Die Verwandlung. Internationale SF- Erzählungen.
- Автор: Jeschke Wolfgang
- Год: 1996
- Язык: немецкий
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Verwandlung. Internationale SF- Erzählungen.». Краткое содержание книги:
Schließlich blieb nur noch ein scharfer Zacken von Bewußtsein übrig, ein Splitter von Empfindung, der das flammende Bild des Sonnenwesens aufspießte.
Es war kein Splitter von Haß oder Zorn. Es war ein Splitter von Neid.
Originaltiteclass="underline" ›THE SUN PERSON‹ • Copyright © 1992 by Stephen Baxter • Erstmals erschienen in ›Interzone‹, März 1993 • Mit freundlicher Genehmigung des Autors • Copyright © 1996 der deutschen Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München • Aus dem Englischen übersetzt von Hendrik P. und Marianne Linckens
Michael Bishop • USA
BOB DYLANS TAMBOURINE SOFTWARE & SATORI SUPPORT SERVICES KONSORTIUM, LTD.
»GONNA CHANGE MY WAY OF THINKING«
Daß Dylan seine musikalische Laufbahn aufgeben würde, um ein Impresario für Computer-Software zu werden, hätten nur wenige von uns ahnen können. Nicht daß diese weltberühmte Persönlichkeit – in ihren verschiedenen selbstbewußten Verkleidungen als tuberkulöser Poet, Blues-Gitarrist, chaplinesker Tramp, Folkrock-Hero, Bürgerrechts- und Antikriegs-Aktivist, elektrischer Surrealist, Country- und Western-Troubadour, selbsternannter Erbe von Elvis, charismatischer christlicher Balladensänger und reuiger Jude – in ihren erstaunlichen mehr als vierzig Jahren nicht jede Menge Verwandlungen durchlaufen hätte. Natürlich hatte Dylan sich schon ein dutzendmal neu erschaffen, immer auf eine Art, die unbestreitbar – wenn auch vielleicht etwas mysteriös – von seiner fortlaufenden Suche nach Selbstdefinierung, Sinn und einem letzten Ziel zeugte; kurz, von seiner Suche sowohl nach Heiligkeit als auch nach Gott.
Nun jedoch suchte Dylan all dies anscheinend in der modernen terra incognita des Mikrochips. Oder, wenn das zu übertrieben ist, in der neuen spirituellen Ästhetik eines Software-Entwicklers mit fast unbegrenztem Kapital, einer Publizität und einem Verteilernetz ohnegleichen und der Art von persönlicher Anziehungskraft, für die selbst ein dynamischer Vizepräsident einer Firma zum Mörder werden würde, ganz zu schweigen von einem mobilen, aufstrebenden Vertreter.
Aber Dylans jüngste Wendung um 180 Grad traf die Doyens der zeitgenössischen populären Kultur noch unvorbereiteter als sein Wechsel vom akustischen Folk zur harten, treibenden, elektrisch verstärkten Musik, den das Erscheinen des 1965er Albums Bringing It All Back Home dokumentiert. Sie verblüffte sie noch mehr als seine Metamorphose 1969 zu so was wie einem neuen, zu Hoffnung Anlaß gebenden Ernest Tubb mit einem Frosch im Hals. (Man höre sich Dylans disharmonisches Einleitungs-Duett mit Johnny Cash bei Girl Front the North Country auf Nashville Skyline an.) Ganz gewiß überraschte sie sie mehr als sein Wiederauftauchen Mitte der Siebziger als scharfer Sozialkritiker und Bilder produzierender Kartograph des menschlichen Herzens auf Alben wie Blood on the Tracks und Desire. Sie schockierte, beunruhigte und empörte sie auch mehr als Dylans Übernahme eines inbrünstigen religiösen Fundamentalismus; eine sinnverwirrende Änderung der Schutzfärbung, die unser Chamäleon der Welt auf seinem 1979er Album Slow Train Coming offenbarte.
Immerhin hatten sich die vorstehenden Verwandlungen im Kontext seiner Laufbahn als Musiker abgespielt, oder sie hatten zu ihrer Zufriedenheit doch zumindest in diesem Kontext Ausdruck gefunden.
Jetzt jedoch scheint er seine Musik – sein hauptsächlich und beredtestes Mittel zur Definition der Dillon-Rolle – völlig aufgegeben zu haben, nur um ein weiterer Fußsoldat in der Computer-Revolution zu werden. Wie fast jeder weiß, gibt es heute mehr Möchtegern-Programmierer als Möchtegern-Gitarristen oder Anfänger auf der Mundharmonika. Warum sollte da dieses einzigartige Talent in der amerikanischen Musik sein Geburtsrecht verwirken, um sich auf ein technologisches Unternehmen zu verlegen, das anscheinend zu etabliert war, als daß er damit klarkommen und es dann in Richtungen lenken konnte, die mehr Erfüllung brachten? Die Antwort liegt natürlich in Dylans Einschätzung des Unternehmens als einem Weg zur spirituellen Offenbarung – zur Heiligkeit und zu Gott –, der möglicherweise erfolgversprechender und lohnender war als das Schreiben von Songs oder die Selbstaufopferung auf der Bühne. Und selbstverständlich würde nur ein Dummkopf versäumen, die Skeptiker zu warnen, daß Dylan bei keiner Anstrengung, die er unternimmt, lange eine Null bleiben kann. Tatsächlich ist er in nur einem Jahr von einem (zugegebenermaßen finanziell gut ausgerüsteten) Fußsoldaten der Computer-Revolution zu einem (wahrhaft innovativen) Feldmarschall in den sich ständig ausweitenden Software-Kriegen dieses Landes geworden.
»ALL ALONG THE WATCHTOWER«
Dylan wurde in Duluth, Minnesota, geboren, lebte jedoch im nördlichen Teil des Staates New York, bevor er in den wärmeren Westen zog. Jetzt hat er sich nicht nur vom Musikmachen, sondern auch aus dem angetörnten Milieu Kaliforniens zurückgezogen, um in den Pfirsichstaat umzusiedeln. Obwohl vermutlich viele damit gerechnet hätten, daß er seine gerade den Kinderschuhen entwachsene Software-Firma in der Nähe seines ehemaligen Wohnortes Malibu gründen würde, hat er sich für Atlanta, Georgia, als Standort seiner Gesellschaft entschieden, nicht allein wegen der dortigen Hartriegelblüte im April und des häufig milden Februars, sondern auch wegen der attraktiven kommerziellen Anreize, die ihm sowohl von der schwarzen politischen Hierarchie der Stadt als auch von ihrer weißen Geschäftswelt geboten wurden. (Es heißt, die Aktivitäten des Bürgermeisters in der Bürgerrechtsbewegung zusammen mit Martin Luther King in den sechziger Jahren hätten für Dylan genauso viel gewogen wie die versprochene finanzielle Unterstützung der Coca-Cola-Gesellschaft.) Dylan selbst lebt in der kleinen Stadt Duluth – ein Beispiel für die Art leiser Selbstironie, die ihm immer Spaß gemacht hat – etliche Meilen nordöstlich von Atlanta. Jeden Tag fährt er mit seinen Partnern von der Fahrgemeinschaft in die Stadt; zwei von ihnen sind Angestellte seiner eigenen Firma auf Management-Ebene, der andere schreibt eine regelmäßige Kolumne im montäglichen Wirtschaftsteil der Atlanta Constitution.
Dylan taufte – der Ausdruck hat eine gewisse Berechtigung – seine Firma Tambourine Software & Satori Support Services (oder TS/3S, als ihr offizielles Börsenkürzel). Er selbst war der Autor ihrer ersten zehn oder zwölf Programme, die ein so populärer Zuwachs zu unserer universellen Software-Bibliothek wurden, daß sie immer noch wie warme Semmeln weggehen. (Mehr über die Programme selbst in einem späteren Teil meines Berichts.) Der Erfolg dieser ersten Programmpakete ermutigte Dylan, kreative Assistenten einzustellen, eine kleine Brigade von Programmtüftlern und Debuggern, eine enthusiastische Verkaufstruppe und ein Heer von Talentsuchern, die ständig nach jungen Männern und Frauen mit programmierbaren Einsichten in die grundlegende, BASIC-mäßig erfaßbare Beziehung von Gott zu Mensch und umgekehrt Ausschau hielten.
Die ersten drei kreativen Assistenten der Gesellschaft (wegen ihrer anderweitigen Verpflichtungen alle notgedrungen auf Teilzeitbasis angestellt) waren der umstrittene katholische Theologe Hans Küng aus der Schweiz, Lewis Thomas, Arzt, Schriftsteller und ehemaliger Direktor des Sloan-Kettering Krebszentrums, und Sherry Turkle, bestens bekannt für ihre Studie über Computer und menschliche Spiritualität, Das zweite Ich. Roger Staubach, früher Quarterback bei den Dallas Cowboys, gab TS/3S ebenfalls wertvollen phantasiereichen Input, wohingegen die Sängerin Emmy Lou Harris während der frühen Stadien der Firmenorganisation einen beruhigenden Einfluß auf alle ausübte, die anfällig für Panik waren.