Unendlichkeit [Revelation Space - de]
- Автор: Рейнольдс Аластер
- Серия: Revelation Space (de) #1
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-18787-3
- Переводчик: Irene Holicki
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:
»Raten Sie doch mal, Svinoi.«
»Viel zu einfach«, sagte Hegazi grinsend. Zumindest gab er sich alle Mühe, so etwas wie ein Grinsen zustande zu bringen. Ein Kunststück angesichts der vielen chimärischen Prothesen, die seine Züge verdeckten. »Komisch, wenn ich Sie nicht besser kennen würde, hätte ich fast den Eindruck, Sie wären nicht übermäßig begeistert von dem ganzen Unternehmen.«
»Wenn er Sylveste nicht gefunden hat…«
Hegazi hob seine eiserne Hand. »Noch hat Sajaki seinen Bericht nicht abgeliefert. Also nichts überstürzen…«
»Sie sind also überzeugt, dass er ihn gefunden hat?«
»Das wollte ich damit nicht sagen.«
»Wenn ich etwas hasse«, sagte Volyova und sah ihren Kollegen eisig an, »dann ist es blinder Optimismus.«
»Kopf hoch! Es gibt Schlimmeres.«
Ja, das musste sie zugeben. Und gerade sie war mit ermüdender Regelmäßigkeit davon betroffen. Ihre jüngste Pechsträhne war nur insofern erstaunlich, als sie mit jedem neuen Missgeschick noch weiter eskaliert war. Inzwischen war Volyova schon so weit, dass sie die Probleme mit Nagorny als harmlose Bagatelle betrachtete und sich fast danach zurücksehnte; damals hatte ihr nur jemand nach dem Leben getrachtet. Womöglich erschien ihr irgendwann auch die derzeitige Phase in rosigem Licht — eine Überlegung, die sie nicht gerade in Entzücken versetzte.
Der Ärger mit Nagorny war natürlich nur der Anfang gewesen. Jetzt sah sie das ganz deutlich; damals hatte sie die Geschichte isoliert betrachtet, doch in Wirklichkeit war sie nur das erste Symptom weit schlimmerer Entwicklungen gewesen, ähnlich wie die Herzrhythmusstörungen vor einem Infarkt. Sie hatte Nagorny getötet — doch damit hatte sie sich jede Möglichkeit genommen, seine psychischen Probleme zu verstehen. Dann hatte sie Khouri angeworben und die Probleme waren wiedergekommen, nicht in der gleichen Form, sondern eher als Variationen eines größeren Themas, wie der zweite Satz einer tragischen Symphonie. Khouri war nicht offenkundig verrückt — noch nicht. Aber sie war zum Katalysator für einen noch verhängnisvolleren, weniger eng begrenzten Wahn geworden. In ihrem Kopf tobten Stürme von einer Stärke, wie Volyova sie noch nie erlebt hatte. Der Vorfall mit dem Weltraumgeschütz war lediglich das letzte Glied der Kette. Volyova war nur um Haaresbreite dem Tod entronnen, und nach ihr hätte das Ding vielleicht die ganze Besatzung und einen beachtlichen Teil der Bevölkerung von Resurgam getötet.
»Höchste Zeit, mir einige Fragen zu beantworten, Khouri«, hatte sie gesagt, bevor die anderen geweckt wurden.
»Welche Fragen, Triumvir?«
»Hören Sie auf, das Unschuldslamm zu spielen«, verlangte Volyova. »Dafür bin ich zu müde, und irgendwie bekomme ich die Wahrheit immer heraus, glauben Sie mir. Sie haben sich in der Krise mit dem Weltraumgeschütz verraten. Falls Sie gehofft haben, ich würde einiges davon vergessen, war das ein Fehler.«
»Zum Beispiel was?« Sie waren in eine der von Ratten verseuchten Schiffszonen hinabgestiegen; dort war man, dachte Volyova, vor Sajakis Abhöreinrichtungen sicherer als in jeder anderen Ecke des Schiffs mit Ausnahme des Spinnenraums.
Sie stieß Khouri so heftig gegen die Wand, dass ihr für einen Moment die Luft wegblieb. Sie wollte ihr zeigen, dass es nicht ratsam war, Volyovas Kraft zu unterschätzen und ihre Geduld übermäßig zu strapazieren. »Eines sollten Sie ganz klar sehen, Khouri. Ich habe Nagorny, Ihren Vorgänger, getötet, weil er mich verraten hat, und es ist mir gelungen, das vor der übrigen Crew geheim zu halten. Machen Sie sich keine Illusionen. Wenn Sie mir genügend Gründe liefern, verfahre ich mit Ihnen ganz genauso.«
Khouri stieß sich von der Wand ab. Sie hatte wieder etwas Farbe bekommen. »Was wollen Sie denn nun genau wissen?«
»Zunächst einmal, wer Sie sind. Gehen wir davon aus, dass ich Sie für einen Infiltrator halte.«
»Wie wäre das möglich? Sie haben mich doch angeworben.«
»Schon«, sagte Volyova. Auf diesen Einwand war sie vorbereitet. »So sollte es aussehen, natürlich… aber das war Betrug, nicht wahr? Wer immer hinter Ihnen steht, hat es geschafft, mich bei der Auswahl so zu manipulieren, dass ich glaubte, ich hätte mich für Sie entschieden… dabei hatte ich im Grunde gar nichts mitzureden.« Bei sich musste Volyova zugeben, dass sie dafür keine handfesten Beweise hatte, aber es war die einfachste Hypothese, und sie war mit allen Fakten zu vereinbaren. »Also, wollen Sie das bestreiten?«
»Wie kommen Sie darauf, mich für einen Infiltrator zu halten?«
Volyova zündete sich eine Zigarette aus dem Vorrat an, den sie in dem Orbitalkarussell um Yellowstone gekauft hatte, wo sie Khouri angeworben oder gefunden hatte. »Erstens kennen Sie sich im Leitstand schon viel zu gut aus. Sie wissen auch etwas über Sonnendieb… und das finde ich sehr verdächtig.«
»Sie hatten den Namen selbst erwähnt, kurz nachdem Sie mich an Bord geholt hatten, erinnern Sie sich nicht mehr?«
»Schon, aber Sie wissen mehr, als Sie von mir jemals erfahren haben könnten. Manchmal habe ich den Eindruck, als würden Sie die Situation besser überblicken als ich.« Sie hielt inne. »Das ist natürlich noch nicht alles. Diese Neuralaktivität in Ihrem Gehirn, während Sie im Kälteschlaf lagen… Ich hätte die Implantate, mit denen Sie an Bord kamen, sorgfältiger untersuchen sollen. Sie sind wohl nicht ganz so harmlos, wie sie aussehen. Möchten Sie vielleicht zu einem der Punkte eine Erklärung abgeben?«
»Na schön…« Khouri schlug einen anderen Ton an. Diesmal hatte sie offenbar die Hoffnung aufgegeben, sich herauszureden. »Aber hören Sie genau zu, Ilia. Auch Sie haben Ihre kleinen Geheimnisse — Dinge, von denen Sajaki und die anderen wirklich nichts erfahren sollen. Ich hatte bereits erraten, dass Sie Nagorny getötet hatten, aber da wäre auch noch die Sache mit dem Weltraumgeschütz. Ich weiß, dass Sie das nicht an die große Glocke hängen wollen, sonst würden Sie nicht alles tun, um es zu vertuschen.«
Volyova nickte. Leugnen wäre sinnlos gewesen. Vielleicht hatte Khouri sogar einen Verdacht, was ihre Beziehung zum Captain anging. »Worauf wollen Sie hinaus?«
»Ich finde, dass alles, was ich Ihnen jetzt erzähle, unter uns bleiben sollte. Ist das kein vernünftiger Vorschlag?«
»Ich sagte eben, ich könnte Sie töten, Khouri. Sie sind nicht gerade in einer starken Position.«
»Richtig, Sie könnten mich töten — oder es zumindest versuchen —, aber ich bezweifle, dass sich mein Tod so leicht vertuschen ließe wie der von Nagorny. Einen Waffenoffizier zu verlieren ist Pech. Bei zweien sieht es allmählich nach Schlamperei aus, nicht wahr?«
Eine Ratte huschte vorbei und bespritzte sie mit Wasser. Gereizt warf Volyova dem Tier ihre Zigarettenkippe hinterher, aber es war bereits durch eine Öffnung in der Wand verschwunden. »Soll das heißen, ich darf den anderen nicht einmal erzählen, dass ich Sie als Infiltrator enttarnt habe?«
Khouri zuckte die Achseln. »Tun Sie, was Sie wollen. Aber wie würde Sajaki das wohl aufnehmen? Wer wäre denn dafür verantwortlich, dass der Infiltrator überhaupt an Bord genommen wurde?«
Volyova ließ sich mit der Antwort Zeit. »Sie haben auf alles eine Antwort, wie?«
»Ich hatte damit gerechnet, dass Sie mir früher oder später gewisse Fragen stellen würden, Triumvir.«
»Dann fangen wir mit den naheliegendsten an. Wer sind Sie und für wen arbeiten Sie?«
Khouri ergab sich seufzend in ihr Schicksal. »Was Sie wissen, entspricht in großen Teilen der Wahrheit. Ich heiße Ana Khouri und war Soldat auf Sky’s Edge… allerdings etwa zwanzig Jahre früher, als Sie dachten. Das Übrige…« Sie hielt inne. »Ich könnte jetzt wirklich einen Kaffee vertragen.«