Unendlichkeit [Revelation Space - de]
- Автор: Рейнольдс Аластер
- Серия: Revelation Space (de) #1
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-18787-3
- Переводчик: Irene Holicki
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:
»Das hatten wir auch vermutet.« Sluka klopfte mit dem Finger auf das Papier. »Wenige Tage später zeigte sich allerdings, dass das nicht sein konnte. Das Schiff war immer noch da — ein schwaches, aber eindeutiges Signal.«
»Das Schiff hat die Explosion überstanden?«
»Was immer es gewesen sein mag. Inzwischen lässt sich bei der Antriebsflamme eine deutliche Blauverschiebung nachweisen. Das Bremsmanöver ging normal weiter, als hätte die Explosion nicht stattgefunden.«
»Sie haben dafür sicher eine Erklärung.«
»Eine halbe vielleicht. Wir gehen davon aus, dass die Detonation von einer Waffe stammte. Von welcher Art, wissen wir nicht. Aber nichts anderes hätte so viel Energie freisetzen können.«
»Eine Waffe?« Sylveste bemühte sich, möglichst keine Miene zu verziehen. Ein wenig verständliche Neugier ließ er anklingen, alle anderen Gefühle, zumeist Variationen zum Thema nackte Angst, wurden rigoros unterdrückt.
»Seltsam, finden Sie nicht?«
Sylveste überlief es eiskalt. Er beugte sich vor.
»Diese Besucher — wer immer sie sein mögen, sind doch vermutlich über die Situation hier auf dem Planeten informiert?«
»Über die politischen Verhältnisse, meinen Sie? Das halte ich für unwahrscheinlich.«
»Aber sie haben doch sicher versucht, mit Cuvier Kontakt aufzunehmen.«
»Das ist ja das Komische. Es kam nichts. Kein Piepser.«
»Wer weiß darüber Bescheid?«
Ein Flüstern, so leise, dass er es selbst kaum hörte, als drücke ihm jemand die Luftröhre zu.
»Etwa zwanzig Personen in der Kolonie. Leute mit Zugang zu den Observatorien, etwa ein Dutzend von uns hier; nur eine Hand voll in Resurgam City… Cuvier.«
»Das ist nicht Remilliod.«
Sluka schob das Blatt in die Tischplatte zurück, wo es samt seinem brisanten Inhalt vernichtet wurde.
»Demnach haben Sie eine Vorstellung, wer es sein könnte?«
Sylveste fürchtete, dass sein Gelächter hysterisch klang. »Wenn ich Recht habe — und ich irre mich selten —, dann ist das ein schwerer Schlag, aber nicht nur für mich, Sluka, sondern für uns alle.«
»Weiter.«
»Es ist eine lange Geschichte.«
Sie zuckte die Achseln. »Ich habe keine dringenden Verabredungen. Und Sie auch nicht.«
»Im Moment nicht, das ist wahr.«
»Wie?«
»Nur so ein Verdacht.«
»Hören Sie auf mit den Spielchen, Sylveste.«
Er nickte. Es hatte wenig Sinn, mit der Wahrheit hinter dem Berg zu halten. Seine tiefsten Ängste hatte er bereits mit Pascale geteilt, nun brauchte ihn Sluka nur noch, um die Lücken zu füllen und das zu ergänzen, was sie als Horcher an der Wand nicht mitbekommen hatte. Wenn er sich weigerte, würde sie Mittel und Wege finden, ihn oder — schlimmer noch — Pascale zum Reden zu bringen.
»Es war vor langer Zeit«, begann er. »Kurz nachdem ich von den Schleierwebern nach Yellowstone zurückgekehrt war. Sie wissen doch, dass ich damals für einige Zeit verschwand?«
»Sie haben immer beteuert, das hätte nichts zu bedeuten gehabt.«
»Ich wurde von Ultras entführt«, sagte Sylveste. Er wartete ihre Reaktion nicht ab, sondern sprach gleich weiter. »Sie brachten mich an Bord eines Lichtschiffes, das sich im Orbit um Yellowstone befand. Ein Angehöriger der Besatzung war verletzt, und ich sollte ihn… ›reparieren‹, man kann es wohl nicht anders ausdrücken.«
»Reparieren?«
»Der Captain war ein extremer Chimäre.«
Sluka fröstelte. Ihre Erfahrungen mit den radikal modifizierten Randgruppen der Ultra-Gesellschaft beschränkten sich — wie bei den meisten Kolonialisten — zumeist auf schaurige Holo-Dramen.
»Es waren keine gewöhnlichen Ultras«, sagte Sylveste. Warum sollte er mit Slukas Ängsten nicht ein wenig spielen? »Sie waren zu lange draußen gewesen; hatten sich zu weit von einer normalen menschlichen Existenz entfernt, wie wir sie kennen. Sie hatten sich selbst für Ultra-Verhältnisse extrem isoliert; paranoide Militaristen…«
»Trotz alledem…«
»Ich weiß, was Sie sagen wollen — selbst wenn sie einer exotischen Subkultur angehörten, wie schlimm konnten sie schon sein?« Sylveste warf ihr ein herablassendes Lächeln zu und schüttelte den Kopf. »Ich dachte zunächst genauso. Bis ich mehr über sie erfuhr.«
»Nämlich?«
»Sie hatten von einer Waffe gesprochen? Nun, sie haben tatsächlich Waffen, mit denen sie ohne weiteres diesen Planeten zerlegen könnten, wenn sie nur wollten.«
»Aber die würden sie doch nicht ohne Grund einsetzen.«
Sylveste lächelte. »Das werden wir erfahren, wenn sie Resurgam erreichen.«
»Nun ja…« Sluka dehnte das Wort in die Länge. »Eigentlich sind sie schon hier. Die Explosion fand vor drei Wochen statt, aber — hm — ihre Bedeutung war nicht gleich ersichtlich. Seither haben sie weiter abgebremst und sind um Resurgam in den Orbit gegangen.«
Sylveste nahm sich Zeit, seine Atmung zu regulieren. Er fragte sich, ob Sluka ihm die Informationen wohl mit Absicht so häppchenweise servierte. Hatte sie wirklich nur vergessen, dieses Detail zu erwähnen — oder hatte sie es sich aufgespart, wollte sie ihm die Fakten gezielt so präsentieren, dass er in ständiger Verwirrung gehalten wurde?
Wenn ja, dann ging die Taktik wunderbar auf.
»Moment mal«, sagte Sylveste. »Eben sagten Sie noch, nur eine Hand voll Leute wüssten darüber Bescheid. Könnte man ein Lichtschiff im Orbit um einen Planeten denn so leicht übersehen?«
»Leichter, als Sie denken. Das Schiff ist das dunkelste Objekt im ganzen System. Natürlich strahlt es im Infrarotbereich — das muss es ja —, aber es kann seine Emissionen offenbar an die Frequenzen unseres Atmosphäredunstes angleichen, die nicht bis zur Oberfläche vordringen. Wenn wir in den letzten zwanzig Jahren nicht so viel Wasser in die Atmosphäre gepumpt hätten…« Sluka schüttelte bedauernd den Kopf. »Wie auch immer, es spielt keine Rolle. Im Moment besteht ohnehin nur wenig Interesse für den Himmel. Selbst wenn sie mit greller Neonbeleuchtung angekommen wären, hätte sie niemand bemerkt.«
»Stattdessen haben sie sich noch nicht einmal gemeldet.«
»Schlimmer. Sie haben ihr Möglichstes getan, um uns zu verheimlichen, dass sie hier sind. Wenn diese verdammte Explosion nicht gewesen wäre…« Sie brach ab und schaute zum Fenster, dann wandte sie sich unvermittelt wieder an Sylveste. »Wenn es sich um die Leute handelt, die Sie meinen, müssen Sie eine Vorstellung haben, was sie wollen.«
»Ich glaube, das ist ganz einfach. Sie wollen mich.«
Volyova verfolgte Sajakis Bericht aufmerksam bis zu Ende. »Auf Yellowstone hatte man nur sehr wenig von Resurgam gehört, und nach der ersten Meuterei war es noch weniger geworden. Wir wissen heute, dass Sylveste diese Meuterei überstand, aber später — etwa heute vor fünfzehn Jahren — bei einem Umsturz entmachtet wurde. Das neue Regime steckte ihn in ein — nebenbei bemerkt ziemlich luxuriöses — Gefängnis, um ihn für seine politischen Zwecke benutzen zu können. Diese Situation wäre uns sehr entgegengekommen, denn dort hätte sich Sylveste ohne Mühe finden lassen. Auch wären wir in der glücklichen Lage gewesen, mit Leuten verhandeln zu können, die ihn ohne große Skrupel ausgeliefert hätten. Seither sind die Bedingungen jedoch ungleich schwieriger geworden.«
An dieser Stelle hielt Sajaki inne. Volyova bemerkte, dass er sich leicht gedreht und damit eine neue Aussicht ins Blickfeld gebracht hatte. Das Schiff flog südwärts über ihn hinweg und dadurch veränderte sich der Blickwinkel der Kameras, aber Sajaki war darauf vorbereitet und postierte sich so, dass sie jederzeit sein Gesicht erfassen konnten. Ein zufälliger Beobachter auf einer der anderen Mesas hätte sich wohl sehr über diesen Wahnsinnigen gewundert, der unverwandt zum Horizont starrte, unverständliche Beschwörungen vor sich hin flüsterte und sich dabei langsam, aber so regelmäßig wie ein Uhrwerk auf den Fersen drehte. Aber er hätte niemals vermutet, dass die seltsame Gestalt ein einseitiges Gespräch mit einem in der Umlaufbahn befindlichen Raumschiff führte.