Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Фэнтези » Nocturna - Die Nacht der gestohlenen Schatten
Nocturna - Die Nacht der gestohlenen Schatten - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Nocturna - Die Nacht der gestohlenen Schatten

Электронная книга - «Nocturna - Die Nacht der gestohlenen Schatten». Краткое содержание книги:

Nocturna - Die Nacht der gestohlenen Schatten
1 ... 77 78 79 80 81 82 83 84 85 ... 113
Перейти на страницу:

Die Gaben

Nach dir«, sagte Collonta vergnügt und wies in die Schwärze, die sich vor ihnen auftat. Verblüfft streckte Tigwid eine Hand aus und tauchte sie in den unbekannten Raum. Eine leichte Kühle kroch ihm über die Haut. Dann trat er durch die Öffnung. Er fühlte weder einen Boden unter den Füßen noch schwebte er. Als er sich zu Collonta umdrehte, sah er gerade noch, wie das Bad hinter ihnen in die Ferne gerissen wurde und in einem kleinen Farbstrudel verschwand. Er schluckte hörbar. Obwohl es keine Lichtquelle mehr gab, konnte er Collonta gut erkennen, so als würde er von innen leuchten, und auch seine eigenen Hände schienen plötzlich merkwürdig hell. Gänsehaut überzog seinen Körper.

»Nun. Die naheliegende Frage ist, wo wir uns befinden.« Collonta wies mit seinem Stock in die Schwärze. Dem Widerhall seiner Stimme nach zu urteilen, hielten sie sich in keinem besonders großen oder kleinen Raum auf. »Leider kann ich es selbst nicht sagen. Ich vermute allerdings, dass das hier ein Ort jenseits von Zeit und Raum ist. Dein Verstand sagt dir womöglich, dass das, was deine Sinne erfahren, unmöglich ist - dass du die absolute Abwesenheit von Materie nicht erleben kannst, weil du selbst Materie bist. Aber die Tatsache, dass wir beide hier sind und uns unterhalten, beweist, dass dieser Ort existiert, weil wir existieren. Oder aber es ist wirklich unmöglich, was bedeuten würde, dass auch wir beide nicht existieren.« Collonta seufzte friedlich. »Die ewige Frage der Menschheit: Sind wir alle nur Träumer und die Welt nichts als der Traum jedes Einzelnen?«

»Ich versteh das nicht«, sagte Tigwid mit rauer Stimme. »Wie - aber wo sind wir?«

»Unsere Mottengaben sind ein hauchdünner Faden, dem wir vorsichtig folgen können, und dann gelangen wir hierher: an den Anfang und das Ende von allem. Natürlich kann auch ich nur auf das beschränkte Denkvermögen zurückgreifen, das das menschliche Hirn uns zur Verfügung stellt, doch wenn ich den logischen Schritten des Verstandes folge, dann müsste der Geburtsort der Welt, ja selbst das Herz des Universums, ein Ort sein wie dieser. Vielleicht ist es sogar ein und derselbe. Hier, wo die Existenz selbst relativ ist, ist alles möglich. Du hast gefragt, wo wir sind. Nun, das liegt in deiner Hand.«

»Soll das heißen ... das hier ist eine Transportmaschine

»Maschine würde ich es nicht nennen, denn eine Maschine ist von Menschen gebaut, um die Natur zu imitieren oder auszunutzen. Ich bezweifle, dass der menschliche Kopf erfinden kann, was der Ursprung des Lebens selbst ist. Ein Kind gebärt nicht seine Mutter.« Collonta lächelte. »Denk dir einen Ort aus.«

»Einen Ort?«

»Irgendeinen. Na los!«

»Gut ... ich habe mir einen überlegt.«

Collonta legte gespannt beide Hände auf den Gehstock. »Stell ihn dir so detailliert wie möglich vor.«

Tigwid versuchte es, so gut er konnte. Plötzlich lief ein Vibrieren durch seinen Körper, als würde die Schwerkraft einen Husten bekommen. Das Herz schien ihm buchstäblich in die Hose zu rutschen und für einen kurzen Augenblick schwebten seine Hände leicht wie Federn vor ihm. Dann erschien flimmernd und flackernd die runde grüne Tür neben ihm, so wie auf der Wand im Badezimmer.

»Ah!«, machte Collonta wie jemand, der einen Groschen auf der Straße findet. »Das ging ja ganz flott. Nun - wie immer nach dir, Tigwid.« Er klopfte mit dem Gehstock gegen den Grünen Ring und die Tür flog auf. Tigwid trat aus der Dunkelheit in ein schwach beleuchtetes Zimmer mit kahlen Wänden und einem massiven Schreibtisch, über dem ein Kruzifix hing. An dem Schreibtisch saß eine ältere Nonne mit einer spitzen Nase und Pausbacken, die etwas schrieb. Erst als Collonta seinen Gehstock auf den Boden setzte, blickte sie auf. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, bekam sie vor Schreck einen halben Herzinfarkt.

»Nanu, wo sind wir denn hier gelandet?«, erkundigte Collonta sich freundlich und sah sich im Zimmer um. Tigwid konnte nur die Nonne anstarren - die Erzieherin des Waisenhauses, mit der ihn so manche Erinnerung verband. Und so manche Tracht Prügel.

»Guten Abend ... Fettwanst«, sagte Tigwid. In vielen Träumen hatte er sich ausgemalt, wie süß jede Beleidigung Schwester Mathildes schmecken würde. Aber das Fettwanst war noch viel köstlicher, als er gedacht hatte.

Schwester Mathilde starrte ihn an wie eine paralysierte Wachtel.

»Wohin hast du uns geführt, Tigwid?« Noch immer blickte Collonta interessiert umher.

»Das Zimmer einer alten Bekannten. Erinnern Sie sich an mich, Schwester? Sie hatten recht, als Sie sagten, der Teufel würde mich eines Tages holen. Hier bin ich mit ihm - um Sie abzuholen, Sie buckelige Kröte!«

Collonta stimmte ein väterliches Lachen an, als die Schwester einen Schreckensschrei ausstieß. »Tigwid ... nun ist aber gut. Keine persönlichen Rachefeldzüge mit dem Grünen Ring.« An die Nonne gewandt, fuhr er fort: »Meine Teuerste, adieu.« Dann klopfte er mit seinem Gehstock in die Luft, wo augenblicklich der Grüne Ring erschien.

»Das nächste Mal, Schwester! Nächstes Mal kommen Sie mit!« Tigwid schaffte es sogar noch, eine unflätige Geste zu machen, ehe Collonta ihn in die Dunkelheit gezogen hatte und das Zimmer der Nonne verschwand wie Wasser in einem Abfluss. Tigwid war von der Begegnung so erquickt, dass er kaum mehr einen Gedanken daran verschwendete, wieso er keinen Boden unter den Füßen spürte. »Das war unglaublich! Mit dem Grünen Ring kann man wirklich überall hin? Und ich hab immer ein blödes Brecheisen benutzt!« Er musste lachen. »Entschuldigung, dass Sie das eben mitansehen mussten. Aber glauben Sie mir, der alten Vettel tut es nur gut, einen Vorgeschmack von dem zu bekommen, was sie nach dem Tod erwartet.«

Collonta schmunzelte. »Nun ... ich denke, hin und wieder darf man sich auch ein Späßchen mit den gewöhnlichen Leuten erlauben.«

»Kann man auch an Orte, die man noch nie gesehen hat?«, fragte Tigwid begierig weiter, ohne recht hingehört zu haben.

»Nein, das ist schwierig ... Aber lass uns an einem anderen Ort darüber sprechen, wo es gemütlicher ist.« Wieder erschien die Tür, und Tigwid und Collonta betraten diesmal einen runden Raum, der von meterhohen Bücherregalen umschlossen wurde - die Regale reichten so weit empor, dass sie dem Licht der Petroleumlampen entschwanden und sich in ferner Dunkelheit verloren. Eine bewegliche Leiter war durch Schienen an den Regalen befestigt und führte ebenfalls in die Finsternis hoch oben, die aussah wie der Nachthimmel vom Grund eines Brunnens aus.

Ein halbkreisförmiger Eichentisch stand in der Mitte des Raumes, über und über beladen mit Schriftrollen, Kästchen, Schatullen und Gerätschaften wie einem silbernen Kompass, einem kleinen, von selbst rotierenden Globus, einer goldenen Sanduhr, einer tickenden Kugel, einem bronzenen Auge, das im Drei-Sekunden-Takt auf- und zuklappte, und einer schwarzen, fest verschlossenen Muschel. Tigwid war so von den geheimnisvollen Gegenständen fasziniert, dass ihm erst nach einer Weile auffiel, dass das Zimmer überhaupt keine Tür hatte - auch der Grüne Ring war längst verschwunden. Immer mehr kam er sich vor wie auf dem Grund eines Brunnens. Zugegeben, eines sehr schmucken Brunnens, denn der Boden war mit feinen Teppichen ausgelegt und Collonta bot Tigwid einen gemütlichen Sessel an.

Als der alte Geisterherr sich auf einem Sessel auf der anderen Seite des Tisches niedergelassen hatte, faltete er die Hände vor dem rundlichen Bauch und seufzte zufrieden. »Dies ist mein Arbeitszimmer. Ich hoffe, du verstehst, dass ich dir nicht den direkten Weg hierher zeigen kann; niemand kennt ihn außer mir. Solltest du oder ein anderes TBK-Mitglied nämlich den Dichtern in die Hände fallen - ich bete, dass es nie dazu kommen wird -, würden sie den Weg zu diesem geheimen Zimmer aus euch herausschreiben. Kein Wissen, und wenn man es noch so gut vor ihnen zu verschließen versucht, ist vor den Dichtern sicher. Selbst wenn es einer begabten Motte gelingt, ihre Erinnerungen nicht ans Papier zu verlieren, so kann sie doch nicht verhindern, dass die Dichter in ihrem Wissensschatz herumwühlen und alles in Erfahrung bringen, was sie wissen wollen.«

1 ... 77 78 79 80 81 82 83 84 85 ... 113
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)