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Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:

1825 wird eine franko-kanadische Verschwörung gegen die englische Regierung in Kanada verraten. Aber der Verräter verzweifelt an seiner Schuld und erschießt sich. Nun setzt die Familie alles daran, dieses Verbrechen zu sühnen, bis ihr guter Name wieder hergestellt ist. In spannenden Episoden schildert uns Verne das Schicksal der beiden Söhne des Verräters, die für ein freies Kanada kämpfen -bis zum bitteren Ende. Ein Abenteuerroman vor historischem Hintergrund, bei dem auch die kanadischen Indianer eine wichtige Rolle spielen.
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Aus der durch diesen rührenden Auftritt gefesselten Menge hörte man jetzt nur noch ein dumpfes Gemurmel, aus dem sich jedoch immer noch der unüberwindliche Abscheu vor dem Namen Morgaz herausfühlen ließ.

Da fuhr Johann mit lebhafter Stimme fort:

»Das, das haben wir gethan, nicht etwa in der Absicht, einen Namen wieder zu Ehren zu bringen, der einmal für immer gebrandmarkt ist, einen Namen, den hier der Zufall Euch wieder verrathen und den wir mit unserer von Allen verdammten Familie für ewig begraben zu haben hofften. Gott hat es nicht gewollt! Und nachdem ich Euch nun Alles gesagt, werdet Ihr noch immer nur mit Worten der Verachtung, mit dem Geschrei nach Rache antworten?«

Ja, der durch die Erinnerung an den Verräther neu aufgestachelte Widerwillen ging so weit, daß einer der Tollsten ausrief:

»Wir werden niemals dulden, daß die Frau und der Sohn des Simon Morgaz durch ihre Gegenwart das Lager der Patrioten beschimpfen!

- Nein! Nein!. stimmten Andere zu, welche sich vom Zorne hinreißen ließen.

- Ihr Elenden!« rief Clary.

Bridget hatte sich aufgerichtet.

»Mein Sohn, bat sie, verzeihe ihnen!. Wir haben nicht das Recht, Verzeihung zu verweigern!

- Verzeihen! rief Johann in der Erregung, welche sein ganzes Wesen gegen diese Ungerechtigkeit sich aufbäumen machte. Denen verzeihen, die uns die Verantwortlichkeit zuwälzen für ein Verbrechen, das nicht das unsere ist, und trotz Allem, was wir gethan, jenes zu sühnen. Denen verzeihen, welche den Verrath noch in der Gattin Desjenigen verfolgen, der ihn beging, in dessen Söhnen, von denen schon Einer sein Blut für sie hingegeben und der Andere nur danach verlangt, es für sie verspritzen zu dürfen! Nein!. Nimmermehr!. Wir, wir wollen nicht mehr vereint bleiben mit diesen Patrioten, welche sich durch unsere Anwesenheit beschimpft nennen!. Komm' Mutter, komm'!

- Mein Sohn, sagte Bridget, Du mußt leiden lernen!. Das ist unsere Aufgabe hienieden. das ist die Sühne!.

- Johann!« flüsterte Clary.

Noch hörte man zuweilen einige Rufe - dann wurde Alles still. Die Reihen hatten sich vor Bridget und ihrem Sohne geöffnet. Beide begaben sich nach dem Ufer zu.

Bridget fehlte fast die Kraft, selbst einen Schritt zu thun. Dieser entsetzliche Auftritt hatte sie gelähmt, vernichtet. Clary unterstützte sie mit Hilfe Lionels, konnte sie aber nicht trösten.

Während Vincent Hodge, Clerc und Farran noch inmitten der Volksmenge standen, um diese zu beruhigen, war Herr de Vaudreuil seiner Tochter nachgefolgt. Wie sie, fühlte auch er sein Herz sich empören gegen dieses Uebermaß von Ungerechtigkeit, gegen die Greuelthaten dieser Verblendeten, welche die menschliche Verantwortung bis über alle Grenzen trieben. Für ihn, wie für sie, erlosch die Vergangenheit des Vaters vor der leuchtenden Vergangenheit der Söhne. Und als Bridget und Johann eines der Boote erreicht, welche die Verbindung mit Schlosser aufrecht erhielten, sagte er:

»Ihre Hand, Frau Bridget!. Ihre Hand, Johann! Erinnern Sie sich nicht der tödtlichen Beleidigungen, welche jene Unseligen Ihnen angethan haben. Diese werden noch erkennen, daß Sie über deren Schmähungen erhaben dastehen!. Sie werden schon eines Tages selbst kommen, Sie um Verzeihung zu bitten.

- Niemals! rief Johann, bereit in das Boot zu steigen, das zum Abstoßen vom Ufer fertig war.

- Wohin denken Sie zu gehen? fragte Clary.

- Dahin, wo wir nicht mehr zu fürchten brauchen, daß die Menschen uns zur Zielscheibe ihrer Beleidigungen machen!

- Frau Bridget, wandte sich das junge Mädchen an diese noch so laut, daß Alle es verstehen mußten, ich achte und liebe Sie wie eine Mutter! Vor wenig Minuten nur, als ich noch glauben mußte, daß Ihr Sohn nicht mehr unter den Lebenden wandle, hab' ich geschworen, dem Andenken Desjenigen treu zu bleiben, dem ich mein Leben weihen wollte!. Johann, ich liebe Dich!. Kannst Du von mir gehen?.«

Blaß vor tiefer innerer Erregung wäre Johann bald dem jungen Mädchen zu Füßen gesunken.

»Clary, sagte er, Sie bereiten mir eben die einzige Herzensfreude, die ich empfunden, seit ich dieses elende Leben führe. Und doch, Sie haben es selbst gesehen, nichts vermag den Abscheu zu bannen, den mein Name den Bethörten einflößt, und diesen Abscheu dürfen Sie niemals mit mir zu theilen haben!

- Nein, fügte Bridget hinzu, das Weib eines Morgaz darf Clary de Vaudreuil niemals werden!

- Komm' Mutter, komm'!« bat Johann.

Bridget mit sich fortziehend, brachte er diese in das Boot, welches sich allmählich entfernte, während der Name des Verräthers noch immer aus hundert Kehlen schallte.

Am folgenden Tage vernahm Johann, in einer vereinzelten Hütte außerhalb des Dorfes Schlosser, wohin er seine Mutter gebracht, neben dieser knieend ihre letzten Worte.

Niemand wußte, daß diese Hütte die Gattin und den Sohn Simon Morgaz' verbarg. Uebrigens sollte das nicht lange währen.

Bridget lag im Sterben. Binnen wenigen Stunden sollte ein Leben zu Ende gehen, das den Becher des Unglücks bis zur Neige gekostet und die Last alles Elends getragen hatte, welches das Schicksal einem menschlichen Wesen nur aufzubürden vermochte.

Wenn seine Mutter nicht mehr wäre, wenn er ihre alten treuen Augen zugedrückt, er die Erde sich über deren Leiche hatte schließen sehen, dann war Johann entschlossen, dieses Land zu fliehen, das ihn ja von sich stieß.

Er dachte zu verschwinden, glaubte, daß man seiner nicht mehr erwähnen werde - nicht einmal, nachdem der Tod endlich gekommen sein würde, auch ihn zu erlösen.

Die letzten Worte seiner Mutter ließen ihn aber wieder auf die Absicht verzichten, die Aufgabe zu verlassen, der er sich ergeben, um das Verbrechen seines Vaters zu sühnen.

Mit einer Stimme, aus welcher schon ihre letzten Seufzer hervorklangen, sagte Bridget:

»Mein Sohn, Dein Bruder ist todt und ich. ich werde sterben, nachdem ich genug gelitten! Ich beklage mich nicht! Gott ist gerecht! Das ist die Sühne, welche er auferlegt; um diese aber voll zu machen, Johann, mußt Du alle Beschimpfungen vergessen und erst Dein Werk wieder aufnehmen. Du hast nicht das Recht, dasselbe zu verlassen. Deine Pflicht, mein Johann, ist es, Dich Deinem Vaterlande zu weihen, bis auch Du einen ehrenvollen Untergang findest«.

Mit diesen Worten hatte sich Bridgets Seele der irdischen Hülle entrungen.

Johann schloß die Todte in seine Arme und drückte sanft die Augen zu, welche so viel geweint hatten.

Zwölftes Capitel

Die letzten Tage

Die Lage der Patrioten auf der Insel Navy war allmählich eine sehr kritische geworden und konnte so offenbar nicht lange andauern. Die Entscheidung war nur noch eine Frage von Tagen - vielleicht nur von Stunden.

Wenn der Oberst Mac Nab auch noch immer zögerte, den Uebergang über den Niagara zu unternehmen, so machte er doch das Lager der Aufständischen mehr und mehr unhaltbar. Am Ufer bei Chippewa hatten die Königlichen eine Batterie aufgefahren, und die Blaumützen sahen sich außer Stande, dieser zu antworten, da sie nur über eine einzige Kanone verfügten. Einige Hundert Gewehre - die einzige Waffe, von der sie in der Entfernung Gebrauch machen konnten, um einen Landungsversuch abzuschlagen - blieben natürlich wirkungslos gegen die Artillerie der königlichen Truppen.

Die Amerikaner interessirten sich zwar ohne Zweifel für den Erfolg des franco-canadischen Aufstandes, desto beklagenswerther war es aber, daß die Regierung der Vereinigten Staaten aus politischer Rücksichtnahme von Beginn des Kampfes an die strengste Neutralität beachten zu müssen glaubte. Diese allein hätte die Geschütze liefern können, an denen es den Reformern fehlte; damit wären jedoch die Einsprüche Englands hervorgerufen worden, und das gerade zu einer Zeit, wo der geringste Zwischenfall einen Bruch herbeizuführen drohte, wie das wenige Monate später wirklich eintraf. Die Vertheidigungsmittel der Insel Navy waren also sehr beschränkte. Sogar an Munition und Proviant konnte leicht Mangel eintreten, obwohl sie in dieser Beziehung von Schlosser, Buffalo und Niagara-Falls aus versorgt wurde, soweit es die Hilfsquellen des Landes zuließen. Deshalb fuhren denn große und kleine Boote ununterbrochen auf dem rechten Stromarme hin und her, und der Oberst Mac Nab hatte in Folge dessen oberhalb und unterhalb Chippewas einige Geschütze aufstellen lassen, um diese stromauf- und stromabwärts der Insel von der Seite her zu bestreichen.

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