Unendlichkeit [Revelation Space - de]
- Автор: Рейнольдс Аластер
- Серия: Revelation Space (de) #1
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-18787-3
- Переводчик: Irene Holicki
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:
»Sobald wir die Hauptstadt Cuvier mit den Scannern erfassen konnten, stellten wir fest, dass sie durch eine Reihe schwerer Explosionen verwüstet worden war. Aus dem Stand der Wiederaufbauarbeiten war zu erkennen, dass die Katastrophe auf der kolonialen Zeitskala noch nicht lange zurücklag. Meine Ermittlungen hier ergaben, dass der zweite Umsturz — bei dem die Waffen eingesetzt wurden — vor knapp acht Monaten stattfand, jedoch nicht von uneingeschränktem Erfolg gekrönt war. Was von Cuvier noch übrig ist, steht nach wie vor unter der Kontrolle des alten Regimes, obwohl dessen Anführer — Girardieu — bei den Kämpfen ums Leben kam. Die Fluter des Wahren Weges — die für den Coup verantwortliche Gruppe — kontrollieren viele der abgelegenen Siedlungen, aber ihr innerer Zusammenhalt ist offenbar nicht stark genug, möglicherweise ist es bereits zur Bildung von Splitterparteien gekommen. In der Woche seit meiner Landung haben neun Angriffe gegen Cuvier stattgefunden, und man vermutet sogar Saboteure innerhalb der Stadt: Infiltratoren des Wahren Weges, die sich in den Trümmern versteckt halten.« An dieser Stelle legte Sajaki eine Pause ein, und Volyova überlegte, ob er am Ende gar so etwas wie Sympathie für die erwähnten Infiltratoren empfand. Seinem Gesicht war allerdings nichts davon anzumerken.
»Was mich betrifft, so erteilte ich natürlich als Erstes den Befehl zur Demontage des Anzugs. So verlockend es gewesen wäre, damit den Weg nach Cuvier zurückzulegen, ich konnte das Risiko nicht eingehen. Dennoch war die Reise weniger mühsam, als ich befürchtet hatte. Am Stadtrand nahm mich eine Gruppe von Pipeline-Technikern mit, die aus dem Norden zurückkehrten. Mit ihnen gelangte ich in die Stadt. Zunächst waren sie misstrauisch, aber mit etwas Wodka konnte ich sie rasch dazu bewegen, mich in ihr Fahrzeug einsteigen zu lassen. Ich sagte, er würde in Phoenix gebrannt, der Siedlung, aus der ich angeblich kam. Sie hatten zwar von dem Ort noch nie gehört, waren aber gern bereit, mit mir darauf zu trinken.«
Volyova nickte. Der Wodka war — zusammen mit einer Tasche voller Krimskrams — kurz vor Sajakis Abreise an Bord des Schiffes hergestellt worden.
»Die Bewohner leben zumeist unter der Erde, in Katakomben, die vor fünfzig oder sechzig Jahren angelegt wurden. Natürlich ist die Luft halbwegs atembar, aber ich kann Ihnen versichern, dass das Atmen kein Vergnügen ist und man sich ständig am Rande des Sauerstoffmangels bewegt. Es hat mich beträchtliche Anstrengungen gekostet, auf diesen Felsen zu kommen.«
Volyova lächelte. Wenn Sajaki so etwas zugab, musste der Aufstieg zur Mesa die reine Folter gewesen sein.
»Angeblich verfügt der Wahre Weg zur Erleichterung der Atmung über biotechnische Verfahren vom Mars«, fuhr er fort, »aber Beweise dafür habe ich nicht gesehen. Meine Pipeline-Freunde halfen mir, ein Zimmer in einer Herberge zu finden, die von Bergleuten von außerhalb frequentiert wird, was natürlich genau zu meiner Geschichte passte. Ich würde die Unterkunft nicht als besonders hygienisch bezeichnen, aber für meine Zwecke war sie ausreichend, denn ich wollte natürlich Informationen sammeln. Die Ergebnisse meiner Nachforschungen«, fügte er hinzu, »waren allerdings oft widersprüchlich und bestenfalls vage.«
Sajaki hatte die halbe Drehung von Horizont zu Horizont fast abgeschlossen. Die Sonne stand jetzt hinter seiner rechten Schulter, und dadurch war sein Gesicht immer schwerer zu erkennen. Das Schiff brauchte freilich nur auf Infrarot zu schalten, um Sajakis Rede auch weiterhin an den Veränderungen seiner Gesichtsdurchblutung ablesen zu können.
»Augenzeugen berichten, dass Sylveste und seine Frau dem Attentat entgingen, bei dem Girardieu getötet wurde, aber seither nicht mehr gesehen wurden. Das war vor acht Monaten. Die Aussagen der Leute, mit denen ich gesprochen, und die geheimen Datenquellen, die ich angezapft habe, lassen nur einen Schluss zu. Sylveste wird wieder gefangen gehalten, aber diesmal außerhalb der Stadt und wahrscheinlich von einer Zelle des Wahren Weges.«
Jetzt war Volyova ganz Ohr. Alles führte auf einen ganz bestimmten Punkt zu; die Entwicklung war von vornherein unvermeidlich gewesen. Nur war die Unvermeidlichkeit in diesem Fall mehr in Sajaki und in dem begründet, was sie über ihn wusste, als in dem Mann, nach dem er suchte.
»Mit den offiziellen Stellen — wo immer die auch sein mögen — zu verhandeln, wäre sinnlos«, sagte Sajaki. »Ich bezweifle, dass sie uns Sylveste ausliefern könnten, selbst wenn sie wollten, wovon natürlich nicht auszugehen ist. Damit bleibt uns leider nur eine Möglichkeit.«
Volyova hob den Kopf. Jetzt kam es.
»Wir müssen erreichen, dass es im Interesse der ganzen Kolonie liegt, uns Sylveste zu überlassen.« Wieder lächelte Sajaki. Sein Gesicht lag im Schatten, aber die Zähne blitzten. »Es versteht sich von selbst, dass ich bereits begonnen habe, das Fundament für eine solche Lösung zu legen.« Jetzt wandte er sich direkt an sie, kein Zweifel. »Volyova; ich überlasse es Ihnen, wann Sie den offiziellen Stellen Ihre Vorschläge unterbreiten wollen.«
Normalerweise wäre es ihr eine Genugtuung gewesen, Sajakis Absichten so genau erraten zu haben. Aber jetzt beschlich sie nur ein leises Grauen, als sie erkannte, dass er nach all den Jahren noch einmal eine solche Zumutung an sie stellte. Am bedrückendsten war dabei die Einsicht, dass sie wahrscheinlich auch diesmal tun würde, was er von ihr verlangte.
»Nur zu«, sagte Volyova. »Er beißt nicht.«
»Ich kenne mich mit Raumanzügen aus, Triumvir.« Khouri trat zögernd einen Schritt in den weißen Raum. »Ich dachte nur nicht, dass ich noch einmal einen zu Gesicht bekäme. Und schon gar nicht, dass ich das Drecksding auch noch anziehen müsste.«
Die vier Anzüge lehnten an einer Wand des gnadenlos weißen Lagerraums sechshundert Decks unter der Brücke neben Saal zwei, wo das Training stattfinden sollte.
»Hört euch das an«, sagte eine der beiden anderen Frauen. »Sie braucht das verdammte Ding nur für ein paar Minuten anzuziehen, und dafür macht sie so ein Theater. Du gehst nicht mit uns runter, Khouri, also mach dir nicht ins Höschen.«
»Vielen Dank für den guten Rat, Sudjic — ich werde daran denken.«
Sudjic zuckte die Achseln — ein höhnisches Grinsen hätte ihre Gefühle wohl zu sehr strapaziert, dachte Khouri — und trat, gefolgt von ihrer Kollegin Sula Kjarval auf den für sie bestimmten Anzug zu. Die Anzüge sahen aus wie ausgeblutete, ausgeweidete und aufgeschnittene Frösche, die man mit ausgestreckten Gliedmaßen an einen senkrechten Tisch geheftet hatte. In ihrer derzeitigen Konfiguration waren sie noch am menschenähnlichsten. Arme und Beine waren deutlich ausgebildet. Die ›Hände‹ hatten keine Finger — es waren auch keine richtigen Hände, sondern nur stromlinienförmige Flossen —, allerdings konnten die Anzüge auf Wunsch Greifwerkzeuge und andere Manipulatoren ausfahren.
Khouri hatte tatsächlich Erfahrung mit Raumanzügen. Auf Sky’s Edge waren es Raritäten gewesen, Importware, von Ultra-Händlern gekauft, die auf der kriegsgeschüttelten Welt Zwischenstation machten. Niemand auf dem Planeten verfügte über das nötige Fachwissen, um sie zu kopieren, deshalb waren alle Exemplare, die ihre Seite besaß, von unschätzbarem Wert: mächtige Totems aus der Hand der Götter.
Der Anzug scannte sie und stellte ihre Körpermaße fest, um dann sein Inneres exakt auf ihre Formen abzustimmen. Nun ließ ihn Khouri vortreten. Als er sich um sie schloss, hatte sie einen leichten Anfall von Platzangst, den sie aber unterdrückte. Binnen weniger Sekunden dichtete sich der Anzug ab und füllte sich mit Luftgel. Damit waren Manöver möglich, die den Insassen sonst zermalmt hätten. Die Anzugpersönlichkeit erkundigte sich nach kleineren Veränderungswünschen und gestattete ihr, die Bewaffnung ihren Bedürfnissen anzupassen und ihre autonomen Programme entsprechend zu modifizieren. In Saal zwei kamen natürlich nur die leichtesten Waffen zum Einsatz; bei den Kampfszenarien, die hier aufgeführt wurden, gingen echter physischer Waffengebrauch und Simulationen nahtlos ineinander über. Was zählte, war das Ergebnis. Jeder Teil der Aufgabenstellung verlangte vollen Einsatz, und es galt auch die unzähligen Möglichkeiten zu berücksichtigen, die einem der Anzug bot, um Feinde zu vernichten, die das Unglück hatten, sich in seinen Einflussbereich zu verirren.