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Mord im Garten des Sokrates

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Mord im Garten des Sokrates
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«Also gut, dann werde ich dich jetzt niederschlagen», sagte ich in übertriebener Lautstärke und griff nach dem Hammer.

Gleichzeitig reichte ich Myson das Stemmeisen und Bias den Dolch. «Hier, ich nehme den Holzstiel, damit ich dich nicht zu sehr verletze!»

Bias und Myson sahen mich an, als wäre ich nicht ganz bei Trost. Aber dann war es da, das Geräusch, auf das ich gewartet hatte. Das Kratzen eines Schuhs, ein unterdrückter Atemzug - keine zwei Schritte entfernt bei der Mauer hinter meinem Rücken. Ich nahm Bias das Licht aus der Hand und sagte: «Die hier wirst du nicht brauchen!» Dann wirbelte ich herum und schleuderte die Öllampe in die Nische, in der sie sich verbargen. Sie zerschellte genau über ihren Köpfen. Ein Schrei: einer der Männer stand in Flammen und rannte wie eine lebende Fackel auf uns zu. Myson hieb ihn mit dem Stemmeisen nieder, ohne auch nur einen Augenblick zu zögern. Die anderen hatte das brennende Öl verfehlt. Sie waren zu dritt, Strategionssoldaten, und schon drangen sie mit gezückten Schwertern auf uns ein. Aber der Moment der Überraschung war nicht mehr auf ihrer Seite. Der lag nun bei uns, und unsere Angreifer wussten nicht, was sie tun sollten. Hinter ihnen indessen trat eine vierte Gestalt aus der Dunkelheit, und die wusste es sehr wohl.

Ein Hammer kann eine furchtbare Waffe sein. Kein Wunder, dass er von manchem Barbarenvolk beinahe wie das Schwert verehrt wird. Noch ehe mein erster Angreifer nur ausgeholt hatte, zerschlug ich ihm das Schlüsselbein. Er ließ sein Schwert sinken und ging in die Knie. Der zweite Schlag zerbeulte seinen Helm; ohnmächtig fiel er zu Boden. Aus dem Augenwinkel sah ich Myson, der mit seinem zweiten Gegner kämpfte. Aber noch bevor ich ihm zur Hilfe eilen konnte, stellte sich mir der Feind in den Weg, den ich wie keinen anderen hasste und fürchtete. Zweimal wich ich dem Hieb seiner Klinge aus, zweimal parierte er meine Attacke, als ich die Augen in diesem hässlichsten aller Gesichter plötzlich im Triumph aufleuchten sah. Sein Schwert zielte genau auf mein Gesicht. Ich konnte die Schneide gerade noch mit dem Hammerstiel abblocken. Schon schlug er unbarmherzig ein zweites und ein drittes Mal zu. Zu spät erkannte ich, dass er gar nicht mich, sondern den Hammer hatte treffen wollen, dessen hölzerner Griff unter der Wucht des dritten Schlages zersplitterte. Ich war entwaffnet. Das Narbengesicht lachte auf und führte sein Schwert zum letzten Schlag. Ich schloss die Augen. Aspasia und die Kinder, Vater und Mutter, sie rief ich an im Augenblick des Todes. Doch der tödliche Streich blieb aus. Ich sah auf. Der Mörder ließ den Schwertarm sinken. Seine Augen waren starr. Das Leuchten des Triumphes war gewichen. Langsam drehte er sich um die eigene Achse. Mein Dolch steckte zwischen seinen Schulterblättern, hineingetrieben bis zum Schaft, und hinter dem Narbengesicht stand ein zitternder kleiner Bias, kaum größer als ein Knabe. Er hatte ihn erstochen und mir das Leben gerettet. Das Narbengesicht ging noch einen Schritt auf Bias zu, dann versagten ihm die Beine. Er stürzte und erhob sich nicht wieder, niemals wieder. Als der letzte der Angreifer begriff, was geschehen war, ließ er von Myson ab und floh. Ich wollte ihm nach, konnte mich aber nicht einmal mehr auf den Beinen halten und setzte mich einfach in den Staub. Dort begann ich zu weinen. Ich fühlte mich so kraftlos, als könnte ich mich nie wieder bewegen. Bias kam zu mir und setzte sich neben mich. Er zitterte immer noch am ganzen Körper. Nur Myson schien völlig unbeeindruckt. Er hob das Brecheisen drohend über den Kopf und schickte dem Fliehenden einen Fluch aus seiner Heimat hinterher, der die Götter erröten lassen musste.

Es dauerte eine Weile, bis ich wieder halbwegs Herr meiner Sinne war und die Todesangst, die ich erlitten hatte, mich zugunsten einer rauschhaften Freude über das Leben verließ. Bias' Frau, die Zwergin, war, vom Lärm des nächtlichen Kampfes geweckt, zwischenzeitlich erschienen, um ihren lieben Mann zu trösten.

Ihr erklärte er auch, was geschehen war: Gleich nachdem Myson mit seinem ersten Schlag den brennenden Soldaten niedergestreckt hatte, war Bias aus dem Flammenschein in die Dunkelheit getreten, um den Kampf aus dem Verborgenen zu verfolgen und einzugreifen, sobald er es vermochte. Dieser Vorsicht des Kleinwüchsigen schuldete ich mein Leben, und weinend vor Dankbarkeit und Glück umarmte und küsste ich ihn wie ein Kind. Bias aber saß nur traurig neben seiner Frau und wollte sich so gar nicht freuen.

«Entschuldige», hörte ich ihn leise in ihr Ohr flüstern. Sie nickte und weinte. Da verstand ich. Der geflohene Soldat hatte gesehen, wie Bias uns geholfen hatte. Danach blieb ihm und seiner Frau gar nichts anderes mehr übrig, als die Stadt und das Gefängnis, das ihnen doch ein Zuhause war, zu verlassen. Hier in Athen war ihr Leben verwirkt, daran gab es keinen Zweifel.

«Wir gehen nach Piräus», sagte ich dem Zwergenpaar, «ein Freund von mir lebt dort. Ich bin sicher, er nimmt euch auf. Ihr müsstet ihn kennen. Es ist Chilon, der Arzt.»

Bias nickte. «Ich denke, es ist das Beste, wir packen unsere Sachen gleich», sagte er seiner weinenden Frau. Tapfer wischte sie sich die Tränen von den Wangen und erhob sich.

In dem Moment hörten wir ein Stöhnen. Der Soldat, dem ich das Schlüsselbein zerschlagen hatte, erwachte allmählich aus seiner Ohnmacht. Immer noch mit dem Brecheisen in der Hand ging Myson auf den am Boden liegenden Mann zu und riss ihm den Helm vom Schädel. Das Gesicht, das dabei zum Vorschein kam, kam mir bekannt vor. Myson hob die Waffe.

«Lass ihn, Myson», bat ich meinen alten Schreiber und erhob mich schwerfällig, um den Mann aus der Nähe zu betrachten. In dem noch jungen Gesicht standen Schmerz, Furcht und Schrecken, aber es bestand kein Zweifel, ich hatte diesen Soldaten schon einmal gesehen. Damals war er kaum älter als zwanzig gewesen und hatte keinen Waffenrock getragen. Ich beugte mich zu ihm, nahm seinen Kopf zwischen meine Hände und sah ihm starr in die Augen.

«Du weißt, wer ich bin?» Der Soldat nickte. Er stank nach Angst. Damals hatte er gelacht, wie ich vor ihm am Boden lag.

«Wer hat euch geschickt?»

«Der Hauptmann», erwiderte er angestrengt.

«Und damals?»

Der Soldat antwortete nicht, aber einen Wimpernschlag lang hatte sich sein Ausdruck verändert. Er wusste genau, wovon ich sprach; und je länger ich in dieses ängstliche Gesicht sah, desto klarer erinnerte ich mich daran, wie er über mir gestanden, mich ausgelacht und mir dabei in die Rippen getreten hatte. Und dabei ergriff mich ein alter Zorn.

«Antworte, oder ich erwürge dich!», sagte ich drohend. Jedes Wort meinte ich ernst, und er wusste das. Endlich musste sich auch dieses Rätsel lösen. Bald gab es keinen Zweifel mehr, dass nur Kritias hinter dem Anschlag auf mich stecken konnte.

«Antworte», befahl ich ein letztes Mal.

«Anaxos», flüsterte er erstickt.

Anaxos? Erst glaubte ich, ich hätte mich verhört. Dann wieder konnte ich nicht glauben, was ich gehört hatte. Anaxos? Ich schüttelte den Soldaten und presste ihm den Ellbogen auf seine zerschundene Schulter, bis er sich vor Schmerz wand.

«Wer?», brüllte ich ihn an. «Sag mir seinen Namen!»

«Anaxos!», sagte er, die Stimme vom Schmerz schon beinahe erstickt, und noch einmal leise: «Anaxos.» Und mit dieser Antwort floh seine Seele wieder in die Ohnmacht, in der sie den Körper vor dem Schmerz und den Geist vor der Angst bewahren konnte.

V

wir bildeten eine merkwürdige Prozession, wie wir uns da gemeinsam auf den Weg nach Piräus machten: ein Zwergenpaar, das einen Karren mit Töpfen, Pfannen und sonstigem Hausrat hinter sich herzog, ein alter Mann mit so vielen Buchrollen auf dem Rücken, wie er nur tragen konnte, und der ehemalige Hauptmann der Toxotai mit Bogen und Waffenrock.

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