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Tutanchamun - das Buch der Schatten

Электронная книга - «Tutanchamun - das Buch der Schatten». Краткое содержание книги:

Ägypten im 10. Regierungsjahr von Tutanchamun. In Theben wird ein junger Mann grausam ermordet. Das ruft Rai Rahotep auf den Plan, den Obersten Wahrheitssucher der Stadt. Aber Rahotep muss nicht nur einen Mörder fangen: Jemand hat in den Gemächern von Tutanchamun ein Relief hinterlassen, auf dem eine schwarze Sonne eingekratzt wurde - eine eindeutige Drohung gegen den König. Rahotep tappt zunächst im Dunkeln. Als jedoch ein weiterer Mord geschieht und beim Opfer ein persönlicher Gegenstand Tutanchamuns gefunden wird, ahnt der Wahrheitssucher, dass die beiden Fälle zusammenhängen ...
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»Und der ist?«

»Ich biete Euch ein Bündnis an. Die Ehe.«

Sie tat so, als überrasche sie das.

»Die Ehe? Meine Trauerzeit hat gerade erst begonnen, und Eure eigene Gemahlin ist auch erst vor Kurzem gestorben. Und da sprecht Ihr schon von Ehe? Wie könnt Ihr nur so unsensibel sein? Menschen, die ehrliche Trauer empfinden, haben gewisse Rechte, und Menschen, die nur so tun, als würden sie trauern, müssen zumindest ein gewisses Maß an Anstand wahren.«

»Meine Trauer geht nur mich allein etwas an. Wir können diese Dinge ruhig jetzt schon besprechen, damit Ihr Zeit habt, sie Euch in Ruhe zu überlegen. Und zu gegebener Zeit die richtige Entscheidung zu treffen.«

»Ihr sprecht, als gäbe es nur eine mögliche Antwort.«

»Was aus mir spricht, ist die Leidenschaft, die ich empfinde«, erwiderte er, ohne dabei das Gesicht zu verziehen, »aber ich bin von ganzem Herzen überzeugt, dass es wirklich so ist.«

Sie sah ihn an.

»Ich habe Euch meinerseits einen Vorschlag zu unterbreiten.«

Misstrauisch sah er sie an.

»Und worum geht es dabei?«

»In schwierigen Momenten wie diesem ist man der großen Versuchung ausgesetzt, aus politischen Gründen Bündnisse einzugehen. Viele davon sind äußerst verlockend. Nur bin ich die Tochter von Königen, die dieses Reich zur größten Macht gemacht haben, die unsere Welt je gesehen hat. Mein Großvater hatte die Vision, diesen Palast und viele der Monumente dieser großen Stadt erbauen zu lassen. Ein anderer meiner Vorfahren, der große Thutmosis III., hat aus der Armee der Beiden Länder das beste Heer gemacht, das es je gegeben hat. Ein Heer, das Ihr jetzt zu großartigen Triumphen führt. Wie sollte ich die Macht, die mein Blut und mein Herz geerbt haben, also besser und verantwortlicher repräsentieren als dadurch, in Thutmosis’ Namen zu regieren und darauf zu vertrauen, dass ich auf die Unterstützung meiner treuen Offiziere zählen kann?«

Er lauschte, ohne eine Regung zu zeigen, dann stand er auf.

»Ein Name ist eine schöne Sache. Eine Dynastie ist eine schöne Sache. Allerdings ist das Königreich kein Spielzeug. Es besteht nicht nur aus Prunk und Palästen. Es ist eine grobschlächtige, schmutzige und kraftvolle Bestie. Und die muss mit nackter Willenskraft einer Autorität unterworfen werden, die sich nicht davor fürchtet, im Notfall all ihre Stärke unter Beweis zu stellen, um Macht auszuüben – gleichgültig, wie hoch der Preis ist. Und das ist Männersache.«

»Ich bin eine Frau, aber mein Herz ist zu dem gleichen Zorn und der gleichen Autorität fähig wie das Herz jedes Mannes. Glaubt es mir.«

»Vielleicht seid Ihr wirklich die Tochter Eurer Mutter. Vielleicht habt Ihr den Willen und die Courage, Eure Feinde einfach totzuschlagen.«

Sie musterte ihn.

»Unterschätzt mich nicht. Ich bin eine Frau, aber gelernt habe ich in der Welt der Männer. Ihr dürft versichert sein, dass ich Euer Angebot besonnen und genau erwägen werde.«

»Wir müssen Eure Erwägungen und die Möglichkeiten, die ich Euch offeriere, noch detaillierter besprechen. Ich stehe Euch jederzeit zur Verfügung. Ich habe nicht die Absicht, diese Stadt zu verlassen, solange die Situation nicht geklärt ist – zu unser beider Zufriedenheit. Ich bin als Privatmann hier, zugleich aber auch als Oberbefehlshaber des Heeres der Beiden Länder. Ich habe meinen Pflichten nachzukommen und werde das mit aller Härte und Präzision tun, wie mein Beruf es mir gebietet.«

Dann verneigte er sich, drehte sich um und entschwand.

43

So schnell ich konnte, arbeitete ich mich durch den Lärm und das Chaos der überfüllten Straßen auf Nachts Haus zu. Die Luft flirrte vor Helligkeit. Die Rufe der Straßenverkäufer und Mauleseltreiber ärgerten mich ebenso wie die Schreie der überall herumtollenden Kinder. Alle standen sie mir im Weg, ihretwegen kam ich nicht schnell genug voran. In meinem Hirn ging es zu, als würde dort jemand mit einem Messer auf Fliegen einstechen. Alles, was geschehen war, seit ich das letzte Mal hier gewesen war, kam mir vor wie ein seltsam hohler Traum, aus dem ich immer noch nicht wieder erwacht war. Sobek war irgendwo, und trotzdem war ich nicht in der Lage, ihn aufzuspüren. Wie konnte mir das gelingen? Ich musste an den Ort zurückkehren, an dem ich ihm zum ersten Mal begegnet war, und zu dem Menschen, der uns miteinander bekannt gemacht hatte.

Ich klopfte an die Tür. Vorsichtig wurde sie von Nachts Diener Minmose geöffnet. Es befriedigte mich sehr zu sehen, dass hinter ihm zwei Medjai mit gezogenen Waffen standen.

»Oh, Ihr seid es, Herr. Ich hatte gehofft, dass Ihr es seid.«

Ich betrat das Haus, wies mich den Wachen gegenüber aus, und Minmose erklärte mir, sein Herr sei auf dem Dach. Ich stieg die breiten Holzstufen hinauf und trat einmal mehr auf die elegante offene Terrasse. Mein alter Freund hatte es sich unter dem bestickten Sonnensegel bequem gemacht, erfreute sich an der leichten Brise aus dem Norden und brütete über einer Schriftrolle, genoss also den Luxus von Freizeit, von der ich in meiner Welt der Politik, der Machtkämpfe und der Verstümmelungen schon gar nicht mehr wusste, dass es sie gab. Beglückt, mich zu sehen, stand er auf.

»Du bist zurück! Die Tage sind so schnell vergangen, und ich dachte mir, inzwischen ist er bestimmt zurück, aber ich hörte nichts und –«

Er sah meinen Gesichtsausdruck und brach seine Begrüßungsrede mitten im Satz ab.

»Um Himmels willen«, stieß er besorgt hervor. »Was ist passiert?«

Wir setzten uns in den Schatten, und ich erzählte ihm, was sich zugetragen hatte. Da es ihm nicht möglich war, dabei still sitzen zu bleiben, stand er gleich wieder auf und begann, mit im Rücken verschränkten Armen um mich herumzutigern. Erst als ich vom Unfall des Königs und von seinem Tod erzählte, blieb er plötzlich wie versteinert stehen.

»Durch seinen Tod ist alles in Gefahr geraten, die gesamte Ordnung, die große Dynastie. Wir verfügen seit Jahrhunderten über Wohlstand und Stabilität, und jetzt ist das plötzlich alles in Gefahr. Das eröffnet anderen Wege, die Macht an sich zu reißen, Haremhab natürlich …«

Daraufhin erzählte ich ihm vom Auftritt des Generals im Palast.

Kopfschüttelnd setzte Nacht sich wieder hin und sah auf einmal so verunsichert und ängstlich aus, wie ich es noch nie zuvor bei ihm erlebt hatte.

»Wenn keine friedliche Einigung erwirkt wird, gibt es in den Beiden Ländern einen Bürgerkrieg«, murmelte er.

»Die Lage ist in der Tat katastrophal. Doch ist es möglich, dass Anchesenamun ihren Status und ihr Prestige dazu nutzt, genau das zu tun, was du sagst, eine friedliche Einigung zu erwirken.«

»Ja, sowohl Eje als auch Haremhab würden von einer Verbindung mit ihr profitieren«, sinnierte er.

»Nur so groß dieses Problem auch ist, in all seiner Tragweite«, sagte ich, »das, mein Freund, ist nicht der Grund, warum ich hier bin.«

»Ach du liebe Güte!«, meinte er ängstlich. »Was könnte denn noch schlimmer sein?«

»Zunächst einmaclass="underline" Wie geht es dem Jungen?«

»Er erholt sich langsam.«

»Kann er schon sprechen?«, fragte ich.

»Ich fürchte, mein Freund, dafür ist es noch ein bisschen zu früh. Er hat aber gut auf die Behandlung angesprochen und war inzwischen in der Lage, ein paar Worte zu sagen. Er hat nach seiner Familie gefragt und nach seinen Augen. Er will wissen, was mit seinen Augen passiert ist. Außerdem hat er gesagt, ein guter Geist habe in der Finsternis seines Leidens zu ihm gesprochen. Ein Mann mit einer freundlichen Stimme.«

Ich nickte und versuchte nicht zu zeigen, wie sehr mich diese letzte Bemerkung berührte.

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