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Tutanchamun - das Buch der Schatten

Электронная книга - «Tutanchamun - das Buch der Schatten». Краткое содержание книги:

Ägypten im 10. Regierungsjahr von Tutanchamun. In Theben wird ein junger Mann grausam ermordet. Das ruft Rai Rahotep auf den Plan, den Obersten Wahrheitssucher der Stadt. Aber Rahotep muss nicht nur einen Mörder fangen: Jemand hat in den Gemächern von Tutanchamun ein Relief hinterlassen, auf dem eine schwarze Sonne eingekratzt wurde - eine eindeutige Drohung gegen den König. Rahotep tappt zunächst im Dunkeln. Als jedoch ein weiterer Mord geschieht und beim Opfer ein persönlicher Gegenstand Tutanchamuns gefunden wird, ahnt der Wahrheitssucher, dass die beiden Fälle zusammenhängen ...
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»Nun, das sind ja mal gute Neuigkeiten.«

»Du hast mir aber immer noch nicht gesagt, warum du hier bist. Und das macht mir ein bisschen Angst«, sagte er.

»Ich glaube, ich bin dahintergekommen, wie der Mann heißt, der die Objekte in den Malqata-Palast eingeschmuggelt hat. Der Mann, der das Leben und die Seele des Königs bedroht hat.«

Erfreut beugte Nacht sich vor.

»Ich wusste, dass du das schaffst.«

»Des Weiteren glaube ich, dass derselbe Mann sich auf so grausame Weise an dem Jungen und an dem toten Mädchen vergangen hat sowie an dem anderen toten Jungen.«

Jetzt machte Nacht einen bestürzten Eindruck.

»Derselbe Mann?«

Ich nickte.

»Und wer ist dieses hinterhältige Untier?«

»Ich werde es dir sagen, aber lass mich vorher bitte mit dem Jungen reden.«

Als der Junge zwei Paar Sandalen hörte, begann er, panisch zu wimmern.

»Hab keine Angst«, sagte Nacht mit sanfter Stimme. »Ich habe einen Herrn mitgebracht, der einer meiner ältesten Freunde ist und dich besuchen möchte.«

Der Junge entspannte sich. Ich setzte mich neben ihn. Er lag auf einem flachen Bett in einem angenehm kühlen Raum. Der größte Teil seines Körpers war nach wie vor bandagiert, und ein weiterer Verband war um seinen Kopf gewunden, um die entstellten Augenhöhlen zu verbergen. Die Einstichstellen, an denen man das Gesicht des Mädchens auf seines genäht hatte, waren inzwischen verheilt und hatten winzig kleine Narben hinterlassen, die aussahen wie Sterne. Der Anblick rührte mich so sehr, dass ich hätte weinen können.

»Mein Name ist Rahotep. Erinnerst du dich an mich?«

Er drehte den Kopf in meine Richtung und lauschte dem Klang meiner Stimme wie ein intelligenter Vogel, der über ein entferntes Verständnis der menschlichen Sprache verfügt. Und dann legte sich ein dankbares Lächeln auf seine Lippen.

Ich sah Nacht an, der aufmunternd nickte.

»Ich bin froh, dass es dir gut geht. Ich möchte dir gern ein paar Fragen stellen. Ich muss dich zu dem befragen, was passiert ist. Wäre das in Ordnung?«

Er hörte auf zu lächeln. Aber schließlich nickte er, allerdings nur zaghaft. Dadurch kam mir eine Idee.

»Wir werden Folgendes tun«, sagte ich zu ihm. »Ich werde dir eine Frage stellen, und du kannst dann entweder mit ja antworten, indem du mit dem Kopf nickst, oder aber du beantwortest sie mit nein, indem du den Kopf schüttelst. Kannst du das für mich tun?«

Langsam nickte er.

»Der Mann, der dir wehgetan hat: Hatte er kurzes, graues Haar?«

Der Junge nickte.

»War es ein älterer Mann?«

Wieder nickte er.

»Hat er dir etwas zu trinken gegeben?«

Der Junge zögerte einen Moment, dann nickte er.

Und nun fragte ich ihn, und dabei begann mein Herz, schneller und schneller zu schlagen:

»Hatten seine Augen eine irgendwie grau-blaue Farbe? Wie Steine in einem Fluss?«

Der Junge begann zu zittern. Er nickte, erst einmal, dann ein zweites Mal und dann immer und immer wieder. Er nickte und nickte und nickte und holte überhaupt nicht mehr Luft, als sei er vor lauter Angst vor der Erinnerung an diese eisigen Augen plötzlich dem Wahnsinn verfallen.

Nacht versuchte, den Jungen zu beruhigen, und legte ihm einen kühlen, feuchten Lappen auf die Stirn. Irgendwann hörte die Panikattacke auf. Ich wünschte, ich hätte ihm diese Qual ersparen können.

»Es tut mir leid, mein Freund, dass ich dich bitten musste, dich an solche Dinge zu erinnern. Aber du hast mir enorm geholfen. Ich werde dich nicht vergessen. Ich weiß, dass du mich nicht sehen kannst, aber ich bin dein Freund. Und ich gebe dir hier ein Versprechen. Niemand wird dir jemals wieder etwas zuleide tun. Darauf gebe ich dir mein Wort. Vertraust du mir?«, fragte ich ihn.

Und dann wartete ich, bis er schließlich langsam, misstrauisch und nur sehr zaghaft nickte.

Kaum dass wir wieder draußen waren, stellte Nacht mich zur Rede.

»Was war das denn?«

»Jetzt kann ich dir den Namen des Mannes nennen, der all diese Dinge verbrochen hat«, erwiderte ich. »Aber mach dich auf eine böse Überraschung gefasst. Du kennst ihn nämlich.«

»Ich?«, entgegnete Nacht, sowohl verwundert als auch mit einer gewissen Wut.

»Er heißt Sobek.«

Starr wie eine Statue und mit albern offenstehendem Mund stand mein alter Freund da.

»Sobek?«, wiederholte er ungläubig. »Sobek …?«

»Er war früher mal Ejes Leibarzt. Eje hat ihn rausgeschmissen und einen neuen eingestellt. Sobek hat er eine andere, weniger wichtige Aufgabe zugeteilt. Die geisteskranke Mutnedjmet zu versorgen. Nur hat er die auf sehr persönliche Weise versorgt. Er hat eine Opiumsüchtige aus ihr gemacht, und am Ende hat sie alles für ihn getan, was er wollte. Jetzt ist sie ebenfalls tot.«

Langsam sank er auf die nächstgelegene Bank, als habe das Übermaß an Informationen ihn völlig erschöpft.

»Du hast ihn also gefasst?«, fragte er.

»Nein. Ich habe keine Ahnung, wo er sich aufhält oder wo er als Nächstes zuschlagen wird. Und ich brauche deine Hilfe.«

Aber Nacht starrte weiter entsetzt vor sich hin.

»Was ist los?«, fuhr ich ihn an.

»Nun ja, er ist ein Freund. Das ist ein großer Schock für mich.«

»Bestimmt ist es das. Und du hast mich mit diesem Mann bekannt gemacht, auf dieser Terrasse hier. Damit hast du dich in keinster Weise schuldig oder gar zu einem Komplizen gemacht. Es bedeutet jedoch, dass du mir helfen kannst, ihn zu schnappen.«

Er schaute weg.

»Mein Freund, warum habe ich plötzlich das Gefühl, dass es da – wieder mal – etwas gibt, was du mir nicht sagst? Ein weiteres deiner Geheimnisse?«

Er antwortete mir nicht.

»Du musst mir meine Fragen klar verständlich und in vollem Umfang beantworten. Falls du dich weigerst, werde ich Zwangsmaßnahmen ergreifen müssen. Für Spielchen ist das Ganze hier zu wichtig, und dafür ist auch keine Zeit mehr.«

Er war verwundert über meinen Ton. Wir starrten einander an. Er sah, dass es mir ernst war mit dem, was ich gesagt hatte.

»Wir sind beide Mitglieder eines Geheimbundes.«

»Was für eine Art von Geheimbund?«

Nur äußerst widerwillig sprach er weiter: »Wir haben uns dem Streben nach Wissen um des Wissens willen verschrieben. Ich meine damit die Erforschung, Untersuchung und das Studium geheimen Wissens. Mit derart esoterischem Wissen kann man sich heutzutage nur noch im Untergrund befassen. Es ist unzulässig geworden. Vielleicht war es schon immer etwas, was nur eine eingeweihte Elite zu schätzen wusste, der Wissen über alles andere ging. Wir bewahren die alten Traditionen und die alten Weisheiten und setzen sie fort.«

»Wie?«

»Wir sind Eingeweihte«, stammelte er. »Wir erhalten die geheimen Rituale, die geheimen Bücher …«

»Jetzt kommen wir endlich voran. Und um was geht es in diesen Büchern?«

»Um alles. Medizin. Sterne. Zahlen. Aber sie haben alle eines gemeinsam.«

Er zögerte.

»Und was ist das?«, hakte ich nach.

»Osiris. Er ist unser Gott.«

Osiris. Der König, der gemäß der alten Geschichte einstmals die Beiden Länder regiert hatte, aber verraten und ermordet wurde und dann, durch die Liebe und Treue seiner Gemahlin Isis, aus dem Totenreich wiederauferstanden war. Osiris, den wir als einen Mann mit schwarzer oder grüner Haut als Sinnbild seiner Fruchtbarkeit darstellen – sein Geschenk der Wiederauferstehung und des ewigen Lebens –, der in die weißen Verbände des Todes gewickelt ist und den Krummstab, die Geißel und die Weiße Krone trägt. Osiris, von dem behauptet wird, dass er uns alle nach unserem Tod erwartet, um das Totengericht über uns zu halten, der Oberste Richter, der nur darauf wartet, unsere Beichte zu hören.

Ich lehnte mich zurück, und eine ganze Weile sah ich Nacht aufmerksam an. Mir war, als sei dieser Mann, den ich für einen engen Freund hielt, fast so etwas wie ein Fremder für mich geworden.

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