Die Gebrüder Kip
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Die Gebrüder Kip». Краткое содержание книги:
- Die wir aber in ihren Augen, wie in denen so vieler, wenn nicht aller anderen sind, vielleicht mit Ausnahme des Herrn Hawkins. Nun sage mir, wenn es uns gelänge, aus der Strafanstalt zu entfliehen, das bewußte Schiff zu erreichen und nach Amerika zu entkommen, sage mir: was würden wir damit gewonnen haben?
- Die Freiheit, Pieter, die Freiheit, die über alles geht!
- Nennst Du denn das schon Freiheit, Bruder, wenn wir genötigt sind, uns unter falschem Namen zu verbergen, sobald die Polizei aller Länder von unserer Flucht unterrichtet ist und wir überall von einer Auslieferung bedroht sind?, Nein, mein armer Karl, wenn ich mir vorstelle, welches Leben wir unter solchen Verhältnissen zu führen hätten, da frag' ich mich, ob es denn doch nicht besser wäre, im Bagno auszuharren, nicht ratsamer, hier zu warten, bis unsere Unschuld an den Tag kommt.«
Karl Kip erwiderte kein Wort. In seinem Innern tobte ein furchtbarer Kampf. Er erkannte gut genug das Gewicht und die Berechtigung der Gründe, die sein Bruder gegen einen Fluchtversuch ins Feld führte. Im Fall des Gelingens stand ihnen mit dem Kainszeichen des Verbrechens an der Stirne da draußen nur ein elendes Leben bevor. In den Augen der beiden Feniers und ihrer Genossen blieben die Gebrüder Kip doch wie bisher nur die Mörder des Kapitäns Gibson.
Die ganze Nacht sprachen sie in ähnlicher Weise über diese Angelegenheit weiter und Karl Kip mußte sich schließlich fügen. Für all und jeden, selbst für Hawkins, wäre eine Flucht gleich dem Eingeständnisse der Schuld gewesen.
Inzwischen wurden O'Brien, Macarthy und Farnham von einer leicht erklärlichen Unruhe verzehrt. Kein Zweifel, Farnham konnte sich nicht getäuscht haben: der Mann, der die Straße auf und ab ging, war jener Walter gewesen, durch den er die erste Mitteilung erhalten hatte. Ein in ein grünes Blatt gewickelter Zettel war am Fuße des betreffenden Baumes niedergelegt worden, doch wenn sich dieser nicht mehr vorfand, war er da etwa dem Kapitän-Kommandanten schon ausgehändigt worden? Dann wußte also Skirtle, daß unter den auf den Zettel angegebenen Umständen eine Flucht vorbereitet war, und daß es sich dabei um die beiden Irländer O'Brien und Macarthy, sowie um deren Landsmann Farnham handelte. Das hatte bestimmt die allerstrengsten Maßregeln gegen diese drei zur Folge, und sie konnten damit auf die Hoffnung verzichten, ihre Freiheit jemals wieder zu erlangen.
Bis zum Tagesanbruch warteten deshalb die Unglücklichen, daß bei ihnen Polizeisoldaten erscheinen würden, sie in die Kerkerzellen der Anstalt abzuführen.
Der nächste Tag war ein Sonntag, und an einem solchen wurden die Sträflinge nicht mit Arbeiten außerhalb der Anstaltsmauern beschäftigt. Die Hausordnung verpflichtete sie vielmehr, in der Kapelle dem Gottesdienste beizuwohnen, nach dessen Schlusse sie sich in den Anstaltshöfen aufhalten durften.
Als die Stunde zum Betreten der Kapelle schlug, fühlten O'Brien und Macarthy ihre Befürchtungen ein wenig schwinden; da man sie bis dahin unbehelligt gelassen hatte, schlossen sie daraus, daß der Kapitän-Kommandant von dem verhängnisvollen Zettel noch keine Kenntnis haben könne.
Sobald die Sträflinge ihren gewohnten Platz eingenommen hatten, begann der Geistliche die Sonntagsandacht, die durch keinen Zwischenfall gestört wurde. Die beiden Irländer saßen in ihrer Reihe nebeneinander und beobachteten Farnham, aus dessen Blicken sie deutlich »Nichts Neues« lesen zu können glaubten.
Auch der Kapitän Skirtle war in der Kapelle anwesend und nahm übrigens auf Anordnung der obersten Verwaltung immer an den Gottesdiensten teil. Seine Haltung verriet keine unruhige Besorgnis, und das wäre bestimmt nicht der Fall gewesen, wenn ihm eine Mitteilung über die geplante Flucht schon zu Ohren gekommen wäre.
Ubrigens bemerkten weder Farnham noch O'Brien und Macarthy, daß sie etwa besonders beobachtet würden. Sie konnten also fast mit Sicherheit annehmen, daß der Zettel vom Winde verweht worden sei und von ihm keine Spur wiedergefunden würde.
Als der Geistliche den Segen gesprochen hatte, womit er den Gottesdienst schloß, verließen die Sträflinge die Kapelle und begaben sich nach den Sälen, um dort ihr Frühstück zu verzehren. Dann zerstreuten sie sich in den Höfen, wo sie unter einzelnen Vorbauten Schutz suchten, da es eben zu regnen begann.
Pieter Kip hatte sich vorgenommen, O'Brien und Macarthy in einem der Höfe aufzusuchen, wo die Sträflinge einzelne Gruppen bildeten, was hier leichter war als in den Sälen, und hier wollte er ihnen den Zettel zustecken mit den Worten:
»Hier ist ein beschriebenes Blatt, das ich aufgehoben habe. Außer meinem Bruder und mir weiß kein Mensch etwas davon. Sie werden ja sehen, was Sie daraufhin zu tun haben.«
Dann wollte Pieter sich wieder zurückziehen.
Da es den Sträflingen hier unverwehrt war, miteinander zu plaudern, schien ja Pieter Kips Vorhaben mit keinerlei Gefahr verbunden zu sein. Es handelte sich ja nur darum, den Zettel O'Brien oder seinen Gefährten unter Angabe von dessen Auffindung in die Hände zu spielen.
Was aber leicht gewesen wäre, wenn die Sträflinge inmitten der Höfe Gruppen gebildet hätten, das mußte leider schwieriger werden, wenn sie sich unter den Vorbauten mehr zusammendrängten oder gar in die Säle zurückgingen: dort befanden sich die Insassen - es waren ihrer immer acht bis neun - weit mehr unter den Augen der Aufseher.
Wiederholte heftige Regengüsse veranlaßten sie aber gerade heute, noch vor der Zeit ihre Säle aufzusuchen. Die Höfe standen bald leer und weder Karl noch Pieter Kip hatte Gelegenheit gefunden, sich den beiden Irländern zu nähern.
Und doch war es von Wichtigkeit, O'Brien und Macarthy noch heute zu benachrichtigen.
Heute war schon der 4. Mai und der Zettel bestimmte den morgigen Tag zum Stelldichein an der Saint-Jamesspitze, wo das Boot die Flüchtlinge erwarten sollte.
Wie sie an diese Stelle gelangen könnten, das stellten sich die Gebrüder Kip etwa folgendermaßen vor: Am folgenden Tage mußten die Sträflinge in dem Teile des Waldes beschäftigt sein, den die Verwaltung niederlegen lassen wollte. Diese Arbeiten wurden gewöhnlich bis sechs Uhr abends fortgesetzt.
Dann kam, kurz vor der Wiedersammlung der Rotten zur Rückkehr nach Port-Arthur, für Farnham der Augenblick, wo er unter irgendwelchem Vorwande die Irländer bis zum Rande der Lichtung führen müßte, und das konnte nicht auffallen, da sich die Sträflinge ja unter den Augen eines Aufsehers befanden. Wenn die Rotten sich dann in Bewegung setzten, würde schwerlich jemand die Abwesenheit O'Briens, Macarthys und Farnhams schon bemerkt haben. Wäre das unglücklicherweise doch der Fall gewesen, so hätte der Oberaufseher freilich sofort das Alarmsignal geben lassen. Bei der hereinbrechenden Finsternis wäre es aber immerhin schwierig gewesen, in dem dichten Walde die Fährte der Flüchtlinge aufzuspüren.
Wurde ihre Flucht jedoch erst nach der Rückkehr der Rotten nach Port-Arthur offenbar, so donnerte ein Alarmschuß hinaus, der die ganze Halbinsel zu erhöhter Wachsamkeit aufrief. Da die Küste sich aber nur eine halbe Seemeile von der Lichtung befand, konnten die Flüchtlinge Zeit genug gehabt haben, die Saint-Jamesspitze zu erreichen. Lag hier das Boot schon für sie bereit, so bedurfte es nur weniger Ruderschläge, sie nach der »Illinois« in Sicherheit zu bringen. Der Dampfer hatte dann die ganze Nacht vor sich, aus der Storm-Bai herauszukommen, und bis Sonnenaufgang befand er sich schon zehn Meilen weit vom Kap Pillar draußen auf hoher See.