Die Pflicht zu schweigen
- Автор: Шелдон Сидни
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Die Pflicht zu schweigen». Краткое содержание книги:
Über den Autor
Sidney Sheldon, geboren 1917, war ein absolutes Phänomen in der internationalen Buchwelt. Erst mit fünfzig schrieb er seinen ersten Roman Das nackte Gesicht. Seither sind von zahlreiche Bücher erschienen, jedes ein Weltbestseller, jedes in viele Sprachen übersetzt und alle verfilmt. Sidney Sheldon lebte abwechselnd in Los Angeles, Palm Springs und London. 2007 verstarb der Autor.
Ungekürzte Ausgabe Titel der Originalausgabe: Nothing Lasts Forever Originalverlag: William Morrow and Company, Inc., New York
Es war Juli, als die neuen Assistenzärzte ankamen. Wie immer erhob sich der Verwaltungspräsident des Krankenhauses, Dr. Benjamin Wallace, um die Neuankömmlinge zu begrüßen. Wallace war die Verkörperung eines Politikers, ein großer, eindrucksvoll wirkender Herr ohne große Fähigkeiten, aber mit genügend Charme, um sich zu dieser verantwortungsvollen Position hochgearbeitet zu haben.
»Ich möchte Sie alle als unsere neuen Assistenzärzte begrüßen. In den ersten zwei Jahren Ihres Medizinstudiums an der Universität haben Sie an Leichen gearbeitet; in den abschließenden zwei Jahren haben Sie unter der Aufsicht erfahrener Ärzte an Krankenhauspatienten gearbeitet. Von jetzt an sind Sie persönlich für Ihre Patienten verantwortlich. Es ist eine furchteinflößende Verantwortung, die Sie nun übernehmen; sie erfordert Hingabe, Einsatz und Können.«
Er ließ seinen Blick über die Zuhörerschaft gleiten. »Manche von Ihnen werden in der Chirurgie, andere in der Inneren Medizin tätig sein. Beide Gruppen werden jeweils einem Oberassistenzarzt zugeordnet, der Sie in die tägliche Routine einweisen wird. Von nun an geht es bei allem, was Sie tun, um Leben oder Tod.«
Sie hörten aufmerksam zu, ja hingen ihm förmlich an den Lippen.
»Das Embarcadero ist ein Bezirkskrankenhaus. Das heißt: Wir nehmen alle auf, die an unsere Tür anklopfen. Unsere Patienten sind überwiegend arm und mittellos. Sie kommen zu uns, weil sie sich eine Privatklinik nicht leisten können. Unsere Notfallstationen sind Tag für Tag vierundzwanzig Stunden lang aktiv. Sie selbst werden hier überarbeitet und unterbezahlt sein. In einem Privatkrankenhaus würde man Ihnen in Ihrem ersten Assistenzjahr nur kleine Routinesachen überlassen; im zweiten Assistenzjahr wäre es Ihnen dann gestattet, dem Chirurgen ein Skalpell zu reichen, und im dritten Jahr dürften Sie schließlich unter Aufsicht kleinere chirurgische Eingriffe vornehmen. Bitte, das alles können Sie hier vergessen. Bei uns lautet die Devise: >Zuschauen, selber machen, andere lehren.<
Wir sind stark unterbesetzt, und je rascher wir Sie im Operationssaal arbeiten lassen können, desto besser. Gibt es noch Fragen?«
Es gab Millionen von Fragen, welche die neuen Assistenzärzte ihm nur zu gern gestellt hätten.
»Keine Fragen? Gut. Morgen ist Ihr erster offizieller Tag. Sie werden sich morgen früh um fünf Uhr dreißig am Hauptempfang melden. Viel Glück!«
Die Einführung war vorbei. Es gab ein allgemeines Gedränge zu den Türen hin und leises, aufgeregtes Gemurmel. Die drei Frauen standen beisammen.
»Wo sind nur die anderen Frauen geblieben?«
»Ich fürchte, daß wir die einzigen sind.«
»Das ist ja wie im Studium, nicht wahr? Eine richtige Männergesellschaft. Ich hab' fast den Eindruck, daß hier noch mittelalterliche Zustände herrschen.«
Die Worte kamen aus dem Mund einer makellos schönen schwarzen Frau; sie war an die ein Meter achtzig groß und trotz ihres kräftigen Knochenbaus von unglaublicher Anmut. Ihr Gang, ihre Haltung, der kühle, fragende Ausdruck ihrer Augen - alles an ihr verriet Reserviertheit und Distanz. »Ich bin Kate Hunter. Man nennt mich Kat.«
»Paige Taylor.« Jung, freundlich, klug wirkend, selbstsicher.
Die Blicke der beiden richteten sich auf die Dritte im Bunde. »Betty Lou Taft. Aber alle nennen mich Honey.« Sie sprach mit dem weichen Akzent der Südstaaten. Sie hatte ein offenes, argloses Gesicht, sanfte graue Augen und ein warmes Lächeln.
»Und woher kommst du?« wollte Kat wissen.
»Aus Memphis, Tennessee.«
Kat und Honey schauten neugierig zu Paige. Paige fand es ratsamer, eine unkomplizierte Antwort zu geben, und sagte: »Aus Boston.«
»Ich bin aus Minneapolis«, erklärte Kate und dachte sich: Das kommt der Wahrheit nahe genug.
»Scheint so, als wären wir alle drei weit weg von zu Hause. Wo wohnt ihr hier?«
»In einem Hotel, in dem es von Flöhen wimmelt«, erwiderte Kat. »Ich hab' noch keine Zeit gehabt, mir eine feste Unterkunft zu suchen.«
»Ich auch nicht«, sagte Honey.
Paige begann plötzlich zu strahlen. »Ich habe mir heut' morgen ein paar Wohnungen angesehen, und darunter war eine, die war phantastisch, nur könnte ich sie mir nie leisten. Sie hätte aber drei Schlafzimmer.«
Die drei wechselten einen Blick.
»Wenn wir sie uns teilen würden.«, meinte Kat.
Die Wohnung lag im Bezirk Marina, an der Filbert Street, und für die drei jungen Frauen geradezu ideaclass="underline" 3 Schlfz./2 Bd., neue Tpp-che., Wschk., Gge., aller Komft. Die Möbel stammten aus einer frühen Sears & Roebuck-Generation, aber alles war sauber und ordentlich.
Nach der gemeinsamen Besichtigung meinte Honey: »Ich finde sie wundervoll.«
»Ich auch!« stimmte Kat zu.
Sie wandten sich mit einem fragenden Blick an Paige.
»Dann nehmen wir sie!«
Am Nachmittag zogen sie ein. Der Hausmeister half ihnen beim Hinauftragen des Gepäcks.
»Am Krankenhaus arbeit'n Se also«, meinte er. »Seid wohl Krankenschwestern, was?«
»Ärztinnen«, korrigierte ihn Kat.
Er musterte sie mit ungläubiger Miene. »Ärztinnen? Ehrlich? Richtige Dokters?«
»Jawohl, richtige Ärztinnen.«
Er stieß hervor: »Also, ehrlich, wenn ich ärztliche Behandlung braucht' - dann werd' ich mich sicher nich' von 'ner Frau untersuchen lassen.«
»Wir werden es uns merken.«
»Wo ist der Fernseher?« wollte Kat wissen. »Ich kann nirgends einen sehen.«
»Wenn Se 'n Fernseher woll'n, müssen Se sich selber einen kaufen. Viel Spaß mit der Wohnung, meine Damen - ähem, Dokters.« Er gluckste.
Ihre Blicke folgten ihm, als er hinausging.
Kat ahmte seinen Tonfall nach. »Seid wohl Krankenschwestern, wie?« Sie schnaubte verächtlich. »So ein Chauvi! Na schön. Dann wollen wir uns mal unsere Schlafzimmer aussuchen.«
»Mir ist jedes recht«, erklärte Honey mit weicher Stimme.
Sie schauten sich die drei Schlafzimmer noch einmal gründlich an. Der Elternschlafraum war von allen der größte.
»Warum nimmst du ihn nicht, Paige?« meinte Kat. »Du hast die Wohnung schließlich gefunden.«