Der heisse Himmel um Mitternacht
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11452-7
- Переводчик: Roland Fleissner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Der heisse Himmel um Mitternacht». Краткое содержание книги:
Aber was ihn wirklich furchtbar ärgerte: Farkas war mehr als halb davon überzeugt, dass Enron möglicherweise recht haben könnte.
»Sieh die Sache doch mal so«, sagte Enron. »Wir haben da einen Mann, der unter komplizierten Umständen in einem Entscheidungsdilemma einen schweren Fehler machte und der dafür von Samurai gefeuert wurde, hauptsächlich aus Imagegründen bei Samurai, weil der Mann so dumm war, einen Haufen von Kyocera-Leuten in Seenot am Leben zu lassen, damit sie dann die Geschichte breittreten konnten; ein Typ, der jetzt im Multikonzernsystem nicht die geringsten Chancen mehr hat. Also hat er sich für ein Leben als Krimineller entschieden, ja? Genau! Aber wann hast du schon mal was von einem Angestellten mit Elferrang gehört, der gefeuert wurde, egal ob mit oder ohne Grund, der das ohne Widerspruch so einfach hingenommen hätte? Aus einem Elferrang wird niemand so einfach gefeuert. Keiner!«
»Aber du hast es ja gerade gesagt, was Carpenter getan hat, war ein sehr gravierender Entscheidungsfehler.«
»War es das wirklich? Er hatte einen klapprigen kleinen Eisbergschlepper und keinen Platz für zusätzliche Passagiere, und da warteten wer weiß wie viele von den Kyoceraleuten darauf, dass er sie an Bord nimmt. Was hättest denn du an seiner Stelle getan?«
»Ich hätte mich von Anfang an nicht so weit auf das Ganze eingelassen«, sagte Farkas.
»Genau. Aber angenommen, es wäre doch passiert?«
»Ja, aber weshalb reden wir jetzt darüber?«
»Weil ich glaube, dass Carpenter, nachdem er seine Karriere ein für allemal endgültig in der Geschäftswelt auf Grund gefahren hat, aber immer noch im Glauben, dass er noch dazugehört, vielleicht versucht, sich bei Samurai wieder in gutes Licht zu setzen, indem er Don Eduardo deinen und meinen Arsch verkauft.«
»Klingt ziemlich weit hergeholt.«
»Für mich nicht«, sagte Enron. »Überleg doch mal. Wer ist der beste Freund von Carpenter, schon seit ihren Jugendtagen? Der Spitzengenetiker von Samurai, Nick Rhodes. Wenn Carpenter im Dreck steckt, rennt er zu Rhodes, und Rhodes, der – unter uns gesagt – ein ziemlich konfuser, schüchterner Lahmarsch ist, der leider eben zum Glück für ihn ein Genie ist, sagt zu Carpenter, nehmen wir mal an, dass der sein Leben nur wieder in die Reihe kriegt, wenn er sich auf die Großindustriespionage verlegt. Und damit wird aus zwei Übeln vielleicht was Gutes: Du erwischst Kyocera oder Toshiba oder so etwas in der Größenordnung bei einer Schweinerei und lässt das so beiläufig die Oberschlitzaugen von Samurai wissen, damit die dem bösen Kerl auf die Patschen schlagen können, und pronto stehst du in der Firma wieder ganz hoch oben auf der Begünstigungsliste, sagt Rhodes zu ihm. Sagen wir, Rhodes sagt ihm, unsere liebe Jolanda hat sich morgen Abend einen gewissen Victor Farkas zum Dinner eingeladen, einen Topfighter von Kyocera; und du tauchst da auch auf und schmeißt dich an diesen Farkas ran, und dabei kriegst du vielleicht raus, dass Farkas für Kyocera irgendeine Gemeinheit plant, weil es zehn zu eins steht, dass Farkas in etwas Scheußliches verwickelt ist, und …«
»Du konstruierst da was ganz Großes aus dem Nichts«, sagte Farkas.
»Lass mich erst mal zu Ende reden, ja? Carpenter taucht also auf der Party auf, und irgendwie kommt ihr ins Gespräch, was von Anfang an geplant war. Carpenter lauert nur auf die Gelegenheit dazu, etwas Brauchbares in die Finger zu bekommen. Und auf einmal fühlst du dich dazu inspiriert und ziehst ihn in unser Projekt hinein, diesen völlig Fremden, einen Kerl, dessen Karriere bei Samurai Schiffbruch erlitt. Und weshalb tust du das? Das weiß nur der Himmel allein. Aber du tust es. Und für Carpenter ist das wie ein Wunder. Er wird Kyocera mit der Rolle bei etwas wirklich gigantisch Scheußlichen bloßstellen, neben dem seine paar in Seenot gelassenen Tintenfischfänger wirken werden wie eine harmlose Kinderfete. Don Eduardos Guardia wird uns verhaften, und dieser Carpenter steht als Held da. Und er bekommt eine neue Identität und rückt zwei Stufen nach oben.«
»Nach meiner Beurteilung besteht nicht die Wahrscheinlichkeit, dass deine Hypothese irgendwie …«
»Moment! Es kommt noch mehr! Wusstest du, dass er auch einer von Jolandas Liebhabern ist? Am Abend, an dem ich diesen ganzen Leuten zum ersten Mal begegnete, war Carpenter ihr Begleiter. Und er hat sie in der Nacht mit in sein Hotel genommen.«
Dieser unerwartete Hieb traf Farkas tief. Doch er parierte, so gut es ging.
»Na und? Sie ist ja nicht gerade wegen ihrer Sexualabstinenz berühmt.«
»Jolanda war in die Sache eingeweiht, bevor du oder ich dazukamen«, sagte Enron. »Sie hat mich dazu gebracht, ist dir das klar? Und jetzt hat sie ihren Freund Carpenter da ebenfalls mit hineingeschmuggelt, weil der in der Luft hängt und sie ihm helfen will. Jolanda weiß, dass Kyocera als einer der Drahtzieher bei diesem Staatstreich mitmischt, und dann findet Jolanda heraus, dass Samurai gerade ihrem Freund Carpenter die Eier abgeschnitten hat, um Kyocera einen Gefallen zu tun, und sie entdeckt eine Möglichkeit, wie sie sie ihm wiedergeben kann. Also veranstaltet sie dieses kleine Dinner, bei dem du ihm zufällig begegnest, ihn freundlicherweise ins Vertrauen ziehst und in unsere Projektplanung einbaust. Könnte es sein, dass sie dich genau dahin manövriert hat, damit ihr lieber Carpenter dich und mich und Davidov verkaufen kann – die ebenfalls Jolandas Bettgenossen waren, aber was spielt das schon für eine Rolle? – an die Guardia Civil, damit er sich so seine Karriere bei Samurai wieder aufbauen kann?«
»Du beschreibst sie, als wäre sie eine Teufelin«, sagte Farkas.
»Vielleicht ist sie ein Weibsdämon«, sagte Enron. »Oder vielleicht liebt sie diesen Carpenter, und wir anderen sind weiter nichts als Spielfiguren für sie.«
Farkas erwog das eine Weile bei sich.
Er fühlte sich tief verunsichert. Enron schien da zu einem ganzen Bündel von Schlussfolgerungen zu springen. Doch je länger er über die ganze Affäre nachdachte, desto deutlicher erkannte er, dass er durchaus von Carpenters Freunden dahingehend manipuliert worden sein könnte, etwas für den in Ungnade gefallenen Mann von Samurai zu unternehmen. Was für einen Grund gab es für ihn, Carpenter überhaupt in die Geschichte einzubeziehen, wenn nicht den, bei Jolanda Punkte zu gewinnen? Sie hatte ihn doch geradezu gedrängt, etwas zu tun, damit Carpenter wieder auf die Beine kam. Schön, und in einem wilden unkontrollierten Augenblick von Spontaneität hatte er sich auf dieser Party bei Jolanda hinreißen lassen; und damit hatte er sie alle – sich selbst, Davidov, Enron, sogar die Firma als solche – unnötigerweise auf sträflich erschreckende Weise verletzbar gemacht.
War es wirklich möglich, überlegte er, dass er sich in seiner schuljungenhaften Verliebtheit in die üppigen seidigen Schenkel und prachtvollen Brüste dieser Frau aus Kalifornien zu einer dermaßen katastrophalen Torheit hatte verrennen können?
»Ich glaube, ich muss mal mit Jolanda sprechen«, sagte er zu Enron.
Jolanda und Carpenter saßen in der Bar: an einem Tisch, einander gegenüber; es sah keineswegs kompromittierend aus. Als Enron und Farkas herankamen, entschuldigte sich Carpenter und verschwand in Richtung Toiletten.
»Keine schlechte Idee«, sagte Enron. »Lässt du mir einen Scotch-Soda kommen, Jolanda?«
Während Enron hinter Carpenter herging, setzte sich Farkas neben Jolanda. Mit gedämpfter Stimme, als könnte Enron ihn sogar noch durch die halbe Bar hindurch hören, bat er: »Bleibst du heute Nacht bei mir?«
»Es geht nicht. Das weißt du doch. Marty wäre wütend.«
»Bist du mit ihm verheiratet?«
»Wir reisen zusammen. Wir haben hier ein gemeinsames Hotelzimmer. Da kann ich doch nicht so einfach mit dir weggehen.«