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Paganinis Fluch

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Paganinis Fluch
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»Palmcrona hat wahrscheinlich über viele Jahre hinweg Schmiergelder angenommen«, meint Joona nachdenklich. »Aber als er Björn Almskogs Erpresserschreiben bekam, trieb ihn die Sorge um, die Party könnte vorbei sein … also rief er jemanden an, wahrscheinlich Raphael Guidi … Im Laufe des Gesprächs musste er dann jedoch erkennen, dass er austauschbar war … und wegen des Fotos als Unsicherheitsfaktor betrachtet wurde. Er war für die Leute, die Geld in dieses Geschäft investiert hatten, zu einem Problem geworden. Sie waren nicht bereit, seinetwegen ihr Geld zu verlieren und Kopf und Kragen zu riskieren.«

»Deshalb nimmt er sich das Leben«, sagt Saga und springt schneller.

»Er ist fort … und übrig bleiben nur das Foto und der Erpresser.«

»Also wird ein Profikiller angeheuert«, fährt sie außer Atem fort.

Joona nickt, und sie beginnt, mit angezogenen Knien zu springen.

»Wenn Viola nicht in letzter Sekunde mitgekommen wäre, hätte er Björn und Penelope ermordet und das Boot versenkt«, sagt Joona.

Saga erhöht nochmals das Tempo und bleibt dann stehen.

»Wir hätten … Wir hätten das Ganze als Unfall abgetan«, keucht sie. »Er hätte das Foto an sich genommen, die Daten auf allen Computern gelöscht und spurlos, vollkommen unsichtbar, das Land verlassen.«

»Aber so, wie ich ihn wahrnehme, fürchtet er sich im Grunde nicht davor, entdeckt zu werden, er ist nur pragmatisch«, erklärt Joona. »Es ist leichter, die Probleme zu lösen, wenn die Polizei nicht eingeschaltet ist, aber er konzentriert sich auf die Probleme … sonst würde er nicht die Wohnungen niederbrennen. Das erregt immerhin jede Menge Aufmerksamkeit, aber er will gründlich sein und Gründlichkeit hat bei ihm oberste Priorität.«

Saga stützt sich mit den Händen auf den Oberschenkeln ab, Schweiß tropft von ihrem Gesicht.

»Natürlich hätten wir die Wohnungsbrände früher oder später mit dem Bootsunfall in Verbindung gebracht«, sagt sie und richtet sich auf.

»Aber da wäre es längst zu spät gewesen«, erwidert er. »Der Auftrag des Killers lautet, alle Spuren zu vernichten und alle Zeugen auszulöschen.«

»Aber jetzt haben wir das Foto und Penelope Fernandez«, sagt sie lächelnd. »Der Problemlöser hat die Probleme nicht gelöst.«

»Noch nicht …«

Sie schlägt lose und prüfend gegen einen Sandsack, der von der Decke herabhängt, und sieht Joona anschließend nachdenklich an.

»In meiner Ausbildung hat man uns einen Film von einem Banküberfall gezeigt, bei dem du einen Mann mit einer defekten Pistole unschädlich machst.«

»Ich hatte Glück«, antwortet er.

»Ja.«

Er lacht, und sie nähert sich ihm, trainiert ein wenig Fußarbeit, umkreist ihn und bleibt stehen. Sie streckt die Arme mit offenen Händen aus und begegnet seinem Blick. Sie winkt ihn mit den Fingern sanft zu sich. Sie will, dass er versucht, sie zu schlagen. Er lächelt und versteht die Anspielung auf Bruce Lee: die winkende Hand. Er schüttelt den Kopf, lässt sie aber nicht aus den Augen.

»Ich habe gesehen, wie du dich bewegst«, sagt er.

»Dann weißt du ja Bescheid«, antwortet sie kurz.

»Du bist schnell und könntest mit deinem ersten Schlag eventuell einen Treffer setzen, aber danach …«

»Bin ich verschwunden«, ergänzt sie.

»Gute Idee, aber …«

Sie wiederholt ihre Geste, lockt ihn zu sich, diesmal jedoch etwas ungeduldiger.

»Aber du wirst wahrscheinlich zu viel Schwung haben.«

»Nein«, widerspricht sie.

»Probier’s aus, und du wirst sehen«, erwidert Joona.

Sie winkt ihm zu, aber er beachtet sie nicht weiter, sondern kehrt ihr den Rücken zu und geht Richtung Tür. Sie verfolgt Joona schnell und schlägt einen rechten Haken. Er zieht nur den Kopf ein, sodass ihr Schlag über seinen Kopf hinwegzischt. Als Fortsetzung seiner minimalen Bewegung wirbelt er herum, zieht seine Pistole und bringt sie gleichzeitig zu Fall, indem er ihr in die Kniekehle tritt.

»Ich muss dir was sagen«, sagt Saga schnell.

»Du meinst, dass ich recht hatte.«

»Bild dir bloß nichts ein«, entgegnet sie wütend und steht auf.

»Wenn man sich seinem Gegner mit zu viel Schwung …«

»Ich hatte nicht zu viel Schwung«, unterbricht sie ihn. »Ich habe abgebremst, weil mir etwas Wichtiges eingefallen ist, das …«

»Verstehe«, sagt er lachend.

»Es ist mir scheißegal, was du glaubst«, fährt sie fort. »Aber mir ist die Idee gekommen, dass wir Penelope als Köder benutzen können.«

»Wovon redest du?«

»Mir ist eingefallen, dass sie in eine andere Wohnung verlegt werden soll, und als ich zuschlagen wollte, kam mir im selben Moment eine Idee. Ich habe abgebremst, weil ich dich ja schlecht k .o. schlagen kann, wenn wir reden wollen.«

»Dann rede«, sagt er.

»Mir ist klar geworden, dass Penelope für den Killer ein Köder ist, ob wir es wollen oder nicht, sie wird ihn anlocken.«

Joona lächelt nicht mehr, nickt nur nachdenklich.

»Weiter.«

»Wir wissen nicht genau, ob er unseren Funkverkehr abhören kann, ob er alles hört, was über RAKEL gesagt wird … aber angesichts der Tatsache, dass er Penelope auf Kymmendö gefunden hat, liegt die Vermutung nahe.«

»Ja.«

»Er wird sie irgendwie finden, davon bin ich fest überzeugt. Und es ist ihm egal, dass sie unter Polizeischutz steht. Wir werden alles tun, um ihren Aufenthaltsort geheimzuhalten, aber, verdammt, es ist schlichtweg unmöglich, sie ohne Funkverkehr zu schützen.«

»Er wird sie finden«, bestätigt Joona.

»Ich habe mir Folgendes überlegt … Penelope wird so oder so zum Köder, bleibt die Frage, ob wir vorbereitet sein werden, wenn er kommt, oder ob wir es nicht sind. Wir werden sie natürlich wie geplant beschützen, aber wenn wir gleichzeitig die Fahndung darauf ansetzen, den Ort zu überwachen, könnten wir den Killer vielleicht fassen.«

»Das ist absolut richtig … du hast vollkommen recht«, sagt Joona.

Spende Boerse

76

Die sichere Wohnung

Carlos, Saga und Joona gehen eilig den langen Korridor hinab, der zu den Räumen des Staatsschutzes führt. Verner Zandén sitzt bereits auf einer weichen Couch und erwartet sie. Ohne Zeit mit einer Begrüßung zu verschwenden, ergreift er das Wort, sobald die anderen die Tür hinter sich geschlossen haben.

»Klara Olofsdotter von der Generalstaatsanwaltschaft ist eingeschaltet worden … Es ist ein großer Einsatz für die Landeskriminalpolizei und den Staatsschutz, aber wen zum Teufel versuchen wir eigentlich zu schnappen?«

»Wir wissen leider ausgesprochen wenig«, antwortet Saga. »Wir wissen nicht einmal, ob er allein arbeitet, es könnten einer oder mehrere Profis aus Belgien oder Brasilien sein oder ehemalige Experten des KGB oder eines anderen Geheimdienstes aus dem früheren Ostblock.«

»Es ist im Grunde nicht besonders schwer, unseren Funkverkehr abzuhören«, sagt Carlos.

»Der Killer weiß natürlich, dass Penelope Fernandez bewacht wird und es schwer sein könnte, zu ihr vorzudringen«, sagt Joona. »Aber manchmal müssen nun einmal Türen geöffnet werden, Leibwächter müssen abgelöst werden, und Essen wird angeliefert, sie will ihre Mutter sehen, einen Psychologen, sie soll den Fallanalytiker Niklas Dent treffen und …«

Er verstummt, als sein Handy klingelt, wirft einen kurzen Blick auf die Nummer im Display und drückt das Gespräch fort.

»Unsere oberste Priorität lautet selbstverständlich, Penelope Fernandez zu schützen«, erklärt Saga. »Aber indem wir das tun, bietet sich uns gleichzeitig die Möglichkeit, den Mann zu fassen, der mehrere unserer Kollegen auf dem Gewissen hat.«

»Ich muss euch wahrscheinlich nicht daran erinnern, dass er gefährlich ist«, sagt Joona. »Keiner von uns wird jemals einem gefährlicheren Menschen begegnen.«

*

Die sichere Wohnung liegt in der Storgatan 1 mit Fenster zur Sibyllegatan und Aussicht auf den Platz Östermalmstorg. Gegenüber gibt es keine Wohnungen, das nächstgelegene Haus auf der anderen Straßenseite steht mehr als hundert Meter entfernt.

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Главный герой
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