Der heisse Himmel um Mitternacht
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11452-7
- Переводчик: Roland Fleissner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Der heisse Himmel um Mitternacht». Краткое содержание книги:
Farkas, der mit dem Rücken zum Fenster und der grandiosen Sternennacht stand, die ihn nicht zu beeindrucken schien, sagte zu Davidov: »Und wie schnell soll ich mich mit Olmo in Verbindung setzen?«
»Gleich als erstes morgen früh. Du rufst ihn an und sagst ihm, was los ist, und du gibst ihm bis Mittag, was zu unternehmen.«
»Ist denn das genug Zeit?«
»Es wird eben genug sein müssen«, sagte Davidov. »Das Mittagsshuttle zur Erde fliegt um Viertel nach zwölf. Falls was schiefläuft und Olmo nicht funktioniert, sollten wir damit abhauen. Wenn wir Olmo so 'ne kurze Frist setzen, hilft ihm das, sich besser auf seinen Job konzentrieren zu können.«
»Er wird das ganz bestimmt«, sagte Farkas. »Olmo weiß zu gut, was am besten für Olmo ist.« Er machte eine Pause. »Übrigens ist er über das Komplott informiert.«
Enron und Davidov äußerten gleichzeitig Erstaunen.
»Aber ja«, fuhr Farkas fort. »Er hörte schon vor geraumer Zeit über Gerüchte von der Sache, durch seine üblichen geheimen Informanten, nehme ich an. Schon lange bevor ich selbst in die Sache eingeschaltet war, wandte er sich an mich und fragte, ob ich ihm vielleicht behilflich sein könnte, die Verschwörer ausfindig zu machen. Schließlich ist es ja seine Aufgabe, nicht wahr, die Herrschaft des Don Eduardo Callaghan zu schützen. Aber ich sehe da keine Probleme. Meint ihr nicht, dass er die Chance packt, sich auf die Seite der Umstürzler zu stellen, sobald ihm bewusst wird, dass der Staatsstreich unvermeidlich ist?«
Jolanda fragte: »Was wird dann hinterher aus diesem Olmo? Können wir dem weiter trauen? Und wird er dann hier der neue Generalissimo sein?«
»Selbstverständlich«, sagte Farkas. »Seit langem besteht zwischen ihm und Kyocera schon die Abmachung, dass er der Nachfolger sein soll. Und obwohl es sich hier nicht um ein reines Kyocera-Projekt handelt und wir durch direktes Eingreifen das Ende des Callaghan-Regimes nur beschleunigen helfen, sind wir doch überzeugt, dass Olmo die beste Wahl als Nachfolger ist. Selbstverständlich sind wir nicht daran interessiert, Valparaiso Nuevo zu destabilisieren, sondern ausschließlich daran, uns die hier vorhandenen Ressourcen zunutze zu machen. Und dazu gehört eben Olmo.«
»Du hast ihn früher einmal als die Nummer Drei bezeichnet«, sagte Enron. »Wer ist die Nummer Zwei hier?«
»Ein alter Stierkämpfer namens Francisco Santiago, Callaghans Busenfreund aus der alten Zeit in Chile. Offiziell ist er Präsident des Staatsrats. Den kann man vergessen. Er ist neunzig und senil, und außerdem besitzt er keinerlei wirkliche Macht. Olmo wird sich um ihn kümmern.«
»Aber welche Garantie haben wir, dass dieser Olmo sich auch tatsächlich um die Entsorgung des Generalissimo kümmern wird?«, fragte Carpenter. »Für mich hört der sich bisher ziemlich glitschig an. Was ist, wenn er uns an Callaghan verkauft, gegen das Versprechen, seine Nachfolge anzutreten? Der Mann könnte doch ganz leicht versuchen, beide Seiten auszuspielen. So oder so kann er die Nachfolge in dem Laden hier übernehmen. Und dazu braucht er sich nicht die Finger mit einem Staatsstreich schmutzig zu machen.«
»Und?« Davidov wandte sich an Farkas. »Olmo ist dein Mann. Können wir ihm trauen?«
»Wir werden Olmo vor die Wahl stellen, entweder er lässt Don Eduardo im Stich und ist morgen Nachmittag selber Regierungschef in Valparaiso Nuevo – oder er stirbt mit dem Generalissimo und allen anderen, wenn das alles hier explodiert. Was meint ihr, wofür der sich entscheiden wird?«
»Und falls er dann hinterher beschließt, wenn alles erledigt ist, dass er lieber doch nicht mit einem Haufen von brutalen eiskalten Kriminellen aus Los Angeles gemeinsame Sache machen will und mit dem unheimlichen gespenstischen Multikonzern und dem Imperialstaat Israel, die hinter diesen kleinen Kriminellen stehen und sie finanzieren?«, fragte Carpenter.
Enron hieb sich in Verzweiflung die Hand auf die Stirn. Dagegen muss man doch etwas tun, dachte er.
»Begreifst du denn nicht«, sagte Enron mit eiskaltem Ton, »dass Kyocera und der Staat Israel eben deshalb in das Projekt eingestiegen sind, um das zu verhindern? Und dass Olmo nur eine Kreatur von Kyocera ist? Er ist nicht dumm genug, sich gegen die zu wenden, die ihn an die Macht gebracht haben. Und ich vermute, er hat auch kein Verlangen danach, Ärger mit Israel zu kriegen.«
»Wohl kaum«, sagte Carpenter.
»Also dann«, sagte Davidov. »So sei es. Die Bomben werden gerade zusammengebaut und heute Nacht platziert. Morgen um 07:00 Uhr setzt du dich mit Olmo in Verbindung, Farkas. Um exakt zwölf Uhr brauchen wir von ihm die Bestätigung, dass der Generalissimo tot ist, Codebezeichnung IDEN DES MÄRZ, sehr subtil und wunderbar passend. Wir warten bereits im Terminal. Unsere Ausreiseformalitäten sind geklärt. Wenn das Signal nicht zum festgesetzten Zeitpunkt kommt, gehen wir an Bord des Shuttle um 12:15 und fliegen weg. Carpenter, deine Aufgabe ist es, im Verlauf des Vormittags zum Terminal zu fahren und dort auf uns zu warten. Das Shuttle darf keinesfalls ohne uns abfliegen, hast du verstanden? Dafür bist du verantwortlich. Wenn nötig, verwickelst du dich mit den Beamten dort in irgendeine blöde Auseinandersetzung über deinen Pass oder sonst was, möglichst lautstark, oder was immer dir an Ablenkung geeignet scheint, den Start bis zu unserem Eintreffen zu verzögern oder bis du auf deinem Flex das Signal bekommst: IDEN DES MÄRZ!«
»Und was passiert mit den Bomben, wenn Olmo sich nicht meldet?«, fragte Jolanda. »Gehen die dann hoch?«
»Ihre Zeitzünder sind auf halb zwei gestellt. Damit bleibt uns ein gewisser Spielraum, falls Olmo in letzter Minute auf Schwierigkeiten stößt.«
»Und falls das so käme? Hauen wir dann einfach ab und das Ganze hier wird zerstört?«, fragte sie.
»Ja. Alles oder nichts«, sagte Davidov gelassen.
»Das mag ich aber gar nicht, Mike. Abgesehen von der moralischen Fragwürdigkeit, die recht bedeutsam ist, weil hier Tausende von unschuldigen Menschen leben, aber was für einen Nutzen würde das irgend jemand bringen, wenn wir das hier alles in die Luft jagen?«
»Olmo wird uns nicht enttäuschen«, sagte Davidov. »Das hier ist die große Chance für ihn, genau wie für uns.« Er stand auf. »Die Sitzung ist beendet«, sagte er. »Ihr wisst, wo ihr mich findet, wenn ihr mich braucht.«
»Möchte irgendwer was trinken?«, fragte Jolanda. »Drunten gibt's 'ne Bar.«
»Gehen wir runter«, sagte Carpenter.
Im Flur drängte sich Enron an Farkas' Seite.
»Könnte ich dich einen Moment sprechen?«, fragte er.
Farkas hatte Enron von Anfang an nicht gemocht, und im Verlauf ihrer Geschäftspartnerschaft waren diese Gefühle nicht wärmer geworden. Er konnte ihm seine Arroganz verzeihen, sein stures, verbissenes zielstrebiges Beharren auf einem Vorhaben, ungeachtet der dabei benutzten Mittel; selbst die kaum verhohlene Verachtung für jeden, der nicht das Glück hatte, Meshoram Enron zu sein, fand Farkas verzeihlich; er verstand derlei Verhaltensweisen durchaus.
Aber Enron nervte! Er war wie eine schillernde Fliege, die einem andauernd vor der Nase herumschwirrt. Er gab nie auf; und das war höchst ärgerlich. Aber alles in allem, sie waren Partner. Und Farkas wusste Enrons rasche quecksilbrige Intelligenz durchaus zu schätzen, auch wenn er seinen Charakter und seine Persönlichkeit und auch seine Tischmanieren nicht mochte. Also hörte er aufmerksam zu, was Enron ihm da in dem schäbigen engen Flur des bescheidenen Hotels in der Gemeinde Concepción in Speiche B von Valparaiso Nuevo zu sagen hatte.
Und was Enron ihm zu sagen hatte, war ärgerlich und eine Beleidigung: es ging nämlich nur darum, dass er, Farkas, es fertig gebracht hätte, durch seine Unachtsamkeit so ganz nebenbei einen Spion und Agenten der Samurai Industries in ihr gemeinsames, so delikates Kooperationsprojekt zu infiltrieren. Diese Beschuldigung traf Farkas zutiefst in seinem Gefühl für Kompetenz und Urteilsvermögen.