Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Nie sollst Du vergessen - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Nie sollst Du vergessen

Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:

In einer regnerischen Nacht wird Eugenie Davies in London von einem Autofahrer getötet. Ein Unfall ist definitiv auszuschließen: Die Frau wurde frontal angefahren und danach mehrmals absichtlich mit dem Wagen überrollt. Doch was hatte Eugenie Davies so spät am Abend überhaupt in der Stadt zu suchen? Und warum trug sie einen Zettel mit dem Namen genau des Mannes bei sich, der später ihre Leiche findet? Für Inspector Thomas Lynley, in dessen Privatleben sich zur selben Zeit dramatische Veränderungen ankündigen, sind diese Fragen nur der Auftakt zu Ermittlungen, in deren Verlauf er auf einem gefährlich schmalen Grat zwischen persönlicher Loyalität und beruflicher Ehre wandert. Denn schon bald stellen Lynley und Sergeant Barbara Havers betroffen fest, dass ihr Chef Superintendent Webberly, der mehr über Eugenie Davies zu wissen scheint, als er preisgibt, versucht, sie bei der Auswertung von Erkenntnissen zu behindern. Für Lynley und Havers steht ihre berufliche Laufbahn auf dem Spiel, doch sie sind schon viel zu tief in den Fall eingedrungen, um sich noch zurückziehen zu können. Denn die Familie Davies nährt einen tödlichen Kreislauf aus Versagen, Wut und Gewalt, der immer weitere Opfer fordert…
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
1 ... 85 86 87 88 89 90 91 92 93 ... 234
Перейти на страницу:

Meine Mutter erklärt mir, dass er von der Polizei ist und mir einige Fragen stellen möchte, ich brauche aber keine Angst zu haben, sie werde bei mir im Zimmer bleiben. Sie setzt sich aufs Sofa und klopft neben ihrem Oberschenkel auf das Polster. Und als ich mich zu ihr setze, legt sie mir den Arm um die Schultern. Ich spüre, dass sie zittert, als sie sagt: »Bitte, fangen Sie an, Inspector.«

Sie hat vermutlich seinen Namen genannt, aber ich kann mich nicht an ihn erinnern. Ich erinnere mich jedoch, dass er einen Sessel ganz dicht zu uns heranzieht und sich vorbeugt. Er hat die Ellbogen auf die Knie gestützt und die Arme erhoben, sodass er das Kinn auf den ausgestreckten Daumen ruhen lassen kann. Ich rieche Zigarren. Der Qualm sitzt wahrscheinlich in seinen Kleidern und seinem Haar. Es ist kein unangenehmer Geruch, aber ich bin ihn nicht gewöhnt und drücke mich, davor zurückschreckend, an meine Mutter.

Er sagt: »Deine Mama hat Recht, mein Junge. Du brauchst keine Angst zu haben. Niemand wird dir etwas tun.« Während er spricht, drehe ich den Kopf und schaue zu meiner Mutter hinauf. Aber sie hält den Blick starr auf ihren Schoß gerichtet. In ihrem Schoß liegen unsere Hände, ihre Hand und meine, die sie zuvor ergriffen hat, um uns noch mehr miteinander zu verbinden: durch ihren Arm, der um meine Schultern liegt, durch unsere Hände. Sie drückt mir die Hand, aber sie sagt nichts zu den Worten des rotblonden Polizeibeamten.

Der fragt mich, ob ich weiß, was meiner Schwester zugestoßen ist. Ich antworte, ich wisse, dass Sosy etwas Schlimmes passiert ist. Es waren ganz viele Menschen im Haus, berichte ich ihm, und dann haben sie sie ins Krankenhaus gebracht.

»Deine Mama hat dir sicher schon gesagt, dass sie jetzt beim lieben Gott ist.«

Und ich sage, Ja, Sosy ist beim lieben Gott.

Er fragt mich, ob ich weiß, was das heißt, beim lieben Gott sein.

Ich antworte ihm, dass es heißt, dass Sosy gestorben ist.

»Weißt du, wie sie gestorben ist?«, fragt er.

Ich lasse den Kopf sinken. Ich schlage mit den Fersen gegen das Sofa und sage, dass ich jetzt eigentlich drei Stunden Geige üben sollte, dass Raphael mir etwas aufgegeben hat - irgendein Allegro, glaube ich, war es -, und ich nur dann nächsten Monat Mr. Stern kennen lernen darf, wenn ich es richtig kann. Meine Mutter beugt sich vor und bringt meine Beine zur Ruhe. Ich solle versuchen, dem Inspector zu antworten, sagt sie.

Ich weiß die Antwort. Ich habe das Poltern der vielen Menschen gehört, die die Treppe hinauf zum Badezimmer gelaufen sind. Ich habe die Schreie in der Nacht gehört. Ich habe auf die flüsternden Stimmen gehorcht. Ich bin mitten hineingeplatzt in heftige Fragen und Vorwürfe. Ich weiß, was meiner kleinen Schwester zugestoßen ist.

In der Badewanne, sage ich. Sosy ist in der Badewanne gestorben.

»Wo warst du denn, als Sosy starb?«, fragt er.

Ich habe Musik gehört, antworte ich.

An dieser Stelle schaltet meine Mutter sich ein und erklärt dem Polizeibeamten, dass ich auf Raphaels Anordnung mir zweimal täglich bestimmte Musikstücke anhören muss, weil ich nicht so gut spiele, wie ich eigentlich sollte.

»Du bist also ein kleiner Fiedler?«, sagt der Polizeibeamte freundlich zu mir.

»Ich bin Geiger, kein Fiedler«, gebe ich zur Antwort.

»Ach so.« Der Polizeibeamte lächelt. »Geiger. Jetzt weiß ich Bescheid.« Er setzt sich bequemer hin, legt die Hände auf die Oberschenkel und sagt: »Deine Mama hat mir gesagt, mein Junge, dass sie und dein Dad dir noch nicht genau erklärt haben, wie deine kleine Schwester gestorben ist.«

In der Badewanne, wiederhole ich. Sie ist in der Badewanne gestorben.

»Das ist richtig. Aber es war kein Unfall, mein Junge. Jemand hat deiner kleinen Schwester wehgetan. Mit Absicht. Weißt du, was das bedeutet?«

Ich denke sofort an Stöcke und Steine, und das sage ich auch. Jemandem wehtun bedeutet, mit Steinen nach ihm werfen, sage ich. Oder jemandem ein Bein stellen, damit er hinfällt, oder schlagen und kneifen und beißen. Ich sehe Sosy all diesen Quälereien ausgesetzt.

Der Polizeibeamte sagt: »Ja, das ist eine Art, jemandem wehzutun. Aber es gibt noch eine andere Art, die Art, wie ein Erwachsener einem Kind wehtut. Weißt du, was ich meine?«

Wenn man Schläge kriegt, sage ich.

»Schlimmer.«

An dieser Stelle tritt mein Vater ins Zimmer. Ist er gerade von der Arbeit nach Hause gekommen? War er überhaupt arbeiten? Wie lange nach Sonias Tod findet dieses Gespräch statt? Ich versuche, die Erinnerung in einen Zusammenhang zu bringen, aber ich kann nur sagen, wenn die Polizei noch dabei ist, der Familie Fragen über Sonias Tod zu stellen, dann muss es vor der Festnahme Katjas gewesen sein.

Mein Vater sieht sofort, was los ist, und macht der Sache ein Ende. Daran erinnere ich mich. Und dass er wütend war, sowohl auf meine Mutter als auch auf den Polizeibeamten.

»Was geht hier vor, Eugenie?«, sagt er scharf, während der Polizist aufsteht.

»Der Inspector wollte Gideon ein paar Fragen stellen«, antwortet sie.

»Warum?«

»Jeder muss befragt werden, Mr. Davies«, erklärt der Polizeibeamte.

Mein Vater entgegnet: »Sie vermuten doch nicht im Ernst, dass Gideon

Meine Mutter ruft ihn beim Namen. Genauso wie Großmutter immer »Jack« ruft, wenn sie hofft, eine »Episode« abwehren zu können.

Mein Vater befiehlt mir, in mein Zimmer zu gehen, und der Polizeibeamte sagt daraufhin, er zögere das Unvermeidliche nur hinaus. Ich weiß nicht, was er meint, aber ich gehorche meinem Vater - wie immer - und verlasse das Zimmer. Ich höre den Inspector noch sagen: »Das macht alles nur noch beängstigender für den Jungen«, und meinen Vater heftig erwidern: »Ich will Ihnen mal was sagen -« Dann wird er von Mutter unterbrochen, die mit brüchiger Stimme ruft: »Bitte, Richard!«

Meine Mutter weint. Daran sollte ich mich eigentlich mittlerweile gewöhnt haben. Immer in Grau und Schwarz gekleidet, immer bleich, weint sie seit mehr als zwei Jahren unablässig, so scheint es. Aber ob sie nun weint oder nicht, sie kann die Situation an diesem Tag nicht ändern.

Vom Zwischengeschoss aus sehe ich den Polizeibeamten gehen. Meine Mutter bringt ihn zur Tür. Er spricht mit ihr, sie hält den Kopf gesenkt, während er sie unverwandt ansieht und die Hand ausstreckt, um sie zu berühren, es aber dann doch nicht tut. Dann ruft mein Vater nach meiner Mutter, und sie dreht sich um. Sie sieht mich nicht auf ihrem Weg zurück zu ihm. Hinter der geschlossenen Tür schreit mein Vater sie an.

Hände umfassen meine Schultern, und ich werde vom Treppengeländer weggezogen. Ich drehe mich um, SarahJane Beckett steht hinter mir. Sie geht neben mir in die Hocke und legt mir den Arm um die Schultern, wie zuvor meine Mutter, aber sie zittert nicht. So bleiben wir einige Minuten lang - und die ganze Zeit hören wir die Stimmen meiner Eltern, laut und scharf die meines Vaters, zaghaft und furchtsam die meiner Mutter. »… Das kommt mir nicht wieder vor, Eugenie«, sagt mein Vater. »Ich erlaube es nicht. Hast du mich verstanden?«

Ich nehme mehr als Zorn in seiner Stimme wahr. Ich nehme Gewalt wahr, die gleiche Art von Gewalt wie bei meinem Großvater, Gewalt, die einem zerbrechenden Geist entspringt. Ich habe Angst.

Suchend sehe ich zu Sarah-Jane hinauf. Aber was suche ich denn? Schutz? Bestätigung dessen, was ich von unten höre? Ablenkung? Egal was, alles. Aber sie ist starr vor Spannung, ihr Blick unverwandt auf die Wohnzimmertür gerichtet. Fasziniert starrt sie auf diese Tür, und ihre Finger krampfen sich immer fester um meine Schultern, bis es wehtut. Ich stoße einen leisen Schmerzenslaut aus und blicke zu ihrer Hand hinunter. Abgekaute, rissige Fingernägel, die Nagelhaut entzündet und blutig. Aber ihr Gesicht glüht, sie atmet tief und macht keine Bewegung, bis das Gespräch unten abbricht und Schritte auf dem Parkettboden laut werden. Da nimmt sie mich rasch bei der Hand und zieht mich mit sich die Treppe hinauf in die zweite Etage, vorbei an der geschlossenen Tür des Kinderzimmers, zurück zu meinem Zimmer, wo die Schulbücher wieder aufgeschlagen sind und eine Karte den Amazonas zeigt, der wie eine Giftschlange über den ganzen Kontinent kriecht.

1 ... 85 86 87 88 89 90 91 92 93 ... 234
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)