Die Pflicht zu schweigen
- Автор: Шелдон Сидни
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Die Pflicht zu schweigen». Краткое содержание книги:
Über den Autor
Sidney Sheldon, geboren 1917, war ein absolutes Phänomen in der internationalen Buchwelt. Erst mit fünfzig schrieb er seinen ersten Roman Das nackte Gesicht. Seither sind von zahlreiche Bücher erschienen, jedes ein Weltbestseller, jedes in viele Sprachen übersetzt und alle verfilmt. Sidney Sheldon lebte abwechselnd in Los Angeles, Palm Springs und London. 2007 verstarb der Autor.
Ungekürzte Ausgabe Titel der Originalausgabe: Nothing Lasts Forever Originalverlag: William Morrow and Company, Inc., New York
Alles, was Dr. Dolan gefunden hat, war eine Spur Trichloräthylen. Kat mußte also kurz vor ihrem Tod Trichloräthylen inhaliert haben. Aber wie kam sie denn dazu? Kat hat doch überhaupt keine Medikamente genommen. Paige blieb mitten im Gang stehen. Ihr Verstand arbeitete auf Hochtouren.
Als Paige das Krankenhaus erreichte, begab sie sich sofort in die medizinische Fachbibliothek im fünften Stock. Sie würde jetzt unter >Chloralhydrat< nachsehen! Der Eintrag lautete: Farblose, durchsichtige Kristalle, scharfer Geruch; sehr leicht löslich in Wasser, Äthanol, Chloroform und Ölen. Der Schmelzpunkt liegt bei etwa 55 °C, der Siedepunkt bei 97,5 °C.
Und dann, in der letzten Zeile, fand Paige, wonach sie gesucht hatte. Wenn Chloralhydrat in den Stoffwechsel gelangt, erzeugt es als Nebenprodukt Trichloräthanol. Also gab es zwei Möglichkeiten: Kat konnte das harmlose Trichloräthylen genommen haben - oder aber Chloralhydrat.
35. Kapitel
Inspector, Frau Dr. Taylor möchte Sie sprechen.«
»Schon wieder?« Er war versucht, sie abzuweisen. Aber sie war wie besessen von ihrer unausgegorenen Theorie, und er fand, daß er ihren Umtrieben einen Riegel vorschieben müßte. »Schicken Sie sie herein.«
Als Paige eintrat, bemerkte Inspector Burns in schneidendem Ton: »Hören Sie, Frau Doktor, ich finde, jetzt reicht's. Dr. Dolan hat angerufen, um sich zu beschweren .«
»Ich weiß, wie Ken Mallory es gemacht hat!« Sie klang erregt. »In Kats Körper hat sich Trichloräthanol gefunden.«
Er nickte. »Davon hat Dr. Dolan mich in Kenntnis gesetzt. Er hat mir auch erklärt, daß Trichloräthylen sich zu dieser Substanz reduziert. Und, daß sie dadurch nicht bewußtlos geworden sein kann. Er.«
»Aber Chloralhydrat wird auch in Trichloräthanol umgesetzt!« rief Paige triumphierend. »Mallory hat gelogen, als er behauptete, Kat nicht mehr in die Wohnung begleitet zu haben. Er hat ihr Chloral-hydrat in den Drink geschüttet. Chloralhydrat ist ohne Geschmack, wenn es mit Alkohol vermischt wird, und wirkt innerhalb von Minuten. Und als sie bewußtlos war, hat er sie getötet und es so aussehen lassen, als sei es eine verpfuschte Abtreibung gewesen.«
»Frau Doktor, wenn Sie mir bitte verzeihen mögen, aber das alles ist pure Spekulation.« »Nein, keineswegs. Er hat das Rezept für einen Patienten namens Spyros Levathes ausgestellt und eingelöst. Er hat Levathes das Chlo-ralhydrat jedoch nie gegeben.«
»Und woher wissen Sie das?«
»Weil es gar nicht für Levathes bestimmt sein konnte. Ich habe Spyros Levathes überprüft. Er leidet an einer schweren Leberfunktionsstörung!«
»Ich verstehe nicht ganz.«
»Dr. Mallory hat diesem seinem Patienten kein Chloralhydrat verschrieben, weil ihn das nämlich getötet hätte! Chloralhydrat ist bei Leberfunktionsstörungen kontraindiziert. Es hätte bei Levathes sofort krampfartige Anfälle ausgelöst.«
Es war das erste Mal, daß Inspector Burns sich beeindruckt zeigte. »Sie haben Ihre Hausaufgaben wirklich gründlich gemacht, nicht wahr?«
Paige ließ nicht locker. »Warum sollte Ken Mallory eine weit abgelegene Apotheke aufsuchen und ein Rezept ausfüllen für einen Patienten, von dem er wußte, daß er ihm dieses Präparat nie verabreichen dürfte? Sie müssen ihn verhaften.«
Er trommelte mit den Fingern auf der Schreibtischplatte. »So einfach ist das nicht.«
»Sie müssen.«
Inspector Burns hob eine Hand. »In Ordnung. Ich sag' Ihnen, was ich tun werde. Ich werde mit dem Amt des District Attorney reden und feststellen, ob man dort der Ansicht ist, daß wir damit einen triftigen Grund zu einer Verhaftung haben.«
Paige war sich der Tatsache bewußt, daß sie nicht weiter in ihn dringen durfte. »Ich danke Ihnen, Inspector.«
»Ich werde mich wieder bei Ihnen melden.«
Inspector Burns dachte lange Zeit über das Gespräch nach. Hand-feste Beweise lagen gegen Dr. Mallory nicht vor; es gab nur die Verdächtigungen einer hartnäckigen Frau. Er analysierte die wenigen Fakten, über die er verfügte. Dr. Mallory war mit Kat Hunter verlobt gewesen. Zwei Tage nach ihrem Tod war Mallory mit Alex Harrisons Tochter verlobt. Das war durchaus interessant - aber gesetzeswidrig war es nicht. Mallory hatte behauptet, Kat Hunter vor der Haustür abgesetzt und nicht in die Wohnung hinaufbegleitet zu haben. In ihrer Leiche war Sperma gefunden worden; dafür hatte er jedoch eine plausible Erklärung.
Dann gab es da die Geschichte mit dem Chloralhydrat. Mallory hatte ein Rezept für ein Mittel ausgestellt, das seinen Patienten hätte töten können. War er des Mordes schuldig oder nicht schuldig?
Burns rief seine Sekretärin. »Barbara, besorgen Sie mir für diesen Nachmittag einen Termin beim District Attorney.«
Als Paige hereinkam, befanden sich in dem Büro vier Herren: der District Attorney, sein Assistent, ein Mensch namens Warren und Inspector Burns.
»Danke, daß Sie vorbeigekommen sind«, begann der District At-torney. »Inspector Burns hat mir von Ihrem Interesse an Dr. Hunters Tod berichtet. Ich weiß das zu schätzen. Dr. Hunter war Ihre Mitbewohnerin. Da ist es nur verständlich, daß Sie der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen möchten.«
Also werden sie Ken Mallory doch verhaften!
»Ja«, sagte Paige. »Es gibt überhaupt keinen Zweifel. Dr. Mallory hat sie umgebracht. Wenn Sie ihn verhaften.«
»Ich bedaure, aber das ist unmöglich.«
Paige sah ihn entsetzt an. »Wie bitte?«
»Wir können Dr. Mallory nicht verhaften.«
»Aber warum denn nicht?«
»Wir haben keinen Grund.«
»Natürlich haben Sie einen Grund!« rief Paige aus. »Das Trichlor-äthylen beweist doch, daß .«
»Frau Doktor, Unkenntnis des Gesetzes kann vor Gericht als Entschuldigung nicht geltend gemacht werden. Unkenntnis in medizinischen Dingen schon.«
»Das verstehe ich nicht.«
»Ganz einfach - das heißt, daß Dr. Mallory behaupten kann, einen Fehler begangen zu haben -, daß er nicht gewußt hätte, welche Auswirkung das Chloralhydrat auf seinen Patienten haben würde. Und dann könnte niemand beweisen, daß er lügt. Es würde zwar beweisen, daß er ein miserabler Arzt ist, aber nicht, daß er einen Mord begangen hat.«