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Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:

1825 wird eine franko-kanadische Verschwörung gegen die englische Regierung in Kanada verraten. Aber der Verräter verzweifelt an seiner Schuld und erschießt sich. Nun setzt die Familie alles daran, dieses Verbrechen zu sühnen, bis ihr guter Name wieder hergestellt ist. In spannenden Episoden schildert uns Verne das Schicksal der beiden Söhne des Verräters, die für ein freies Kanada kämpfen -bis zum bitteren Ende. Ein Abenteuerroman vor historischem Hintergrund, bei dem auch die kanadischen Indianer eine wichtige Rolle spielen.
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Vincent Hodge bemühte sich, ihn mit sich fortzuziehen. In demselben Augenblicke wurde Herr de Vaudreuil von einer Kugel mitten in die Brust getroffen und konnte nur noch die Worte murmeln:

»Meine Tochter!. Hodge!. Meine Tochter!«

Johann, der herbeigeeilt war, hörte das.

»Retten Sie Clary!« rief er Vincent Hodge zu.

Bei diesem Ausruf stürzten sich wohl ein Dutzend Freiwilliger auf ihn. Sie hatten den Helden wiedererkannt. Welches Glück für sie, wenn sie sich des berühmten Johann ohne Namen bemächtigen und ihn lebendig in das Lager von Chippewa befördern konnten!

Mit einer letzten Anstrengung streckte Johann zwei Freiwillige, die ihn schon packen wollten, nieder und verschwand inmitten einer Gewehrsalve, von der ihn keine Kugel traf.

Der schwerverwundete Vincent Hodge dagegen wurde neben der Leiche des Herrn des Vaudreuil zum Gefangenen gemacht.

Wohin wendete sich aber Johann ohne Namen? Kam ihm vielleicht der Gedanke, jetzt noch weiter zu leben, nachdem die besten Patrioten getödtet oder in die Hände der Königlichen gefallen waren?

O nein - doch das letzte Wort des Herrn de Vaudreuil war ja der Name seiner Tochter gewesen.

Da Vincent Hodge diese jetzt nicht mehr retten konnte, wollte er das thun, wollte sie zwingen, zu entfliehen, sie nach dem amerikanischen Ufer begleiten, und dann gedachte er zu seinen noch kämpfenden Gefährten zurückzukehren.

Allein vor dem Hause stehend, horchte Clary auf das Getöse des Kampfes - auf die Aufschreie der Wuth, auf die Klagen des Schmerzes, welche sich mit dem Knattern der Gewehre mischten.

Dieses Getöse kam gleichzeitig mit dem Aufleuchten des Flintenfeuers immer näher an sie heran. Schon hatten sich gegen fünfzig, meist verwundete Patrioten in die Boote geworfen und steuerten nach dem Dorfe Schlosser hinüber.

An der Insel befand sich nichts mehr als der kleine Dampfer »Caroline«, schon überfüllt von Flüchtlingen, der eben den südlichen Arm des Niagara überschreiten sollte.

Plötzlich erschien Johann überdeckt mit Blut - mit dem Blute der Königlichen - aber heil und gesund, nachdem er vergeblich den Tod gesucht und diesen zwanzigmal ausgetheilt hatte.

Clary lief auf ihn zu.

»Mein Vater? fragte sie.

- Ist todt!«

Johann antwortete ihr so ohne Umschweife, damit Clary sich nicht weigern wollte, die Insel zu verlassen.

Johann fing das junge Mädchen, welches umzusinken drohte, in dem Augenblick in seinen Armen auf, wo die Freiwilligen schon das Haus umzingeln wollten, um ihm den Rückzug abzuschneiden. Mit der theuren Last dahin springend, eilte er auf die »Caroline« zu und legte das junge Mädchen auf dem Deck derselben nieder; dann richtete er sich wieder auf.

»Gott befohlen, Clary!« sagte er.

Schon betrat er wieder den Landgang des Fahrzeuges, um aufs Ufer zu springen.

Bevor sein Fuß aber die Erde berührte, wurde Johann, von zwei Kugeln getroffen, auf das Hintertheil des Schiffes hingestreckt, während die »Caroline« unter vollem Dampfe davonfuhr.

Beim Aufblitzen der Gewehrschüsse war Johann von ihn verfolgenden Freiwilligen erkannt worden, welche unaufhörlich schrien:

»Eine Kugel für Johann ohne Namen!. Hurrah, getödtet!«

Bei diesen Ausrufen fand Clary die Besinnung wieder und erhob sich vom Verdeck.

»Todt!. stammelte sie, während sie sich zu ihm hinschleppte.

Einige Minuten später lag die »Caroline« schon am Quai von Schlosser fest. Hier konnten die Flüchtlinge, welche sich an Bord derselben befanden, sich in Sicherheit glauben, da sie jetzt unter dem Schutze der Bundesbehörden standen.

Einige begaben sich denn auch aus Land; da der einzige Gasthof des Dorfes aber sehr schnell überfüllt war und bis zu den Gasthäusern des Niagara-Falls ein Weg von mindestens drei Meilen längs des rechten Stromufers zurückzulegen war, zogen es die Meisten vor, in den Cabinen des kleinen Dampfbootes zu bleiben.

Es war jetzt um acht Uhr Abends.

Auf dem Verdeck ausgestreckt, ruhte Johann noch immer. Clary kniete neben ihm, stützte seinen Kopf und sprach auf ihn. Er gab keine Antwort; vielleicht hörte er sie gar nicht.

Clary blickte um sich. Wo sollte sie Hilfe suchen inmitten dieser Verwirrung, in dem von Flüchtigen vollgestopften Dorfe mit den zahlreichen Verwundeten, denen Aerzte und Arzneimittel fehlten?

Da sah Clary ihr ganzes Leben an ihrem geistigen Auge vorüberziehen. Ihr Vater gefallen für die nationale Sache!. Der, den sie liebte, sterbend in ihren Armen, nachdem er bis zur letzten Stunde heldenmüthig gekämpft! Jetzt stand sie allein in der Welt, ohne Vaterland, eine leichte Beute der Verzweiflung.

Nachdem sie Johann mit einer Sonnenzeltleinwand bedeckt, um ihn gegen die beißende Kälte zu schützen, untersuchte Clary, die sich über den Verwundeten neigte, ob sein Herz nicht noch leise schlüge, ob nicht ein Laut über seine Lippen kommen werde.

In der Ferne, an der anderen Seite des Flusses, krachten noch die letzten Flintenschüsse, deren Aufblitzen zuweilen die Baumgruppen der Insel Navy durchleuchtete.

Endlich schwieg Alles und das Thal des Niagara bettete sich in düstere Todtenstille.

Unwillkürlich stammelte das junge Mädchen den Namen ihres Vaters und auch den Johanns, da sie sich sagte - und das schnitt sie ins Herz - der junge Patriot könne vielleicht mit dem Gedanken sterben, auch noch über das Grab hinaus von dem Fluche der Menschen verfolgt zu sein. Dann betete sie für den Einen wie für den Anderen.

Plötzlich erbebte Johann; sein Herz klopfte etwas lebhafter. Clary rief ihn an.

Johann antwortete nicht.

Zwei Stunden gingen so dahin; Alles ruhte an Bord der »Caroline«.

Kein Laut aus den Cabinen - kein Geräusch auf dem Verdeck. Nur Clary wachte hier allein, gleich einer barmherzigen Schwester am Lager eines Sterbenden.

Die Nacht war sehr dunkel. Schwerfällig wälzten sich die Wolken über dem Strome hin. Lange Nebelschleier hingen an den Skeletten der Bäume, deren von Rauhfrost bedeckte Zweige längs des Ufers hinausstarrten.

Kein Mensch vermochte da vier Boote wahrzunehmen, welche, die Spitze der Insel stromaufwärts umfahrend, geräuschlos an dem Ufer von Schlosser dahinglitten.

Diese Boote waren besetzt von ungefähr fünfzig Kronfreiwilligen unter dem Befehl des Lieutenant Drew, von der königlichen Miliz. Auf Anordnung des Oberst Mac Nab stand jener Officier unter Mißachtung allen Völkerrechts im Begriff, eine Missethat auszuführen, welche an roher Grausamkeit in amerikanischen Gewässern nicht ihres Gleichen hatte.

Unter seinen Leuten befand sich ein gewisser Mac Leod, der in der nächsten Folgezeit sehr ernste internationale Verwickelungen heraufbeschwören sollte.

Die vier durch Ruder ganz geräuschlos fortgeführten Boote glitten über den rechten Arm des Niagara, legten sich dicht neben die Bordwand der »Caroline« und begannen da ein schreckliches Gemetzel.

Die verwundeten oder schlafenden Passagiere konnten sich nicht wehren; sie stießen verzweifelte Schreie aus. Vergeblich. Nichts hätte die Wuth jener elenden Schurken zu dämpfen vermocht, unter denen Mac Leod, die Pistole in der einen, die Axt in der anderen Hand, wie ein Cannibale seine Opfer abschlachtete.

Johann hatte das Bewußtsein noch nicht wieder erlangt. Voller Entsetzen beeilte sich Clary das Zeltdach so weiter auszubreiten, daß es sie Beide verhüllte.

Inzwischen hatten doch einige Passagiere flüchten können, sei es, daß sie auf die Landungsbrücke von Schlosser oder gleich über Bord sprangen, um schwimmend das Ufer zu erreichen, wo Mac Leod und seine Würger sie zu verfolgen nicht wagen durften. Uebrigens war jetzt auch im Dorfe Lärmen entstanden, und die Bewohner desselben liefen herbei, um Hilfe zu bringen.

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