnete, zerstört war. Trotz der Kaltblütigkeit der Führer, trotz der Tapferkeit der Mehrzahl begann eine Flucht in gräßlicher Unordnung.
In diesem Augenblick fiel der Unbekannte mit seiner Reiterei über die Flüchtlinge her und traf abermals bei der Nachhut Joyeuse mit seinen Matrosen, von denen er zwei Drittel auf dem Schlachtfelde zurückgelassen hatte.
Der junge Admiral ritt sein drittes Pferd, da ihm die andern getötet worden waren. Sein Schwert war zerbrochen, und er hatte aus den Händen eines verwundeten Matrosen eine von den gewichtigen Enteräxten genommen, die er mit derselben Leichtigkeit um sein Haupt schwang, mit der ein Schleuderer seine Schleuder schwingt. Von Zeit zu Zeit wandte er sich um und machte Front, wie ein Keiler, der sich nicht zur Flucht entschließen kann und in Verzweiflung gegen den Jäger umkehrt.
Die Flamländer, die gemäß der Ermahnung dessen, den sie Monseigneur nannten, ohne Panzer kämpften, waren leicht und behend in der Verfolgung, und gaben der französischen Armee nicht eine Sekunde Rast. Etwas wie ein Gewissensvorwurf oder wenigstens wie ein Zweifel erfaßte das Herz des Unbekannten diesem großen Unglück gegenüber.
»Genug, meine Herren, genug,« sagte er in französischer Sprache zu seinen Leuten; »sie sind diesen Abend von Antwerpen vertrieben und werden in acht Tagen aus Flandern vertrieben sein; verlangen wir nicht mehr vom Gott der Heere.«
»Ah! es war ein Franzose, es war ein Franzose,« rief Joyeuse, »ah! ich hatte es vermutet, Verräter, ah! sei verflucht, und möchtest du den Tod der Verräter sterben!«
Diese wütende Verwünschung schien den Mann zu entmutigen, den tausend gegen ihn erhobene Schwerter nicht hatten einschüchtern können; er wandte sein Pferd, und der Sieger floh beinahe ebensoschnell, wie die Besiegten. Doch dieser Rückzug eines einzigen änderte nichts an der Lage der Dinge; die Furcht ist ansteckend, sie hatte die ganze Armee ergriffen, und unter dem Gewichte eines wahnsinnigen Schreckens fingen die Soldaten an, in Verzweiflung zu fliehen.
Die Pferde belebten sich trotz der Müdigkeit, denn auch sie schienen unter dem Einfluß der Angst zu stehen; die Mannschaft zerstreute sich, um Zufluchtsorte zu suchen; in einigen Stunden war die Armee als Armee nicht mehr vorhanden.
Dies war der Augenblick, in dem nach dem Befehle Monseigneurs die Dämme sich öffneten, und die Schleusen aufgezogen wurden. Von Lier bis Termond, von Haesdonk bis Mecheln schickte jeder kleine Fluß, vergrößert durch seine Beiflüsse, jeder überströmende Kanal sein Teil an wütendem Wasser auf das Flachland.
Als die flüchtigen Franzosen, nachdem sie ihre Feinde ermüdet, haltzumachen anfingen, als sie endlich die Antwerpener nebst den Soldaten des Prinzen von Oranien nach ihrer Stadt zurückkehren sahen, als die unversehrt dem Blutbade in der Nacht Entgangenen sich gerettet glaubten und einen Augenblick atmeten, diese unter Gebeten, jene unter Gotteslästerungen, da entfesselte sich zur selben Stunde ein neuer, blinder, unbarmherziger Feind gegen sie, mit der Schnelligkeit des Windes, mit dem Ungestüm des Meeres; doch so nahe über ihrem Haupte die Gefahr schwebte, hatten die Flüchtlinge doch noch keine Ahnung von dem neuen Ungewitter, das sie zu umhüllen anfing.
Joyeuse hatte seinen auf achthundert Mann zusammengeschmolzenen Matrosen, den einzigen, die noch eine gewisse Ordnung behaupteten, Halt befohlen. Keuchend, ohne Stimme, nur noch durch drohende Gebärden sprechend, versuchte der Graf von Saint-Aignan, sein zerstreutes Fußvolk wieder zu sammeln.
An der Spitze der Flüchtlinge, auf einem vortrefflichen Pferde reitend und von einem Bedienten begleitet, der ein anderes an der Hand hielt, jagte der Herzog von Anjou fort und fort, ohne an irgend etwas zu denken.
»Der Elende hat kein Herz,« sagten die einen.